Phraseologismen und Kollokationen im Spanischen


Seminararbeit, 1999

24 Seiten, Note: 1,0 (sehr gut)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Allgemeines – von der Parömioligie zur Phraseologie
1.1 Definition der Phraseologie

2 Phraseologismen
2.1 Unterschied zwischen freien Verbindungen und Phraseologismen
2.2 Definition von Phraseologismen
2.3 Komponenten eines Phraseologismus‘
2.4 Charakterisierung der Phraseologismen
2.4.1 Idiomatizität
2.4.2 Fixiertheit
2.4.3 Mehrelementigkeit
2.4.4 Lexikalisierung

3 Kollokationen
3.1 Definition des Begriffs ‚Kollokation‘
3.2 Wortarten der Kollokationen
3.3 Kollokatoren
3.4 Klassifikation der Kollokationen
3.5 Reale, nichtreale Kollokationen
3.6 Kollokabilität
3.6.1 Tautologie
3.6.2 Kontradiktion
3.6.3 Syntaktisch-semantische Restriktionen
3.6.4 Usuell bedingte Restriktionen
3.6.5 Kommunikativ-situativer Kontext

4 Translation von Phraseologismen und Kollokationen
4.1 Phraseologismen
4.2 Kollokationen

5 Schlussbemerkung

Bibliografie

Einleitung

Um allgemein Phraseologismen und Kollokationen näher erläutern zu können, befinde ich es für notwendig zuerst eine Einordnung in das entsprechende Teilgebiet der Sprachwissenschaft – die Phraseologie – vorzunehmen, ihre Entstehung und Stellung in der Linguistik zu bestimmen und darüber hinaus das Problem ihrer Definition aufzuführen. Davon ausgehend beschäftige ich mich zuerst mit der näheren Bestimmung der Phraseologismen, anschließend mit den Kollokationen. Wie der Titel der Seminararbeit erkennen lässt, beziehe ich mich hauptsächlich auf die Spanische Sprache. Abschließend zeige ich noch einmal das Problem der Übersetzung von beiden auf, um verstärkt auf die Besonderheit von Phraseologismen und Kollokationen hinzuweisen, die sich, wie man im Laufe dieser Arbeit noch feststellen wird, erheblich von freien Wortverbindungen unterscheiden und deshalb eine gesonderte Stellung in der Sprachwissenschaft einnehmen.

1 Allgemeines – von der Parömioligie zur Phraseologie

Die Parömiologie (Sprichwörterkunde, altgriech. paroimia – Sprichwort) beschäftigt sich mit der Sammlung von Sprichwörtern, Redensarten und anderen ähnlichen sprachlichen Verbindungen in Form eines Satzes und ihrer inhaltlichen Erklärung und Klassifizierung. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich Volkskundler wie Erasmus von Rotterdam, Justus Georg Schottel, Karl Friedrich Wilhelm Wander oder Lutz Röhrich mit diesem Thema beschäftigt.

Aber auch Sprachwissenschaftler fanden Interesse daran. Charles Bally zum Beispiel schlug in seinen Werken Précis de stilistique (1905) und Traité de stylistique (1909) allgemein den Begriff der phraséologie vor.[1]

In der Sowjetunion waren die Ballyschen Arbeiten entscheidend für die Herausbildung einer sebständigen sprachwissenschaftlichen Disziplin, der Phraseologie. Sowjetische Linguisten beschäftigten sich mit allgemeinen theoretischen Kriterien und Methoden, die für das Studium der phraseologischen Erscheinungen aller Sprachen gültig sein sollten und für Einzelsprachen.

In Amerika wurden in den 60er Jahren idioms oder phrasal idioms als feste Verbindungen betrachtet und die möglichen Transformationen und Defekte innerhalb einer generativen Transformationsgrammatik untersucht.

In den 70er Jahren nahmen in Deutschland die Forschungen und Arbeiten zur deutschen Phraseologie über die sprachliche Form und und den Inhalt der festen sprachlichen Verbindungen und die Beschreibung ihrer Merkmale, der Funktion im Text und ihrer Entstehung zu.

In Spanien aber wurde dieses Thema wenig bearbeitet. Lediglich Casares lieferte 1950 mit seiner Introducción a la Lexicografia eine Grundlage für das Sammeln und Erforschen der festen Einheiten. Das beantwortet wahrscheinlich auch das Durcheinander in der Bestimmung der Gegenstände und die Vagheit der Termini, was dieses Gebiet angeht. Außerdem wird in Spanien, anders als im sowjetischen und angelsächsischen Raum, kein Unterschied zwischen der Parömiologie und der Phraseologie vorgenommen.

Heute widmet sich die Parömiologie dem Studium der Sprichwörter, der sprichwörtlichen Redensarten und anderer Formen der Volksdichtung wie zum Beispiel des Wellerismus‘[2]. Diese Formen sind für die Volkskunde veraltetes Brauchtum, das als Quelle für sprach- und kulturhistorische Betrachtungen dient.

Bei der Festlegung, welchen Platz die Phraseologie in der Linguistik einnimmt, herrschen unter den Sprachwissenschaftlern immernoch unterschiedliche Ansichten. In der russischen Forschung zum Beispiel herrscht eine allgemeine Tendenz dazu, dass die Phraseologie eine selbständige sprachwissenschaftliche Disziplin ist. Andere Forscher wie B. Hansen, A. Neubert, M. Schentke oder R. Gläser meinen aber, dass die Phraseologie eine Unterdisziplin innerhalb der Lexikologie wäre, da Phraseologismen wie Wörter eine Benennungsfunktion haben und deshalb als solche ebenfalls im Lexikon gespeichert sind.[3] Diese verschiedenen Ansichten und weitere Probleme, die ich noch im Verlauf meiner Arbeit aufführen werde, lassen sich meiner Meinung nach nicht vermeiden. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Phraseologie im Sinne der Phraseologieforschung eine relativ junge Disziplin ist und noch eingehender untersucht werden muss um genauere Bestimmungen vornehmen zu können. Andererseits ist, glaube ich, kaum ein Gebiet der Wissenschaft an sich vollständig erforscht, weshalb immer Probleme bei der Einigung über bestimmte Sachverhalte auftreten werden.

Ich plädiere eher für die Aussage, dass die Phraseologie eine Teildisziplin der Lexikologie ist, heute aber immer mehr an Selbständigkeit gewinnt[4].

1.1 Definition der Phraseologie

Die Phraseologie studiert nach Segura García die festen Verbindungen in bezug auf Inhalt und Form und betrachtet sie als fertige lexikalische Strukturen, die in den Satz eingefügt werden können; sie analysiert die Funktionen, die die festen Verbindungen im Text haben.[5]

Bei Campo heißt es, dass die Phraseologie die Gesetzmäßigkeiten, die die gebundene Verknüpfbarkeit der Wörter und ihrer Bedeutungen bedingen, untersucht und auf dieser Grundlage die Typen der unfreien Wortverbindungen in ihrem jetzigen Zustand oder in ihrer historischen Entwicklung bestimmt.[6]

Die festen Verbindungen bei Segura García oder unfreien Wortverbindungen bei Campo können auch näher bestimmt werden durch Phraseologismen und Kollokationen, die bekanntlich Gegenstand dieser Arbeit sind. Die Phraseologie beschäftigt sich also mit der Form, dem Inhalt, der Funktion und den Gesetzmäßigkeiten der Phraseologismen und Kollokationen, auf die ich noch näher eingehen werde.

Auch bei der Definition von Phraseologie taucht eine Frage auf: Schließt die Phraseologie auch Sprichwörter ein oder nicht? Diese Frage kann mit ‚nein‘ beantwortet werden, da die Einheiten der Sprichtwörter im Gegensatz zum Beispiel zu Phraseologismen satzfertig sind und Mikrotexte darstellen. Wenn sie in der Rede vorkommen, werden sie nicht reproduziert, sondern zitiert. Zwischen Sprichwörtern und Phraseologismen gibt es aber Übergänge. Phraseologismen entstehen manchmal aus Sprichwörtern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aufgrund der Probleme bei der Bestimmung der Phraseologie wird die Definition in manchen Nachschlagewerken ausgelassen. In der Originalausgabe des deutschen linguistischen Wörterbuchs (1979) von Theodor Lewandowski zum Beispiel findet man eine Definition zur Phraseologie, in der spanischen Übersetzung dieses Werkes (Diccionario de Lingüística, 1982) lediglich einen Eintrag zu fraseologismo, jedoch keine Übersetzung der Definition. In den letzten Jahren wurden aber mehr Arbeiten zur spanischen Phraseologie veröffentlicht: Monographien und Aufsätze, die das europäische und lateinamerikanische Spanisch als Gegenstandsbereich haben.[7]

2 Phraseologismen

2.1 Unterschied zwischen freien Verbindungen und Phraseologismen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[8]

1) ist eine freie Verbindung, d.h. es herrscht eine reguläre syntaktische und semantische Verknüpfung zwischen den Konstituenten eines Satzes. Die Bedeutungen sind von jedem einzelnen Wort ablesbar. Man sagt auch, die Bedeutung des Satzes ist die Summe der einzelnen Bedeutungen der Komponenten. Bei 2) sind die Komponenten anders strukturiert, es herrscht ein besonderes Verhältnis zwischen ihren Konstituenten. Hier liegt ein Phraseologismus vor, denn die Strukturen sind fest gebunden, und die Bedeutung der ganzen Einheit ist nicht aus den einzelnen Komponenten ableitbar.

Phraseologismen unterscheiden sich von freien Verbindungen, da die letztgenannten frei kombinierbar sind. Die Prinzipien der freien Verbindungen sind also Kombinierbarkeit und Erkennbarkeit, was bei Phraseologismen nicht der Fall ist, denn dort sind die Strukturen fest gebunden und die Bedeutung der ganzen Einheit ist nicht aus den einzelnen Komponenten ableitbar.

2.2 Definition von Phraseologismen

Phraseologismen sind sondergestaltete linguistische Zeichen. Sie besitzen eine feste syntaktische Struktur, eine irreguläre Bedeutung und sie werden in bestimmten Situationen gebraucht. Phraseologismen verlieren also die üblichen Eigenschaften freier Verbindungen (z.B. Wortstellung, beschränkte Flexionsparadigmen, usw.).

2.3 Komponenten eines Phraseologismus‘

Zum Komponentenbestand der Phraseologismen kann man erwähnen, dass neben Basiselementen wie Nomen, Adjektiven, Adverbien und Verben auch Verknüpfungselemente wie Präpositionen, Artikelwörter und Konjunktionen und weitere Elemente wie Reflexivum, Negation und auch morphologische Formen fest sein können. Als Beispiel möchte ich hier die Negation aufführen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[9]

Beim Beispiel 1) gehört die Negation nicht zum obligatorischen Komponentenbestand der Wendung, wobei in 2) eine Wendung vorliegt, die als Negation existiert. Eine Affirmationstransformation ist hier also nicht möglich, da die Negation eine feste Verbindung darstellt.

2.4 Charakterisierung der Phraseologismen

Phraseologismen zeichnen sich durch eine (semantische) Idiomatizität, eine (semantisch-syntaktische) Stabilität, eine Mehrelementigkeit und durch die Speicherung (Lexikalisierung) als lexikalische Einheiten, die bei der Textgestaltung reproduziert werden, aus.[10]

Diese vier Hauptmerkmale der Phraseologizität – Idiomatizität, Stabilität (oder Fixiertheit), Mehrelementigkeit und Lexikalisierung – werde ich nun genauer betrachten.

2.4.1 Idiomatizität

Phraseologismen sind irreguläre Verknüpfungen, da ihre Bedeutung nicht aufgrund von semantischen Regeln erklärbar oder aus einer vollständigen oder teilweisen semantischen Umgebung oder Transformation des Komponentenbestandes resultiert. Ein Element der Struktur verhält sich idiomatisch, somit liegt eine gewisse Idiomatizität vor.[11]

Der Linguist Joachim Christl formuliert es auch so: Wie jedes andere Sprachzeichen, so ist auch bei phraseologischen Ausdrücken das Verhältnis von signifiant zu signifié arbiträr: es fehlt jegliche natürliche Motiviertheit dafür, dass einem bestimmten signifiant ein bestimmter signifié entspricht.[12]

[...]


[1] Segura García, Kontrastive Idiomatik (1998), S.17

[2] Segura García, Kontrastive Idiomatik (1998), S.21: Wellerismus – Bezeichnung für eine Art von Sprichwort, die sich nach Dickens‘ Romanfigur Samuel Weller durchgesetzt hat. Ein Wellerismus besteht aus 3 Teilen: 1.Basis (Sprichwort, Zitat, etc.), 2.Mittelteil, 3.Schlussteil

[3] Campo, Lexikologie – Phraseologie – Lexikographie (1998), S.51

[4] Campo, Lexikologie – Phraseologie – Lexikographie (1998), S.9

[5] Segura García, Kontrastive Idiomatik (1998), S.21f

[6] Campo, Lexikologie – Phraseologie – Lexikographie (1998), S.48

[7] Segura García, Kontrastive Idiomatik (1998), S.19

[8] Segura García, Kontrastive Idiomatik (1998), S.22f

[9] Campo, Lexikologie – Phraseologie – Lexikographie (1998), S.66

[10] Campo, Lexikologie – Phraseologie – Lexikographie (1998), S.12

[11] Segura García, Kontrastive Idiomatik (1998), S.26 Christl, Überlegungen zur spanischen Phraseologie (1995), S.177

[12] Christl, Überlegungen zur spanischen Phraseologie (1995), S.193

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Phraseologismen und Kollokationen im Spanischen
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Gegenwartssprache Spanisch: Grammatik und Lexikologie
Note
1,0 (sehr gut)
Autor
Jahr
1999
Seiten
24
Katalognummer
V34511
ISBN (eBook)
9783638347112
Dateigröße
795 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Phraseologismen, Kollokationen, Spanischen, Gegenwartssprache, Spanisch, Grammatik, Lexikologie
Arbeit zitieren
Diana Bading (Autor), 1999, Phraseologismen und Kollokationen im Spanischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34511

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