Steuerung von Zinsänderungsrisiken im Bankenbuch. Herausforderung Niedrigzinsumfeld


Studienarbeit, 2016

44 Seiten, Note: 1,9


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 Einleitung

2 Relevanz von Steuerungsinstrumente zur Absicherung von Zinsänderungsrisiken im Niedrigzinsumfeld
2.1 Charakterisierung von Zinsänderungsrisiken
2.2 Grundsätzliche Anforderungen an Steuerungsinstrumente
2.3 Herausforderungen an die Steuerung von Zinsänderungsrisiken infolge des Niedrigzinsumfeldes

3 Opportune Steuerungsinstrumente zur Absicherung von Zinsänderungsrisiken im Niedrigzinsumfeld
3.1 Bilanzielle Instrumente
3.2 Unbedingte Termingeschäft
3.3 Bedingte Termingeschäfte

4 Kritische Würdigung
4.1 Identifizierung relevanter Steuerungsinstrumente
4.2 Elastizitätsausgleich mittels relevanter Steuerungsinstrumente
4.3 Opportunistische Betrachtung relevanter Steuerungsinstrumente

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Zinsspanne der Kreditinstitute im Zinszyklus

Abb. 2 Interdependenz der Zinsstruktur und der Fristentransformation

Abb. 3 Marktwertrisiko und Bilanzstruktur

Abb. 4 Bestimmung der Gesamtbankelastizitäten

Abb. 5 Kundeneinlagestruktur der Volks- und Raiffeisenbanken

Abb. 6 Vertragliche Beziehungen mittels Clearingstelle

Abb. 7 Gegenüberstellung von Festzinspositionen (Aktiva und Passiva) im Zeitverlauf

Abb. 8 Elastizitätsbilanz nach Abschluss 3 Jahres Zinsswap

Abb. 9 Elastizitätsbilanz nach Abschluss 3 und 2 Jahres Zinsswaps

Abb. 10 Elastizitätsbilanz nach Abschluss 3, 2 und 1 Jahres Zinsswaps

Abb. 11 Indikationen Zinsswaps

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die anhaltende expansive Geldpolitik der EZB und die seit 2008 fast kontinuierli- che Senkung des Leitzinses sind die Treiber des Niedrigzinsumfeldes im Euro- raum.[1] Die Auswirkungen auf die europäischen und somit auch auf die deutschen Kreditinstitute betrifft vor allem die Ertragslage der Institute, welche mit dem tradi- tionellen Kredit- und Einlagegeschäft, also der Generierung von Zinsüberschüs- sen, ihren Hauptertrag erwirtschaften. Der Effekt einer sinkenden Zinsspanne setzt aufgrund sukzessiv auslaufender hoch verzinslicher Aktiva erst zeitversetzt also mit einem Timelag ein.[2] Bedingt durch die Erhöhung des Kreditvolumens und der damit verbundenen Kompensation von geringer werdenden Zinsüber- schüssen, konnten die deutschen Kreditinstitute ihr Zinsergebnis im Jahr 2014 auf 90,4 Mrd. Euro ausbauen. Der Zinsüberschuss betrug somit 74,4 % der ope- rativen Erträge und lag damit knapp über dem langfristigen Durchschnittswert. Die o.g. Zeitverzögerung wird sich folglich erst in den kommenden Jahren negativ auf den Zinsüberschuss auswirken.[3] Aktuell ist dennoch eine immer weiter schrumpfende Zinsspanne zu beobachten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Deutsche Bundesbank (online, 2015).

Abb. 1: Zinsspanne der Kreditinstitute im Zinszyklus

Steuerung von Zinsänderungsrisiken Daniel Zesing im Bankenbuch Neben den niedrigen Zinsen wirkt sich außerdem die immer schneller und stärker voranschreitende Regulatorik und den daraus resultierenden höheren Sach- so- wie Personalaufwendungen, negativ auf die Jahresüberschüsse der Kreditinstitu- te aus. Zu den Gegensteuerungsmaßnahmen der Kreditinstitute zählen die For- cierung des Provisionsgeschäftes, die konsequente Senkung der Sachkosten und die Maximierung des Zinsüberschusses mithilfe der Fristentransformation.[4] Dieses Vorgehen, dem eingehen von Fristentransformation, birgt ein hohes Zins- änderungsrisiko aufgrund einer Parallelverschiebung bzw. einer flacher werden- den Zinsstrukturkurve.[5] Das Management von Zinsänderungsrisiken im Banken- buch wurde innerhalb der Literatur bereits ausgiebig diskutiert, setzte allerdings häufig ein normales Zinsumfeld voraus. Die Forschungsfrage dieser Studienar- beit lautet daher:

Welche Steuerungsinstrumente eignen sich zum Management von Zinsänderungsrisiken im Bankenbuch im Niedrigzinsumfeld?

Ziel der Arbeit ist es, geeignete Steuerungsinstrumente für das Management von Zinsänderungsrisiken mit dem Einflussfaktor der Niedrigzinspolitik der EZB zu identifizieren. Dies soll vor dem Hintergrund sinkender Jahresüberschüsse im Kreditsektor vor allem unter einer ertragsorientierten Risikoabsicherung erfolgen. Demnach werden keine Handlungsempfehlungen zum Management von Zinsänderungsrisiken in der barwertigen Betrachtung behandelt. Es werden lediglich die Zinsrisiken, welche einen Einfluss auf die Ertragslage, also die Beschneidung des Zinsüberschusses haben, betrachtet.

Nachdem die Einleitung bereits einen Einblick in die aktuelle Situation geben konnte, gliedert sich die Arbeit zur Beantwortung der Forschungsfrage in drei weitere Kapitel. Zunächst erfolgt im zweiten Kapitel die Vorstellung genereller Verfahren zur Messung vorgenannter Zinsänderungsrisiken, hiernach werden Anforderungen an Steuerungsinstrumente für Zinsänderungsrisiken identifiziert. Im letzten Gliederungspunkt des zweiten Kapitels werden aktuelle Herausforde- rungen an das Management von Zinsänderungsrisiken dargestellt. Darauf auf- bauend werden im dritten Kapitel etablierte Steuerungsinstrumente vorgestellt.

Final werden unter Verwendung eines Rechenbeispieles Absicherungsinstrumen- Steuerung von Zinsänderungsrisiken Daniel Zesing im Bankenbuch te, welche sich zum Management im Niedrigzinsumfeld eignen, identifiziert. Abschließend werden sie hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile untersucht.

2 Relevanz von Steuerungsinstrumente zur Absicherung von Zinsänderungsrisiken im Niedrigzinsumfeld

2.1 Charakterisierung von Zinsänderungsrisiken

Innerhalb der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) werden Adressenausfallrisiken, Marktpreisrisiken, Liquiditätsrisiken und operationelle Risiken als wesentliche Wagnisse eingestuft.[6]

Ein Risiko wird definiert als die allgemeine Abweichung möglicher oder bereits realisierter Werte vom ursprünglichen angenommenen Erwartungswert.[7] Das Zinsänderungsrisiko ist dem marktinduzierten Risiko zuzuordnen und resul- tiert aus volatilen Marktzinssätzen, einer sich verändernden Zinsstrukturkurve und dem Zeitablauf von Festzinspositionen.[8] Dieses Risiko schlägt sich entweder innerhalb des periodischen Erfolges bzw. Aufwandes der Zinsen und somit in der Bruttozinsspanne oder in der barwertigen Betrachtung der Zinspositionsgrößen nieder.[9] Je nach Adressatenkreis hängen die vorstehenden Zielvariablen vom Standpunkt des Betrachters ab.[10] Der Einfluss auf den Periodenerfolg und somit auf das Eigenkapital ist eine wichtige Determinante für das Bankenmanagement. Hingegen ist die Relevanz für die barwertige Betrachtung für die mehr an der Solvenz interessierte Bankenaufsicht von höherer Bedeutung.[11] Zinsrisiken werden in festverzinsliche und variable Positionen abgegrenzt, erste- re resultieren aufgrund von Fristentransformation. Die Fristentransformation wird im speziellen als volkswirtschaftliche Leistung von Kreditinstituten angesehen.[12] In diesem Kontext wird die Transformation als die Aufnahme und Anlage von zinstragenden Geschäften mit divergierenden Laufzeiten auf der Aktiv- und Pas- sivseite verstanden.[13] Die Ertragspotenziale der Fristentransformation werden mithilfe der Theorie der Zinsstruktur begründet.[14] Aufgrund der Abhängigkeit des Zinssatzes von der Fristigkeit der Marktzinssätze führt die Fristentransformation bei einer normalen oder inversen Zinsstrukturkurve zu einem Beitrag für das Kre- ditinstitut.[15] Bei Vorliegen einer flachen Zinsstrukturkurve ist die Fristentransfor- mation aufgrund identischer Zinssätze aller Laufzeiten nicht sinnvoll. Ferner wird zwischen einer positiven und negativen Fristentransformation diffe- renziert. Die Fristentransformation verfolgt zwei Basisstrategien. Die erstere Stra- tegie bewirkt zunächst einen Gewinn und wird positive Fristentransformation be- zeichnet.[16] Die positive Fristentransformation kommt bei einer normalen/inversen Zinsstrukturkurve durch kurzfristige/langfristige Geldaufnahme und langfristi- ger/kurzfristiger Kreditgewährung zustande.[17] Der konträre Effekt dazu ist die negative Fristentransformation, die die zweite Basisstrategie darstellt. Zunächst wird mit der Erwartung später sich ändernden Marktzinsen eine Verlustposition gebildet, welche im Zeitverlauf positiv werden soll. Hierzu werden bei einer nor- malen/inversen Zinsstrukturkurve kurzfristige/langfristige Kreditgewährungen durch langfristige/kurzfristige Passiva refinanziert.[18] Die nachstehende Abbildung vervollständigt die Zusammenhänge:

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Schierenbeck et al. (2014), S. 73.

Abb. 2: Interdependenz der Zinsstruktur und der Fristentransformation

Durch die vorangegangene Ausführung wird erkennbar, dass die Zinsänderungs- risiken der Festzinspositionen im Wesentlichen durch zwei Effekte wirksam wer- den. Zunächst besteht ein Risiko in der Veränderung der Zinsstruktur zum ur- sprünglich abgeschlossenen Geschäft. Beispielsweise wirken sich bei einer posi- tiven betriebenen Fristentransformation steigende kurzfristige Zinsen negativ auf den Fristentransformationsbeitrag aus.[19] Letzterer Effekt ist durch das zinsindu- zierte Marktwertrisiko erklärbar. Durch die Diskontierung der Zinspositionsgrößen zu aktuellen Zinssätzen reduzieren/erhöhen sich die Marktwerte der Akti- va/Passiva sowie die außerbilanziellen Positionen bei steigenden/fallenden Zinssätzen.[20] Der Saldo von aktivischen und passivischen Marktwerten drückt den Eigenkapitalmarktwert aus. Angenommen der Marktwert der Verbindlichkei- ten reagiert gegenüber den Marktwerten der Aktiva absolut stärker aufgrund von Zinsänderungen, so würden steigende Zinsen zu Gewinnen und sinkende Zinsen zu Verlusten führen.[21] Die nachstehende Abbildung vervollständigt die weiteren Einflüsse auf den Marktwert des Eigenkapitals.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Schierenbeck et al. (2008), S. 295.

Abb. 3: Marktwertrisiko und Bilanzstruktur

Dieser Effekt wird mithilfe der Marktwertreagibilität beschrieben, welcher vom Sensitivitätsmaß also der prozentualen Veränderung des Positionszinses aufgrund einer Marktzinsänderung und der Wahrscheinlichkeit einer Zinsveränderung beeinflusst wird.[22]

Die Zinsrisiken der variablen Positionen werden von inkongruenten Zinsanpassungselastizitäten und Zinsreagibilitäten der Aktiva und Passiva determiniert.[23] Hierbei besteht das Risiko, dass sich in Folge von Marktzinsänderungen die Zinsspanne der variablen Positionen verändert.[24]

Die Zinsanpassungselastizität wird in diesem Zusammenhang als die zeitliche Diskrepanz zwischen der Veränderung des Marktzinssatzes und der Anpassung der Kundenkonditionen verstanden.[25] Hingegen beschreibt die Zinsreagibilität die Intensität der Zinssatzveränderung einer Zinsposition aufgrund der Veränderung des Marktzinses.[26] Durch Gegenüberstellung der durchschnittlichen aktivischen und passivischen Zinsanpassungselastizitäten ergeben sich entsprechende Elas- tizitätsüberhänge. Aktivische Überhänge erzeugen bei sinkenden Zinsen einen Verlust und bei steigenden Zinsen einen Gewinn.[27] Bei passivischen Überhängen stellt sich der entgegengesetzte Effekt ein, sinkende Zinsen bewirken einen Ge- winn und steigende Zinsen einen Verlust.[28]

Die Methoden zur Quantifizierung des Zinsänderungsrisikos in der barwertigen sowie in der zinsinduzierten Betrachtung wurden innerhalb der einschlägigen Literatur bereits ausführlich diskutiert. Das Zinselastizitätskonzept von Rolfes 1985 dient zur späteren Verwendung und wird im Hinblick auf den begrenzten Umfang dieser Arbeit isoliert betrachtet. Zur Verdeutlichung der anderen Methoden wird auf die Literatur verwiesen.

Das Elastizitätskonzept ist die Weiterentwicklung der Zinsbindungsbilanz, es be- zieht variabel verzinste Positionen mit ein.[29] Das Ziel ist die Bestimmung der Sensitivität der Bruttozinsspanne gegenüber der Veränderung des Marktzinses. Zunächst erfolgt die Ermittlung der Zinsanpassungselastizitäten aller bilanziellen Zinspositionen, danach wird die Elastizitätsbilanz erstellt und final werden die Elastizitätsüberhänge identifiziert. Die Berechnung der Zinsanpassungselastizität wird auf Grundlage von historischen Zeitreihen der Positions- und kongruenten Marktzinssätze ermittelt.[30] Vereinfacht kann mithilfe folgender Formel die Zinsan- passungselastizität berechnet werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Festzinspositionen folgen der Prämisse, dass eine Anpassung der Zinssätze während der Laufzeit nicht möglich ist. Das Vorgehen wird anhand nachfolgender Abbildung mit fiktivem Zahlenmaterial deutlich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Schierenbeck et al. (2014), S. 337.

Abb. 4: Bestimmung der Gesamtbankelastizitäten

Die oben zu sehende exemplarische Elastizitätsbilanz weist einen passivischen Elastizitätsüberhang von 0,03 % Punkte auf (0,18-0,15). Bei einem Anstieg des Marktzinses um 1 % Punkt verringert sich die Bruttozinsspanne demnach um 0,03 % Punkte. Bei einer Zinssatzsenkung von einem 1 % Punkt, steigt die Brut- tozinsspanne um 0,03 % Punkte. Dies entspricht bei einer Bilanzsumme von 500 Mio. GE einer Veränderung der Bruttozinsspanne von - 150.000 GE bzw. + 150.000 GE.

Aus dieser statischen Betrachtung können Erweiterungen zur Berücksichtigung von dynamischen Effekten integriert werden.[31] Diese werden als Ablauf- und Elastizitätseffekte bezeichnet.[32] Der Ablaufeffekt ist die Auswirkung auf die Brut- tozinsspanne, wenn Festzinspositionen auslaufen und sich die Marktkonditionen zur Prolongation geändert haben. Der Elastizitätseffekt ist die Änderung des Neugeschäftszinses aufgrund von prognostizierten Szenarien des Marktzinses. Daraus können ferner Bilanzstrukturänderungen aufgrund von verändertem Kun- denverhaltens abgeleitet werden.

Zusammenzufassend gilt, dass die BaFin eine adäquate Risikomessung des Zinsspann- und des Marktwertrisikos fordert. Hierzu sind lediglich die moder- nen/dynamischen Ansätze, welche Eintrittswahrscheinlichkeiten von Zinsände- rungen rezipieren, geeignet. Hervorzuheben ist hierbei zur Messung der zinsin- duzierten Risiken die Methode des Zinselastizitätskonzepts von Rolfes 1985. Zur barwertigen Messung sind die Durationskonzepte sowie die VaR Betrachtungen von Macaulay sowie die Key Rate Duration von Chambergs/Carletion 1988 und Ho 1922 relevant.[33]

2.2 Grundsätzliche Anforderungen an Steuerungsinstrumente

Das ertragsorientierte Bankenmanagement richtet sich nach den drei Grundprin- zipien Rentabilität, Wachstum und Risiko aus. [34] Es ist unumstritten, dass sich alle geschäftspolitischen Entscheidungen stets dem Rentabilitätsgedanken zu unterwerfen haben. Die zwei weiteren Grundprinzipien der Wachstums- und Risi- kopolitik werden daher stets aus einer ertragsorientierten Betrachtung gesteuert. Die Bewertung der Wirtschaftlichkeit wird erst durch eine relative Beziehung von Kennzahlen ermöglicht. Etabliert hat sich in diesem Kontext das ROI- Konzept, in dem relevante Kennzahlen zueinander in Beziehung gesetzt werden. Hierdurch lassen sich neben der einfachen Interpretation der Kennzahlen außerdem Kenn- zahlen von unterschiedlichen Kreditinstituten miteinander vergleichen.[35] Bilanz- wirksame Steuerungsinstrumente beeinflussen die relativen Kennzahlen positiv sowie negativ, hingegen tangieren bilanzneutrale Steuerungsinstrumente die Kennzahlen nicht. Die bilanzielle Wirksamkeit von Steuerungsinstrumenten kön- nen die relativen Kennzahlen des Kreditinstitutes signifikant verändern. Die erste Anforderung ist demnach die bilanzielle Behandlung von Steuerungsinstrumen- ten. Bilanzverkürzende bzw. nicht bilanzverlängernde Steuerungsinstrumente sind anderen Steuerungsinstrumenten aufgrund der Auswirkungen auf die relati- ven Kennzahlen vorzuziehen.

Die Rentabilität eines Kreditinstitutes wird aufgrund der Erträge sowie Aufwendungen determiniert. Die Steuerungsinstrumente weisen je nach Komplexität und zwischenzeitlichen Anpassungsbedarf an den Treasurer unterschiedliche Arbeitsintensitäten auf. Hierdurch werden indirekt erhöhte Personalkosten impliziert. Weiterhin können für Steuerungsinstrumente selbst Prämien sowie Transaktionskosten anfallen. Die zweite Anforderung an Steuerungsinstrumente ist demnach ein möglichst geringer Einsatz an monetären Mitteln.

Im Januar 2014 trat das CRD IV Paket in Kraft. Verbunden damit ist eine sukzes- sive Steigerung der Eigenkapitalanforderungen an risikogewichtete Aktiva bis 2019. Im Wesentlichen wurden die Eigenkapitalqualität sowie die Quantität er- höht. Es sind zukünftig Kapitalerhaltungspuffer, antizyklischer Puffer, Puffer für globale systemrelevante Institute, Puffer für anderweitige systemrelevante Institu- te sowie Puffer für systemische oder makroprudenzielle Risiken vorzuhalten.[36] Daraus ableitend wird die dritte Anforderung, die der aufsichtsrechtlichen Anfor- derung an Eigenkapitalhinterlegung für Steuerungsinstrumente, definiert. Das Eigenkapital eines Kreditinstitutes ist begrenzt und sollte mit Bedacht auf eine gewinnbringende Allokation verwendet werden.[37] Steuerungsinstrumente die eine hohe Eigenkapitalhinterlegung erfordern, sind demnach zu vermeiden.

Derivate sind von anderen Finanzprodukten abgeleitete Finanzinstrumente. Sie eignen sich zur Absicherung bestehender Positionen (Hedging), zur Arbitrage oder zur Spekulation.[38]

Das Hedging beschreibt die Immunisierung bzw. die Reduktion von Preisänderungsrisiken einer Kassaposition durch eine entgegengesetzte Position am Terminmarkt.[39] Das risikolose gewinnbringende Ausnutzen, also der simultane Kaufund Verkauf eines Underlyings (Basiswertes), von zeitlichen und räumlichen Preisunterschieden für eine gleiche Risikoposition, wird als Arbitrage bezeichnet.[40] Dementgegen steht die Spekulation, also die bewusste Übernahme von Preisänderungsrisiken zur Erzielung eines Gewinns.[41]

Im Weiteren liegt das Hedging im zentralen Punkt der Betrachtung. Es weist unterschiedliche Ausprägungen auf. Mikro Hedge bezeichnet die Absicherung eines Underylings mithilfe einer dem Underlying kongruenten Terminposition.[42] Die Absicherung von Kassapositionen mithilfe von Terminpositionen, die nicht dem Basisobjekt entsprechen, aber eine entsprechende Korrelation aufweisen, wird als Makro Hedge bezeichnet.[43] Die gemeinsame Steuerung gleichartiger Ge- schäfte wird als Portfolio Hedge bezeichnet.[44]

Die Derivate korrelieren mit ihrem Underlying entweder positiv oder negativ. Zum Hedging von Risiken ist die damit implizierte Gegenposition essenziell. Demnach wird als die vierte Voraussetzung, der Existenz einer Gegenposition am Markt definiert.

[...]


[1] Vgl. Institut der deutschen Wirtschaft Köln (2014), S. 26.

[2] Vgl. ebenda, S. 47.

[3] Vgl. Deutsche Bundesbank (online, 2015).

[4] Vgl. Sinn/Schmundt (2015), S. 7.

[5] Vgl. Guserl/Pernsteiner (2015), S. 465.

[6] Vgl. BaFin (online, 2010).

[7] Vgl. Kugler (1985), S. 11 ff.

[8] Vgl. Guserl/Pernsteiner (2015), S. 465.

[9] Vgl. Schierenbeck et al. (2008), S. 319.

[10] Vgl. Bessler (1989), S. 156.

[11] Vgl. ebenda.

[12] Vgl. Reichlin (2001).

[13] Vgl. Schierenbeck (1994), S. 283.

[14] Vgl. Issing (2011), S. 74.

[15] Vgl. Bartetzky/Oesterhelweg (2002).

[16] Vgl. Rolfes (1994), S. 191 ff.

[17] Vgl. ebenda.

[18] Vgl. ebenda.

[19] Vgl. Bessler (1989), S. 152.

[20] Vgl. Schierenbeck et al. (2008), S. 294.

[21] Vgl. ebenda, S. 294 f.

[22] Vgl. ebenda.

[23] Vgl. Bessler (1989), S. 150.

[24] Vgl. Baker (1981); Binder (1982); Rolfes (1991).

[25] Vgl. Schierenbeck et al. (2008), S. 329 ff.

[26] Vgl. ebenda.

[27] Vgl. ebenda, S. 295.

[28] Vgl. ebenda.

[29] Vgl. Rolfes (2001), S. 943 ff.

[30] Vgl. Schierenbeck et al. (2008), S. 330 ff.

[31] Vgl. Rolfes (2001), S. 943 ff.

[32] Vgl. ebenda.

[33] Vgl. Schierenbeck et al. (2008), S. 298 ff.

[34] Vgl. Schierenbeck et al. (2014), S. 1.

[35] Vgl. Guserl/Pernsteiner (2015), S. 226 ff.

[36] Vgl. § 10 KWG.

[37] Vgl. Staroßom (2013), S. 76.

[38] Vgl. Clark/Ghosh (2004), S. 1.

[39] Vgl. Limperger (2002), S. 7.

[40] Vgl. Guserl/Pernsteiner (2015), S. 484.

[41] Vgl. ebenda.

[42] Vgl. Rudolph/Schäfer (2010), S. 33 ff.

[43] Vgl. ebenda.

[44] Vgl. ebenda.

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Steuerung von Zinsänderungsrisiken im Bankenbuch. Herausforderung Niedrigzinsumfeld
Hochschule
Steinbeis-Hochschule Berlin  (ADG Business School)
Note
1,9
Autor
Jahr
2016
Seiten
44
Katalognummer
V344808
ISBN (eBook)
9783668346833
ISBN (Buch)
9783668346840
Dateigröße
2983 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
steuerung, zinsänderungsrisiken, bankenbuch, herausforderung, niedrigzinsumfeld, ZÄR, Derivate, IRRBB, interest rate risk, Swap, FRA, Cap, Floor, Collar, OTC, niedrigzins, low rates, niedrigzinspolitik, niedrig zins
Arbeit zitieren
Daniel Zesing (Autor), 2016, Steuerung von Zinsänderungsrisiken im Bankenbuch. Herausforderung Niedrigzinsumfeld, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344808

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Steuerung von Zinsänderungsrisiken im Bankenbuch. Herausforderung Niedrigzinsumfeld



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden