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Theodor Fontanes "Schach von Wuthenow". Räume der Innerlichkeit

Titel: Theodor Fontanes "Schach von Wuthenow". Räume der Innerlichkeit

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2011 , 33 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Michael Thiele (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Theodor Fontane hat in seinen berühmten Romanen vor allem Berlin porträtiert. Wie kaum ein anderer Schriftsteller zeichnete er ein gleichermaßen lebendiges wie pointiertes Panorama der Stadt, die in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts endgültig zum gesellschaftlichen und politischen Zentrum Preußens aufgestiegen war.

Zu diesen Berliner Gesellschaftsromanen zählt "Schach von Wuthenow". Fontanes Erzählung aus der "Zeit des Regiments Gensdarmes", so der Untertitel, handelt vom ebenso eitlen wie sensiblen Regimentsoffizier Schach, der die junge Victoire von Carayon verführt und schwängert. Deren Mutter, die wie Schach in den höchsten Kreisen der Berliner Gesellschaft verkehrt, fordert Schach auf, die Beziehung zu ihrer Tochter sowie das ungeborene Kind durch eine Heirat zu legitimieren. Schach jedoch fürchtet um sein Ansehen, da Victoire aufgrund einer früheren Pockenerkrankung äußerlich entstellt ist. Erst nachdem Frau von Carayon den König um Hilfe bittet und dieser seinem Offizier ein Ultimatum stellt, willigt Schach ein.

Er heiratet Victoire, erschießt sich aber nur wenige Stunden nach der Trauung. Alle wichtigen Personen und Ereignisse der Erzählung sind mit Berlin verknüpft, beinahe jedes Kapitel spielt hier. Dennoch gibt es ein Kapitel, das aus dem städtischen Rahmen fällt: „In Wuthenow am See“ lässt die Hauptstadt weit hinter sich und spielt, wie der Titel besagt, am Ruppiner See in Wuthenow. Hierhin, nördlich von Berlin in die Mark Brandenburg, flüchtet der Protagonist Schach, als er dem gesellschaftlichen Druck nicht mehr standhält.

Doch Wuthenow ist nicht irgendein kleines Dorf fernab der Großstadt, es ist der Geburtsort Schachs. Hier befindet sich sein Elternhaus, umgeben von einem paradiesischen Garten, hier, am Ufer des weiten Ruppiner Sees, lebte seine erst kürzlich verstorbene Mutter. Eine Nacht und einen Tag lang durchstreift Schach die vertrauten Orte aus Kindertagen. Bereits an dieser Stelle zeigt sich, was im Rahmen der vorliegenden Untersuchung ausgeführt werden soll: Das gleichsam idyllische wie morbide Wuthenow steht im Gegensatz zum elitären Berlin für Räume der Innerlichkeit und des Alleinseins. Wie Schach diese abgeschiedenen Räume erlebt und wie diese literarisch gestaltet sind, soll im Folgenden herausgearbeitet werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das philosophische Werk Gaston Bachelards und seine Rezeption

3. Poetik des Raumes

3.1 Inhalt und Aufbau

3.2 Thesen, Begriffe und Argumentationsstruktur

4. Schach in Wuthenow

4.1 Der vornehme Salon

4.2 Der unbekannte Schach

4.3 Das vertraute Wuthenow

4.3.1 Im Haus

4.3.2 Im Garten

4.3.3 Im Boot

4.4 Zusammenfassung

5. Schlussbemerkung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die räumliche Gestaltung in Theodor Fontanes Erzählung "Schach von Wuthenow" unter besonderer Berücksichtigung der raumtheoretischen Ansätze Gaston Bachelards. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die abgeschiedenen Räume des Wuthenower Landsitzes im Gegensatz zum gesellschaftlich geprägten Berliner Raum als Ausdrucksformen der psychologischen Innerlichkeit und des Alleinseins des Protagonisten Schach fungieren.

  • Raumtheoretische Fundierung nach Gaston Bachelard
  • Die Funktion der räumlichen Gestaltung im literarischen Realismus
  • Analyse des Wuthenower Landsitzes als Rückzugsort und Spiegel der Vergangenheit
  • Das Verhältnis von Raum, Individuum und psychologischem Leidensdruck
  • Symbolik von Haus, Garten und Boot als "Räume der Innerlichkeit"

Auszug aus dem Buch

4.3.1 Im Haus

So herrschaftlich die Wohnung der Carayons eingerichtet ist, so bescheiden schlummert Schachs Landsitz am Rand der Ortschaft Wuthenow. Zum Hof führt keine Prachtstraße, sondern nur ein „schmale[r] Feldweg“ (102), „das Schloß selbst aber war nichts als ein alter, weißgetünchter und von einer schwarzgeteerten Balkenlage durchzogener Fachwerkbau“ (102). Schachs Mutter hatte noch ein Doppeldach, einen Blitzableiter und eine Terrasse nach dem Vorbild Sanssoucis errichten lassen, doch die hatte „das Ansehen allernüchternster Tagtäglichkeit“ (102). Gleichwohl ist Schach bei seiner Ankunft „betroffen von der Schönheit des Bildes“ (102).

Was hier evoziert wird, nämlich die Schönheit des Schlichten, die Schach empfindet, das beschreibt auch Gaston Bachelard im Kapitel „Das Haus und das All“. Dort heißt es, je einfacher ein Haus sei, desto stärker und sicherer sei es. Und weiter: Das Haus „möchte einfach bewohnt werden, mit der großen Sicherheit, die aus der Einfachheit kommt“. Einfachheit und Sicherheit gehen für Bachelard also Hand in Hand. Ebenso empfindet Schach, schließlich flüchtet er in einer Krisensituation nach Hause. Er sucht gewissermaßen den Schutzort auf, den Bachelard „Hütte“ nennt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Stadt- und Raumnutzung in Theodor Fontanes Werken mit Fokus auf die Erzählung "Schach von Wuthenow".

2. Das philosophische Werk Gaston Bachelards und seine Rezeption: Überblick über die Werkphasen Bachelards und die methodische Herangehensweise seiner phänomenologischen Raumtheorie.

3. Poetik des Raumes: Analyse von Bachelards theoretischem Grundgerüst, insbesondere des Konzepts vom Haus als Ursprung und Wurzel menschlichen Seins.

4. Schach in Wuthenow: Hauptteil der Untersuchung, in dem das Wuthenow-Kapitel als Gegenentwurf zur urbanen Berliner Welt analysiert wird.

5. Schlussbemerkung: Resümee über die psychologische Tiefe der Raumnutzung bei Fontane und die Bedeutung von Bachelards Ansätzen für die literarische Analyse.

Schlüsselwörter

Theodor Fontane, Schach von Wuthenow, Gaston Bachelard, Poetik des Raumes, Spatial Turn, Literaturwissenschaft, Raumtheorie, Phänomenologie, Innerlichkeit, Rückzugsort, Realismus, Topophilie, Wuthenow, psychologische Analyse, literarischer Raum

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die räumliche Gestaltung in Theodor Fontanes Erzählung "Schach von Wuthenow" und stellt dabei die Räume des Wuthenower Landsitzes dem gesellschaftlichen Raum Berlins gegenüber.

Welche thematischen Schwerpunkte werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Konzepte des Raumerlebens, die Bedeutung des Elternhauses als Rückzugsort, die Symbolik von Naturräumen und die psychologische Verknüpfung zwischen dem Individuum Schach und seinem Lebensraum.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Es wird untersucht, wie die literarische Gestaltung der abgeschiedenen Räume in Wuthenow dazu dient, die psychologische Innerlichkeit und den krisenhaften Zustand des Protagonisten Schach sichtbar zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine raumtheoretische Analyse, basierend auf der phänomenologischen Methode Gaston Bachelards aus dessen Werk "Poetik des Raumes", ergänzt durch literaturwissenschaftliche Ansätze zum erzählten Raum.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des städtischen Salons als Repräsentationsraum, die Analyse des unbekannten Profils von Schach und eine detaillierte Betrachtung der "Räume der Innerlichkeit" in Wuthenow (Haus, Garten, Boot).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Fontanes Raumgestaltung, Bachelards Raumtheorie, der "spatial turn", psychologische Raumnutzung, Wuthenow als Gegenort und die literarische Darstellung von Innenwelten.

Warum ist die Wohnung des Protagonisten in Berlin nur spärlich beschrieben?

Die spärliche Beschreibung in Berlin unterstreicht Schachs Funktion als gesellschaftliche Fassade; erst in den detailliert beschriebenen, vertrauten Räumen von Wuthenow wird sein eigentliches, sensibles Wesen erkennbar.

Welche Rolle spielt das Motiv des Bootes im Wuthenow-Kapitel?

Das Boot dient als "Uterus-Motiv" und zentraler Rückzugsort, der Schach die Regression in kindliche Geborgenheit ermöglicht, ihn jedoch zugleich mit seinem unbewussten Todeswunsch konfrontiert.

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Details

Titel
Theodor Fontanes "Schach von Wuthenow". Räume der Innerlichkeit
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Deutsche und Niederländische Philologie)
Veranstaltung
OS: Spatial Turn – Raum und Bewegung
Note
1,0
Autor
Michael Thiele (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
33
Katalognummer
V344788
ISBN (eBook)
9783668344891
ISBN (Buch)
9783668344907
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Germanistik Fontane Wuthenow Raum Analyse Erzählung Bachelard Gaston Figur
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Michael Thiele (Autor:in), 2011, Theodor Fontanes "Schach von Wuthenow". Räume der Innerlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344788
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Leseprobe aus  33  Seiten
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