Unterstützende Verfahren zur Behandlung von sekundären Lymphödemen mithilfe der manuellen Lymphdrainage nach Brustkrebsoperationen


Bachelorarbeit, 2016

37 Seiten

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kurzfassung

Abstract

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Das Lymphatische System
2.1.1 Lymphorgane
2.1.2 Aktiver und passiver Transport der Lymphe
2.1.3 Fehlfunktionen des Lymphsystems und Lymphödeme
2.2 Ödeme und Lymphödeme
2.2.1 Pathophysiologie der Ödeme
2.2.2 Entstehung von Ödemen
2.3 Diagnose und Therapie von Ödemen
2.3.1 Therapie von Lymphödemen
2.3.2 Komplexe Physikalische Entstauungstherapie und manuelle Lymphdrainage

3 Research
3.1 Studienrecherche zum Schlagwort „Lymphödeme“
3.2 Befragung in Apotheken
3.2.1 Aufbau der Befragungen
3.2.2 Ergebnisse der Befragungen
3.3 Literatur- und Online-Recherche nach Salben zur Behandlung von sekundären Lymphödemen

4 Schlussbetrachtung
4.1 Zusammenfassung
4.2 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kurzfassung

Die vorliegende Arbeit behandelt das Thema „Unterstützende Verfahren zur Behandlung von sekundären Lymphödemen mithilfe der manuellen Lymphdrainage nach Brustkrebsoperationen“. Ziel der Untersuchung war es eine Salbe zu finden, mit deren Hilfe der Behandlungsprozess eines sekundären Lymphödems beschleunigt werden kann, indem der Wirkstoff der Salbe das Lymphsystem anregt, sodass es zu einem höheren Lymphabtransport kommt. Die Untersuchungen haben ergeben, dass es eine derartige Salbe nicht gibt. Ferner ergaben die Untersuchungen, dass sich die Meinungen verschiedener Autoren zum Thema „Therapie von Lymphödemen“ unterscheiden. Während die schulische Medizin als einziges Therapieverfahren die KPE empfiehlt, schreiben Autoren aus dem Bereich der Naturheilkunde, dass sekundäre Lymphödeme sehr erfolgreich mit Kräutern, Salben und anderen Naturheilmitteln geheilt werden können. Des Weiteren brachten die Recherchen deutlich die verschiedenen Meinungen der Parteien hervor. Die Tatsache, dass die beiden Zweige der Medizin, die schulische/moderne Medizin und die Naturheilkunde, sich deutlich voneinander abgrenzen, bringt weitere Probleme hervor, auf die in der Schlussbetrachtung der Arbeit näher eingegangen worden ist.

Abstract

The present bachelor thesis deals with the topic "Supporting method for the treatment of secondary lymphedema using manual lymphatic drainage after breast cancer surgery“. The aim of the study was to find an ointment with which the treatment process of a secondary lymphedema can be accelerated by the activating ingredient of the ointment stimulating the lymphatic system, so that there is a higher lymphatic transportation. The investigations have shown that there is not such an ointment. Furthermore, the investigations have revealed that the opinions of various authors differ on the subject. While the academic medicine recommends the KPE as the sole treatment method, other authors from the naturopathy are the opinion that secondary lymphedema can be very successfully cured with herbs, ointments and other natural remedies. Furthermore the researches have revealed the totally different opinions of the parties. The fact that the two branches of medicine, modern medicine and naturopathy, be clearly distinguished from each other, which produces other problems, has been discussed in detail in the Conclusion of the work.

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit behandelt das Themenfeld „Lymphsystem“ (LS) und die durch Störungen des LS verursachten Krankheiten. Dabei fokussieren die Untersuchungen dieser Arbeit insbesondere das Auftreten von sekundären Lymphödemen (LÖD) nach Brustkrebsoperationen. Die Untersuchungen, die im Rahmen dieser Bachelorthesis durchgeführt worden sind, wurden in den nachfolgenden Kapiteln dokumentiert. Aus den Ergebnissen der Untersuchungen wurde ein Fazit zur Forschungsfrage gezogen, welches in der Schlussbetrachtung in Kapitel 4.2 niedergeschrieben wurde.

In der Physiotherapie gewinnt die manuelle Lymphdrainage zunehmend an Bedeutung. Dieser treibenden Kraft liegt die zunehmende Zahl der an Lymphödemen erkrankenden Menschen (als Ursache) zugrunde. Die anfänglichen Recherchen, zum Thema „Lymphödeme“, brachten die Bedeutung dieses Themenfeldes deutlich hervor. Zudem traten, bereits in den Vorrecherchen und im Zuge der Themenfindung, einige Aspekte hervor, die sehr viele Fragen aufwarfen. Ein Aspekt trat dabei, neben den anderen Aspekten, besonders ins Rampenlicht.

Bei der Recherche nach Therapieverfahren für Ödeme finden sich zahlreiche Autoren, die das Themenfeld der Ödeme, d.h. die verschiedenen Arten von Ödemen, die jeweiligen Entstehungsursachen und Therapieverfahren, umfangreich beschreiben. Vergleicht man die verschiedenen Quellen, so teilen die meisten Autoren die Ansicht, sekundäre Lymphödeme seien prinzipiell chronische Krankheitserscheinungen, die nicht zu heilen sind, allenfalls „nur“ so gut wie möglich therapiert werden können. Zudem wird als Therapieverfahren ausschließlich die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) empfohlen.

Angesichts der Tatsache, dass verschiedene andere Arten von Ödemen, leichter und mittelschwerer Stadien, oftmals mithilfe des Auftragens einer speziellen entzündungshemmenden oder anderweitig wirkenden Salbe geheilt werden können, entstand die Frage, ob es solch eine Salbe auch für den Zweck der Therapie/Heilung eines sekundären Lymphödems geben kann. Eine Salbe, die den Therapieprozess der KPE unterstützt, könnte einen höheren Therapieerfolg erzielen, woraus Patient und Krankenkassen Vorteile ziehen. Zu Anfang der Untersuchungen wurde der Augenmerk besonders auf sekundäre LÖD erkrankte nach Brustkrebsoperationen gesetzt. Die Idee hinter der Wirkung der gesuchten Salbe lässt sich jedoch nicht nur auf die Brustkrebspatienten übertragen, sondern auf alle Personen, die an sekundären Lymphödemen leiden. Deshalb wurden im Folgenden prinzipiell sekundäre LÖD fokussiert, da die Brustkrebserkrankten lediglich eine Teilmenge der gesamten Anzahl der an sekundäre LÖD Erkrankten Personen bilden.

Zur Recherche der benötigten theoretischen Grundlagen wurden verschiedene Quellen herangezogen. Dabei galt die Motivation der Recherche stets dem Sinn der Heilkunde, weshalb vorerst allerlei Quellen wertfrei herangezogen wurden. Zur Unterstützung der Untersuchung, wurden einige Apotheken in Köln aufgesucht und die Mitarbeiter wurden befragt. Die Ergebnisse der Befragungen sind in Kapitel 3.2 dokumentiert.

Die Recherchen, die im Zuge der Untersuchungen der Fragestellung der Bachelorthesis durchgeführt worden sind, haben ergeben, dass es eine solche Salbe nicht gibt. Eine solche Salbe wird nicht in den Apotheken angeboten und in jeglicher anerkannten Literatur zum besagten Thema wird die KPE als einziges Therapieverfahren für sekundäre LÖD empfohlen. Dagegen finden sich in zahlreichen Naturheilkunde Büchern Rezepte zur Selbstherstellung von Salben für sekundäre LÖD.

Ferner ging aus den Recherchen hervor, dass es eine sehr scharfe Grenze gibt, zwischen der modernen Medizin und der Naturheilkunde. Dies führt dazu, dass die Experten beider Bereiche die jeweils andere Seite nicht reichlich würdigen. Aufgrund dieser Trennung der beiden Parteien, gehen viele Potentiale verloren. Beispielsweise gibt es sehr wohl Empfehlungen für Salben und spezielle Kräuterbreis, die man auf die entsprechende Körperpartie auftragen soll. Diese Empfehlungen stammen jedoch von der Seite der Naturheilkunde und werden prinzipiell bei Literatur aus der modernen Medizin vernachlässigt.

Trotz der Tatsache, dass es keine solche gesuchte Salbe gibt, wurde dennoch ein Vorschlag ausformuliert, wie eine solche Salbe hergestellt werden könnte und welche Wirkung diese haben könnte. Des Weiteren wurde ein Vorschlag geliefert, die Debatte zwischen der modernen Medizin und der Naturheilkunde zu besänftigen. In den nachfolgenden Kapiteln, werden die theoretischen Grundlagen sowie die Recherchen und Befragungen vorgestellt.

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Die Problemstellung und die sich daraus ergebende Zielsetzung ergeben sich aus der Tatsache, dass das Thema sLÖD zunehmend an Bedeutung gewinnt, wogegen der Forschungsstand in diesem Bereich zu stagnieren scheint. Einen weiteren wichtigen Aspekt bildet die Tatsache, dass sLÖD prinzipiell als chronische Krankheiten angenommen werden. Demzufolge haben sich die Ärzte und Therapeuten mit der Tatsache zufrieden gegeben, dass sich ein sLÖD nicht heilen lässt, allenfalls nur so gut es geht zu therapieren. Das Ziel der Untersuchungen war es, eine Salbe zu finden, die den Lymphabtransport beschleunigen kann, ohne den KPE Prozess zu behindern oder anderweitig zu belasten.

1.2 Aufbau der Arbeit

Um den Aufbau der Arbeit und damit auch den Argumentationsgang nachvollziehen zu können, soll in diesem Kapitel der Aufbau der Arbeit dargestellt werden. Dies hilft dem Leser einen fließenden Lesefluss aufzubauen. Zudem ist es wichtig einige Grundlagen vorher zu kennen, weil es dann einfacher ist die Schlussfolgerung nachzuvollziehen.

In Kapitel zwei werden die theoretischen Grundlagen erläutert, die für den restlichen Verlauf der Untersuchung von großer Bedeutung sind. Dabei werden zuerst die Grundlagen des lymphatischen Systems, die Entstehung und Therapie von Ödemen bzw. Lymphödemen erläutert. Mithilfe der theoretischen Grundlagen, ist es einfacher die nachträglichen Argumentationsgänge nachzuvollziehen. In Kapitel drei sind die Ergebnisse aus den Studienrecherchen, den Befragungen in den Apotheken und den Literaturrecherchen dokumentiert. Alle Ergebnisse der Untersuchungen wurden in der Schlussbetrachtung in Kapitel vier zusammengefasst und reflektiert, woraus dann anschließend das Fazit der Arbeit gezogen wurde.

2 Theoretische Grundlagen

Das nachfolgende Kapitel behandelt die Grundlagen zu den Themen „Lymphatisches System“ und „Sekundäre Ödeme“. Aufgrund der Tatsache, dass beide Themenfelder in Literatur und Fachzeitschriften breit umschrieben sind, sind in den nachfolgenden Kapiteln verstärkt die Themenbereiche behandelt worden, die für die Untersuchungen der Arbeit relevant sind. Demnach behandelt dieser Teil der Arbeit im Themenbereich „Lymphatisches System“, die Funktionen sowie Funktionsstörungen und deren Folgen. Im Themenbereich „Sekundäre Ödeme“ sind die Entstehungsursachen sowie die Behandlungsverfahren von Relevanz und werden daher in den nachfolgenden Kapiteln näher erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das Lymphatische System mit den verschiedenen Lymphorganen, Lymphbahnen und Lymphknoten. (Quelle: Wissen.de, abgerufen am 17.08.2016)

2.1 Das Lymphatische System

Das „Lymphatische System“, auch „Lymphsystem“ (LS) genannt, ist ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems. In Abb. 1 ist das LS mit den entsprechenden die Lymphorganen und Lymphknoten abgebildet (Földi, 2010). Das LS ergänzt das Blutgefäßsystem (BGS), indem es Körperflüssigkeiten, Blutzellen und Nährstoffe transportiert. Der Name „Lymphsystem“ ist aus den lateinischen Begriffen „lympha“ (dt. klares Wasser) und „Systema“ zusammengesetzt worden, da die Lymphflüssigkeit optisch klarem Wasser ähnelt (Schingale, 2007). Das LS setzt sich aus den „lymphatischen Organen“ (Lymphorganen, LO) und dem Lymphgefäßsystem (LGS) zusammen. Die LO lassen sich in primäre und sekundäre einteilen, die im Folgenden näher behandelt werden. Das LGS verbindet die LO miteinander, es besteht aus Lymphbahnen, aus denen sich eine Vielzahl kleinerer Lymphkapillaren blind in das Gewebe verteilen (Herpertz, 2015).

Über die Blutkapillaren, strömen Bestandteile des Blutplasmas und Wasser (fachspr. Interzellurare Flüssigkeit, Gewebswasser) in den Zwischenzellraum (fachspr. Interstitium). Dies dient dazu Nährstoffe und Botenstoffe an die umliegenden Zellen zu verteilen und Abfallstoffe auszuscheiden (Bringezu/Schreiner, 2013). Der Großteil der Flüssigkeit strömt wieder zurück in die Blutkapillaren, zehn Prozent der Flüssigkeit werden über das LGS abgeführt. Dieser Anteil der Flüssigkeit, der durch das LGS abgeführt wird, wird als „lymphatische Last“ (auch „Lymphe“ genannt) bezeichnet. Die Lymphe wird über die Lymphkapillaren aufgenommen und über die Lymphbahnen wieder zurück ins Blutgefäßsystem, und zwar in die obere Hohlvene, transportiert (Pritschow/Schuchhardt, 2014).

Das LS ist ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems, es bildet T- und B-Lymphozyten, weiße Blutkörperchen, die eine wichtige Rolle bei der spezifischen Immunabwehr einnehmen, und transportiert diese zu den „Lymphknoten“ (LK). Ein LK ist ein sekundäres Lymphorgan und übernimmt die Filterfunktion des LS. Störungen des LS können demnach zu vielerlei unterschiedlicher Krankheiten führen. Derlei Störungen, die Lymphödeme zur Folge haben, werden im Folgenden näher erläutert (Schneider; Johansson; Wanchai; Morgan, 2006)

2.1.1 Lymphorgane

Die Hauptfunktion der LO ist die Differenzierung und Vermehrung von Lymphozyten, dabei werden primäre und sekundäre LO unterschieden. Die Differenzierung der Vorläuferzellen, der T- und B-Lymphozyten, erfolgt in den primären LO.

Diese Lymphozyten werden dann in den sekundären LO mit Antigenen zusammengeführt, wobei eine spezifische Immunantwort, auf einen Fremdkörpereinfluss, ausgelöst wird (Herpertz, 2014).

Primäre LO sind Knochenmark und Thymus, in ihnen erfolgt die Produktion und das Wachstum bzw. die Reifung von T- und B-Lymphozyten. Die Vorläuferzellen der T- und B- Lymphozyten werden im Knochenmark gebildet. Die B-Lymphozyten reifen im Knochenmark, wogegen die T-Lymphozyten zum Thymus wandern, um dort zu reifen (Herpertz, 2014; Bernsen, 2011).

Zu den sekundären LO gehören die Milz, die Lymphknoten, die Mandeln, der Blinddarm und der Peyersche Plaques (letzter Teil des Dünndarms), in ihnen erfolgt die Aktivierung bzw. die Vermehrung von T- und B- Lymphozyten. Die inaktivierten T- und B- Lymphozyten wandern durch den Blutkreislauf, das Gewebe und das LS, weitere sammeln sich in den sekundären LO, wie beispielsweise in LK. Der menschliche Körper zählt im Durchschnitt 600 LK, die die Lymphgefäße unterbrechen, sodass die Lymphe durch sie hindurchfließen muss (Schade, 2016; Gültig/Miller/Zöltzer, 2016).

Trifft ein T-Lymphozyt auf das aktivierende Antigen, so führt dies zur Vermehrung der Lymphozyten und zur Auslösung einer Immunantwort. B-Lymphozyten müssen, zusätzlich zu den Antigenen, auch durch Helferzellen aktiviert werden. Jedes sekundäre LO erfüllt eine spezifische Aufgabe bei der Immunabwehr. Die Mandeln haben die Funktion Keime, die oral eingenommen werden, zu bekämpfen. Der Peyersche Plaques dagegen, die Funktion erfüllt Keime, die sich bereits im Darm befinden, zu beseitigen. (Faller/Schünke, 2012).

2.1.2 Aktiver und passiver Transport der Lymphe

Anders als das BGS, ist das LGS kein Kreislaufsystem. Zudem verfügt das LGS nicht über einen Pumpmuskel, der die Lymphe in eine bestimmte Strömungsrichtung fördert. Der Transport der Lymphe erfolgt sowohl aktiv, mithilfe von „Lymphangionen“ (auch „Lymphherzen“ genannt, LA), oder passiv, dadurch, dass sich die Lymphgefäße bei körperlichen Betätigungen zusammenziehen (Földi, 2010). In Abb. 2 ist ein LA abgebildet. LA sind stellen mit glatter Muskulatur in der Lymphgefäßwand, die sich zusammenziehen und so die Lymphe in eine bestimmte Richtung befördern. Ein Rückfluss der Lymphe, der durch die Schwerkraft verursacht wird, wird mithilfe von Klappen verhindert, die geschlossen werden und somit ein Rückfließen der Lymphe verhindern. Die LA stehen mit dem vegetativen Nervensystem in Verbindung, welches die Kontraktion der Lymphangionen steuert. In Ruhe, kontrahieren Lymphangionen ca. zehn- bis zwölfmal pro Minute, bei höherem Lymphtransportbedarf, können LA bis zu doppelt so schnell kontrahieren (Zuther/Norton, 2013; Herpertz, 2014)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Darstellung eines Lymphangions. (Quelle: Physiotherapie Schmidt, abgerufen am 17.08.2016)

2.1.3 Fehlfunktionen des Lymphsystems und Lymphödeme

Aufgrund der Tatsache, dass das LS bei der spezifischen Immunabwehr eine besondere Rolle einnimmt, führen folglich Störungen des LS zum Auftreten vieler unterschiedlicher Krankheiten und einem erheblichen Verlust der Lebensqualität. Immer mehr Ärzte diagnostizieren Fehlfunktionen des LS als Ursache verschiedener Krankheiten. Ein häufiges Phänomen, welches mit einer Fehlfunktion des LS einhergeht, ist die Entstehung von sogenannten „Lymphödemen“ (LÖD) (Bernsen, 2011; Huch/Jürgens, 2011). LÖD sind sichtbare Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe, welche auftreten, wenn der Flüssigkeitsabtransport durch das Lymphsystem beeinträchtig ist. Dabei werden primäre und sekundäre LÖD unterschieden (Földi, 2010; Herpertz, 2014). Um im Rahmen dieser Arbeit zu bleiben und den Fokus auf die Untersuchung beizubehalten, ist im Folgenden, aus Gründen der Komplexitätsreduzierung, besonders auf das Auftreten von „sekundären Lymphödemen“, infolge von Fehlfunktionen des LS, eingegangen worden.

2.2 Ödeme und Lymphödeme

In diesem Kapitel wird das Thema „Ödeme“ behandelt. Das Thema „Ödeme“ ist sehr breit gefächert, weshalb in diesem Kapitel nur einige wenige wichtige Inhalte vorgestellt wurden. Es ist wichtig ein Verständnis für die Entstehung von Ödemen, insbesondere sekundären LÖD, zu erlangen, um die darauf folgenden Behandlungsverfahren nachvollziehen zu können. Dafür, soll zuerst der Begriff „Ödem“ definiert werden. Nach Bringezu und Schreiner (2014) sind Ödeme „(…) unphysiologische Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe und in Hohlräumen.“

Weitere Definitionen liefern ähnliche Erklärungsansätze, wobei zur Erklärung andere Begriffe verwendet werden. Beispielsweise verwendet Gedigk (1990) die Formulierung: „(…) überreiche Ansammlung [von extraversaler und extrazellulärer] Flüssigkeit in Gewebsspalten (…)“; und Degenhardt (1991): „(…) Einlagerung von Flüssigkeit im interstitiellen bzw. extraversalen [auch extrazellulären] Raum, mit der Folge der Gewebsschwellung.“ Földi und Kubik (1993), liefern eine Definition im klinischen Sinne, wonach sie ein Ödem wie folgt definieren: „(…) im klinischen Sinne eine Schwellung, die durch die Vermehrung des Flüssigkeitsgehalts im Interstitium verursacht ist und die wir mit Hilfe unserer Sinnesorgane erkennen können, d.h., sie ist sichtbar und tastbar.“

Ödeme werden nach ihrem Entstehungsmechanismus klassifiziert. Ödeme können an verschiedenen Orten mit verschiedenen Ausprägungen auftreten. Generalisierte Ödeme treten am ganzen Körper auf und regionalisierte Ödeme nur an einzelnen Körperstellen. Des Weiteren unterscheidet man intrazelluläre Ödeme, solche die in einer Zelle entstehen, und extrazelluläre Ödeme, die im Zwischenzellraum entstehen (Schade, 2016).

Als „Lymphödem“ bezeichnet man die Ödeme, die durch eine (mechanische) Insuffizienz des LGS hervorgerufen werden, was bedeutet, dass die Flüssigkeit im interstitiellen Raum nicht ausreichend über die Lymphgefäße abgeführt werden kann. Die Folge, der zunehmenden Flüssigkeitsanstauung, ist die Entstehung eines Ödems (Herpertz, 2014).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Schematische Darstellung der Strukturen der Endstrombahnen auf Mikrogefäßebene. (Quelle: Eigendarstellung nach Herpertz [2014], S. 143)

LÖD können in verschiedenen Körperregionen entstehen, wie beispielsweise Hals, Genitalien, Arme und Beine und werden in primäre und sekundäre LÖD unterteilt. Primäre LÖD sind meist angeboren und fallen i.d.R. symmetrisch aus. Sekundäre LÖD entstehen als Folge äußerer mechanischer Einwirkungen, wie bspw. durch Verletzungen oder Operationen (Schingale, 2007). Nachfolgend werden die pathophysiologischen Grundlagen der Ödem Entstehung erläutert, auf deren Grundlage Behandlungsmethoden abgeleitet werden können, die in der nachfolgenden Analyse von signifikanter Bedeutung sind.

2.2.1 Pathophysiologie der Ödeme

Unter „Mikrozirkulation“ versteht die Medizin die Durchblutung kleinster Blutgefäße. Diese Gefäße werden auch „Mikrogefäße“ genannt, da sie einen Durchmesser kleiner 100 Mikro Meter haben. Dabei sind „Arteriole“, die den Arterien entsprechenden „Mikroarterien“ und „Venole“, die den Venen entsprechenden „Mikrovenen“. Kapillare stellen die verbindende Komponente dar, sie sind der Austauschkanal, zwischen Arteriolen und Venolen (Schneider/Schneider, 2008).

Der Flüssigkeitsaustausch, zwischen Gefäßen und dem Interstitium, findet überwiegend im Gebiet der Kapillaren und Venolen statt. Dieser Flüssigkeitsaustausch, soll im Folgenden näher erläutert werden.

In Abb. 3. sind Mikrogefäße dargestellt. Das linke Gefäß stellt eine Arteriole dar, die über einen Kanal (Kapillare) mit einer Venole (rechtes Gefäß) verbunden ist. Die Kapillarwand ist semipermeabel, d.h., sie ist nur für kleinere Stoffe (kleinmolekulare Stoffe) passierbar. Stoffe mit größerer Molekularstruktur, wie z.B. Eiweiße, können dagegen nicht durch die Wand passieren, da die Kapillarwandlücken, genannt „Endothellücken“, zu klein sind. Sauerstoffteilchen und Nährstoffe passieren die Kapillarwände und versorgen die umliegenden Zellen (In Abb. 3 als graue Punkte dargestellt). Dieser Vorgang wird „Filtration“ genannt. Der Raum, zwischen den Zellen, ist das Interstitium, der Zwischenzellraum (schraffierter Bereich). Im unteren Teil der Abbildung sind Lymphkapillare dargestellt. Über die Lymphkapillaren wird Flüssigkeit, aus dem Interstitium, in die Lymphbahnen geleitet und abgeführt. Folgende vier Faktoren bestimmen bzw. regulieren den Flüssigkeitsaustausch bzw. das Flüssigkeitsgleichgewicht: der hydrostatische Druck, der onkotische Druck, die Größe der Endothellücken und der Flüssigkeitsabfluss, durch die Lymphgefäße (Herpertz, 2014).

Als hydrostatischer Druck wird der Druck bezeichnet, der von der Flüssigkeit im Gefäß auf die Gefäßwand ausgeübt wird. In der gegebenen Darstellung in Abb. 3., ist es der Druck, der von der Flüssigkeit, innerhalb der Kapillarwand, auf die Kapillarwand ausgeübt wird und entspricht in diesem Bereich in etwa dem Blutdruck. Der hydrostatische Druck ist aufgrund der Gravitationskraft in niedrigeren Körperpartien am höchsten (Extremitäten). Der hydrostatische Druck ist für die Filtration von Flüssigkeit, aus der Kapillare, in das Interstitium verantwortlich (Herpertz, 2014; Földi, 2010).

Der onkotische Druck ist dem hydrostatischen Druck entgegengesetzt. Er wird durch Proteine und Globuline erzeugt. Ein bekanntes Protein ist dabei Albumin, welches zu groß ist, um die Kapillarwand zu passieren und deshalb innerhalb der Kapillare verbleibt. Um das Flüssigkeitsgleichgewicht auszugleichen wird die Flüssigkeit, entlang des Konzentrationsgradienten, aufgrund der Proteine im Kapillargefäß, in das Kapillargefäß zurückgezogen. Der onkotische Druck zieht Flüssigkeit, aus dem Interstitium, zurück in das Kapillargefäß, dieser Vorgang wird als „Resorption“ bezeichnet (Földi, 2010).

Die Größe der Endothellücken spielt eine wichtige Rolle beim Flüssigkeitsaustausch zwischen Kapillargefäßen und Interstitium. Vergrößern sich die Durchmesser der Endothellücken, so wird mehr Flüssigkeit in das Interstitium abgegeben. Dabei können, je nachdem welche Vergrößerung vorliegt, auch Stoffe mit größeren Molekularstrukturen filtriert werden (Földi, 2010).

Die aufgrund des hydrostatischen Drucks aus der Kapillarwand in das Interstitium filtrierte Flüssigkeit, wird nur zu 90 Prozent durch den onkotischen Druck wieder zurück in das Kapillargefäß absorbiert. Die verbleibenden zehn Prozent werden durch die Lymphbahnen zurück in die obere Hohlvene geleitet (Földi, 2010; Herpertz, 2014).

2.2.2 Entstehung von Ödemen

Nachfolgend werden die wesentlichen Ursachen der Ödem Entstehung vorgestellt. Dabei soll der Fokus auf die Untersuchung der Arbeit beibehalten werden, weshalb ein besonderes Augenmerk auf die Entstehung von Lymphödemen gesetzt wurde. Im vorherigen Kapitel sind die vier Faktoren, die den Flüssigkeitsaustausch und das Flüssigkeitsgleichgewicht zwischen Gefäß und Gewebe bestimmen bzw. regulieren, erläutert worden. Folglich, führen unnatürliche Veränderungen der genannten Faktoren zur Entstehung von Ödemen verschiedener Formen, in verschiedenen Körperregionen. Ein Ödem entsteht, wenn die durch Filtration ins Gewebe abgegebene Flüssigkeit nicht ausreichend abgeführt werden kann und es deshalb zur Flüssigkeitsansammlung im Gewebe kommt. Dies passiert wenn zu viel Flüssigkeit ins Gewebe abgegeben wird und/oder wenn zu wenig Flüssigkeit aus dem Gewebe abgeführt wird. Die Flüssigkeitszufuhr ins Gewebe wird dabei vom hydrostatischen Druck und von der Größe der Endothellücken bestimmt. Die Flüssigkeitsabfuhr aus dem Gewebe wird vom onkotischen Druck und vom Abfluss der Flüssigkeit über die Lymphgefäße bestimmt (Földi, 2010; Herpertz, 2014; Faller/Schünke, 2012).

Steigt der hydrostatische Druck oder vergrößern sich die Endothellücken, so wird mehr Flüssigkeit, aus den Kapillaren, in das Interstitium abgegeben. Eine Steigerung des hydrostatischen Drucks ist bei Nieren- und Herzkrankheiten, sowie lokalen Venenabflussstörungen, zu beobachten. Wird aufgrund einer Niereninsuffizienz (Nierenschwäche, Nieren Fehlfunktion), über die Nieren, zu wenig Wasser abgeführt, folgt eine Erhöhung des Wassergehalts im Körper, was als „Hyperhydratation“ bezeichnet wird. Herzversagen, wie bspw. ein Rechtsherzversagen, führen ebenfalls zur Erhöhung des hydrostatischen Drucks in den Endstrombahnen (Bernsen, 2011; Schade, 2016; Herpertz, 2014).

Beim Rechtsherzversagen, kann, aufgrund des Versagens der Pumpfunktion der rechten Herzhälfte, das Blut nicht mehr genügend in die Lunge weitergefördert werden, es kommt zu einem Rückstau im großen venösen Körperkreislauf. Der Rückstau führt dann zu einer Erhöhung des hydrostatischen Drucks in den Endstrombahnen. Folgen eines Rechtsherzversagens sind z.B. beidseitige Beinödeme und Herzbeutelerguss. Ein Linksherzversagen führt zu einem Rückstau im kleinen „Lungenkreislauf“, was ein Lungenödem zur Folge hat. Lokale Venenabflussstörungen, wie beispielsweise bei einer Beinthrombose oder einem Venenklappendefekt, führen zu lokalisierten Ödemen (Bringezu/Schreiner, 2013; Wittlinger, 2009).

Eine weitere Ursache, für die Erhöhung der Flüssigkeit im Gewebe, ist die Vergrößerung der Endothellücken der Kapillarwände. Werden die Kapillarwände durchlässiger, gelangt auch mehr Flüssigkeit ins Gewebe. Dies ist bei einem „Angioödem“ der Fall, einer Schwellung der Haut, Schleimhaut und angrenzender Gewebe, welche hauptsächlich im Kopf- und Genitalbereich auftreten. Eine Erweiterung der Endothellücken tritt meist in Form einer allergischen Reaktion oder bei Nebenwirkungen von Medikamenten auf (Herpertz, 2014).

Eine Verminderung des onkotischen Drucks führt ebenfalls zu einer Flüssigkeitsansammlung im Gewebe, da nicht mehr genügend Flüssigkeit in das Gefäß resorbiert wird und die zusätzliche Flüssigkeit nicht durch das Lymphsystem abgeführt werden kann. Das Flüssigkeitsgleichgewicht zwischen Gefäß und Gewebe ist dann zu Gunsten der Filtration verschoben (Földi, 2010; Schingale, 2007). Eine Verminderung des onkotischen Drucks ist auf einen Eiweißmangel zurückzuführen. So führt ein Mangel an „Albumin“ Eiweißen im Blut dazu, dass weniger Flüssigkeit, aus dem Interstitium, in die Kapillargefäße gezogen wird. Ursachen für einen Eiweißmangel im Blut sind bspw. eine zu geringe Eiweißaufnahme über die Ernährung, eine verminderte Eiweißsynthese in der Leber, aufgrund einer Lebererkrankung, und ein Eiweißverlust über die Niere oder den Magen-Darm-Trakt (Schingale, 2007; Herpertz, 2014).

[...]

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Unterstützende Verfahren zur Behandlung von sekundären Lymphödemen mithilfe der manuellen Lymphdrainage nach Brustkrebsoperationen
Jahr
2016
Seiten
37
Katalognummer
V344746
ISBN (eBook)
9783668348271
ISBN (Buch)
9783668348288
Dateigröße
979 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lymphdraiange, Lymphödeme
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Unterstützende Verfahren zur Behandlung von sekundären Lymphödemen mithilfe der manuellen Lymphdrainage nach Brustkrebsoperationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344746

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