Ökonomische Ursachen und Lösungsmöglichkeiten der Regenwaldabholzung


Masterarbeit, 2013

72 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ökologische und Ökonomische Bedeutung des Regenwaldes
2.1 Regenwald als eine natürliche Ressource
2.2 Wichtige Funktionen des Regennwaldes
2.2.1 Biodiversität
2.2.2 Klimaregulierung
2.3 Überblick über die Entwicklung der Regenwaldabholzung
2.4 Ökonomisches Bewertung der Umweltschäden
2.5 Regenwald als Wirtschaftsgut in einer ethischen Betrachtung .

3 Ökonomische Grundlagen der Regenwaldabholzung
3.1 Systematisierung der ökonomischen Ursachen

4 Ökonomische Theorie der Regenwaldabholzung
4.1 Abholzung im Zusammenhang verschiedener Nutzungsformen und Ei- gentumsrechten
4.1.1 Modellgrundlagen
4.1.2 Landallokation
4.1.3 Auswirkungen von Migration
4.1.4 Modellvorhersagen und deren Kritik
4.1.5 Empirische Betrachtung
4.1.5.1 Anfordernisse an die Empirie
4.1.5.2 Ergebnisse
4.2 Konversion von Regenwald in landwirtschaftliche Nutzfläche .
4.2.1 Von Thünen Modell
4.2.2 Modellabhängigkeit
4.2.2.1 Annahmen und deren Auswirkungen auf Modellvorher- sagen
4.2.2.2 Subsistenzwirtschaft
4.2.2.3 Chayanovian Modell
4.2.2.4 Offene Ökonomien
4.2.3 Erklärungsgehalt des von-Thünen-Modells
4.3 Gesamtwirtschaftliche Entwicklungsprozesse
4.3.1 Umwelt-Kuznets-Kurve
4.3.2 Modell nach Bulte/van Soest (2001)
4.3.3 Empirische Untersuchungen der Umwelt-Kuznets-Kurve .
4.3.4 Transitionstheorie

5 Lösungsmöglichkeiten der Regenwaldabholzung
5.1 Käufer und Verkäufer von Regenwaldkonservierung
5.2 REDD
5.3 Theorie der Kompensationszahlungen

6 Fazit

Literaturverzeichnis

A Anhang

A.1 Formelverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

3.1 Konzept der Wirkungspfaden zur Abholzungsentscheidung, Quelle: Angelsen/Kaimowitz (1998, S.11) 11

4.1 Landallokation anhand der Bodenqualität, Quelle: Ammacher/Koskela/Ollikainen(2007, S.30) 18

4.2 Eigentumsverhältnisse anhand der Region, Quelle: Bruce/Wendland/Naughton-Treves(2010, S.4) 23

4.3 Einfluss verschiedener Nutzungsformen auf die Abholzung, Quelle: Robinson/ Holland/Naughton-Treves(2011 S.17) . . 25

4.4 Regionale Unterschiede der Eigentumstypen, Quelle: Robinson/Holland/Naughton-Treves(2011 S.19) . . 26

4.5 Ringe im von-Thünen-Modell, Quelle: Angelsen(2007, S.7) 30

4.6 Annahmen im Modellvergleich, Quelle: Angelsen(1999 S.201) 31

4.7 Ressourcenbestand in Abhängigkeit des Eigentums, Quelle: Bulte/van Soest 2001, S.230 44

4.8 Forst- und Agrarrente in der Transitionstheorie, Quelle: Angelsen(2007) S.33 47

1 Einleitung

Die intensive Abholzung von Regenwald ist ein lokales und globales Umweltproblem, das seit mehreren Jahrzehnten besteht. Die Erkenntnisse der Klimaforschung führen dazu, dass die Bedeutung der Regenwaldabholzung in der internationalen Wahrneh- mung zunimmt. Es besteht ein internationaler Handlungsbedarf, die Regenwälder zu schützen, indem die Abholzung verlangsamt wird. Aus diesem Anlass ist es notwendig die treibenden Kräfte der Abholzung zu identifizieren. In Kapitel 2 wird die generelle Bedeutung des Regenwaldes hinsichtlich seiner Umweltfunktionen erläutert. Weiterhin werden, anhand der besonderen Eigenschaften von langfristig regenerierbaren Ressour- cen, Gründe dargelegt, wieso der Ressourcenabbau ineffizient ist. In Kapitel 3 wird eine Systematisierung von ökonomischen Ursachen vorgenommen, welche notwendig ist um die jeweilig betrachtete Ursache in einen kausalen Zusammenhang zu bringen. Das Kapitel 4 untersucht mehrere Ursachen der Regenwaldabholzung. Die Rolle der Eigentumsrechte wird anhand eines mikroökonomischen Ansatzes vorgestellt. Die Be- deutung der Landwirtschaft wird mithilfe eines von-Thünen-Modells aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Die Bedeutung von gesamtwirtschaftlichen Transformations- prozessen in den betroffenen Ländern wird anhand der Umwelt-Kuznets-Kurve sowie der Transitionstheorie verdeutlicht. Der zweite Teil dieser Arbeit beinhaltet die Vor- stellung des internationalen Lösungsansatzes, welcher Kompensationszahlungen seitens der internationalen Gemeinschaft vorsieht. Es werden kritische Punkte in der Gestal- tung dieser Kompensationszahlungen aufgezeigt, die eine Bedingung für die Effizienz solcher Programme darstellen. Weiterhin wird mithilfe eines theoretischen Modelles auf die Besonderheiten der Kompensationszahlungen eingegangen, wodurch sich wiederum Rückschlüsse auf die Gestaltung dieser ziehen lassen.

2 Ökologische und Ökonomische Bedeutung des Regenwaldes

2.1 Regenwald als eine natürliche Ressource

Ziel dieses Kapitels ist es, die Bedeutung von Regenwald hinsichtlich seiner ökologischen und ökonomischen Bedeutung herauszustellen. Die Abholzung des Regenwaldes und die damit einhergehenden Umweltauswirkungen sind bereits seit mehreren Jahrzehnten Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. An diesen Betrachtungen sind mehrere Forschungsdisziplinen beteiligt, so untersuchen Soziologen die Auswirkungen des ver- änderten Lebensraumes auf die Menschen, Agrarökonomen untersuchen die Landnut- zungsformen abgeholzter Waldflächen, Geographen analysieren das Ausmaß der Abhol- zung, Politikwissenschaftler untersuchen die institutionellen und rechtlichen Aspekte auf lokaler und globaler Ebene, Forstwissenschaftler betrachten die Auswirkungen von Regenwaldholz und die ökologischen Auswirkungen. Die ökonomische Betrachtung von natürlichen erneuerbaren Ressourcen liegt im Aufgabengebiet der Umwelt- sowie der Ressourcenökonomie. Die Ressourcenökonomie trifft Aussagen darüber, durch welche Bedingungen der effiziente Abbaupfad einer erneuerbaren Ressource determiniert ist. Der effiziente Abbaupfad ist dadurch gekennzeichnet, dass der Ressourcenabbau so ge- wählt wird, dass der größtmögliche Nutzen für den Ressourceninhaber entsteht. Die Rolle der intergenerationellen Verteilungsgerechtigkeit wird durch eine Diskussion der ethischen Perspektive des Effizienzkriteriums ausgeführt. Die Regeneration von Regen- wald ist durch Aufforstungsmaßnahmen möglich, allerdings ist diese dadurch begrenzt, dass durch intensive Agrarnutzung von mehreren Tausend Quadratkilometern das bio- logische Gleichgewicht stark gestört ist. Ein ökologisches Gleichgewicht hinsichtlich genetischer Vielfalt an Pflanzensamen ist dabei besonders wichtig. Dieser Effekt ist um so dramatischer desto länger die Flächen durch intensive Landwirtschaft genutzt wurde (siehe hierzu Gomez-Pompa/Vazquez-Yanes/Guevara 1972). Die Modellierung von Ab- baupfaden ist in der Literatur uneinheitlich hinsichtlich der Regenerationsfunktionen. In dieser Arbeit wird jeweils darauf hingewiesen, ob die verwendete Literatur von ei- ner Regenerationsmöglichkeit ausgeht. Die Umweltökonomie sucht nach Ursachen und Lösungsmöglichkeiten, wieso im Falle der Regenwaldabholzung externe Effekte nicht in das Marktkalkül internalisiert werden, wodurch eine sozial unerwünschte Menge an Regenwald abgeholzt wird. Es geht in diesem Kapitel zunächst darum, diese Umwelt- kosten anhand der Umweltfunktionen des Regenwaldes zu identifizieren. Im Anschluss wird ein Überblick über die Abholzungsaktivitäten in den Regenwäldern gegeben.

2.2 Wichtige Funktionen des Regennwaldes

2.2.1 Biodiversität

Regenwald ist der natürliche Lebensraum einer Vielzahl an Pflanzen und Tieren. Der Artenreichtum beherbergt einen Großteil der genetischen Vielfalt unseres Planeten. Diese genetische Vielfalt bietet die Möglichkeiten zur Anpassung an sich verändernde Umweltbedingungen. Die Ausrottung von Pflanzen und Tieren führt dazu, dass unwi- derruflich genetische Vielfalt verloren geht. Die Biodiversität führt dazu, dass durch Anpassungsprozesse ein Ökosystem auf sich verändernde Umweltbedingungen in einem gewissen Umfang sich selbst regulieren kann. Es ist schwierig einen derartigen Verlust an Biodiversität ökonomisch zu erfassen[1], da es schwierig ist die Veränderungen eines Ökosystems und den daraus resultierenden Umweltveränderungen zu monetarisieren. Zudem fehlen Märkte, auf denen die Biodiversität handelbar wäre. Eine erwähnenswer- te praktische Anwendung von Biodiversität ist die pharmazeutische bzw. biotechnische Forschung, mithilfe derer neue Medikamente bzw. Produkte erforscht werden. Um der bisher vor allem theoretischen Sichtweise auf Biodiversität ein praktisches Beispiel zu geben, soll im Folgenden die Untersuchung von Naidoo/Adamowicz(2005) Erwähnung finden. Die Autoren untersuchten anhand der Eintrittspreisbereitschaft eines National- sparks in Uganda die Preisbereitschaft in Abhängigkeit vom Vogelbestand. In einem landesweiten Vergleich verschiedener Eintrittspreise und Vogelbestände in National- parks erstellten sie eine Nachfragefunktion, wobei die Preisbereitschaft von der Anzahl der Vogelarten abhängt. Ergebnis der Untersuchung war, dass der untersuchte National- park (welcher einen sehr großen Bestand an Vogelarten hat) zu niedrige Eintrittspreise verlangt, die Zahlungsbereitschaft aufgrund der Artenvielfalt demzufolge nicht korrekt wahrgenommen wird. Dieses Beispiel ist mit Sicherheit wenig praktikabel um die glo- bale Artenvielfalt im Regenwald zu schützen, aber es signalisiert einen entscheidenden Punkt, dass Menschen bereit sind, für die reine Existenz von unangetasteter Natur einen Preis zu bezahlen.

2.2.2 Klimaregulierung

Der Regenwald ist für das globale Klima von signifikanter Bedeutung. Anhand der Untersuchung von Bonan(2008) werden im Folgenden wichtige klimatische Eigenschaf- ten des Regenwaldes dargelegt. Neben den globalen Effekten verursacht Regenwaldab- holzung auch die Entwicklung von regionalen Wettereffekten, dem sog. Mikroklima, welches stark von der Beschaffenheit des Regenwaldes abhängt. Klimatische Verän- derungen werden durch drei Faktoren erzeugt. Die wohl bekannteste Form ist der Einfluss von CO 2 auf das globale Klima. Allgemein sind Wälder bzw. Landflächen mit reichhaltiger Vegetation teil des Kohlenstoffkreislaufes. Durch den Prozess der Fo- tosynthese wird CO 2 in Biomasse eingelagert. Der Wald gibt allerdings auch einen Großteil durch Verrottungsprozesse wieder ab. Insgesamt bleibt jedoch eine positive Bilanz hinsichtlich der CO 2 Speicherung, da ein Teil der Biomasse in den Böden ein- gelagert wird. Insbesondere die tropischen Regenwälder sind dabei von herausragender Bedeutung, diese speichern 25% der gesamten CO 2 Menge innerhalb der Biosphäre, die restlichen Waldarten speichern weitere 15%. Die Existenz des Klimawandels ist auf- grund der Anreicherung von Treibhausgasen in der Atmosphäre kaum noch umstritten in der Wissenschaft. Die Konsequenzen die durch die Abholzung entstehen sind wis- senschaftlich schwierig zu erforschen. Für die Eingrenzung des Klimawandels ist es aber zwingend erforderlich in der Zukunft darüber zu forschen wie durch intelligente Forstpolitik besonders ausgeprägte CO 2 Senken genutzt werden können. Insbesonde- re die Wiederaufforstung kann hier ein Politikinstrument sein, da junge Wälder eine höher CO 2 Speicherungsrate besitzen (siehe hierzu Dixon et al. 1993). Der zweite Ein- flussfaktor auf das Klima ist die Absorptionsfähigkeit von atmosphärischer Strahlung.

Das Blätterdach eines tropischen Regenwaldes absorbiert wesentlich mehr Strahlung als agrarwirtschaftlich genutzte Fläche. Der dritte Einflussfaktor, der das Klima be- einflusst, ist der Effekt der Verdampfungswärme. Durch das Verdunsten von Wasser auf der Blattoberfläche wird der Umgebung Energie entzogen, daher wird die Umge- bungstemperatur gesenkt. Die letztgenannten Faktoren sind vor allem für ihre lokalen Auswirkungen von Relevanz, diese ändern das Klima direkt vor Ort und führen dazu zu einer Rückkopplung innerhalb des Waldes. Diese Rückkopplung bedeutet, dass sich infolge lokaler Abholzung das Mikroklima derart wandelt, dass es für das Ökosystem problematisch sein kann, sich an diese Veränderung anzupassen. Diese Rückkopplung wird auch durch den globalen Klimawandel induziert, daher wird der Klimawandel Auswirkungen haben auf das Ökosystem eines Regenwaldes.

2.3 Überblick über die Entwicklung der Regenwaldabholzung

Die Regenwaldabholzung im Speziellen, sowie die Gesamtentwicklung der Wälder welt- weit, ist Gegenstand der Forschungsinteressen der FAO (Food and Agricultural Orga- nization of the United Nations). Die FAO erforscht die Gesamtveränderung des Wald- bestandes und daraus resultierenden ökologischen, soziologischen und ökonomischen Konsequenzen. Die gesamte Bandbreite internationaler Probleme der Forstwirtschaft wird innerhalb ihrer Publikationsreihen wissenschaftlich untersucht. Dabei gibt es ver- schiedene Konzepte die Veränderung der Flächennutzung zu messen. Eine Methode ist es, die Waldflächennutzung anhand von Satellitenbildern zu untersuchen. Dabei wer- den Satellitenbilder anhand des zu erkennenden Waldbestandes kategorisiert und mit älteren Aufnahmen verglichen. Zu finden ist dieser Ansatz in der FAO Publikation: Globale Veränderung der Waldflächennutzung 1990 - 2005 (siehe hierzu FAO 2012). Es ist generell schwierig die Nutzung von Waldflächen statistisch zu erfassen, da die FAO entweder auf Satellitenbildervergleiche, oder auf die Angaben von nationalen Re- gierungen angewiesen ist. Ebenso ist die Unterscheidung der Art der Zerstörung von Belang, oftmals wird nicht unterschieden ob es sich um eine permanente oder dauer- hafte Abholzung handelt (siehe hierzu Angelsen 1995 S.1714). Diese Angaben können stark verzerrt sein durch abweichende Definitionen und Methodik in der Erfassung der Landflächennutzung. Die FAO hat festgestellt, dass das Wachstum der abgeholzten Fläche in den Regenwäldern Südamerikas seit 2005 rückläufig ist, wobei zu erwähnen ist, dass zwischen 2000 - 2005 die Abholzungsrate im Amazonas mit 4,4 Millionen Hektar jährlicher Abholzung ein Maximum erreicht hatte, im Vergleich dazu wurden im Zeitraum 1990-2000 in Südamerika nur 3,6 Millionen Hektar jährlich abgeholzt.

2.4 Ökonomisches Bewertung der Umweltschäden

Um zu prüfen, ob überhaupt eine exzessive Abholzung des Regenwaldes vorliegt, muss gemessen werden, wiev iel Regenwald pro Jahr von der Landkarte verschwindet und welcher ökonomische Wert dadurch vernichtet bzw. geschöpft wird. Die Wertschöpfung entsteht dabei durch landwirtschaftliche oder forstwirtschaftliche Nutzung der abge- holzten Fläche. Es ist daher notwendig die Alternativen der Nutzungsformen, der Kon- servierung und der Abholzung ökonomisch abzuwägen (siehe hierzu van Soest 1998). Die von van Soest(1998) vorgestellten Studien zeigen vor allem eines, die ökonomische Bewertung von ökologischen Schäden hängt massiv davon ab, welche Grundannahmen das jeweilige Bewertungsmodell besitzt. Die Variationen sind dabei leicht abzuleiten aus der zeitlichen Perspektiver der Schäden. So ist es kaum möglich die Kosten des Kli- mawandels, welche zeitlich versetzt auftreten, auf eine Einheit Regenwald der heutigen Zeit zu beziehen. Wichtig ist es darauf hinzuweisen das neben der reinen Abholzung von Regenwald auch die Methode der nachhaltigen forstwirtschaftlichen Nutzung gibt. Das Konzept der Nachhaltigkeit bedeutet, dass die ökologischen, sozialen und wirtschaft- lichen Funktionen des Regenwaldes erhalten bleibt. Dies führt zu einem langfristigen Gleichgewicht in der Bewirtschaftung der Waldflächen, welches dazu führt das zu- künftige Generationen nicht die Kosten zu tragen haben, die durch nicht-nachhaltige Forstwirtschaft entstehen. Eine Vielzahl von Studien zeigt die ökonomische Überle- genheit von nachhaltiger Forstwirtschaft in den Regenwäldern Van Soest(2001 S.30), gegenüber der reinen Konservierung der Bestände bzw. Abholzung mit einhergehender landwirtschaftlicher Nutzung. Diese Ergebnisse gelten allerdings nicht generell, da die Kosten und Gewinne der Verwendungsformen sehr stark ortsabhängig sind.

2.5 Regenwald als Wirtschaftsgut in einer ethischen Betrachtung

Der folgende Abschnitt beruht auf der Arbeit von Cansier/Bayer(1998), welche die in- tergenerationelle Verteilungsgerechtigkeit im Kontext von Ressourcennutzung betrach- ten. In Kap 3.1 wurde bereits die Rolle der Ressourcenökonomie angesprochen, mit deren Hilfe effiziente Abbaupfade modelliert werden. Für diese Modellierung werden gewisse Grundannahmen an das Modell getroffen, welche einer näheren Betrachtung bedürfen. So liegt die Bedingung des effizienten Abbaupfades in dem Effizienzkriterium. Dieses Kriterium bedeutet, dass eine Entnahme von Ressourcen nur dann ökonomisch sinnvoll ist, wenn die daraus resultierenden Gewinne die Kosten übersteigen. In der Ressourcenökonomie wird unterschieden zwischen erneuerbaren und nicht-erneuerbaren Ressourcen. Die Eigenschaft der Erneuerung kann durch eine Wachstumsfunktion des Bestandes modelliert werden. Diese Wachstumsfunktion existiert auch bei einem Re- genwald, wenn dieser nach einer Entnahme von Holz, bzw. nach einer landwirtschaft- lichen Nutzung, wieder aufgeforstet wird. Die Problematik der Modellierung mittels des Effizienzkriteriums liegt nun in der zeitlichen Perspektive der Verteilungsgerechtig- keit über mehrere Generationen hinweg. In neoklassischen Modellen wird der Nutzen aus dem Ressourcenabbau mittels einer Aufsummierung der Barwerte erfasst, welche periodenabhängig abgezinst werden. Diese Abzinsung ist darauf zurückzuführen, dass bei den heutigen Ressourcenbesitzern eine Gegenwartspräferenz besteht. Im Falle der erneuerbaren Ressourcen kann es sein, dass die maximal mögliche gleichgewichtige Ausbeutungsmenge, nicht mit der Menge übereinstimmt, die der Ressourcenbesitzer abbaut. Die optimale Ressourcenausbeute ergibt sich dort, wo sich der langfristig ma- ximal mögliche Bestand befindet. Ein abweichen von diesem Bio-ökonomischen Gleich- gewicht ist führt dazu das die maximal mögliche Ausbeutungsmenge nicht erreicht wird. Da aber zukünftige Gewinne abdiskontiert werden, ergibt sich keine Übereinstimmung zwischen der maximalen Ressourcenmenge und der maximalen Nutzensumme des Res- sourcenbesitzers. Es kann für den Ressourcenbesitzer also rational sein die Ressource über das Maß des optimalen bioökonomisch Gleichgewichtes auszubeuten. Langfristig wird dadurch die maximale Menge des Ressourcenbestandes abnehmen. Kurzfristig ma- ximiert es aber die Gewinne des Ressourcenbesitzers. Dieser Effekt tritt insbesondere dann auf, wenn eine Zeitpräferenz für frühzeitigen Konsum besteht.

Die neoklassische Perspektive unterstellt in ihren Modellen einen Ressourcenbesit- zer, der über einen definierten Planungshorizont seinen Nutzen maximiert. In diesen Modellen werden nachfolgende Generationen in der Regel nicht berücksichtigt. Dies ist auch der größte Kritikpunkt hinsichtlich der Verteilungsgerechtigkeit. Durch das Abzinsen zukünftiger Ressourcenentnahmen wird die maximal mögliche Ressourcen- entnahme verfehlt, da der Ressourcenbesitzer eine ineffizient große Menge abbaut. Da- durch ergeben sich Konsequenzen für nachfolgende Generationen, die daraufhin mit einem geringeren Ressourcenbestand konfrontiert sind. Dieser Punkt wird stark kriti- siert durch die Denkschule der ökologischen Ökonomie. Der Hauptkritikpunkt ist die Frage, ob es ethisch korrekt ist, die nachfolgende Generationen dadurch zu benachtei- ligen, dass die heute lebende Generation ihre eigenen Nutzengewinne in der Zukunft abzinst. Es ist in der ökologischen Ökonomie zu unterscheiden zwischen der starken und der schwachen Nachhaltigkeit. Die schwache Nachhaltigkeit ist ein Konzept, wel- ches eine konstante intergenerationelle Wohlfahrt zum Ziel hat, welche unabhängig ist vom Ressourcenbestand. Die Idee dahinter ist, dass durch Kapitalakkumulationen die Erträge der exzessiven Nutzung reinvestiert werden in den Kapitalstock, welcher den zukünftigen Generationen Güter produziert. Dahinter steht die Vorstellung, dass der Wert der Natur für den Menschen durch andere Güter substituierbar ist. Die- se Annahme ist äußerst theoretisch, da wie bereits beschrieben, die Funktionen von Regenwald einen elementaren Beitrag für die Menschheit leistet. Eine weitere Option wäre es Grenzwerte festzusetzen, die den maximalen Ausbeutungsgrad von Regenwald definieren. Diese Möglichkeit setzt aber eine verlässliche Monetarisierung der Schäden voraus. Selbst wenn die Wissenschaft in der Zukunft verbesserte Methoden der Mone- tarisierung von Regenwaldzerstörung entwickelt (z.b. genauere Vorhersagen über den Einfluss des Klimawandels auf das globale BIP), so ist es schwierig eine objektive Wert- beurteilung dieser Schäden durchzuführen, da davon auszugehen ist, dass ein Großteil der Menschen die Natur um ihrer selbst willen als schützenswert empfindet. Daher liegt es in der Verantwortung der Staatengemeinschaft eine Verteilungsgerechtigkeit herbei- zuführen, indem Rahmenbedingungen geschaffen werden die zur Verlangsamung der Abholzung führen

3 Ökonomische Grundlagen der Regenwaldabholzung

3.1 Systematisierung der ökonomischen Ursachen

Die Beschleunigung der Regenwaldzerstörung und das Erkennen von Umweltkosten der Regenwaldabholzung führte dazu, dass eine Vielzahl an Ökonomen sich mit der Frage auseinandergesetzt haben, welche Faktoren die Abholzung von Regenwald beschleu- nigen. Zu Beginn des Kapitels wird im Folgenden ein Überblick über die verschiede- nen Forschungsansätze beschrieben, dabei basiert dieser Teil auf dem Literaturüber- blick von Angelsen/Kaimowitz(1998). Die Modellierung des komplexen Vorgangs der Regenwaldabholzung ist nicht erklärbar innerhalb eines universellen Modells, da die Komplexität derart hoch ist, dass es unmöglich erscheint, sämtliche Wechselwirkun- gen ökonomischer und biologischer Systeme in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Ebenso schwierig ist es, Aussagen über die Stärke von Einflussfaktoren zu treffen, da diese je nach Ausgestaltung des regional vorherrschenden Umfeldes in ihrem Beitrag variieren. Es sind die regionalen Wechselwirkungen von Institutionen, Gesetzen und die Rolle des Auslands, die erheblichen Einfluss auf die Menge der Abholzung ausüben (siehe hierzu Geist/Lambin 2001). Auch die individuellen Präferenzen der Akteure im Abholzungs- prozess sind nicht über Ländergrenzen hinweg identisch. Um ein Gesamtbild ökonomi- scher Ursachen zu zeichnen, ist es daher nützlich die jeweiligen Forschungsergebnisse zu synthetisieren, um sie dann in eine konkrete Region zu prüfen. Das heißt, dass anhand eines Ursachenkataloges jeweils individuell geprüft werden kann, welche Ursachen vor Ort die treibende Kraft hinter der Abholzung darstellt. Für eine Klassifizierung der Variablen in den Modellen zur Abholzung haben Angelsen/Kaimowitz(1998) folgende Konzeptualisierung vorgeschlagen:

• Der Ort und das Ausmaß der Abholzung.

• Entscheidungsträger von Abholzung: Individuen, Firmen und Politik können Teil eines Modells sein. Dabei werden die Charakteristiken als exogen angenommen.

• Entscheidungsvariablen: Die Variablen die von den Entscheidungsträgern festgelegt werden (z.B. welche Fläche abgeholzt werden soll).

• Parameter der Entscheidungsfindung: Mit diesen Parametern sieht sich der Entscheidungsträger konfrontiert. In den meisten Modellen werden sie als exogen angenommen, z.B. wie verändert der Preis für Agrar- und Holzprodukte die Entscheidung des Entscheidungsträgers.

• Makroökonomische Variablen und Politikinstrumente: Diese Variablen üben Einfluss aus auf die Parameter der Entscheidungsfindung. Ihr Einfluss ist dadurch nur indirekt auf die Entscheidungsträger.

Aufbauend auf dieser Systematik können die Zusammenhänge anhand einer Stufen- betrachtung systematisiert werden. Aufbauend auf diese Stufen kann in der Literatur unterschieden werden, welche Kategorie jeweils betrachtet wird. Ein weiterer Vorteil dieser Konzeptualisierung ist das Nachvollziehen der Kausalitätskette. Um zu untersu- chen, inwiefern Bevölkerungswachstum in einer Regenwaldregion zur Abholzung bei- trägt, führt dieser Weg über die makrovariable Bevölkerung dazu, dass sich der Ar- beitsmarkt ändern wird, die daraufhin folgende Veränderung der Löhne wird durch Entscheidungsträger (z.B. Waldbesitzer) in ihrem Kalkül berücksichtigt. In der Litera- tur zur Abholzung findet sich diese Kategorisierung nicht explizit wieder, es ist jedoch möglich vorhandene wissenschaftliche Untersuchungen mithilfe dieser Konzeptualisie- rung zu kategorisieren. Insbesondere sind empirische Studien, welche eine Verbindung von makroökonomischen Variablen und Regenwaldabholzung herstellen, daraufhin zu untersuchen, ob sie Einflüsse auf die Entscheidungsparameter der Entscheidungsfinder korrekt erfassen, da sonst die Gefahr besteht das falsche Zusammenhänge hergestellt werden. Das ökonomische Instrumentarium der Mikroökonomik ist dabei vor allem für die ersten beiden Stufen hilfreich, da die Auswirkungen von veränderten Parametern gut über theoretische Modelle erklärbar sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.1: Konzept der Wirkungspfaden zur Abholzungsentscheidung, Quelle: Angelsen/Kaimowitz (1998, S.11)

Eine ähnliche Klassifizierung wie die von Angelsen/Kaimowitz(1998) findet sich in der Untersuchung von Geist/Lambin(2001), in der sich die Autoren mit Ursachen ausein- andersetzen die über die rein ökonomischen hinausgehen. Die Autoren unterscheiden dabei in zwei Arten von Faktoren, die einen Einfluss auf die Abholzungsentscheidung besitzen, den unmittelbaren Ursachen der Handlungen und den zugrunde liegenden in- direkten Ursachen. Es ergeben sich dabei wissenschaftlich schwer voneinander zu tren- nende Bereiche, so zählen die Autoren die Veränderung der Technologie im Agrarsektor nicht zu den ökonomischen Ursachen. In Ihrer Untersuchung betrachten die Autoren 152 Fallstudien zu Regenwaldabholzung in Asien, Afrika und Latein Amerika, sie ver- gleichen dabei, welche Kombinationen aus den verschiedenen Wissenschaftsbereichen jeweils in den Fallstudien betrachtet werden. Die Ergebnisse zeigen, dass in fast jeder Studie mindestens 2 Faktoren aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen miteinander im Zusammenhang stehen.

4 Ökonomische Theorie der Regenwaldabholzung

4.1 Abholzung im Zusammenhang verschiedener Nutzungsformen und Eigentumsrechten

4.1.1 Modellgrundlagen

In diesem Abschnitt werden, mittels einer mikroökonomischen Analyse, die Auswir- kungen von verschiedenen Formen der Landnutzung sowie die ökonomischen Impli- kationen von Nutzungsrechten dargelegt. Das Problem der unzureichend definierten Eigentumsrechte der Regenwälder ist ein länderübergreifendes Phänomen. Die Mehr- heit aller Landwirte im Gebiet des brasilianischen Amazonas, egal ob diese substanziell wirtschaften oder in Betrieben organisiert sind, bewirtschaften Landflächen, für die sie nicht die erforderlichen Landtitel besitzen(siehe hierzu Araujo et. al. 2008 S.7). Diese Flächen gehören in der Regel dem jeweiligen Staat. Die folgenden Ausführungen beru- hen auf einem ökonomischen Vergleich von Landnutzungsalternativen, welche anhand ihrer Barwerte bewertet werden. Es gibt mehrere Modelle, die dieses Ziel verfolgen, ihnen gemein ist die Verwendung des Faustmann-Modells. Anhand der Faustmann- Formel wird in der Forstwirtschaft die optimale Rotationsdauer anhand des Barwertes berechnet. Von Reed(1984) wurde gezeigt, dass Entscheidungen in der nachhaltigen Forstwirtschaft nicht ausschließlich vom Zins abhängig sind, sondern auch bestands- gefährdende Risiken zu einer Veränderung des Barwertes der Rotationsdauer führen. In einer theoretischen Betrachtung von Investitionskalkülen zum Abbau natürlichen Ressourcen, fanden die Autoren Bohn/Deacon(2002) empirische Beweise dafür, dass Investitionen in die nachhaltige Nutzung von Wald um so niedriger sind, desto höher das Risiko ist für die Konfiszierung der Flächen.

Der folgende Abschnitt beruht auf dem theoretischen Modell von Ammacher/Koskela/Ollikainen(2007). In diesem Modell werden für die Nutzung der Regenwaldflächen 3 mögliche Nutzungsformen berücksichtigt, die nachhaltige Forst- wirtschaft, illegale Abholzung und die Umwandlung in landwirtschaftlich genutzte Flä- che. Ausgangspunkt dabei ist die Wahl der monetär vorteilhaftesten Nutzungsform, an- hand dem Rentenvergleich der Nutzungsformen. Ziel dieses Modells ist es zu erklären, wie sich die Entscheidungsvariablen der Akteure ändern, wenn sich exogen gegebene Markt- und Politikvariablen ändern. Das Modell trifft die Annahme das es verschiede- ne Landqualitäten gibt, welche jeweils unterschiedliche Bodenqualitäten besitzen. Die Bodenqualität gibt dabei an, wie gut sich der Boden zur landwirtschaftlichen Nutzung eignet. In dem Modell wird davon ausgegangen, dass sich den Bodenqualitäten jeweils ganze Parzellen vom Regenwald zuordnen lassen.

Landwirtschaftliche Produktion

Für einen Vergleich der Nutzungsformen ist es notwendig die Renten der Bodenerträge zu vergleichen, daher wird die Gewinnfunktion π für die Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse benötigt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Gesamterlös über eine unendliche Zeitspanne ist abhängig von pa, dem Preis der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, der Produktionsfunktion landwirtschaftlicher Er- zeugnisse f (l; q), wobei l die Menge an eingesetzter Arbeit beschreibt und q die Boden- qualität verkörpert. Die Menge an eingesetzter Arbeit verursacht konstante Lohnkosten in Höhe des Grenzproduktes w. Weitere Kosten entstehen durch die Aufwendungen ψ, die getätigt werden müssen, um den Regenwald in eine landwirtschaftlich nutzbare Fläche umzuwandeln. Um den Barwert der Gewinnfunktion auszudrücken, wird diese mittels e − rt abgezinst. Aus der Gewinnfunktion ergibt sich ein positiver Einfluss von pa und q auf den Gewinn.

Nachhaltige Forstwirtschaft

Die nachhaltige Forstwirtschaft ist dadurch gekennzeichnet, dass sie mittels des Rota- tionsprinzips versucht, den größtmöglichen Barwert zu generieren. Das bedeutet, dass die Flächen nach ihrer Abholzung erneut aufgeforstet werden. Der Unterschied zu der nicht-nachhaltigen Forstwirtschaft besteht darin, dass hierbei den Bäumen die Zeit gegeben wird, eine optimale Größe zu erreichen. Es wird also darauf verzichtet, die Bäume zu einem frühen Zeitpunkt abzuholzen, wodurch der heutige Konsumverzicht durch das Wachstum der Bäume in einem späteren Zeitpunkt kompensiert wird. Wenn ein Bestand abgeholzt wird, hat er das Rotationsalter erreicht, es wäre daher ökono- misch sinnvoll ihn zu fällen und wieder aufzuforsten. Dieser optimale Pfad findet sich in dem Faustmann-Modell wieder, welches hier um die Variable der Unsicherheit von Ei- gentumsrechten ergänzt wird. Diese Variable beschreibt die Wahrscheinlichkeit, mit der staatliche Institutionen die Eigentumsrechte proklamieren. Die wichtigste Konsequenz für den Betreiber nachhaltiger Forstwirtschaft ist die Folge, dass es dazu kommen kann, dass er Bestände nicht abholzen kann, wenn der Staat diese konfisziert bevor sie das Rotationsalter erreichen. Diesen Bestand würde er, bedingt durch das Rotationsprin- zip, erst zu einem späteren Zeitpunkt abholzen, wodurch er das Risiko eingeht, diesen zu verlieren. Das Risiko, das dieser Fall eintritt, wird mittels eines Poisson-Prozess mit der Intensität π beschrieben. Das heißt, dass die Wahrscheinlichkeit der Konfiszie- rung zufällig mit der Rate 1 / π je Zeiteinheit eintritt, wobei diese Wahrscheinlichkeit unabhängig ist von dem Alter des Bestandes. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Wald konfisziert wird, bevor er gemäß dem Rotationsprinzip erntereif ist, lässt sich mit der Wahrscheinlichkeit P r (X < T) = 1 − e ë T ausdrücken, wodurch sich die Wahrscheinlich- keit für die Konfiszierung nach dem erreichen des Rotationsalters zu P r (X = T) = e λ T ergibt. Die Menge an Holz F (T; q) die aus dem Regenwald entnommen wird, hängt da- bei von dem Alter des Bestandes T ab. Ebenso beeinflusst die Bodenqualität q positiv den Holzertrag. Dadurch gilt für die Produktionsfunktion die Bedingung FT (T; q) > 0 sowie FTq (T; q) > 0.

Der Barwert wird mittels eines Erwartungswertes gebildet, welcher sich aus der Ge- winnfunktion Yn und der Entdeckungswahrscheinlichkeit zusammensetzt. Dazu gilt fol- gende Formel:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Gewinn aus dem Verkauf des abgebauten Holzes bezeichnet Y, welcher sich ergibt aus Y = pfF (T; q) e − rT − c. Der Wert für Y ist 0, wenn die Fläche konfisziert wird bevor sie das Rotationsalter erreicht. Der Preis pf ist der Preis, den der Erzeuger je Einheit Holz bekommt. In diesem Preis sind bereits die Kosten der Abholzung φ enthalten, sodass gilt pf = pf − ö. Weitere Kosten der Betriebstätigkeit werden mit der Variable c berücksichtigt. Anhand der Eigenschaften des Poisson-Prozesses kann die Gleichung (2) wie folgt umgeschrieben werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Durch das Ableiten und Nullsetzen der Ertragsfunktion nach T ergibt sich der größtmögliche Ertrag in Abhängigkeit vom optimalen Rotationsalter wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In dem ursprünglichen Faustmann Modell ist der Zins ein exogen gegebener Parameter, der die Zeitpräferenz bestimmt. Bei Abwesenheit der Unsicherheit von Eigentumsrech- ten würde der Barwert des Rotationsalters so gewählt werden, dass die Zuwachsrate des Bestandes genau dem monetären Wert entspricht, den der Akteur generieren wür- de, wenn er den Bestand abholzt und zum Marktzinssatz anlegt. Die Grenzkosten und Grenzerträge der Konservierung einer Rotationsfläche entsprechen sich demzufolge zum Zeitpunkt der optimalen Rotationsdauer. Die Berücksichtigung von Unsicherheit ver- zerrt diese Entscheidung dadurch, dass die Opportunitätskosten des nicht-Abholzens steigen. Auf den Zins wird eine Unsicherheitsprämie addiert. Dadurch lässt sich schluss- folgern, dass Unsicherheiten im Hinblick potenzieller Konfiszierung, in der nachhaltigen Bewirtschaftung von Regenwald, zu einer Verkürzung der Rotationsdauer führen.

nicht-nachhaltige Forstwirtschaft

Während in der nachhaltigen Forstwirtschaft wieder aufgeforstet wird, beschränkt sich die nicht-nachhaltige Forstwirtschaft auf das einmalige Abholzen von Regenwald ohne Berücksichtigung der dadurch entstehenden Schäden. Es entstehen dadurch einmalige Gewinne. In dem Modell von Ammacher/Koskela/Ollikainen(2007) wird diese Praktik als illegale Abholzung bezeichnet, was dazu führt, dass der Akteur eine Strafe zu zahlen hat, wenn er dabei von der Regierung entdeckt wird. Die zu erwartende Barwert durch nicht-nachhaltige Abholzung ergibt sich wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Variable Q beschreibt die Gesamtmenge des abgeholzten Holzes. Wenn der Akteur dabei erwischt wird, muss er eine Strafe zahlen, in Höhe von einem Anteil τ seines Ge- winnes. Die Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden ist ρ. Die Kosten c (Q) = φ (q) c (Q) sind abhängig von der Bodenqualität. Es gilt ein konvexer Zusammenhang zwischen Kosten und Bodenqualität, daher gilt: cq = φ ′ (Q) < 0. Gleichung (4.5) kann zusam- mengefasst werden zu:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Woraus sich folgende Ableitung nach der Abholzmenge Q ergibt:

VQ = pf (1 − ñô) − c ′ (Q) = 0 . (4.7)

Das Ergebnis zeigt, dass so viel Holz abgeholzt wird bis sich die Grenzerträge und die Grenzkosten entsprechen. Desto höher die Strafen, oder die Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden, um so geringer sind die Erträge. Der Preis p ˆ f hat einen positiven Einfluss auf die abgeholzte Menge.

[...]


[1] TEEB(2010): In diesem Bericht sind die Schwierigkeiten der ökonomischen Valuierung ökologischer Systeme vor allem auf die mangelhafte Datengrundlage, uneinheitliche Bewertungssystematik und die Wertabhängigkeit anhand des jeweilig betrachteten Ökosystems zurückzuführen.

Ende der Leseprobe aus 72 Seiten

Details

Titel
Ökonomische Ursachen und Lösungsmöglichkeiten der Regenwaldabholzung
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
72
Katalognummer
V345253
ISBN (eBook)
9783668355460
ISBN (Buch)
9783668355477
Dateigröße
1085 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klimaforschung, Abholzung, Regenwald, ökologische und ökonomische Bedeutung, Biodeiversität, Klimaregulierung, Regenwaldabholzung, Umwelt, Umweltschäden, Landallokation, Migration, landwirtschaftliche Nutzfläche, Von Thünen Modell, Subsistenzwirtschaft, Chayanovian Modell, offene Ökonomie, Umwelt-Kuznets-Kurve, Modell nach Bult/ van Soest, Transitionstheorie, Regenwaldkonservierung, REDD, Kompensationszahlung, Ressourcenbestand, Forst- und Agrarrente, mikroökonomischer Ansatz, Allokationstheorie
Arbeit zitieren
Christoph Jansen (Autor), 2013, Ökonomische Ursachen und Lösungsmöglichkeiten der Regenwaldabholzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345253

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