Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Darstellung eines der Teilgebiete der Soziolinguistik, nämlich die Erforschung des schichtenspezifischen Sprachverhalten und die existierenden Kommunikationshemmungen zwischen den verschiedenen Schichten einer Gesellschaft. Mitte der 50er und Anfang der 60er Jahre des 20 Jahrhunderts begann das Interesse zu diesem Thema zu wachsen und erfuhr einen regelrechten Boom in den 70er Jahren. Die bildungspolitische Situation weltweit fand zu dieser Zeit ihren Ausdruck in Schlagwörtern wie ‚Mobilisierung der Bildungsreserven’, ‚Chancengleichheit’, ‚kompensatorische Erziehung’ und ähnlichen. Die vorliegende Arbeit behandelt die Ansätze des britischen Bildungssoziologen Basil Bernstein - die s.g. „Theorie der linguistischen Codes“, auch bekannt als „Defizit-Hypothese“. Dazu ist vorab anzumerken, dass Bernstein zwischen 1958 und 1972 etwa 30 Aufsätze verfasst hat, in denen er stets den Grundgedanken seiner Theorie definitorisch und konzeptuell modifiziert hat. Somit wird hier keineswegs der Anspruch erhoben, die Konzeption von Bernstein komplex und vollständig zu erfassen. Dennoch wird versucht, die wesentlichsten Ergebnisse seiner empirischen Arbeiten, wichtigsten Hypothesen, und theorethischen Verhältnis zur Relativitäts- oder „Sapir-Whorf-Hypothese“, darzustellen. Behandelt werden die Merkmale des sozialbedingten Spracharten (Codes), die Rolle der Kommunikationsweise innerhalb sozialer Schicht und Famile, sowie die Rolle der sozialen Kontrolle innerhalb Schicht und Familie. Zusätzlich werden die Konsequenzen auf Schulerfolg und Wirksamkeit von kompensatorischen Erziehung diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Basil Bernsteins Theorie schichtenspezifischen Sprachverhaltens
3. Bernstein und die Saphir-Whorf-Hypothese
4. Erste Phase der Theorie Bernsteins 1958-1962
4.1 Empirische Untersuchungen
4.2 Merkmale der sprachlichen Kodes
5. Bernsteins Erklärung der Sprachkodes aus der Sozialstruktur
5.1 Die Beziehung zwischen Kognition und sozialer Schicht
5.2 Offene und geschlossene Kommunikationssysteme
5.3 Status- und personen-orientierte Familien
5.4 Die Rolle der sozialen Kontrolle innerhalb der beiden Familientypen
6. Der Einfluss der Herkunftsfamilie auf den Schulerfolg der Kinder
7. Die kompensatorische Erziehung
8. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der Darstellung der soziolinguistischen Theorien von Basil Bernstein, insbesondere der Erforschung des schichtenspezifischen Sprachverhaltens und dessen Einfluss auf Bildungschancen. Zentrale Forschungsfrage ist dabei, wie unterschiedliche soziale Kodes (restringiert vs. elaboriert) und familiale Sozialisationsprozesse kognitive Möglichkeiten und den Schulerfolg von Kindern beeinflussen.
- Grundlagen der Theorie schichtenspezifischen Sprachverhaltens
- Differenzierung zwischen restriktiven und elaborierten Sprachkodes
- Einfluss der sozialen Struktur und Familientypen auf die Kommunikation
- Zusammenhang zwischen Sprachvermögen und schulischem Erfolg
- Kritische Reflexion zur kompensatorischen Erziehung
Auszug aus dem Buch
4.2 Merkmale der sprachlichen Kodes
Am gleichen Sprachmaterial untersuchte Bernstein auch die Satzkomplexität und andere linguistische Variablen und kam zu dem Ergebnis, dass der restringierte Kode durch einen großen Anteil an Befehlen, einfachen Feststellungen und Fragen, durch einen hohen Allgemeinheitsgrad und eine deskriptive Symbolik gekennzeichnet ist. Es werden kurze, grammatisch einfache und oft unvollständige Sätze gebraucht mit begrenzter Anzahl an Adjektiven und Adverbien. Die emotionellen Komponenten der Kommunikation überwiegen die logischen. Ein wesentlicher Teil der Kommunikation verläuft nicht-verbal durch Mimik, Gestik und Intonation.
Der elaborierte Kode dagegen ist reich an individuellen Qualifikationen, die Form ist logischer, der nicht-verbale Anteil an der Kommunikation zweitrangig. Die Sprachweise ist durch eine komplexe Satzkonstruktion gekennzeichnet, mit häufiger Verwendung von Präpositionen und zahlreichen Adjektiven und Adverbien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Feld der Soziolinguistik ein und definiert den Fokus auf die Arbeiten des britischen Soziologen Basil Bernstein.
2. Basil Bernsteins Theorie schichtenspezifischen Sprachverhaltens: Hier wird die Einführung in Bernsteins Theorie der linguistischen Kodes und deren Bedeutung für die soziale Schichtung erläutert.
3. Bernstein und die Saphir-Whorf-Hypothese: Dieses Kapitel verortet Bernstein sprachtheoretisch im Verhältnis zum linguistischen Relativitätsprinzip.
4. Erste Phase der Theorie Bernsteins 1958-1962: Dargestellt werden die empirischen Grundlagen und die erste Systematisierung der Unterscheidung von öffentlicher und formaler Sprache.
5. Bernsteins Erklärung der Sprachkodes aus der Sozialstruktur: Der Fokus liegt hier auf der soziologischen Fundierung der Sprachkodes durch soziale Rollen und Familientypen.
6. Der Einfluss der Herkunftsfamilie auf den Schulerfolg der Kinder: Dieses Kapitel analysiert, wie die frühkindliche Sozialisation den Erfolg im Bildungssystem präjudiziert.
7. Die kompensatorische Erziehung: Hier wird die pädagogische Umsetzung von Bernsteins Thesen und deren Problematik in der Schulpraxis kritisch beleuchtet.
8. Zusammenfassung: Abschließend wird der wissenschaftliche Diskurs um Bernsteins Thesen sowie deren spätere Kritik und Einordnung reflektiert.
Schlüsselwörter
Soziolinguistik, Basil Bernstein, schichtenspezifisches Sprachverhalten, restringierter Kode, elaborierter Kode, Sozialstruktur, familiale Sozialisation, Schulerfolg, kompensatorische Erziehung, Sprachbarrieren, Kommunikationssysteme, Bildungsungleichheit, Statusorientierung, Defizit-Hypothese.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das schichtenspezifische Sprachverhalten nach Basil Bernstein und die Auswirkungen dieser Unterschiede auf den Bildungserfolg.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen sind Sprachkodes, soziale Schichtung, familiale Kommunikationsstile und die daraus resultierende Bildungsungleichheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Entwicklung von Bernsteins Theorie nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie Sprachkodes soziale Strukturen verfestigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Aufarbeitung und Analyse soziolinguistischer Forschungsliteratur unter Einbezug empirischer Studien von Bernstein.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Kodes, deren soziologische Herleitung über Rollensysteme und die Anwendung auf den Schulerfolg.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Begriffe restringierter und elaborierter Kode, soziale Schichtung sowie kompensatorische Erziehung stehen im Zentrum.
Wie unterscheidet Bernstein zwischen den zwei Familientypen?
Er unterscheidet status-orientierte Familien, die auf Konformität und Tradition setzen, und personen-orientierte Familien, die individuelle Ausgestaltung fördern.
Warum haben Kinder aus der Unterschicht im Schulsystem oft Nachteile?
Laut Bernstein ist die Schulsprache an den elaborierten Kode angepasst, zu dem Kinder aus status-orientierten Familien weniger Zugang haben.
- Citar trabajo
- Snejana Iovtcheva (Autor), 2004, Sozialbedingte Sprachbarrieren in der Schule. Die Theorie von Basil Bernstein, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34461