Die Iden des März gehören zu jenen weltgeschichtlichen Ereignissen, die bis heute kontrovers diskutiert werden. Mit ganzen 23 Dolchstößen wurde Julius Caesar vom römischen Senat am 15 März 44. v. Chr. im Theater des Pompeius ermordet. Nach dem griechischen Geschichtsschreiber Nikolaus von Damaskus bestand die Tätergruppe aus bis zu 80 Personen. Von dieser Personengruppe sind uns bis heute 20 Protagonisten namentlich bekannt. Unter ihnen stellen Marcus Iunius Brutus und Gaius Cassius Longinus die Anführer dar.
Spätestens mit der Veröffentlichung der göttlichen Komödie 1317 von Dante Alighieri wurde beiden Tätern ein literarisches Denkmal hinterlassen, das Zweifel an der Moralität ihrer Tat aufkommen lässt. In seinem Epos versetzt Dante die beiden Tyrannenmörder gleichsam mit Judas Ischariot ins Innerste der Hölle. Seit ihrer Tat stellt sich die Frage, von welchen Motiven die Verschwörer angetrieben wurden. Waren beide Senatoren Verräter, wie es in der göttlichen Komödie suggeriert wird, oder können sie vielmehr als Befreier und Kämpfer für die Freiheit angesehen werden? Zur Klärung dieser Frage soll sich in dieser Hausarbeit genauer mit den Motiven der beiden Hauptverschwörer beschäftigt werden. Aus welchen Gründen handelten Brutus und Cassius? Was trieb sie zur Vollziehung des Tyrannenmordes und welche Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede, lagen der Entscheidungsfindung beider Attentäter zu Grunde?
Das Erkenntnisziel der Hausarbeit soll es sein, ein genauer definiertes Bild von der Motivationslage der Täter zu gewinnen. Als Darstellungsform wird hierfür die didaktische Herangehensweise des Vergleichs bemüht. Um das definierte Erkenntnisziel bestmöglich erreichen zu können, soll an dieser Stelle noch kurz der strukturelle Aufbau der Hausarbeit dargestellt werden. In einem sich an diese Einleitung anschließenden Quellenkapitel wird zunächst auf die in dieser Hausarbeit bemühten historischen Autoren genauer eingegangen. Nachdem der Leser einen Überblick über die verwendeten historischen Quellen gewinnen konnte, folgt der Hauptteil der Arbeit. In ihm sollen die Motive der Täter diskutiert und miteinander verglichen werden. Letztlich schließt die Hausarbeit mit dem obligatorischen Resümee, in dem die gewonnen Erkenntnisse nochmals anschaulich und in komprimierter Form zusammengefasst werden
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Quellenkapitel
3 Die Caesarmörder M. Brutus und C. Cassius
3.1 Brutus - die moralische Instanz
3.2 Cassius - der Initiator
3.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Motive von Brutus und Cassius
4 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Beweggründe von Marcus Iunius Brutus und Gaius Cassius Longinus für die Ermordung Julius Caesars, um zu klären, ob ideologische Ideale der Freiheit oder persönliche Machtinteressen das Handeln der Verschwörer dominierten.
- Analyse antiker Quellen zur Motivation der Attentäter
- Untersuchung der moralischen und familiären Beweggründe von Brutus
- Evaluation der politischen Enttäuschungen und des Handelns von Cassius
- Vergleichende Gegenüberstellung der Tätermotive
- Kritische Einordnung von Historikerberichten in ihren jeweiligen Entstehungskontext
Auszug aus dem Buch
Brutus - die moralische Instanz
Für eine erfolgreiche Offenlegung der Tatmotive des Marcus Iunius Brutus ist zu Beginn dieser Analyse wichtig, zwischen mehreren Entscheidungsfaktoren des Protagonisten zu differenzieren. Neben Charakter und Wertvorstellungen ist für die Tat des Brutus ebenfalls die familiäre Abstammung und sein persönliches Verhältnis zu Julius Caesar von größter Bedeutung. Im Folgenden wird mit Hilfe der antiken Autoren eine Charakteranalyse durchgeführt. Hieran anschließend soll der familiäre Hintergrund und Brutus Beziehung zum Imperator beleuchtet werden. Letztlich wird sich durch diese Vorgehensweise ein fundiertes Gesamtbild des Protagonisten und seiner Motivation ergeben.
Was für ein Mensch war Marcus Iunius Brutus und was trieb ihn zur Ermordung des Imperators? Die antike Quellensituation zum Leben des Marcus Iunius Brutus ist reichhaltig. Insbesondere in Plutarchs Brutusbiographie lassen sich zahlreiche Beschreibungen zur Wesensart des Caesarmörders finden. Nach Aussage Plutarchs war Brutus demnach ein philosophisch gebildeter Mann, voller Tatendrang und zugleich beseelt von einem sanften Charakter. Darüber hinaus schildert Plutarch Brutus ebenfalls als einen äußerst prinzipientreuen und idealistischen Menschen. Beispielhaft für diesen Idealismus erwähnt der Autor Brutus' Verhalten während des römischen Bürgerkrieges. Bei der Schlacht von Pharsalos im Jahr 48 v. Chr. kämpfte er demnach an der Seite des Pompeius gegen Caesar, und das, obwohl Pompeius in früheren Jahren Brutus' Vater ermorden ließ. Brutus hätte somit gute Gründe gehabt, an der Seite Caesars zu kämpfen und sich an der Tat des Pompeius zu rächen. An dieser Stelle seiner Ausführungen verweist Plutarch jedoch darauf, dass es Brutus als Pflicht betrachtet hätte, an der Seite des Pompeius zu stehen, da dessen Motive die moralisch höherwertigeren gewesen seien. Brutus wird von Plutarch somit als ein Mann beschrieben, der seine persönlichen Gefühle und Emotionen dem öffentlichen Interesse rigoros unterordnete.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Zäsur der Iden des März ein und definiert die Forschungsfrage nach den Motiven von Brutus und Cassius sowie das methodische Vorgehen des Vergleichs.
2 Quellenkapitel: Dieses Kapitel stellt die für die Analyse herangezogenen antiken Autoren wie Appian, Cassius Dio, Nikolaos von Damaskus, Plutarch und Sueton vor und reflektiert deren politische Hintergründe.
3 Die Caesarmörder M. Brutus und C. Cassius: Im Hauptteil werden die Motive der beiden Attentäter differenziert untersucht und ihre Handlungsentscheidungen analysiert.
3.1 Brutus - die moralische Instanz: Dieser Abschnitt untersucht den Charakter von Brutus sowie den Einfluss seiner familiären Abstammung und den öffentlichen Druck auf seine Mitwirkung an der Verschwörung.
3.2 Cassius - der Initiator: Das Kapitel analysiert den Werdegang von Cassius, seine politische Enttäuschung durch Caesar und die Kombination aus persönlichem Hass und republikanischer Gesinnung.
3.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Motive von Brutus und Cassius: Hier werden die Ergebnisse zusammengeführt, um die Gemeinsamkeiten in der Ablehnung der Tyrannei und die Unterschiede in der persönlichen Motivation zu verdeutlichen.
4 Resümee: Die Schlussbetrachtung beantwortet die Titelfrage und kommt zu dem Ergebnis, dass die Mörder zwar in der Sache der Freiheit vereint waren, jedoch auch persönliche Motive eine Rolle spielten.
Schlüsselwörter
Caesarmord, Brutus, Cassius, Iden des März, Römische Republik, Tyrannenmord, Historische Quellen, Plutarch, Libertas, Res publica, Motivanalyse, Verschwörung, Politische Geschichte, Augustus, Caesar
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Hausarbeit untersucht die historischen Beweggründe von Marcus Iunius Brutus und Gaius Cassius Longinus, die als Anführer der Verschwörung gegen Julius Caesar gelten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die persönliche Charakteristik der Attentäter, der Einfluss ihrer familiären Abstammung, die politische Situation Roms sowie die Rolle der historischen Überlieferung.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, ein präzises Bild der Motivationslage der Täter zu erstellen und zu beurteilen, ob der Mord aus einem edlen Freiheitsgedanken oder aus persönlichen Machtinteressen resultierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Arbeit nutzt die Methode der historischen Quellentextanalyse, um die antiken Berichte vor dem Hintergrund der jeweiligen politischen Absichten ihrer Autoren kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Charakteranalyse von Brutus und Cassius sowie eine vergleichende Gegenüberstellung ihrer Motive.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Iden des März, Res publica, Libertas, Tyrannenmord und die Analyse antiker Geschichtsschreibung definieren.
Welche Rolle spielt Plutarch für die Argumentation?
Plutarch dient als eine der Hauptquellen, wird jedoch kritisch hinterfragt, da seine Schilderungen oft pädagogisch motiviert sind und Brutus stark idealisieren.
Wie unterscheidet sich die Motivation von Cassius zu der von Brutus?
Während bei Brutus moralische Pflicht und familiäre Erwartungen stärker im Vordergrund standen, zeigt sich bei Cassius eine deutlichere persönliche Abneigung gegen Caesar infolge politischer Zurückweisungen.
Wie beurteilt der Autor die Titelfrage nach dem Mord?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass es kein reiner Wille zur Macht war, sondern eine Sehnsucht nach der alten Republik, wenngleich persönliche Aspekte die Entscheidung maßgeblich beeinflussten.
Warum war die Verschonung von Marcus Antonius so wichtig für die Analyse?
Die Entscheidung der Verschwörer, Antonius am Leben zu lassen, wertet der Autor als Indiz dafür, dass die Mörder keine eigene persönliche Machtübernahme planten, sondern auf den Boden der Gesetze zurückkehren wollten.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Lübken (Autor:in), 2016, Die Gründe für den Caesarenmord bei Brutus und Cassius. Liebe zur Freiheit oder Wille zur Macht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345292