Das dieser Arbeit zugrunde liegende Werk "The Brief Wondrous Life of Oscar Wao" wurde 2007 von Junot Díaz publiziert. Der Roman war so erfolgreich, dass Díaz mehrere Auszeichnungen wie beispielsweise den Pulitzer Preis gewann. Sein Werk lässt sich dem Genre des Diktatorenromans zuordnen. Anders als bei der üblichen Vorgehensweise, bei der die Gewalt und Autorität der Figur des Diktators das zentrale Thema darstellt, stehen in diesem Roman primär einzelne Individuen und deren Leben im Vordergrund. Damit trägt Junot Díaz, der selbst in der Dominikanischen Republik geboren wurde und heute in den USA lebt, zur Rezeption der Geschichte der westindischen Inselwelt aus karibischer Perspektive bei.
Die Rezeption der karibischen Geschichte in der Literatur und anderen Wissenschaften betrachtend, wird schnell deutlich, dass diese vorwiegend aus einem okzidental geprägten Verständnis heraus interpretiert wird. So beeinflusse, laut Torres-Saillant, die westliche Sichtweise, welche nur einen „centrifugal glance“ (1997: 61) erlaubt, die Darstellung der Sachverhalte und zeige dabei „little regard for the Caribbean except for the profit or conflict that outsiders may derive from it“ (Torres-Saillant 1997: 61). Dabei, so Torres-Saillant, kollaborieren die Wissenschaftler „in perpetuating a notion that assigns meaning to the Archipelago in terms of its past, present or future connections with Western societies“ (1997: 61).
An dieser Stelle wird deutlich, dass aufgrund der Annahme, die karibische Gesellschaft befände sich in einer Disposition gegenüber dem Abendland, das einzelne Individuum vernachlässigt wird. Flores-Rodríguez zufolge würden diese Aspekte zeigen, dass die okzidental geprägte Wissenschaft den karibischen Diskurs meist aus einem Machtverhältnis heraus betrachtet. Des Weiteren deklariert sie „[that] [s]uch a discourse of “Caribbeanness” fails because it does not take into account the moveable and transnational realities of the Caribbean region, nor does it help to raise awareness of these issues beyond the hierarchies imposed by the colonial past” (2008: 92).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Diktatorenroman als literarische Gattung
3. Die dominikanische Diktaturgeschichte im 20. Jahrhundert
4. Die dominikanische Diaspora in den USA
5. Transnationale Identität
6. Nuestra América – Identitätsbildung zu Zeiten von José Martí
7. Transnationale Identität der Charaktere im Roman
8. Spanglish als Ausdruck transnationaler Identität
9. Fazit
10. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert, inwiefern die transnationale Identität der Romanfiguren in Junot Díaz' Werk The Brief Wondrous Life of Oscar Wao ein zentrales Thema darstellt, wobei insbesondere der Einfluss von Diktaturgeschichte, Diaspora und sprachlicher Hybridität untersucht wird.
- Analyse des Diktatorenromans als literarische Gattung im Kontrast zum vorliegenden Werk.
- Untersuchung der historischen Machtperiode von Rafael Leónidas Trujillo Molina.
- Darstellung der soziokulturellen Auswirkungen der dominikanischen Diaspora in den USA.
- Erforschung von Konzepten der transnationalen Identität und deren Relevanz für die Romanfiguren.
- Evaluation der Funktion von Spanglish als Ausdrucksmittel für hybride Identitätsbildung.
Auszug aus dem Buch
7. Transnationale Identität der Charaktere im Roman
Der Roman The Brief Wondrous Life of Oscar Wao besteht aus einzelnen Geschichten über die Mitglieder einer Familie, die wie Fragmente zusammengesetzt wurden, um so eine zusammenhängende Erzählung zu ergeben. Dabei erhält der Rezipient die Informationen vom allwissenden Erzähler Yunior de Las Casas, der sich später als der ehemaliger Mitbewohner der Romanfigur Oscar de León und Exfreund von dessen Schwester Lola herausstellt. Im Zentrum des Geschehens stehen außerdem noch Ocars Mutter Hypatía Belicia Cabral und deren Vater Abelard.
Das Leben der Romanfigur Oscar de León ist gleichermaßen von der amerikanischen und dominikanischen Kultur geprägt, da seine Mutter aus der Dominikanischen Republik in die USA immigrierte. Allerdings nimmt er in beiden Kulturen die Rolle des Außenseiters ein und schafft es bis zuletzt nicht, sich im Sinne einer transnationalen Identität zu definieren. Stets empfindet er sich als permanenten Fremdkörper in beiden Kulturen: „You really want to know what being an X-Man feels like? Just be a smart bookish boy of color in a contemporary U.S. ghetto. Mamma mia! like having bat wings or a pair of tentacles growing out of your chest“ (Junot Díaz 2008: 23, Fußnote 6). Durch den Vergleich mit den Comichelden von The X-Men macht Oscar auf sein Gefühl der Andersartigkeit in der amerikanischen Gesellschaft aufmerksam. Er fühlt sich wie ein Fremdkörper, was durch die Anmerkung, es sei, als hätte man Fledermausflügel oder Tentakel, noch verdeutlicht wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Werk und den Autor vor und legt den Fokus auf die Identitätsentwicklung unter Berücksichtigung einer karibischen Perspektive jenseits westlicher Zuschreibungen.
2. Der Diktatorenroman als literarische Gattung: Dieses Kapitel ordnet den Roman in das Genre des Diktatorenromans ein und beleuchtet die spezifische Darstellung der Diktaturfigur bei Junot Díaz.
3. Die dominikanische Diktaturgeschichte im 20. Jahrhundert: Es erfolgt eine historische Aufarbeitung der Regierungszeit von Rafael Leónidas Trujillo Molina und dessen repressiven Machtsystems.
4. Die dominikanische Diaspora in den USA: Das Kapitel analysiert die Gründe und Folgen der dominikanischen Migration in die USA und deren Einfluss auf die Identität der Einwanderer.
5. Transnationale Identität: Hier werden theoretische Grundlagen des Begriffs der transnationalen Identität im Kontext globaler Vernetzung diskutiert.
6. Nuestra América – Identitätsbildung zu Zeiten von José Martí: Das Kapitel befasst sich mit den historischen Wurzeln grenz- und kulturüberschreitender Identitätskonzepte am Beispiel von José Martís Essay.
7. Transnationale Identität der Charaktere im Roman: Diese Sektion wendet die theoretischen Konzepte konkret auf die Protagonisten des Romans an, insbesondere auf Oscar, Belicia und Lola.
8. Spanglish als Ausdruck transnationaler Identität: Das Kapitel untersucht die sprachliche Hybridität im Roman und die Rolle von Spanglish als Identitätsmarker.
9. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und betont die Polyphonie des Werkes bei der Darstellung transnationaler Identitätskonzepte.
10. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Transnationale Identität, Junot Díaz, The Brief Wondrous Life of Oscar Wao, Diktatorenroman, Dominikanische Republik, Diaspora, Spanglish, Migration, Identitätsbildung, Fukú, Trujillo, Hybridität, Karibische Literatur, Code-Switching, Kulturkontakt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Junot Díaz in seinem Roman The Brief Wondrous Life of Oscar Wao das Konzept der transnationalen Identität verarbeitet und wie die Charaktere zwischen zwei Kulturen ihre Identität definieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der dominikanischen Diktatur, die Erfahrungen der Diaspora in den USA, theoretische Konzepte transnationaler Identität sowie die linguistische Besonderheit der hybriden Sprache Spanglish.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, inwiefern die transnationale Identität der Charaktere im Roman als zentrales Thema fungiert und wie Díaz dieses durch formale und inhaltliche Mittel umsetzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman auf Basis bestehender historischer, soziologischer und linguistischer Konzepte zu Migration, Diktatur und Identität untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Abschnitte zur Gattung des Diktatorenromans und transnationalen Identität sowie in die praktische Anwendung dieser Theorien auf die Romanfiguren und deren sprachliche Ausdrucksweise.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind transnationale Identität, Diaspora, Spanglish, Diktaturgeschichte, kulturelle Hybridität und Migrationslinguistik.
Welche Rolle spielt der "Fukú" im Roman?
Der Fukú wird als ein in der karibischen Kultur verwurzelter Fluch interpretiert, der die Protagonisten verfolgt und als Symbol für die unvermeidbaren Nachwirkungen der Diktatur unter Trujillo dient.
Wie wird das Sprachmittel "Spanglish" in der Arbeit bewertet?
Spanglish wird nicht als fehlerhafte Sprache, sondern als bewusste literarische Strategie und als Ausdruck einer gelebten, transnationalen Identität zwischen Spanisch und Englisch analysiert.
- Arbeit zitieren
- Anne Lipp (Autor:in), 2013, Transnationale Identität als zentrales Thema im Roman "The Brief Wondrous Life of Oscar Wao" von Junot Díaz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345086