Schwangerschaftsabbruch. Medizinische Ethik


Hausarbeit, 2007
18 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Überblick über die Gesetzeslage in Deutschland
2.1 Der aktuelle Gesetzesstand
2.2 Rechtswidrig aber straffrei?

3. Eine eigene Untersuchung zum Thema
3.1 Die Beschreibung der Stichprobe und des methodischen Vorgehens
3.2 Die Darstellung der Ergebnisse

4. Auseinandersetzung mit dem eigenen Standpunkt bzgl. der Ergebnisse

5. Schlussbemerkung

6. Literaturangaben

7. Anhang

1.Einführung

Was ist Ethik? Im philosophischen Sprachgebrauch ist Ethik als ein System von Urteilen anzusehen, welche sich auf Handlungen und Einstellungen beziehen und diese als moralisch gut oder schlecht bewerten. Die in einer Gesellschaft geltenden Regeln und Normen werden in einer bestimmten Weise reflektiert und kritisiert. Ethik dient dazu, eine Ordnung und Orientierung individueller und gesellschaftlicher Praxis zu formen, indem sie beschreibt, was „man“ tut oder eben nicht tut.

Besonders um einen Bereich des menschlichen Lebens ranken sich schon immer diverse ethisch kontroverse Diskussionen: den Schwangerschaftsabbruch. Dieses Thema beschäftigt die Menschheit bereits seit der Antike, während der die künstlich ausgelöste vorzeitige Beendigung einer Schwangerschaft zunehmend aus religiös-ethischen Gründen moralisch verurteilt und mit Strafe bedroht wurde. In den letzten Jahrzehnten lässt sich dagegen weltweit eine deutliche Tendenz zur Liberalisierung der Strafrechtsbestimmungen verzeichnen.

Zunächst werden in dieser Hausarbeit einige wichtigste Aspekte zur gesetzlichen Lage in Deutschland skizziert. Im Anschluss daran erfolgen die Darstellung der Methode und die Ergebnisse einer eigenen Fragebogen-Untersuchung zum Thema sowie die Auseinandersetzung mit dem eigenen Standpunkt in Hinblick auf die Ergebnisse der Untersuchung. Abschließend werden in einer Schlussbemerkung noch einmal die wichtigsten Gedanken zusammengefasst.

2. Überblick über die Gesetzeslage in Deutschland

2.1 Der aktuelle Gesetzesstand

Durch das heute geltende Schwangeren- und Familienhilfeänderungsgesetz, das in wesentlichen Teilen am 1. Oktober 1995 bzw. schließlich am 1. Januar 1996 voll in Kraft trat, wurde das Recht des Schwangerschaftsabbruches bundeseinheitlich neu geregelt. Die neuen Regelungen beruhen im Wesentlichen auf den Vorgaben des BVG-Urteils vom 28. Mai 1993. Diese betreffen insbesondere das Strafgesetzbuch, das neue Schwangerschaftskonfliktgesetz sowie das ebenfalls neue Gesetz zur Hilfe für Frauen bei Schwangerschaftsabbrüchen in besonderen Fällen.

Es ist zu beachten, dass bis zu diesem Zeitpunkt (also auch nach der Wende) keine bundeseinheitlichen Normen galten. Während das Gebiet der alten Bundesrepublik die so genannte „Indikationsregelung“ vorsah, herrschte auf dem Gebiet der DDR noch die Regelung des seit dem Jahre 1972 freigegebenen Schwangerschaftsabbruchs. Das bedeutete, dass innerhalb einer 12-Wochenfrist jede Frau eine Schwangerschaft durch einen ärztlichen Eingriff in einer gynäkologischen stationären Abteilung unterbrechen lassen konnte. Bei einer medizinischen Indikation durfte über diese Frist hinausgegangen werden, wobei in diesem Falle eine Fachkommission über den Abbruch entschied. Außerdem musste zwischen zwei Abbrüchen ein Abstand von mindestens sechs Monaten eingehalten werden.

2.2 Rechtswidrig aber straffrei?

Der Schwangerschaftsabbruch ist in Deutschland nach §218 StGB im Allgemeinen rechtswidrig und für alle Beteiligten (die Schwangere, Anstifter, Arzt, Gehilfe usw.) strafbar. Der Absatz 1 des §218 besagt: „Wer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft…“ Ein Abbruch ist jedoch nach §218a StGB in einer Reihe von Ausnahmefällen zulässig. Das heißt, der Tatbestand des §218 ist nicht verwirklicht, wenn folgende Umstände gegeben sind:

1. Die Schwangere verlangt den Abbruch und kann nachweisen, dass sie an einer Schwangerschaftskonfliktberatung teilgenommen hat. Dies ist nur innerhalb von zwölf Wochen nach der Empfängnis zulässig.
2. Es besteht ein Grund zur Annahme, dass die Schwangerschaft in Folge einer Vergewaltigung oder einer vergleichbaren Sexualstraftat zu Stande gekommen ist. Hierbei handelt sich um die so genannte kriminogene Indikation. Ebenfalls ist hier ein Abbruch nur innerhalb der ersten zwölf Schwangerschaftswochen zulässig.
3. Es besteht eine Gefahr für das Leben, die körperliche oder seelische Gesundheit der Schwangeren, welche nur durch Abtreibung abgewendet werden kann. Dieser Aspekt wird als medizinische Indikation bezeichnet. In diesem Fall ist der Abbruch an keine zeitliche Frist gebunden.
In jedem Fall darf der Schwangerschaftsabbruch nur mit Einwilligung der Schwangeren und nur von einem Arzt ausgeführt werden.
4. Darüber hinaus bleibt eine Schwangere straflos, wenn der Schwangerschaftsabbruch nach einer Beratung bei einer anerkannten Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle (§219 StGB) von einem Arzt vorgenommen wird und seit der Befruchtung nicht mehr als 22 Wochen vergangen sind. Im bereits in 2.1 genannten Urteil des BVG wurde also im Grundsatz eine Regelung gebilligt, welche in der Frühphase der Schwangerschaft den Schwerpunkt auf die Beratung der schwangeren Frau legt und dabei auf eine Strafandrohung verzichtet. Hierbei spricht man von der so genannten „Beratungsregelung“.

3. Eine eigene Untersuchung zum Thema

3.1 Die Beschreibung der Stichprobe und des methodischen Vorgehens

Ein wesentlicher Teil dieser Arbeit bestand darin, eine Stichprobenbefragung zur Thematik des Schwangerschaftsabbruchs vorzunehmen. Dazu wurde ein speziell zu diesem Thema entwickelter Fragebogen eingesetzt, der von jeder Befragten anonym und auf freiwilliger Basis ausgefüllt wurde. Bei den Befragten handelt es sich um 21 Frauen im Alter von 20 bis 60 Jahren, wobei auf eine relativ gleichmäßige Altersverteilung und gleiches Bildungsniveau (mittlerer bis hoher Abschluss) bei der Befragung geachtet wurde. Für die Untersuchung wurden die Frauen in vier Altersgruppen (von 20 bis 29 Jahren, von 30 bis 39 Jahren, von 40 bis 49 Jahren und von 50 bis 60 Jahren) unterteilt. Anfangs kam die Frage auf, ob es sinnvoll wäre, auch Männer zum Thema Schwangerschaftsabbruch zu befragen, doch die Entscheidung fiel letztlich alleinig auf das weibliche Geschlecht. Durch diese Selektion war es möglich, einen direkten Zugang zu den Einstellungen desjenigen Geschlechts zu bekommen, welches im Falle eines Abbruchs primär betroffen ist. So entstand ein Bogen mit Fragen, der grundsätzlich auch von Männern hätte ausgefüllt werden können, jedoch ist Punkt 4 samt seiner Unterpunkte speziell für Frauen zugeschnitten.

Bei der inhaltlichen Gestaltung des Fragebogens wurde besonderer Wert auf die Verständlichkeit und Überschaubarkeit gelegt, um es den Befragten zu erleichtern, knappe und präzise Antworten zu geben.

Zunächst wird im Fragebogen eine Unterscheidung der Frauen vorgenommen hinsichtlich des Alters, ihres Familienstandes, ihrer Konfession und ihrer Kinderzahl. Dies wurde so gewählt, um eventuelle Zusammenhänge zwischen bestimmten Personenmerkmalen und Ergebnissen der Befragung erkennen zu können. Die Befragung erstreckte sich vor allem auf die Region Erfurt und die Mehrheit der befragten Frauen ist in einem sozialen Bereich tätig oder engagiert.

Der Fragebogen beinhaltet insgesamt zehn Fragen, welche sich zum einen auf die Meinung der Frau bezüglich eines Schwangerschaftsabbruchs, das heißt Argumente sowohl dafür als auch dagegen, beziehen. Zum anderen enthält der Bogen Fragen über die eventuelle persönliche Entscheidung zum Abbruch sowie über die eigene Erfahrung mit Schwangerschaftskonfliktberatung und Kenntnis der aktuellen Gesetzeslage zum Thema.

Zur besseren Veranschaulichung befindet sich im Anhang dieser Arbeit ein Muster-Exemplar des Fragebogens. Ebenso sind im Anhang die quantitativen Auswertungen in Form von Tabellen enthalten, welche zusätzlich eine kurze und knappe Übersichtlichkeit der in dieser Arbeit dargestellten Resultate gewährleisten.

3.2 Die Darstellung der Ergebnisse

Wie bereits oben erwähnt, wurden im Rahmen dieser Arbeit ausschließlich Frauen zum Thema „Schwangerschaftsabbruch“ im Zeitraum vom 22. bis 25. Mai 2007 befragt. Fast alle Frauen, die gebeten wurden, den Fragebogen auszufüllen, erwiesen sich als sehr offen dafür. Eine generelle Ablehnung trat nur bei sehr wenigen auf. Zu beachten gilt, dass die Ergebnisse dieser Stichprobe nur einen ganz bestimmten Ausschnitt der Wirklichkeit repräsentieren. Was man dieser Untersuchung entnehmen kann, stellt lediglich eine Auswahl von Meinungen und persönlichen Erfahrungen dar, die keinesfalls generalisiert werden kann. Um dies tun zu können, müssten, selbst wenn man bei der alleinigen Befragung des weiblichen Geschlechts bleiben möchte, Frauen aller Regionen, sozialer Schichten, Konfessionen und Bildungsniveaus befragt werden.Bei der folgenden Auswertung der durchgeführten Untersuchung wird der Reihe nach auf die Antworten zu den einzelnen Fragen, wie sie aus dem Fragebogen ersichtlich sind, eingegangen:

Zu den allgemeinen Angaben:

Alter: Bei den Befragten handelt es sich zu knapp 30 Prozent um Frauen von 20 bis 29 Jahren und zu ebenfalls knapp 30 Prozent um Frauen von 30 bis 39 Jahren. Die 40- bis 49-Jährigen machen etwa einen Anteil von 20 Prozent aus, genauso wie die Altersgruppe der Frauen von 50 bis 60 Jahren.

Familienstand: 52 Prozent der Befragten sind verheiratet, während 43 Prozent der Frauen ledig sind. Die restlichen 5 Prozent sind geschieden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Schwangerschaftsabbruch. Medizinische Ethik
Hochschule
Fachhochschule Erfurt
Veranstaltung
Seminar: "Medizinische Ethik"
Autor
Jahr
2007
Seiten
18
Katalognummer
V344702
ISBN (eBook)
9783668350434
ISBN (Buch)
9783668350441
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medizinische Ethik, Schwanger, Schwangerschaft, Baby, Kind, Fötus, Embryo, Entwicklung, Operation, Eltern, Mutter, Vater, Klinik, Abbruch, Abtreibung, Schwangerschaftsabbruch, 218, Arzt, Eingriff, Beratung, Keinzelle, Eizelle, Samenzelle, Gebärmutter, Geschlechtsverkehr, Eierstöcke, Geschlechtsorgane, Entscheidung, Krankenhaus
Arbeit zitieren
Vicky Bauer (Autor), 2007, Schwangerschaftsabbruch. Medizinische Ethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344702

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