El Andaluz. Der Dialekt und die Schwierigkeiten seiner Anerkennung


Hausarbeit, 2012

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
1.1 Allgemeine Informationen
1.2 Geschichte Andalusiens
1.3 Sprachgeschichte Andalusiens und linguistische Einordnung
1.4 Ziel dieser Arbeit

II. Hauptteil
2.1 Linguistische Aspekte
2.1.1 Vokalismus
2.1.2 Konsonantismus
2.1.2.1 Ye í smo
2.1.2.2 Seseo und Ceceo
2.1.2.3 Aspiration von F-latina
2.1.2.4 Die Aspiration der finalen Laute am Beispiel des implosiven -s
2.1.2.5 Reduzierung der implosiven Konsonanten im Wortinlaut
2.1.2.6 Neutralisierung der implosiven Konsonanten -l und -r
2.2 Nivellierung und keine Normierung
2.3 Identifikationsprozesse der Andalusier
2.4 Präsenz des Dialekts im Bereich der Bildung, technischer Medien und der

Literatur

III. Fazit
3.1 El Andaluz - Die Frage nach der gesellschaftlichen Anerkennung

IV. Bibliographie

I. Einleitung

1.1 Allgemeine Informationen

Andalusien ist seit 1982 eine autonome Region im Süden Spaniens und umfasst die Provinzen Almería, Cádiz, Córdoba, Granada, Huelva, Jaén, Málaga sowie Sevilla.1 Das in dieser Region gesprochene Spanisch wird als Andaluz bezeichnet und gilt als Dialekt des Kastilischen. Die administrative Grenze stimmt jedoch nicht mit der sprachlichen Grenze überein, denn der Dialekt findet sich auch in den Regionen von Murcia und im Süden von Extremadura. Ingesamt wird das Andalusische von ca. 6,5 Millionen Menschen gesprochen, die etwa 20% der spanischen Gesamtbevölkerung ausmachen.2

Das Besondere am Andaluz ist, dass man nicht ausschließlich von dem einen Dialekt sprechen kann, da es deutliche regionale Unterschiede in Bezug auf die Lexik, Phonologie, Morphologie und Syntax zwischen den Provinzen und Städten gibt. J. Fernández Sevilla bestätigt dieses Phänomen mit den folgenden Worten:

Las especiales características histórico-geográficas del dominio […] justifican la no correspondencia entre la Andalucía administrativa y la Andalucía lingüística. Andalucía no constituye una región geográfica uniforme ni por su relieve ni por su clima. De otra parte, las circunstancias históricas por las que ha pasado han favorecido también la diferenciación; reconquista y repoblada a lo largo de varios siglos, por gentes de diversa procedencia… Todo ello había de tener repercusiones en la configuración lingüística de la actual Andalucía.3

1.2 Geschichte Andalusiens

Aufgrund seiner Lage im Süden der Iberischen Halbinsel stand die Region Andalusien schon immer unter dem Einfluss verschiedenster Kulturen. Seit dem Jahre 190 v. Chr. herrschten die Römer über das Gebiet. In der Spätantike, als das Weströmische Reich langsam zu zerfallen schien, fielen zu Beginn des 5. Jahrhunderts die Vandalen und andere germanische Stämme in Hispanien ein. Noch während dieses Zeitraums eroberten die Westgoten die Iberische Halbinsel und begründeten dort ihr Reich. Kaum hundert Jahre später wurden dann Teile Andalusiens von den Oströmern besetzt, die sich jedoch Anfang des 7. Jahrhunderts wieder zurückziehen mussten, da ab 711 die Mauren binnen weniger Jahre den Großteil Andalusiens einnahmen. Bis 1492 stand Andalusien somit unter islamischer Hand, bis die Mauren durch die Reconquista wieder vertrieben wurden.

1.3 Sprachgeschichte Andalusiens und linguistische Einordnung

Der Einfluss der verschiedenen Kulturen in Andalusien hat dazu beigetragen, dass in Bezug auf die Herkunft der Sprache zwei Interpretationsansätze existieren. Zum einen wird das Andalusische als Dialekt bezeichnet, der sich aus dem historischen Castellano als linguistische Varietät herausgebildet haben soll. Zum anderen behaupten einige Linguisten, dass es sich bei dem Andalusischen um eine linguistische Hybridbildung handle, die morphologische, phonetische und syntaktische Elmente aus dem Aljamia, auch als Mozarabisch benannt, basierend auf der spanischen Lexik, beinhalte.4 Vertreter dieses Ansatzes stellen weiterhin die These auf, dass das Andalusische somit nicht als Dialekt, sondern als eigene mozarabische-spanische Sprache zu bezeichnen sei.5 José Mondéjar widerlegt diese Annahme mit den folgenden Worten:

¿[C]ómo se puede decir todavía que el castellano, que llega con los conquistadores a Andalucía en 1212, puede sufrir el influjo del mozárabe cuando en este tiempo de la primera mitad del siglo XIII ya no hay rastro de comunidad mozárabe? Todo el elemento mozárabe que se incrusta en el castellano de Andalucía, sobre todo a partir de 1248 en que se conquista Sevilla, lo hace porque previamente se ha incorporado al árabe andalusí, coloquial y literario.6

Somit wird deutlich, dass das Andalusische zwar Elemente des Mozarabischen beinhaltet, jedoch als sekundärer Dialekt des Kastilischen anzusehen ist, wie das folgende Zitat weiter bestätigt:

Das im Zuge der Reconquista nach Süden getragene Kastilisch ist jedoch gewissen nivellierenden Tendenzen, wohl auch durch die Berührung mit dem Mozarabischen, ausgesetzt gewesen und zeigt insofern lautliche Vereinfachungen, deren Verbreitung jedoch nicht mit der politischen abgegrenzten Region Andalusien übereinstimmt. Das Andalusische ist somit gegenüber der spanischen Gemeinsprache als sekundärer Dialekt anzusehen.7

Die andalusische Verfassung wiederum erkennt das Andalusische als eine andalusisch linguistische Modalit ä t an und somit sei es als eigenständig und gelöst von der spanischen Sprache zu betrachten. Vom Andalusischen als offiziellen Dialekt spricht man seit dem 13. Jahrhundert.

1.4 Ziel dieser Arbeit

Die folgende Arbeit gibt einen Überblick über das Andalusische und seine linguistischen Besonderheiten. Hierbei werden die regionalen phonetischen Unterschiede innerhalb des Andalusischen und teilweise im Vergleich zum Kastilischen untersucht. Weiterhin sollen eventuelle Normierungsschwierigkeiten, die Identifikationsprozesse der Andalusier mit ihrem Dialekt und die Präsenz dessen in den technischen Medien, der Literatur und im Bereich der Bildung analysiert werden. Abschließend stellt sich die Frage nach der gesellschaftlichen Anerkennung.

II. Hauptteil

2.1 Linguistische Aspekte

Innerhalb des Andalusischen gibt es viele Unterschiede in Bezug auf die Aussprache. Die wohl wichtigste Unterscheidung hierbei ist die zwischen dem Andaluz Occidental, welches in den westlichen Provinzen Andalusiens gesprochen wird und dem Andaluz Oriental der östlichen Provinzen. Im Gebiet Malagas liegt eine Isoglosse vor, d.h. dass man hier eine Mischung aus dem Andaluz Oriental und dem Occidental vorfindet. Hinsichtlich der Ähnlichkeiten zum Kastilischen lässt sich feststellen, dass das Andalusische im Osten dem Hochspanisch näher kommt.

Der Unterschied zum Kastilischen machte sich bereits im 15. Jahrhundert bemerkbar. So beobachtete der Rabbiner Mosé de Guadalfajara:

E bien asy como oy dia en un singular reyno la lengua en los omnes egual non es, conviene saber, por las letras o por modos de organos. Bervigracia en Castilla sean cognocidos leoneses e sevillanos e gallegos. E aunque en parte quieran por via de descognocimiento fablar vocablos e motos qualque, tantos ende avera que ninguno destos cambiar non podra, por onde de necesario cognocidos son.8

Dieser Umstand hat sich bis heute nicht geändert. Das andalusische Spanisch erscheint dem Zuhörer meist als eine musikalischere Variante des Kastilischen.9 Im Folgenden soll nun auf einige wichtige phonetische Aspekte des Andalusischen eingegangen werden, da hier die gravierendsten Unterschiede zum Kastilischen bestehen.

2.1.1 Vokalismus

Die größte Differenz zum Kastilischen10 lässt sich im Andaluz Oriental finden. Anstelle der sonst üblichen fünf Vokale, verwenden die Sprecher hier insgesamt zehn Vokale. Neben den geschlossenen Vokalen a, e, i, o, u finden sich die sogenannten offenen Vokale:

[...]


1 Geiselhardt, E.: Regionalismus in Andalusien, S. 240.

2 Mondéjar, J.: Spanisch: Areallinguistik II. Andalusisch/Áreas lingüísticas II. Andalucía, S. 505.

3 Fernández Sevilla, J.: Formas y estructuras en el léxico agrícola andaluz, S. 445-446.

4 „Die Mauren bezeichneten die romanische Sprache in ihrem Herrschaftsgebiet als Aljamia (sp. aljamía ‚nichtarabische/fremde Sprache). Die unter islamischer Herrschaft lebenden Romanen wurden Mozaraber (sp. mozárabos ‚arabisiert’) genannt, so dass deren Sprache heute statt als Aljamia auch als Mozarabisch bezeichnet wird.“ Pomino, N. und S. Zepp: Hispanistik, S. 154.

5 Vgl. Schuchardt, H.: Die Cantes Flamencos, S. 249-332, sowie Martínez Ruiz, J.: Hugo Schuchardt y las hablas andaluzas, S. 3-32.

6 Mondéjar, J.: Spanisch: Areallinguistik II. Andalusisch/Áreas lingüísticas II. Andalucía, S. 508.

7 Dietrich W. und H. Geckeler: Einführung in die Spanische Sprachwissenschaft, S. 36.

8 Mondéjar, J.: Spanisch: Areallinguistik II. Andalusisch/Áreas lingüísticas II. Andalucía, S. 505.

9 Gallego Outón, F. und R. Müller: Spanisch für Andalusien, S. 13.

10 Die in diesem Kapitel aufgeführten Inhalte folgen überwiegend Narbona Jiménez, A. und Morillo-Velarde Pérez, R.: Las Hablas Andaluzas.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
El Andaluz. Der Dialekt und die Schwierigkeiten seiner Anerkennung
Hochschule
Universität Potsdam  (Romanistik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V345105
ISBN (eBook)
9783668349681
ISBN (Buch)
9783668349698
Dateigröße
617 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dialektologie, El Andaluz, Anerkennung, Spanisch, Dialekt
Arbeit zitieren
Master Anne Lipp (Autor), 2012, El Andaluz. Der Dialekt und die Schwierigkeiten seiner Anerkennung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345105

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