Wien und seine Kaffeehäuser. Zwei Dinge, die für die meisten Menschen wahrscheinlich untrennbar miteinander verbunden sind und sofort mit dem jeweils anderen assoziiert werden. Bei meinen Besuchen in der Donaustadt habe ich mich auch hin und wieder gefragt, wo diese Kaffeekultur wohl herrührt, doch bin dieser Frage nie weiter nachgegangen. Umso interessanter war es bei der Recherche zu dieser Arbeit zu erfahren, dass der Kaffee Teil einiger Friedensgeschenke der Osmanen an die Habsburger war und auf so große Begeisterung bei den Wienern stoß, die bis heute anhält.
So wurde also bereits im 17. Jahrhundert ein kleines Stück orientalischer Kultur in Europa integriert. In einem Jahrhundert, das von vielen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Osmanischen und dem Habsburgerreich geprägt war. Doch ebenso fanden auch Friedensverhandlungen statt, die teils große Fortschritte mit sich brachten.
In der folgenden Arbeit sollen die Ereignissen vom Frieden von Eisenburg 1664 bis hin zum Frieden von Karlowitz 1699 beleuchtet und anschließend verglichen werden. Auch wenn es hierbei wahrscheinlich teils ein kultureller Austausch stattfand, soll hierbei vielmehr gefragt werden, ob es dadurch auch zu einer Integration des Osmanischen Reiches in das politische System Europas kam. So sollen zuerst die Geschehnisse, die zum Frieden von Eisenburg/Vasvar geführt haben, beleuchtet werden, um danach auf den Vertrag einzugehen. Dem folgt eine Betrachtung der Auswirkungen auf das habsburgisch-ungarische Verhältnis. Ähnliche Vorgehensweise soll auch beim Frieden von Karlowitz erfolgen, allerdings wird hierbei noch ein Teil des Vertragsabschlusses in Form der Primärquelle bewertet. Im Anschluss daran folgt der Vergleich mit abschließender Betrachtung.
Für den Abschnitt zum Frieden von Eisenburg sollen das Werk von Georg Wagner „Das Türkenjahr 1664. Eine europäische Bewährung. Raimund Montecuccoli, die Schlacht von St. Gotthard – Mogersdorf und der Friede von Eisenburg (Vasvar)“ und der Beitrag von Katalin Toma in dem neu erschienenen Werk „Frieden- und Konfliktmanagement in interkulturellen Räumen“, herausgegeben von Arno Strohmeyer und Norbert Spannenberger. Aufgrund der Aktualität dieser Forschungen stellt für den Frieden von Karlowitz auch ein im selbigen erschienener Beitrag von Monika F. Molnar die Literaturgrundlage. Als Primärquelle wird der Vertragsabschluss von Karlowitz herangezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Weg von Eisenburg nach Karlowitz als Integration des Osmanischen Reiches in das politische System Europas. Ein Vergleich der beiden Friedensverträge
2.1 Der Friede von Eisenburg/Vasvar 1664
2.1.1 Vorgeschichte zum Frieden von Eisenburg/Vasvar 1664
2.1.2 Der Abschluss des Friedensvertrags
2.1.3 Die Auswirkungen des Friedens von Eisenburg/Vasvar auf das habsburgisch-ungarische Verhältnis
2.2 Der Friede von Karlowitz 1699
2.2.1 Wegbereitende Prozesse
2.2.2 Ablauf der Friedensverhandlungen
2.2.3 Quelle: Der Friede von Karlowitz (1699)
2.3 Vergleich Friede von Eisenburg/Vasvar – Friede von Karlowitz
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Prozess der diplomatischen Annäherung zwischen dem Osmanischen Reich und dem Habsburgerreich zwischen 1664 und 1699. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob die Friedensschlüsse von Eisenburg/Vasvar und Karlowitz maßgeblich dazu beitrugen, das Osmanische Reich in das politische System Europas zu integrieren.
- Analyse des Friedens von Eisenburg/Vasvar (1664) und seiner politischen Auswirkungen
- Untersuchung der diplomatischen Prozesse und Verhandlungen zum Frieden von Karlowitz (1699)
- Vergleichende Gegenüberstellung der beiden Friedensschlüsse
- Evaluation der osmanischen Integration in die europäische Staatengemeinschaft
Auszug aus dem Buch
2. 2. 2. Ablauf der Friedensverhandlungen
Als Verhandlungsort wurde nach einigen Meinungsverschiedenheiten ein offenes Gelände in der Nähe des zerstörten Dorfes Karlowitz gewählt. Dies fungierte als neutraler Ort zwischen dem kaiserlichen Peterwardein und dem osmanischen Belgrad. Nach diesem Prinzip wurde das Lager auch aufgeschlagen: die Mitglieder der „Heiligen Liga“ kampierten in Richtung Peterwardein, die Hohe Pforte gen Belgrad und dazwischen das Lager der Vermittler England und Holland. In deren Lager wurde ein großes, dreiflügeliges Holzgebäude erstellt. Man orientierte sich hierbei und bei der Einhaltung strenger Regeln stark am Frieden von Rijswijk: jede teilhabende Partei erhielt einen eigenen Eingang, wodurch Bevorzugungen oder Diskriminierungen ausgeschlossen werden sollten. Des weiteren hatte jede Seite einen eigenen Rückzugsraum, der sich vom mittigen Verhandlungssaal abgrenzte.23Auf Feierlichkeiten wurde kein großer Wert gelegt, auch wenn die Osmanen durch Äußerlichkeiten ihre militärische Unterlegenheit zu kompensieren versuchten. Am 13. November 1698 begannen die Verhandlungen; in den ersten Tagen wurden die Ergebnisse der Vorbesprechungen noch detaillierter besprochen und der genauere weitere Ablauf der Verhandlungen festgelegt. Die Bündnismächte sollten jeweils einzeln mit den Türken verhandeln und es war nun auch legitim, einen Separatfrieden zu schließen, da jedes Mitglied verschiedene Interessen verfolgte. Abhängig von aufkommenden Problemen und dem Willen, diese zu lösen, waren die Besprechungen von unterschiedlicher Dauer. Manchmal konnte es bis zu einer Einigung zehn Stunden dauern oder Sitzungen wurden auf den nächsten Tag verschoben, um noch mehr Bedenkzeit zu haben. So kam es, dass die eigentlich drei Woche geplante Konferenz fast genau drei Monate dauerte, in denen insgesamt 29 Verhandlungen stattfanden24. Als Verhandlungssprache wurde das vom Großteil gesprochene Italienisch ausgewählt, doch waren zum Beispiel der osmanische und kaiserliche Vertreter oft auf Dolmetscher angewiesen, was den Verlauf in die Länge zog und auch regelmäßig zu Missverständnissen führte. Die bilateralen Besprechungen zwischen den Habsburgern und den Osmanen stellte den ersten Abschnitt der Friedenskonferenz dar und „zeigte eine große Wirkung auf den Ausgang des gesamten Friedenswerkes“25.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Ausgangslage ein, erläutert die Bedeutung der Kaffeehauskultur als kleines Stück osmanischer Integration und skizziert das Forschungsziel, die Friedensverträge von 1664 und 1699 zu vergleichen.
2. Der Weg von Eisenburg nach Karlowitz als Integration des Osmanischen Reiches in das politische System Europas. Ein Vergleich der beiden Friedensverträge: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert die beiden Friedensschlüsse, ihre Vorgeschichte, die spezifischen Verhandlungsabläufe sowie die direkten Auswirkungen auf das habsburgisch-ungarische Verhältnis und die osmanische Außenpolitik.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass der Weg von Eisenburg nach Karlowitz den Beginn einer dauerhaften bilateralen Kommunikation und ein neues Beziehungssystem zwischen den Reichen markierte, das den Weg in das politische System Europas ebnete.
Schlüsselwörter
Friede von Eisenburg/Vasvar, Friede von Karlowitz, Osmanisches Reich, Habsburgerreich, Diplomatie, Integration, Europäisches Staatensystem, 17. Jahrhundert, Siebenbürgen, Waffenstillstand, Internationale Beziehungen, Politische Geschichte, Friedensverhandlungen, Ständige Vertretungen, Großmacht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die diplomatischen Beziehungen zwischen dem Osmanischen Reich und dem Habsburgerreich im ausgehenden 17. Jahrhundert anhand der Friedensschlüsse von Eisenburg (1664) und Karlowitz (1699).
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der militärischen Vorgeschichte, den konkreten Friedensverhandlungen, den territorialen Auswirkungen und der sich wandelnden diplomatischen Anerkennung zwischen den beteiligten Großmächten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, ob und inwieweit diese Friedensverträge dazu beigetragen haben, das Osmanische Reich aus seiner isolierten Stellung in das politische System Europas zu integrieren.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewendet?
Die Autorin nutzt eine vergleichende historische Analyse basierend auf zeitgenössischen Quellen sowie moderner Fachliteratur, um die diplomatischen Prozesse der Zeit nachzuvollziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Friedensschlüsse von 1664 und 1699, wobei jeweils die historischen Rahmenbedingungen, der Ablauf der Verhandlungen und die Auswirkungen auf die geopolitische Lage beleuchtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem die Friedensverträge von Eisenburg und Karlowitz, das Osmanische Reich, die Habsburgermonarchie, Diplomatie, politische Integration und die europäische Geschichte des 17. Jahrhunderts.
Warum wird der Friede von Eisenburg/Vasvar als Waffenstillstand und nicht als wirklicher Friede bezeichnet?
Da er primär aus der militärischen und finanziellen Erschöpfung der Habsburger resultierte und kein echtes Interesse an einer dauerhaften, friedlichen Koexistenz auf Augenhöhe zwischen den Reichen darstellte.
Welche Rolle spielte der Frieden von Karlowitz als Zäsur in der europäischen Geschichte?
Karlowitz markiert einen Wendepunkt, da erstmals eine Einigung im modernen europäischen Sinne erzielt wurde, inklusive definierter Grenzen und eines geregelten diplomatischen Austauschs, was das Ende der osmanischen Expansionsphase einleitete.
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- Sara Bogner (Author), 2015, Der Weg von Eisenburg nach Karlowitz. Integration des Osmanischen Reichs in das politische System Europas?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344684