Das Interview. Geschichte und rechtliche Aspekte

Rechte und Pflichten des Interviewers und des Interviewten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Interview im Allgemeinen
2.1 Was ist ein Interview?
2.2 Die Entstehungsgeschichte des Presse-Interviews
2.3 Interviewmethoden, Vorbereitung und Durchführung

3. Rechte und Pflichten
3.1 Grundsätze des Persönlichkeitsrechts
3.2 Das Urheberrecht
3.3 Haftungen für inhaltliche Aspekte

4. Fallbeispiel und Fazit
4.1 „Der Bangemann-Fall“

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Geschichte des Interviews: Rechte und Pflichten des Interviewers und Interviewten

1. Einleitung

Das Befragen anderer Menschen findet seit Beginn der Menschheit statt. Auf diese Weise wird die Neugier gestillt. Die journalistische Befragung, das Interview, welche erst im 19. Jahrhundert entstand, ist eine beabsichtigte und verbale Kommunikation zwischen einem Journalisten und dem Interviewpartner in Frage-Antwort-Form. Man kann diese Art von Kommunikation nicht mit Alltagsgesprächen gleichsetzen. Zwar geht es hierbei auch um Alltagskommunikation, jedoch erzeugt die „Künstlichkeit“ des Interviews eine gewisse Spannung. Diese Künstlichkeit geschieht durch die Zielsetzung und die Geplantheit. Es gibt mittlerweile unterschiedliche Interviewformen und Techniken, die zu einem professionellen Journalismus gehören. Das war nicht immer so.

Das Interview findet seine Wurzeln in der Antike und entwickelte sich seit dem weiter. Die Entwicklung der Fragetechnik sieht man am Beispiel des sokratischen Dialogs. Durch diese Technik erlangt der Befragte eine Selbsterkenntnis (http://www.ztg.tu-berlin.de/download/legewie/Dokumente/Vorlesung_7.pdf). Durch gezielte Fragen und Gegenfragen werden dem Interviewpartner seine Freiheiten und Gestaltungsmöglichkeiten klarer. Der Dialogpartner muss reflektieren und bestimmte Werte definieren können (http://www.nlp-spectrum.de/ressourcen-pool/sokratischer-dialog.html). Die Entwicklung des Interviews setzte sich in Zeitungen fort. Die New Yorker Zeitung „Nation“ verfasste unter der Rubrik „interviewing“ am 28.01.1869 einen Kommentar und verspottete diejenigen Journalisten und Reporter, die sich zu dem Zeitpunkt mit Interviews beschäftigten. Der Reporter Joseph Burbridge McCullagh („ New Yorker Associated Press“) führte den Begriff „ The Interview“ zwei Jahre zu vor ein. Das Wort „The Interview“ stammt von der englischen Hofsprache und wird mit „Zusammentreffen“ übersetzt. Nach dem das Interview erst an der Ostküste der USA populär wurde, zeichnete sich auch in England ein Trend ab.

Daraufhin erlangte die Art der Befragung auch im deutschen Raum viel Zuspruch (Haller 2005, S. 21). Der Journalist möchte das Interview so spannend wie möglich gestalten. Allerdings hat dieser auch keine volle Handlungsmacht. Der Partner besitzt eine Menge Rechte gegenüber dem erstellten Interview. Demnach kann der Journalist nicht alles veröffentlichen, was er möchte. Urheberrechtlich ist der Partner genauso wie der Journalist an der Veröffentlichung beteiligt. Zwischen beiden Parteien gelten bestimmte Regeln an die man sich halten muss.

2. Das Interview im Allgemeinen

2.1 Was ist ein Interview?

Ursprünglich kommt der Begriff „Interview“ aus dem französischen. „Entrevoir“ und bedeutet übersetzt „einander begegnen“ oder „sich kurz sehen“. Ein Interview ist eine Art von Befragung und dient der Informationsgewinnung durch Fragen. Der Journalist versucht mit einer geschickten Fragestellung dem Befragten eine Antwort zu entlocken. Daraufhin werden die wichtigsten Informationen herausgefiltert und sprachlich verschönert. Ein Interview kann für eine Reportage, einen Bericht oder ein Portrait behilflich sein (http://deutschsprachige-literatur.blogspot.de/2011/06/textsorte-interview.html).

Die Fragen sollten sich auf die Antworten beziehen. Dadurch wirkt das Interview glaubhafter. Außerdem sollte es asymmetrisch sein. Das heißt, dass der Interviewer fragt und der Befragte antwortet. Der Interviewer sollte nicht auf die Gegenfragen des Befragten eingehen. Falls der Interviewer antwortet, wird das Interview zu einem Gespräch. Ziel eines Interview ist es durch O-Töne den Informationsgehalt lebendig zu gestalten. Die originellen Aussagen ermöglichen den Informationsgehalt unverfälscht zu präsentieren. Des Weiteren kann sich der Empfänger besser mit der Person identifizieren (Friedrichs 2005, S.11-12).

Das Interview ist zu einer der populärsten Darstellungsform im Bereich des Journalismus geworden. Die Menschen werden täglich damit konfrontiert. Sei es im Fernsehen, im Radio oder in der Zeitung. Durch die lebhafte Darstellungsform und die Authenzität ist es für die Zuschauer oder Leser spannender, als ein erzählender Bericht. Um ein Interview so gut wie möglich zu führen, sollte man sich auf die Person und das Gespräch gut vorbereitet haben, über eine gute Rhetorik verfügen, spontan bei unerwarteten Vorkommnissen sein und psychologische Kenntnisse im Umgang mit Menschen besitzen. Dabei lässt der Interviewer seine eigene Meinung raus, um den Befragten nicht zu beeinflußen (http://www.fachjournalist.de/PDF-Dateien/2012/05/FJ_5_2002-Journalistisches-Interview-1_Interviewarten-und-Befragungsmethoden.pdf).

2.2 Die Entstehungsgeschichte des Presse-Interviews

Die Entstehungsgeschichte des Interviews beginnt in den USA. Der Reporter Joseph Burbridge McCullagh, der für die Zeitung „New Yorker Associated Press“ schrieb, veröffentlichte 1867 erstmals das Frag-Antwort-Spiel. Die New Yorker Zeitung „Nation“ kritisierte diese Art von Befragung. Die Kritik schien ungerechtfertigt, da das Interview immer mehr Anhänger fand. Angefangen mit der Ostküste der USA und kurze Zeit später wurde es auch in England populär und daraufhin in Deutschland. Pall Mall Gazette, eine bekannte englische Abendzeitung, schrieb am 31.12.1884: „Unter den Errungenschaften des letzten Jahres sollte der Siegeszug des Interviews im englischen Journalismus erwähnt werden“.

Zehn Jahre später übernahm das Meyers Konversationslexikon das Wort Interview und definierte es wie folgt: „Interview= Zusammenkunft. Interviewer, Vertreter oder Berichterstatter einer Zeitung, welcher zum Zweck publizistischer Verwertung Persönlichkeiten von hervorragender Bedeutung besucht und sie über ihre Meinung und Absichten ausfragt. Das Interview ist von englischen und amerikanischen Zeitungen ausgegangen und dann in allen übrigen Ländern nachgeahmt worden“ (Zit. Nach H. Dittmar 1961).

Der Journalismus war in Amerika weit aus emanzipierter als in Deutschland. Im Jahre 1832 entstanden in Deutschland strengere Zensurbestimmungen, so dass deutsche Journalisten keine Chancen hatten, Ideen zu entwickeln. Hingegen konnten sich amerikanische Zeitungen frei entfalten. Jedoch waren sich Zeitungshistoriker unsicher wann das erste Interview publiziert wurde. Das lag daran, dass Definitionsschwierigkeiten zugrunde lagen. Nils Gunnar Nilson, ein schwedischer Journalist und Medienforscher, behauptete, dass das Interview schon in den 30 er Jahre populär war. Nicht für politische Zwecke, sondern sie traten in Form von Polizeiberichten auf. Genau genommen in den „human interest stories“ (Haller 2001, S.21-23). Hierbei handelt es sich um ein Bericht oder eine Geschichte, die ähnlich wie ein Zeitungsbericht aufgebaut ist. Durch die Beschreibung der Situation und Probleme kann sich der Leser besser mit der Person identifizieren http://dictionary.reference.com/browse/human-interest+story).

Der Polizeireporter James Gordon Bennett führte 1935 wörtliche Dialoge ein, um den Bericht lebendiger zu gestalten. „There is a moral-a principle- a little salt in every event of life- why not extract it and present it to the public in a new and elegant dress“ (Zit. nach Nilsson 1971), sagte Bennett. Am 16.04.1836 gab der Polizeireporter schriftlich ein Gespräch in Verhörmethode wieder. Angeklagt war die Kronzeugin und Mordverdächtige Rosina Townsend (http://othes.univie.ac.at/26397/1/2013-02-13_0403284.pdf). Er verwendete hierbei Human-Interest-Fragen. Seitdem gilt dieses Zeugen-Verhör als das erste journalistische Interview und war gleichzeitig ein neuer Erzählstil für die Polizeireporter. Jedoch ist das politische Interview auf McCullaghs zurückzuführen. Im Jahre 1864, nach Kriegsende, wurde er Senatsreporter in Washington für die Zeitung „New York Associated Press“. Dort pflegte er Kontakte zu Politkern, die ihn als Journalisten sehr schätzten. Mit dem Vertrauen der Politiker und seiner zitierenden Darstellungsform wurde McCullaghs berühmt. Das Interview war für den Befragten und für den Interviewer von nutzen. Durch das lebendige Gespräch mit einem Prominenten, wurden Zeitungen viel beliebter und demnach stieg die Verkaufszahl. Andererseits bot die Zeitung auch eine Plattform für die prominenten Persönlichkeiten. Sie hatten dadurch die Chance ihre Meinung offen kund zu tun. McCullaghs führte die Interviews sehr direkt. Durch die fachliche Autorität des Befragten und die publizistische Autorität des Fragenden, hatte der Befragte und der Interviewer eine bestimmte Rolle. Pall Mall sagte im Jahr 1884 „der Interviewte bestimmt den Inhalt, der Interviewer die Form“. (Haller 2005, S,23-26.)

In Deutschland war diese Form des Interviews noch unbekannt. In den Zeitungen wurden Meldungen publiziert, die von längeren Statements stammten. Oder es wurde ein zitierter Bericht veröffentlicht. Grund dafür war allerdings auch die Pressezensur. Das „Gesetz zum Schutz der Republik“, welches 1922 bestimmt wurde, verbot Druckerzeugnisse. Im Jahr 1931 gab es 224 Verbote. Interviews dienten als Politik-Instrumente und Eigenreklame. Das Interview diente somit als Bühne, welche vor allem NS-Größen nutzten. Im Gegensatz zu der Intention früher das Interview als Propaganda-Instrument zu nutzen, wurde das moderne Interview nach Ende des Nationalsozialismus entwickelt. An diese Interviewform beteiligen sich noch heute die Mediensysteme Hörfunk, Print und Fernsehen (Haller 2005, S. 27-35).

2.3 Interviewmethoden, Vorbereitung und Durchführung

Durch die Entwicklung des Interviews entstanden auch unterschiedliche Interviewformen, die von Journalisten verwendet werden. Der Journalist unterscheidet zwischen standardisiertem, halbstandardisiertem und nicht-standardisiertem Interview. Das Interview wird anhand eines Fragebogens geführt. Reihenfolge und Formulierungen wurde im Vorfeld festgelegt. Der Befragte hat demnach keinen großen Spielraum für seine Antwort. Diese Interviewform lässt einen genauen Vergleich zwischen Befragten zu und ist leichter auszuwerten. Bei dem halb-standardisiertem Interview ist der Fragebogen hingegen nicht vollständig festgelegt. Zwar ist ein Fragenschema vorhanden, jedoch hat der Interviewer die Möglichkeit weitere Fragen zu stellen. Das Interview wirkt dadurch natürlicher. Es entsteht eine vergleichbare alltägliche Gesprächssituation. Die freieste Interviewform ist das nicht-standardisierte Interview. Die Reihenfolge der Fragen wurde nicht festgelegt und der Interviewer kann aus der Situation heraus handeln. Die Auswertung ist bei dieser Form allerdings zeitaufwendiger. Welche Interviewform gewählt wird, hängt von verschiedenen Aspekten ab: Der zu befragende Personenkreis, die Größe des Personenkreises und die konkrete Fragestellung des Forschers. Die ökonomischen und organisatorischen Möglichkeiten sind Aspekte, die die Wahl der Interviewform beeinflussen.

Ein Interview kann mündlich geführt. Bei einem mündlichen Interview unterscheidet man zwischen weichen, harten und neutralen Interviews. Bei einem weichen Interview hält sich der Interviewer weitgehend zurück, um den Befragten freie Entfaltungsmöglichkeiten zu garantieren. Hingegen dirigiert der Interviewer beim harten Interview so, dass der Befragte die Antworten spontan wiedergeben muss. Das neutrale Interview weist eine unpersönliche und sachliche Beziehung zwischen Befragten und Interviewer auf.

Des Weiteren gibt es schriftliche Interviews. Entweder füllt der Befragte in Anwesenheit des Interviewers einen Fragebogen aus, was man als persönliches, schriftliches Interview bezeichnet oder der Befragte sendet dem Interviewer einen Fragebogen per Post zu, der als postalische Befragung betrachtet wird.

Für beide Formen gibt es Vorteile und Nachteile. Bei einem mündlichen Interview herrscht eine persönliche Atmosphäre. Durch die Körperhaltung, Tonlage und Stimmung erfährt der Interviewer Zusatzinformationen und lernt den Befragten einzuschätzen. Jedoch kann Sympathie und Nervosität das Ergebnis verfälschen. Die schriftliche Befragung bietet dem Interviewten die Möglichkeit nachzudenken und eine ausführliche Antwort wiederzugeben. Diese Form ist unpersönlicher. Des Weiteren zählen zu den Befragungstechniken das Telefon-Interview, das Gruppen-Interview und das Tiefen-Interview (Pürer 1986, S.142-145).

Um ein vernünftiges Interview zu gestalten, muss der Journalist sich gut vorbereiten und ein Konzept erstellen. Des Weiteren sollte man sich überlegen, ein Vorgespräch mit dem Interviewpartner zu führen, um ihn bestmöglich auf das Interview vorzubereiten. Der Journalist muss sich vorab überlegen, zu welchem Thema der Interviewte Auskünfte geben soll. Darüber hinaus, welche Themen genau durchleuchtet werden. Wie zum Beispiel, der Interviewte dazu gebracht werden kann keine Floskeln zu verwenden und präzise zu sein. Ferner welche Themenbereiche für den Leser interessant wären. Außerdem muss sich der Journalist an die Vorgaben der Redaktion halten. Beispielsweise die Länge und das Thema des Interviews (http://www.fachjournalist.de/PDF-Dateien/2012/05/FJ_5_2002-Journalistisches-Interview-1_Interviewarten-und-Befragungsmethoden.pdf).

Während des Interviews sollte der Interviewer auf eine inhaltliche und eine emotionale Ebene mit dem Befragten kommunizieren. Während die inhaltliche Ebene dafür da ist, Informationen zu sammeln, kümmert sich die emotionale Ebene um die Gefühle und das gegenseitige Verständnis (Friedrichs 2005, S. 19).

3. Rechte und Pflichten

3.1 Grundsätze des Persönlichkeitsrechts

Das Persönlichkeitsrecht wurde im Jahre 1954 vom Bundesgerichtshof (BGH) bestimmt und vom Bundesverfassungsgericht (BVerfG) bestätigt. Es ist in dem Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art 1 Abs. 1 GG verankert und hat damit Verfassungsrang. Das Persönlichkeitsrecht besagt, dass das Privatleben der Individuen geschützt werden muss. Besonders für die Presse ist das allgemeine Persönlichkeitsrecht von Bedeutung, da es zeigt wo die Grenzen bei der Berichterstattung liegen. Falls der Protagonist aufgrund der Berichterstattung in seinem allgemeinen Persönlichkeitsrecht verletzt wird, hat dieser unterschiedliche Ansprüche, wie zum Beispiel Geldentschädigung oder Gegendarstellung. Die Träger des allgemeinen Persönlichkeitsrecht sind alle natürliche und juristische Personen, die auf einen strafrechtlichen Ehrschutz beschränkt sind (http://www.boehmanwaltskanzlei.de/allgemeines-persoenlichkeitsrecht).

Der Journalist muss sich demnach nicht nur für das Interview vorbereiten, sondern darauf achten, bestimmte Rechte und Pflichten zu befolgen. Die Intention von Rechten ist es, Journalisten mehr Handlungssicherheit zu geben und Missverständnisse vorzubeugen. Das Interview ist als eine zielgerichtete Befragung zu verstehen. Dieses dient dem Zweck der Ermittlung von gegenstands- und/oder personenbezogenen Informationen und dem Zweck, das Interview als Dialog darzustellen. Für die Veröffentlichung eines Interviews gelten im Bezug auf das Persönlichkeitsrecht sechs unterschiedliche Grundsätze. Der 1. Grundsatz hält fest, dass bei Veröffentlichung eines Interviews alle Beteiligten der Veröffentlichung zu stimmen, wenn sie in der Ausgabe des Interviews zu Wort kommen. Laut Grundsatz 2 kann diese Zustimmung mündlich oder schriftlich abgegeben werden oder auch durch „konkludentes Handeln“, wenn die Person vor laufender Kamera oder im Tonstudio Fragen beantwortet. In dem 3. Grundsatz wird festgelegt, dass die Rechte und Pflichten in einem Vertrag geregelt sein können. Selbst mündliche Absprachen gelten. Nach dem 4. Grundsatz richten sich Inhalt und Umfang der Einwilligung nach den im Journalismus branchenüblichen Regeln, falls keine vertragliche Vereinbarung geregelt wurde. Die Antworten des Befragten werden somit oftmals verschönert. Laut Grundsatz 5 hat der Interviewte nicht die Möglichkeit seine Einwilligung zu widerrufen, außer es besteht eine Verletzung des Persönlichkeitsrechtes. Das allgemeine Persönlichkeitsrecht wird nach Grundsatz 6 verletzt, wenn der Interviewpartner ausdrücklich keine Einwilligung abgegeben hat (Haller 2005, S. 281). Aus diesen Grundsätzen resultiert, dass der Befragte vor dem Interview eine Einwilligung zur Veröffentlichung des Interviews abgeben soll (Gebot der Zustimmung). Des Weiteren legt die explizite und stillschweigende Übereinkunft weitere Grundsätze zwischen Interviewer und Interviewten fest. Wenn bei geplanten Interviews im Vorfeld die Modalitäten geregelt wurden, wie zum Beispiel die Teilnehmerzahl des Interviews oder der Bildschnitt, liegt ein bindender Vertrag vor. Bei ad-hoc Interviews wird der Interviewverlauf besprochen. Nur durch Übereinkunft beider Seiten kann diese Unterhaltung in ein Interview umgewandelt werden. Falls keine Übereinkunft besteht, darf das Interview nicht veröffentlicht werden. Der Interviewpartner muss vor Veröffentlichung die Publikation oder eine Vorlage vorliegen haben und sie akzeptieren. Sie verlangen meistens ein Änderungsrecht am Manuskript. Jedoch verliert das Interview seinen dokumentarischen Wert, wenn es dementiert wird (Haller 2005, S. 282). Das gesprochene Wort gilt generell bei mündlichen Interviews. Aufgrund dessen ist es hilfreich, das Interview mit einem Diktiergerät aufzunehmen, um Beweise zu haben, falls es zu einem Streit kommt. Die Aufnahme mit einem Diktiergerät muss zu dem vorher mit dem Befragten abgeklärt werden. Wenn der Interviewer nur die Sprache verändert, um einen Lesefluss zu erhalten, brauch er die Vorlage nicht dem Interviewpartner vorlegen. Falls der Interviewte jedoch Einspruch einlegt, zählt das was er während des Interviews tatsächlich gesagt hat. Das können beide Parteien anhand der Aufnahmen des Diktiergerätes prüfen (Haller 2005, S. 281-285). Der Text wird ungefragt gekürzt, so lange der Sinn derselbe bleibt. Es dürfen keine neuen Aspekte genannt werden, die nicht zu vor abgesprochen wurden. Eine Verfälschung liegt vor, wenn der Verfasser des Interviews Ziel oder Gegenstand der Frage ändert. In diesem Fall würde das Persönlichkeitsrecht verletzt werden. Bei Änderung der Inhalte sollte die Redaktion dem Interviewpartner den fertigen Text zu kommen lassen. Bei Zustimmung kann man vermeiden, das Persönlichkeitsrecht zu verletzen. Falls die thematisierten Sachverhalte nicht mehr aktuell sind oder sich für den Interviewer bedeutende Umstände verändert haben, kann in diesen Fällen ein Widerruf rechtskräftig sein. In dem der Befragte seine Einwilligung widerruft, da eine Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte vorliegt (Haller 2005, S. 288-292).

3.2 Das Urheberrecht

Als Urheber wird jemand bezeichnet, der etwas verursacht oder schafft. Das Urheberrecht legt die Rechte der Komponisten, Schriftsteller, Bildhauer, Grafiker, Architekten, Maler, Fotografen, Choreografen, Regisseure, Wissenschaftler und sonstiger Autoren fest. Es handelt vom Schöpfer geistiger Leistung/Eigentum und regelt dieses (Schulze 2009, S.1). Das Urheberrecht schützt in § 2 UrhG neben der Wissenschaft, Literatur und Kunst auch Sprachwerke. Hierbei wird geregelt, wer über das Werk verfügen darf. Eine Verwendung kann nur vom Urheber genehmigt werden. Der Schutzumfang richtet sich nach der Individualität des Werkes. Je größer der Umfang des Interviews, desto schutzfähiger ist es (Schulze 2009, S. 22-23). „Urheber ist der die Formulierung des Interviews Gestaltende. Bei einem echten Zwiegespräch spricht die Vermutung für Miturheberschaft zwischen Interviewer und Interviewtem“ (Löffler/Ricker 1978, S. 316). Wird eine Interviewfrage prägnant und individuell, gestellt kann sie urheberrechtlich geschützt sein. Das gleiche gilt für die Antworten des Befragten. Sie sind nicht geschützt, wenn die Antworten sehr allgemein gegeben wurden. Das Landgericht Hamburg hat am 27.04.2011 entschieden, dass Interviewantworten geschützt sind, wenn die Aussage eines komplizierten Themas in einer für Laien leicht verständlichen Sprache wiedergegeben wird. Allgemein darf man urheberrechtlich Interviews nicht ohne die Zustimmung des Urhebers verwenden. Selbst der Befragte darf das Interview nicht ohne Zustimmung nutzen, falls keine Miturheberschaft besteht. Eine Zustimmung ist nicht erforderlich, wenn man sich auf das Zitatrecht (§ 51 UrhG) beziehen kann (http://www.derenergieblog.de/alle-themen/urheberrecht/fragwurdiges-vom-urheberrechtsschutz-fur-interviews/).

Das Zitatrecht ist demnach eine bedeutsame Schranke des Urheberrechts. Der Urheber muss somit damit rechnen, dass seine Werke verwendet werden. Er weiß allerdings auch, dass er dabei namentlich genannt werden muss. In dem Gesetz werden unterschiedliche Fallgestaltungen genannt. Das Zitatrecht erlaubt laut Fall Nr. 1 bei wissenschaftlichen Werken eine vollständige Übernahme. In einem selbstständigen Sprachwerk ist nur das Kleinzitat erlaubt. Es bedeutet, dass bei Fall 2 nur einzelne Passagen übernommen werden dürfen (Schulze 2009, S. 140-141). Je nach Fall sind Interviewfragen und/oder Interviewäußerungen schutzfähig oder nicht. Um festzustellen, ob diese schutzfähig sind, muss man die Fälle genau betrachten und alle (gestalterischen) Elemente einbeziehen (http://www.derenergieblog.de/alle-themen/urheberrecht/fragwurdiges-vom-urheberrechtsschutz-fur-interviews/).

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Interview. Geschichte und rechtliche Aspekte
Untertitel
Rechte und Pflichten des Interviewers und des Interviewten
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Medienrecht
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V344582
ISBN (eBook)
9783668342866
ISBN (Buch)
9783668342873
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medienrecht, Pressefreiheit, Interview, Journalist, Presse, Interviewformen, Urheberrecht, Persönlichkeitsrecht
Arbeit zitieren
Julia Paschen (Autor), 2013, Das Interview. Geschichte und rechtliche Aspekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344582

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