Komik bei Molière. "Le malade imaginaire"


Hausarbeit, 2016

20 Seiten, Note: 1,7

James Glosterfrau (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verschiedene Arten der Komik nach Henri Bergson
2.1 Situationskomik
2.2 Wortkomik
2.3 Charakterkomik

3. Die Komik in „Le malade imaginaire“
3.1 Situationskomik in „Le malade imaginaire“
3.2 Wortkomik in „Le malade imaginaire“
3.3 Charakterkomik in „Le malade imaginaire“
3.3.1 Argan als komischer Charakter
3.3.2 Thomas Diafoirus als komischer Charakter
3.3.3.Toinette als komischer Charakter

4. Fazit und Ausblick

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Immer wieder erheitern uns Komödien oder Lustspiele. Wir lachen, wenn uns etwas Freude bereitet. Ist das eine bewusste oder unbewusste Reaktion? Gibt es vielleicht sogar eine genaue Anleitung, die es ermöglicht Lachen zu hervorzurufen? Über was lachen wir eigentlich? Henri Bergson schreibt in seinem Essay „Le rire“ dass unser Lachen oft dadurch ausgelöst wird, wenn wir einen Automatismus erkennen. Er geht dabei zurück in unsere Kindheit, um Erklärungen für das Lachen zu finden.

Einer der bekanntesten Verfasser von Komödien ist Molière. Deshalb beschäftigt sich diese Arbeit auch mit der Fragestellung „Welche Arten von Komik lassen sich bei Molière finden“. Aus diesem Grund wird exemplarisch das Theaterstück „Le malade imaginaire“ betrachtet.

Dabei soll die Arbeit wie folgt aufgebaut werden:

Im zweiten Teil werden die verschiedenen Arten der Komik, welche Henri Bergson in seinem Essay „Le rire“ beschrieben hat, dargestellt. Genauer werden in diesem Zusammenhang die Situationskomik, Wortkomik und Charakterkomik betrachtet und erläutert. Vorab muss noch eine Einschränkung vorgenommen werden. Es wird der Prolog des Theaterstücks sowie die Zwischensequenzen vernachlässigt, da der hier gegebene Rahmen dafür nicht ausreichend wäre.

Im nächsten Teil wird die zuvor beschriebene Theorie in Kontext mit dem Theaterstück „Le malade imaginaire“ gebracht und an Hand von geeigneten Textstellen eine Analyse vorgenommen. Dabei wird die zunächst die Situationskomik an Hand exemplarisch ausgewählter Szenen im Theaterstück veranschaulicht und erläutert warum hier Komik entsteht. Das Vorgehen wird dabei immer dasselbe sein. Zunächst wird die Textstelle in den Zusammenhang mit dem Theaterstück gebracht und anschließend mit Hilfe der im zweiten Teil beschriebenen Theorie untersucht.

Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und ein Fazit der Untersuchung gezogen. Die Arbeit endet mit einem Ausblick auf mögliche weiterführende Forschungen.

2. Verschiedene Arten der Komik nach Henri Bergson

Die im Folgenden gegebenen theoretischen Grundlagen basieren auf dem Werk „Le rire“ von Henri Bergson.

Auch hierbei muss auf Grund des begrenzten Rahmens dieser Arbeit eine Einschränkung erfolgen. Somit werden nur die für die Analyse im dritten Teil benötigten relevanten Aspekte der Situations-,Wort- und Charakterkomik genauer beschrieben.

2.1 Situationskomik

Für Bergson (2011) bedeutet Komödie „[…] spielerisch nachgeahmtes Leben.“1 Den Ausgangspunkt seiner Überlegungen bildet das kindliche Spiel, welches er an drei Beispielen veranschaulicht: Springteufel, Hampelmann und Schneeball. Zunächst soll eine genauere Betrachtung des erst genannten Beispiels erfolgen. Hierbei ist zu beachten, dass auf die Erläuterung von Schneeball und Hampelmann verzichtet wird, da diese in „Le malade imaginaire“ nicht zur Anwendung kommen. Ausgangspunkt der Überlegung von Bergson (2011) stellt das Kinderspielzeug Springteufel dar und dessen Mechanismus. Wird dieser hineingedrückt, schnellt er bald darauf hinaus. Je tiefer er hineingedrückt wird desto höher schnellt er heraus. Dieser besagte Mechanismus wird auf das Theater übertragen2 und es wird von einer „[…] geistigen Feder[…]“3 gesprochen. Kernaussage dieses Mechanismus ist dabei, dass zwei Kräfte zusammenspielen. Die eine versucht ein Ziel zu verfolgen und wird dabei von der anderen bekämpft. Überträgt man diese Gedanken auf die Komödie so erfolgt der Mechanismus an Hand eines Wortschwalls und des jeweiligen Ausdrückens und Unterdrückens.4 Ein wesentliches Element dieses Mechanismus ist laut Bergson die Wiederholung. In diesem Zusammenhang spricht er von zwei Empfindungen „[…] starr und stur[…]“.5 Eine Person, welche nun zwischen diesen beiden Zuständigen hin und her pendelt, hat offensichtlich etwas Mechanisches. So kommt er zu der Schlussfolgerung, welche die durch den Mechanismus des Springteufels hervorgerufene Komik, als „[…] etwas Mechanisches in etwas Lebendigem[…]“6 zu sehen begründet. Darüber hinaus werden drei neue Prozesse eingeführt, welche eine tiefgründigere Erklärung für Komik liefern sollen: „[…] Repetition, Inversion und Interferenz der Serien oder Reihenfolgen[…]“.7 Der erste Begriff umschreibt eine Situation. Genauer gesagt eine wiederholte Aneinanderreihung von bestimmten Umständen.8 Der Grund dafür liegt im Unterschied zum echten Leben, bei dem keine Wiederholung erfolgt, sondern ein stetiges Fortschreiten erfolgt.9 Darüber hinaus stellt er zwei Bedingungen für die Komik von Wiederholungen auf: „[…] Sie wirken um so komischer, je komplexer die Szene ist und auch je natürlicher sie herbeigeführt wird.“10 Als zweiten Prozess nennt Bergson die Inversion. Darunter versteht er die Umkehrung einer bestimmten Situation mit vertauschten Rollen.11 Dabei ist es nicht von Belang, ob beide Szenen auch beobachtet werden können.12 Es reicht aus, wenn an ein Szene gedacht wird und die andere tatsächlich gesehen wird.13 Als Beispiel hierfür werden der „verfolgte Verfolger“14 oder der „betrogene Betrüger“15 genannt.

Als letzten Prozess führt er die Interferenz der Serien an. Die Komik, welche dadurch erzeugt wird, beruht auf dem Schwanken zwischen zwei unterschiedlichen Deutungen des Sinns.16 Der eine ist der wahre Sinn und der andere ein möglicher. Der Unterschied dabei ist, dass die Schauspieler nur den möglichen Sinn kennen und die Zuschauer dagegen den wahren Sinn.17 Als ein Beispiel dafür wird die Verwechslung angeführt, da diese auf zwei unterschiedliche Weisen gedeutet werden kann. Somit entstehen Irrtümer und falsche Bewertungen. Der Zuschauer dagegen kommt vom falschen zum richtigen Urteil. Das dadurch ausgelöste Schwanken durch die Kenntnis des wahren Sinns, löst die Komik aus. In diesem Zusammenhang spricht Bergson ebenso von Zweideutigkeit. Jedoch wird die Komik nicht durch diese an sich erzeugt, sondern durch das Spiel: „Jeden Augenblick droht alles aufzufliegen, und jedesmal wird alles wieder geflickt“.18 Die Voraussetzung dafür ist das Vorhandensein zweier unabhängiger Serien und der Aufmerksamkeit auf dem möglichen Zusammentreffen von diesen.19

Eine weitere Art der Komik ist die Wortkomik.

2.2 Wortkomik

Ein wesentlicher Unterschied zwischen der zuvor beschriebenen Situationskomik liegt darin, dass diese nicht übersetzbar ist, wenn die Komik durch die Sprache erzeugt wird.20 Darüber hinaus wird zwischen „[…]geistreich[…]“21 und „[…]komisch[…]“22 unterschieden. Die erste Kategorie bezeichnet bspw. ein Wort, welches uns über eine dritte Person oder uns selbst lachen lässt. Ein komisches Wort lässt uns über die Person, die es ausgesprochen hat, lachen.23 Dennoch gibt es auch Wörter, die keiner der beiden Kategorien angehören und somit werden diese dann als „[…]lustig[…]“24 bezeichnet. Von größerer Bedeutung ist jedoch, mit welchen Mitteln die Komik mit Worten erzeugt werden kann. Als erste Möglichkeit wird die Steifheit der Sprache in Form von „[…]fixfertigen Formeln[…]“25 angeführt. Er folgert, dass eine Person, welche nur in dieser Art artikulieren würde, zwangsläufig als komisch wahrgenommen werden würde.26 Als zweiten Punkt führt er einen Doppelsinn von Wörtern an, nämlich einen inneren und einen äußeren. Die Komik wird dann dadurch erzeugt, dass vorgegeben wird einen „[…] Ausdruck im eigentlichen Sinn zu hören, während er imübertragenen Sinn getan wurde. “ 27 Auf eine genauere Betrachtung des Doppelsinns soll an dieser Stelle verzichtet werden, da die nächsten Punkte von größerer Bedeutung für die Forschungsfrage sind. Wie auch bei der Situationskomik werden die Begrifflichkeiten Repetition, Inversion und Interferenz auf die Komik der Worte angewendet. Den Ausgangspunkt seines Gedankengangs bilden dabei die „[…] drei Grundgesetze der sogenannten komischen Verwandlung gesprochener Sätze […]“.28 Das am wenigsten bedeutsamste Gesetz ist die Inversion und soll deshalb zugunsten der anderen beiden nur kurz beleuchtet werden.29 Kernaussage dabei ist die Umkehrung. Diese kann bspw. durch eine Vertauschung von Subjekt und Objekt erreicht werden. Wichtig dabei ist, dass immer noch ein Sinn erkennbar ist.30 Weitaus bedeutsamer ist die „[…] Interferenz zweier Gedankensysteme im gleichen Satz[…]“31. Dabei werden einem Satz zwei sich überschneidende unabhängige Bedeutungen gegeben. In diesem Kontext unterscheidet er zwischen „[…]Kalauer[…]“32 und „[…]Wortspiel[…]“33. Der Unterschied zwischen beiden ist liegt darin, dass beim Wortspiel zwei Systeme von Ideen im gleichen Satz vorkommen und auch die Worte gleich sind, während beim Kalauer zwei verschiedene Sätze verwendet werden.34 Als letztes Gesetz ist die Repetition zu nennen, welche wie bereits in 2.1 erläutert zu einem beliebten Verfahren der klassischen Komödie zählt. Übertragen auf die Wortkomik spricht man dann von „[…] Transposition […]“35. Bergson (2011) stellt in diesem Kontext folgende Regel auf: „[…] Man erzielt eine komische Wirkung, wenn man den natürlichen Ausdruck einer Idee in eine andere Tonartüberträgt.36 Dabei wird die Unterscheidung zwischen Feierlichem und Familiärem unternommen37. Die Komik wird in diesem Kontext durch die Umsetzung der einen in die andere vorgenommen. Somit erhält man die Parodie. Darüber hinaus sorgt ebenso die Umkehrung der Transposition für Komik.38 Dabei wird eine Unterscheidung zwischen „[…] Größe […]“39 und „[…] Wert […]“40 vorgenommen. Ersterem kann die Übertreibung zugerechnet werden. In diesem Fall werden kleinere Dinge behandelt als wären es größere. Die Komik lässt sich dann unter anderem bei der Prahlerei finden, welche Ähnlichkeiten zum heroisch-komischen Gedicht aufweist und somit als komisch wahrgenommen wird.41 Der zweiten Kategorie wird sich bedient, wenn man bspw. „[…] unredliche Gedanken redlich ausdrücken[…]“42 will.

Zuletzt wird noch kurz auf Umsetzung von spezifischem Vokabular eingegangen. Die Komik wird dabei auf zwei Arten erzeugt. Zum einen durch die Verwendung von Alltagssprache in der jeweiligen beruflichen Sprache und zum anderen durch die Übertragung von Ausdrücke aus der geschäftlichen Sprache in die Alltagssprache.43 Im nächsten Teil führen beide zuvor erläuterten Arten der Komik zur Charakterkomik. Da sowohl die Situationskomik, als auch die Wortkomik einen menschlichen Charakter benötigen.44

[...]


1 Bergson, Henri: Das Lachen. Ein Essay über die Bedeutung des Komischen. Göttingen 2011, S.128.

2 Vgl. ebd. S. 56f.

3 Ebd. S.57.

4 Ebd. S.57.

5 Ebd. S.61.

6 Ebd. S.61.

7 Bergson, Henri: Das Lachen. Ein Essay über die Bedeutung des Komischen. Göttingen 2011, S.68.

8 Ebd. S.69.

9 Ebd. S.69.

10 Ebd. S.69.

11 Vgl. ebd. S.71.

12 Vgl. ebd. S.71.

13 Vgl. ebd. S.71.

14 Ebd. S.71.

15 Ebd. S.71.

16 Vgl. ebd. S.73.

17 Vgl. ebd. S.73.

18 Ebd. S.74.

19 Vgl. ebd. S.74.

20 Vgl. Bergson, Henri: Das Lachen. Ein Essay über die Bedeutung des Komischen. Göttingen 2011, S.77.

21 Ebd. S. 77.

22 Ebd. S.77.

23 Vgl. ebd. S.77.

24 Ebd. S.77.

25 Ebd. S.82.

26 Vgl. ebd. S.83.

27 Ebd. S.84

28 Ebd. S.86.

29 Vgl. Ebd. S.86.

30 Vgl. ebd. S.87.

31 Ebd. S.87.

32 Bergson, Henri: Das Lachen. Ein Essay über die Bedeutung des Komischen. Göttingen 2011, S.87.

33 Ebd. S.87.

34 Vgl. ebd. S.87.

35 Ebd. S.88.

36 Ebd. S.89.

37 Vgl. ebd. S.89.

38 Vgl. ebd. S.90.

39 Ebd. S.90.

40 Ebd. S.90.

41 Vgl. ebd. S.90.

42 Ebd. S.90.

43 Vgl. ebd. S.92.

44 Vgl. ebd. S.93.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Komik bei Molière. "Le malade imaginaire"
Hochschule
Universität Augsburg  (Lehrstuhl für Romanistik)
Veranstaltung
La littérature de 17ème siècle
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V344933
ISBN (eBook)
9783668345669
ISBN (Buch)
9783668345676
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
komik, molière
Arbeit zitieren
James Glosterfrau (Autor), 2016, Komik bei Molière. "Le malade imaginaire", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344933

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