Mit der Einführung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes fand die Kinder- und Jugendhilfestatistik als ein Konzept zur statistischen Erfassung und Dokumentation von Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe eine Integration in die Sozialgesetzgebung.
Die Kinder- und Jugendhilfestatistik erhält so den Status und die Funktion eines Mess-, Beobachtungs- und Dokumentationsinstruments: Dennoch wird die Kinder- und Jugendhilfestatistik oft mit einem „Schattendasein“ in bezug auf ihre Nutzung umschrieben und es wird appelliert, sie nicht als Datenfriedhof zu titulieren; was in anbetracht der Leistungen, die der amtlichen Statistik zugeschrieben werden verwunderlich erscheint:
„Zweck der Jugendhilfestatistik ist es, eine geeignete Datenbasis für die Beurteilung der Auswirkungen des KJHG, eine Erfolgskontrolle getroffener Maßnahmen und notwendige Fortentwicklung zu schaffen.“
Aufgrund dieser ambivalenten Betrachtungsweise der Kinder- und Jugendhilfestatistik erscheint es interessant, zu überprüfen, inwieweit sie ihrer Selbstbeschreibung gerecht wird und in diesem Falle genauer:
Kann die Kinder- und Jugendhilfestatistik als ein Instrument der Erfolgskontrolle der Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe fungieren? Diese Ausführung versucht genau dieser Frage am Beispiel der Maßnahme „Hilfen außerhalb des Elternhauses: Heimerziehung; sonstige betreute Wohnform“ nachzugehen. Begründet ist diese Beispielauswahl damit, dass für keine andere Maßnahme im KJHG Ziele – die für einen Versuch der Erfolgskontrolle als Orientierungsgrundlage notwendig sind - so klar benannt sind wie hier.
Ziel ist also, zu analysieren, ob die Kinder- und Jugendhilfestatistik in ihren Darstellungen mit ihren Erhebungsmerkmalen und Merkmalsausprägungen Indikatoren dazu bietet, den Erfolg oder Nicht-Erfolg der Maßnahme „Heimerziehung; sonstige betreute Wohnform“ festzustellen.
Diese Analyse arbeitet nicht mit den konkreten Zahlen, die in den jeweiligen Erhebungen dargestellt werden, sondern orientiert sich an den Erhebungsmerkmalen und Darstellungskategorien der Tabellen. Denn aufgrund der leitenden Fragestellung liegt das Interesse darin, eine allgemeine Analyse durchzuführen und die leitende Frage im allgemeinen beantworten zu können. Im konkreten Fall sind dann natürlich die jeweiligen Erhebungszahlen ausschlaggebendend, um exakte und bewertende Aussagen treffen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rechtliche Verankerung und Aufbau der Kinder- und Jugendhilfestatistik
3. Gesetzliche Verankerung und Ziele der Heimerziehung; sonstige betreute Wohnformen
4. Analyse der Kinder- und Jugendhilfestatistik: Hilfe zur Erziehung außerhalb des Elternhauses: Heimerziehung; sonstige betreute Wohnform
I. Junge Menschen mit begonnener Hilfe
II. Junge Menschen mit beendeter Hilfe
5. Kann die Kinder- und Jugendhilfestatistik als ein Instrument der Erfolgskontrolle der Maßnahme „Heimerziehung; sonstige betreute Wohnform“ dienen?
6. Das Interesse der Jugendhilfeplanung an einem Instrument der Erfolgskontrolle von Jugendhilfemaßnahmen
7. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, inwieweit die amtliche Kinder- und Jugendhilfestatistik als Instrument zur Erfolgskontrolle für die Maßnahme „Heimerziehung; sonstige betreute Wohnform“ fungieren kann. Das Ziel ist es, auf Basis der Erhebungsmerkmale zu analysieren, ob sich Indikatoren für den Erfolg oder Misserfolg dieser speziellen Jugendhilfemaßnahme ableiten lassen.
- Rechtliche Grundlagen der Kinder- und Jugendhilfestatistik
- Gesetzliche Zielsetzungen der Heimerziehung nach dem KJHG
- Methodische Analyse der Datenerhebung bei begonnener und beendeter Hilfe
- Eignung statistischer Kennzahlen als Indikatoren für Erfolgskontrollen
- Bedeutung der Statistik für eine effektive Jugendhilfeplanung
Auszug aus dem Buch
Gesetzliche Verankerung und Ziele der Heimerziehung, sonstige betreute Wohnformen
Will man untersuchen, inwieweit die Kinder- und Jugendhilfestatistik als Erfolgskontrolle der Jugendhilfemaßnahme „Heimerziehung, sonstig betreute Wohnformen“ (im folgenden auch nur „Heimerziehung“ genannt) fungieren kann, gilt es als erstes nach Zielen zu suchen, welche die Heimerziehung zu erreichen versucht.
Eine solche Zielformulierung findet sich in Paragraph 34 des Kinder- und Jugendhilfegesetz, der die Unterbringungsform Heimerziehung, sonstige betreute Wohnform behandelt: Hilfe zur Erziehung in einer Einrichtung über Tag und Nacht (Heimerziehung) oder in einer sonstigen betreuten Wohnform soll Kinder und Jugendliche durch eine Verbindung von Alltagserleben mit pädagogischen und therapeutischen Angeboten in ihrer Entwicklung fördern.
Sie soll entsprechend dem Alter und Entwicklungstand des Kindes oder des Jugendlichen sowie den Möglichkeiten der Verbesserung der Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie:
1. eine Rückkehr in die Familie zu erreichen versuchen oder
2. die Erziehung in einer anderen Familie vorbereiten oder
3. eine auf längere Zeit angelegte Lebensform bieten und auf ein selbstständiges Leben vorbereiten.
Jugendliche sollen in Fragen der Ausbildung und Beschäftigung sowie der allgemeinen Lebensführung beraten und unterstützt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Nutzung der Kinder- und Jugendhilfestatistik ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach ihrer Eignung als Erfolgskontrolle am Beispiel der Heimerziehung.
2. Rechtliche Verankerung und Aufbau der Kinder- und Jugendhilfestatistik: Dieses Kapitel erläutert die gesetzlichen Grundlagen (§§ 98-103 KJHG) und den Aufbau der Statistik als Dokumentations- und Beobachtungsinstrument.
3. Gesetzliche Verankerung und Ziele der Heimerziehung; sonstige betreute Wohnformen: Hier werden die gesetzlichen Ziele der Heimerziehung gemäß § 34 KJHG herausgearbeitet, die als Orientierungsgrundlage für die Erfolgskontrolle dienen.
4. Analyse der Kinder- und Jugendhilfestatistik: Hilfe zur Erziehung außerhalb des Elternhauses: Heimerziehung; sonstige betreute Wohnform: Dieses Hauptkapitel analysiert kritisch verschiedene Erhebungsmerkmale bei begonnener und beendeter Hilfe im Hinblick auf ihre Aussagekraft über den Erfolg der Maßnahmen.
5. Kann die Kinder- und Jugendhilfestatistik als ein Instrument der Erfolgskontrolle der Maßnahme „Heimerziehung; sonstige betreute Wohnform“ dienen?: Das Kapitel zieht ein Zwischenfazit und kommt zu dem Schluss, dass die Statistik grundsätzlich als Instrument dienen kann, wenn auch mit Einschränkungen hinsichtlich der Interpretationsspielräume.
6. Das Interesse der Jugendhilfeplanung an einem Instrument der Erfolgskontrolle von Jugendhilfemaßnahmen: Hier wird der Mehrwert der Statistik für die Aufgaben der Jugendhilfeplanung gemäß § 80 KJHG erörtert.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer selbstkritischen Reflexion der Praxis durch die Nutzung statistischer Daten, trotz methodischer Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Jugendhilfeplanung, Kinder- und Jugendhilfestatistik, Heimerziehung, Erfolgskontrolle, Jugendhilfemaßnahmen, KJHG, Sozialgesetzgebung, Hilfe zur Erziehung, Jugendamt, Datengrundlage, Zielerreichung, pädagogische Arbeit, Qualitätskriterien, Statistik, Jugendhilfe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob und wie die Kinder- und Jugendhilfestatistik dazu genutzt werden kann, den Erfolg oder Misserfolg von Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe zu kontrollieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die gesetzliche Verankerung der Jugendhilfestatistik, die spezifischen Ziele der Heimerziehung als Unterbringungsform und die kritische Analyse der statistischen Erhebungsmerkmale.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die primäre Fragestellung lautet: „Kann die Kinder- und Jugendhilfestatistik als ein Instrument der Erfolgskontrolle der Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe fungieren?“ – exemplarisch dargestellt an der Heimerziehung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Literaturanalyse sowie eine systematische Auswertung der Erhebungsmerkmale und Kategorien der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden detailliert die verschiedenen Merkmale bei begonnener und beendeter Hilfe untersucht, um aufzuzeigen, an welchen Stellen Daten als Indikatoren für Zielerreichung oder Hilfemisserfolg dienen können.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Erfolgskontrolle, Heimerziehung, Jugendhilfeplanung, KJHG und das Spannungsfeld zwischen statistischer Datenlage und pädagogischer Realität.
Wie bewertet die Autorin den Nutzen der „Beendigungsursache“ in der Statistik?
Die Autorin sieht in der Erhebung zur Beendigungsursache einen wertvollen Erkenntnisgewinn, da hier – im Gegensatz zu anderen Merkmalen – vergleichsweise eindeutige Rückschlüsse auf den Erfolg der Maßnahme möglich sind.
Welches Hauptproblem identifiziert die Arbeit bei den statistischen Daten?
Ein Hauptproblem ist laut der Arbeit das Fehlen von Daten zu individuellen „Hilfekarrieren“ und Zeitverläufen, da die Statistik meist nur punktuelle Zustände oder nur die unmittelbar vorangegangene Hilfe erfasst.
- Quote paper
- Andrea Adam (Author), 2003, Kann die Kinder- und Jugendhilfestatistik als ein Instrument der Erfolgskontrolle der Maßnahmen der Jugendhilfe fungieren?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34532