Es ist das zentrale Anliegen dieser Arbeit einerseits die Kinder- und Jugendhilfe im Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (umF) in Bezug auf das Aufgabenfeld zu erforschen und andererseits dieses im Hinblick auf Rassismus zu analysieren. Dabei soll herausgefunden werden, ob die Kinder- und Jugendhilfe als Feld der Sozialen Arbeit rassistische Elemente beherbergt und welche Anregungen zum Entgegnen dieser Elemente an die Kinder- und Jugendhilfe gegeben werden können.
Dabei wird es als wichtig erachtet, im Kapitel Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zuvor einen Einblick auf die aktuelle Situation und das Leben dieser zu geben. Dies erfolgt aus statistischer, rechtlicher und psychosozialer Perspektive und soll weiterhin auch eine Einführung in die Thematik von Flucht generell geben.
Nachfolgend soll das Kapitel Rassismus eine theoretische Grundlage bieten, um bei der späteren Anwendung auf die Praxis ein Verständnis dessen zu haben. Dabei sollen vorerst die Determinationen von Rassismus erläutert werden, welche sich auf die Merkmale, die zum Anlass für Rassismus genommen werden, beziehen. Des Weiteren werden verschiedene Theorien über Rassismus herangezogen, um das breite Spektrum dessen zu verdeutlichen. Nachdem auch eine Abgrenzung zu anderen Begriffen, sowie die Ursachen und Strategien gegen Rassismus dargestellt wurden, wird anhand dieser theoretischen Fundierung eine >>rassismussensible Perspektive<< entwickelt, mit derer ein Handlungsplan zum Erforschen von Rassismus innerhalb der Praxis der Kinder- und Jugendhilfe erarbeitet wird.
Die Anwendung dessen geschieht dann im Kapitel Die Kinder- und Jugendhilfe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und soll demnach den erarbeiteten Handlungsplan der >>rassismussensiblen Perspektive<< auf verschiedene Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendhilfe im Umgang mit umF, sowie rechtlichen Bedingungen und weiteren Bezüge einbeziehen. Dabei soll weiterhin auch auf die Situation in Aachen und Nordrhein-Westfalen generell eingegangen werden, um praktische Beispiele darzustellen.
Die Ergebnisse dessen werden schließlich im Kapitel Schlussbetrachtung und Anregungen zusammengefasst, sodass ein Überblick über das Vorkommen von Rassismus innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe im Umgang mit umF erhalten werden kann und an diesen Ergebnissen orientiert, Anregungen an das Arbeitsfeld in Bezug auf dem Entgegnen von Rassismus gegeben werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
3. Rassismus
3.1 Determinationen von Rassismus
3.2 Rassismus-Theorien
3.2.1 Formen und Ebenen des Rassismus
3.2.1.1 Rassismus und Sprache
3.2.1.2 Sekundärer Rassismus
3.3 Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit
3.4 Ursachen von Rassismus
3.5 Strategien gegen Rassismus
3.6 Rassismussensible Perspektive
4. Die Kinder- und Jugendhilfe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
4.1 Der rechtliche Rahmen
4.1.1 Das Kinder- und Jugendhilfegesetz
4.1.2 Die UN-Kinderrechtskonvention
4.1.3 Das Ausländerrecht
4.2 Die Inobhutnahme als Beginn in der Jugendhilfe
4.2.1 Das Clearingverfahren
4.2.1.1 Die Altersfeststellung
4.2.2 Die Vormundschaft
4.3 Die Heimerziehung im Rahmen der Hilfen zur Erziehung
4.3.1 Monoethnische und Multiethnische Gruppen
4.3.2 Integrierte Gruppenformen
4.4 Sonstige Unterbringungsformen
4.4.1 Asylbewerberaufnahmeeinrichtungen und Wohncontainer
4.5 Hilfen für junge Volljährige
4.6 Interkulturelle Kompetenz
4.7 Der Begriff der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlings
5. Schlussbetrachtung und Anregungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Tätigkeit der Kinder- und Jugendhilfe im Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (umF) unter dem spezifischen Fokus auf rassismussensible Aspekte. Dabei wird analysiert, inwieweit die Institutionen der Jugendhilfe durch Strukturen oder professionelles Handeln rassistische Mechanismen reproduzieren und wie eine rassismussensible Praxis implementiert werden kann, um Diskriminierungen entgegenzuwirken.
- Analyse der Lebenssituation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Deutschland.
- Theoretische Fundierung des Rassismusbegriffs und dessen Formen in der Sozialen Arbeit.
- Entwicklung eines rassismussensiblen Handlungsrahmens für pädagogische Fachkräfte.
- Überprüfung institutioneller Abläufe wie Inobhutnahme und Clearingverfahren auf rassistische Implikationen.
Auszug aus dem Buch
3.6 Rassismussensible Perspektive
Durch die aufgezeigte Vielfältigkeit von Rassismus ist es ein Anliegen, einen leitenden Handlungsplan zu entwickeln, der es zulässt, die Theorie des Rassismus mit der Praxis zu verknüpfen. Demnach soll anhand der zuvor dargelegten Fundierung >>rassismussensible Perspektive<< erarbeitet werden. Dieser Ausdruck setzt sich aus drei unterschiedlichen Worten zusammen, was demnach auch verschiedene Aussagen impliziert. (1.) Rassismus, (2.) Sensibel und (3.) Perspektive. Diese sollen folgend erläutert und in Zusammenhang gebracht werden.
(1.) Rassismus: Durch die bereits thematisierten verschiedenen Verständnisse von Rassismus sollen nun die für diese Ausführungen als wichtig erachteten Merkmale benannt werden. Dies erfolgt chronologisch zu den zuvor erarbeiteten Aspekten. Demnach wird nicht nur die Differenz von Menschen in Bezug auf >>Rassen<< dem Rassismus zugrunde gelegt (vgl. Miles 2000), sondern auch die (negative und positive) Unterscheidung ethnischer und kultureller Eigenschaften bzw. Umgangsformen, sowie das Zusammenspiel derer in der natio-ethno-kulturellen Determination, die als statisch betrachtet werden und Individuen auf diese reduzieren (vgl. Terkessidis 1998/Mecheril 2004) (vgl. 3.2). Um die Rassismus-Theorien in ihren Kernpunkten zusammenzufassen, wird anlehnend an die Ausführungen (vgl. 3.2) folgend eine eigene Rassismus-Definition festgelegt:
Rassismus ist die Konstruktion einer Differenz zwischen >>Uns<< und den >>Anderen<< anhand vermeintlicher Unterschiede (biologisch, ethnisch, kulturell oder natio-ethno-kulturell), welche eine machtvolle und bewertende Hierarchie zwischen diesen Gruppen beinhaltet, die diese Unterscheidung legitimiert und die in der Praxis durch vielfältige Diskriminierungen bewältigt werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die vulnerable Lebenssituation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge ein und formuliert das Anliegen, die Kinder- und Jugendhilfe auf rassistische Tendenzen zu untersuchen.
2. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: Dieses Kapitel skizziert die aktuelle Situation, rechtliche Einordnung und die besonderen Herausforderungen, denen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Deutschland gegenüberstehen.
3. Rassismus: Hier werden theoretische Grundlagen des Rassismus erarbeitet, einschließlich Definitionen, Theorien, Ursachen und Strategien, um eine rassismussensible Basis zu schaffen.
4. Die Kinder- und Jugendhilfe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: Das Hauptkapitel wendet die rassismussensible Perspektive konkret auf verschiedene Handlungsfelder der Jugendhilfe, wie Inobhutnahme, Clearingverfahren und Heimerziehung, an.
5. Schlussbetrachtung und Anregungen: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und gibt konkrete Empfehlungen für eine rassismussensible Praxis in der Kinder- und Jugendhilfe.
Schlüsselwörter
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, umF, Kinder- und Jugendhilfe, Rassismus, Rassismussensible Perspektive, Diskriminierung, Inobhutnahme, Clearingverfahren, Heimerziehung, Soziale Arbeit, Institutioneller Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Kindeswohl, Diversität, Machtstrukturen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Bachelorarbeit?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit der Rolle der deutschen Kinder- und Jugendhilfe im Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen auseinander, wobei ein besonderer Fokus auf die Identifikation und den Abbau von rassistischen Strukturen gelegt wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Definition und Erscheinungsformen von Rassismus, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Jugendhilfe sowie die pädagogische Praxis bei der Aufnahme und Betreuung von Flüchtlingskindern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, ein besseres Verständnis für Rassismus innerhalb der Jugendhilfe zu schaffen und daraus einen rassismussensiblen Handlungsplan für die Praxis zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der kritischen Reflexion bestehender Theorien zum Rassismus und zu institutionellen Strukturen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkrete Praxisfelder wie das Clearingverfahren, die Altersfeststellung und verschiedene Unterbringungsformen in der Heimerziehung hinsichtlich ihrer potenziell diskriminierenden Wirkungsweise.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (umF), Rassismus, Kinder- und Jugendhilfe, Diskriminierung und rassismussensible Perspektive charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Altersfeststellung in der Argumentation der Autorin?
Die Altersfeststellung wird als Instrument kritisiert, das zur hierarchischen Unterscheidung zwischen "echten" und "anderen" Jugendlichen genutzt werden kann und somit eine Form von institutionellem Rassismus darstellen kann.
Warum wird die Inobhutnahme als kritisch bewertet?
Die Inobhutnahme wird insofern kritisch hinterfragt, als sie nicht selten in ausgrenzenden oder unterversorgten Unterbringungsformen stattfindet, die dem Kindeswohl und dem Anspruch auf Gleichbehandlung entgegenstehen können.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2015, Die Kinder- und Jugendhilfe im Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen aus rassismussensibler Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344674