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Versprecher und ihre Klassifikation in der Psycholinguistik

Titel: Versprecher und ihre Klassifikation in der Psycholinguistik

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2015 , 18 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Julia Paschen (Autor:in)

Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
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Der Versprecher, auch „lapsus linguae“ (Fehler beim Sprechen) genannt, ist ein alltägliches Phänomen, welches jedem Sprecher unfreiwillig widerfährt. Es ist egal, ob dieser ein geübter Redner ist oder nicht. Bereits seit Ende des neunzehnten Jahrhunderts beschäftigten sich etliche Linguisten mit Versprechern, ihrer Entstehung im Sprachzentrum des Gehirns und damit, welche Rückschlüsse sie auf den Aufbau des mentalen Lexikons zulassen.

Die Untersuchung von Versprechern in der Psycholinguistik beschäftigt sich mit psychischen, mentalen, physiologischen und kognitiven Vorgänge bei der Sprachproduktion. Eine Funktion von Sprache ist es, Gedanken darzustellen und mitzuteilen. Versprecher gibt es jedoch nicht nur in der Sprache, sondern auch beim Schreiben („lapsus calami“) und als Gedächtnisfehler („lapsus memoriae“).

Wie Sprachproduktion entsteht, wird anhand von mindestens drei Phasen in einem Sprachproduktionsmodell festgelegt. In der ersten Phase geht es um die gedankliche und inhaltliche Planung, in der zweiten Phase erhalten die Inhalte ihre richtige sprachliche Form und in der letzten Phase werden die sprachlichen Formen in Laute umgewandelt und realisiert. Eine bewusste Planung geht somit voran, jedoch geschieht die Ausführung ohne bewusste Kontrolle. Beim Sprechen greift der Mensch auf seinen eigenen Wortschatz zurück, das eigene mentale Lexikon.

Dieses mentale Lexikon ist nicht alphabetisch sortiert, sondern nach Bedeutungszugehörigkeiten geordnet. Verben wie „gehen“, „laufen“, „rennen“ befinden sich an einem Ort, genauso Nomen wie „Sofa“, „Couch“ und „Sessel“. Aufgrund dessen entstehen einige Versprecher bei Wörtern, die semantische Gegensätze ausdrücken, aber in dem mentalen Lexikon eine Bedeutungszugehörigkeit haben. Außerdem sind phonetisch ähnliche Wörter in dem mentalen Lexikon ebenfalls so abgespeichert, das es die Verwechselungsgefahr steigert.

Definitorische Probleme sind Gegenstand des ersten Kapitels dieser Arbeit. Des Weiteren sind nicht nur der Ursprung und die Definition für Linguisten und Forscher interessant, sondern auch die Klassifikation von Versprechern, die jeweiligen Versprechertypen, Versprechertheorien und Reparaturen, die anhand von Beispielen genauer erläutert werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Entstehung von Versprechern

3. Klassifikation von Versprechern aus linguistischer Perspektive

3.1 Kategorisierung von Versprechern in der Versprecherforschung

3.2 Versprechertypen nach Thomas Berg

4. Psychoanalytische Perspektive

4.1 Freud’sche Fehlleistung

5. Reparaturen

5.1 Was sind Reparaturen?

5.2 Die vier Klassen der Selbstreparaturen und ihre Phasen

6. Zusammenfassung & Anwendung der Theorien anhand eines Beispiels

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das psycholinguistische Phänomen von Versprechern, deren Klassifizierung sowie die zugrunde liegenden Mechanismen der Sprachproduktion und Fehlerkorrektur. Ziel ist es, ein Verständnis für die Entstehung von Sprechfehlern bei kompetenten Erwachsenen zu entwickeln und theoretische Erklärungsansätze mit praktischen Anwendungsbeispielen zu verknüpfen.

  • Grundlegende Definition und psycholinguistische Einordnung von Versprechern
  • Linguistische Klassifikationsmodelle (u.a. nach Thomas Berg)
  • Psychoanalytische Perspektiven (Freud’sche Fehlleistung)
  • Mechanismen und Klassen der Selbstreparatur (nach Levelt und Schegloff et al.)
  • Analyse von Sprechfehlern anhand von Praxisbeispielen

Auszug aus dem Buch

3.2 Versprechertypen nach Thomas Berg

Thomas Berg hat um die verschiedenen Kriterien für die Klassifikation von Versprechern ein Klassifikationsschema erstellt, welches drei Ebenen enthält und mit denen jeweils eine Beschreibung der Fehlleistung, Ursachenerklärung und die Erfassung der Größe der involvierten Einheit aufzeigen (s. Anhang: Tabelle 1, Berg 1988, S.15-16). Nach Thomas Berg ist es zunächst wichtig Deskription und Explikation voneinander zu unterscheiden. Ziel dieser Trennung ist es, sichtbare und interpretative Eigenschaften aufzuzeigen und sie zu unterscheiden. Die deskriptive Ebene ist bemüht, eine möglichst theoriefreie Erfassung der Unterschiede zwischen tatsächlicher und geplanter Äußerung aufzuzeigen. Auf der explikativen Ebene wird versucht, die Fehlleistung linguistisch bzw. psycholinguistisch zu erklären (Berg 1988, S. 16).

Die Perseveration kann man als eine wiederholte und durch sie ersetzte Einheit definieren. Ein sprachliches Element welches richtig realisiert wird, tritt noch einmal an einer fehlerhaften Stelle auf. Bei einer Antizipation wird ein Element einer Äußerung vorweggenommen bzw. vorgezogen. Laute werden zu früh realisiert. Die Perseveration ist demnach das Gegenstück zur Antizipation. Zur deskriptiven Ebene gehört die Substitution, die durch „die Ersetzung eines korrekten Elements durch ein falsches“ definiert wird. Oftmals sind die beiden Wörter semantisch und formal ähnlich, so dass sie schnell vertauscht werden. Ein Beispiel ist dafür „Quiero invetir en una caza“ anstatt von „Quiero invetir en una casa“. „Casa“ wäre in diesem Fall richtig, aber dadurch, dass in dem Beispiel nur ein Buchstabe vertauscht wurde, klingen die Wörter sehr ähnlich.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Versprecher ein, definiert diese als alltägliches Phänomen und beleuchtet die Bedeutung der Untersuchung für psycholinguistische Sprachproduktionsmodelle.

2. Definition und Entstehung von Versprechern: Es wird geklärt, dass Versprecher als Performanzfehler gelten, und es erfolgt eine Abgrenzung von Sprachfehlern, die durch pathologische Ursachen oder Spracherwerbsprozesse bedingt sind.

3. Klassifikation von Versprechern aus linguistischer Perspektive: Das Kapitel befasst sich mit der systematischen Kategorisierung von Versprechern und stellt die theoretischen Ansätze von Rudolf Meringer und Thomas Berg vor.

4. Psychoanalytische Perspektive: Hier wird Sigmund Freuds Modell der „Freud’schen Fehlleistung“ erläutert, das Versprecher als Ausdruck unbewusster Motivationen interpretiert.

5. Reparaturen: Dieses Kapitel definiert Reparaturmechanismen als Fehlerkorrekturprozesse und unterteilt diese in vier spezifische Klassen der Selbstreparatur und Fremdreparatur.

6. Zusammenfassung & Anwendung der Theorien anhand eines Beispiels: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Theorien zusammen und illustriert ihre praktische Anwendung durch die Analyse eines realen Versprechers aus einem Interview.

Schlüsselwörter

Versprecher, Psycholinguistik, Sprachproduktion, Mentales Lexikon, Klassifikation, Thomas Berg, Freud’sche Fehlleistung, Reparaturen, Selbstreparatur, Performanzfehler, Sprachfehler, Sprachwissenschaft, Antizipation, Perseveration, Linguistik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt das psycholinguistische Phänomen der Versprecher, untersucht deren linguistische Klassifikation sowie die Mechanismen der Selbstkorrektur bei erwachsenen Sprechern.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Felder umfassen die Definition von Sprechfehlern, linguistische Klassifikationsmodelle, psychoanalytische Deutungsansätze von Fehlleistungen und die systematische Untersuchung von Reparaturprozessen bei der Sprachproduktion.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die Entstehung von Versprechern durch psycholinguistische Modelle zu erklären und aufzuzeigen, wie Sprecher ihre eigenen Fehlleistungen monitoring-basiert erkennen und korrigieren.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung bestehender psycholinguistischer Literatur und wendet diese Modelle an, um praktische Fallbeispiele – wie das eines Fußballers – systematisch zu analysieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Kategorisierung von Versprechern nach linguistischen Kriterien, die Interpretation von Fehlern durch die Psychoanalyse sowie die Einteilung von Reparaturstrategien in verschiedene Klassen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Typische Schlüsselbegriffe sind Versprecher, Sprachproduktion, Mentales Lexikon, Reparatur, Fehlleistung und Psycholinguistik.

Wie unterscheidet sich die deskriptive von der explikativen Ebene nach Thomas Berg?

Die deskriptive Ebene erfasst theoriefrei die beobachtbaren Unterschiede zwischen geplanter und tatsächlicher Äußerung, während die explikative Ebene versucht, die zugrunde liegenden psycholinguistischen Ursachen für diese Abweichung zu erklären.

Warum ist das Monitoring bei Selbstreparaturen so entscheidend?

Das Monitoring ermöglicht es dem Sprecher, eine Diskrepanz zwischen seinem Sprechplan und der Realisierung zu bemerken, was die notwendige Voraussetzung für die Einleitung einer Selbstreparatur darstellt.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Versprecher und ihre Klassifikation in der Psycholinguistik
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Romanische Philologie Spanisch)
Veranstaltung
Das mentale Lexikon des Spanischen
Note
1,7
Autor
Julia Paschen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V344577
ISBN (eBook)
9783668378568
ISBN (Buch)
9783668378575
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Versprecher Psycholinguistik Romanistik Spanisch Romanische Philologie Linguistik Versprechertypen Psychoanalytische Perspektive Freud'sche Fehlleistung Reparaturen Selbstreparaturen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Julia Paschen (Autor:in), 2015, Versprecher und ihre Klassifikation in der Psycholinguistik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344577
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  18  Seiten
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