Nicht jeder weiß mit dem Begriff „Controlling“ etwas anzufangen, geschweige denn, ihn richtig zu verstehen. Der herrschenden Lehre folgend, ist Controlling eine Führungsfunktion, die für die Koordination innerhalb und zwischen den anderen betrieblichen Führungsteilfunktionen zuständig ist. Dies umfasst insbesondere die Abstimmung zwischen dem betrieblichen Zielbildungsprozess, der Planung und Entscheidungsfindung, sowie der damit verbundenen rechentechnischen Vorbereitung.
Investitionsentscheidungen sind hierfür ein bedeutsames Praxisbeispiel, die aus der professionellen Controlling-Tätigkeit nicht mehr wegzudenken sind. Im Sinne der entscheidungsorientierten Informationsbereitstellungsfunktion des Controlling gilt es den Manager bei seiner Entscheidung zielgerichtet zu unterstützen. Dabei hat sich herausgestellt, dass umso entscheidungslogischer das interne Rechnungswesen – ein Schwerpunktbereich des Controlling – vorgeht, d.h. nach dem Teilkostenprinzip arbeitet, desto stärker zeigt sich die Tragweite von Investitionen. Denn als fixe oder gar irreversibel vordisponierte Kosten können sie die späteren Handlungsalternativen maßgeblich beeinflussen. Dementsprechend erklärt sich die Bedeutung korrekter Investitionsrechnungen.
Investitionen beziehen sich heute nicht mehr ausschließlich auf Grundstücks- oder Anlagenkäufe. Stattdessen ist es so, dass die Methodik der Investitionsentscheidung auf ein breites Anwendungsfeld im Bereich der Bewertung betrieblicher Projekte trifft. Deshalb sind Investitionsrechnungen im Allgemeinen als entscheidungsbezogene Projektrechnungen zu verstehen. Trivial ist, dass Investitionsprojekte häufig in Konkurrenz zueinander stehen. Das heißt es bedarf geeigneter (Rechen-)Verfahren um sie beurteilen und Vorteilhaftigkeitsaussagen zielsetzungsgerecht treffen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Zur Führungsfunktion des Controlling in der Investitionsrechnung
2. Die Marktzinsmethode als Ansatz zur Beurteilung betrieblicher Investitionen
2.1 Bankwirtschaftlicher Ursprung und Idee der Marktzinsmethode
2.2 Zur Rechentechnik der Marktzinsmethode
2.3 Berechnung und Bedeutung von impliziten Terminzinssätzen
3. Kritische Analyse der Finanzierungsannahmen im Marktzinsmodell
3.1 Marktbezogenheit der Finanzierungsannahmen
3.2 Risikovermeidung durch Kassageschäfte
3.3 Trennung von Projekterfolg und Fristentransformationserfolg
3.4 Zum Nutzen der Marktzinsmethode innerhalb einer verallgemeinerten Standardfinanzierung
4. Die begrenzte Regelfinanzierung als Modell zum Umgang mit unterschiedlichen Soll- und Habenzinssätzen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Marktzinsmethode als Instrument der Investitionsbeurteilung theoretisch zu durchleuchten, ihre Rechenweise darzustellen und kritisch gegen alternative Finanzierungsansätze abzuwägen.
- Grundlagen und bankwirtschaftlicher Ursprung der Marktzinsmethode
- Methodik der Kapitalwertberechnung mittels Kassageschäften
- Kritische Analyse der Finanzierungsannahmen und Erfolgszuordnungen
- Diskussion der Trennung von Projekterfolg und Fristentransformationserfolg
- Anwendung des Modells der begrenzten Regelfinanzierung
Auszug aus dem Buch
2.1 Bankwirtschaftlicher Ursprung und Idee der Marktzinsmethode
Die Marktzinsmethode ist ein Rechenkonzept, das seinen Ursprung in der Kosten- und Leistungsrechnung des Bankensektors hat und eine anerkannte Methode zur Margenkalkulation von Bankprodukten darstellt. Aufgrund der formalen Ähnlichkeit zwischen den Zahlungsüberschüssen von Bankgeschäften und denen von Investitionen, wurde in der Literatur erwogen das Marktzinsmodell auf die Investitionsrechnung im Nicht-Banken-Bereich zu übertragen.
Analog zur klassischen Investitionsrechnung wird auch bei der Marktzinsmethode die Projektvorteilhaftigkeit mittels Kapitalwertrechnung relativ zu einer finanziellen Nullalternative (sog. Standardfinanzierung) bemessen. Hervorzuheben sind indessen die besonderen Eigenschaften der vorausgesetzten Finanzierung dieser Nullalternative. In der Grundform des Marktzinsmodells handelt es sich durchweg um:
1. Kassageschäfte, die im Jahr 0 beginnen; d.h. heute sicher abschließbar sind.
2. Für jede Laufzeit besteht genau ein solches Finanzprojekt; d.h. eines über ein, eines über zwei, drei, …, T Jahre.
3. Es fallen periodische Zinszwischenzahlungen an.
4. Die Rückzahlung ist endfällig → im letzten Jahr der Laufzeit.
Damit unterscheidet sie sich von der herkömmlichen Kapitalwertrechnung, bei der für die finanzielle Nullalternative ausschließlich einjährige Finanzgeschäfte zum Zuge kommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zur Führungsfunktion des Controlling in der Investitionsrechnung: Das Kapitel erläutert die Rolle des Controlling bei der Koordination betrieblicher Planungsprozesse und betont die Notwendigkeit fundierter Investitionsrechnungen als Entscheidungsgrundlage.
2. Die Marktzinsmethode als Ansatz zur Beurteilung betrieblicher Investitionen: Hier werden der Ursprung des Konzepts, die grundlegende Rechentechnik anhand von Kassageschäften und die Ermittlung von Terminzinssätzen eingeführt.
3. Kritische Analyse der Finanzierungsannahmen im Marktzinsmodell: Dieser Abschnitt hinterfragt die Marktbezogenheit, die Risikoeinschätzungen und die Trennung von Projekterfolg und Fristentransformationserfolg im Modell.
4. Die begrenzte Regelfinanzierung als Modell zum Umgang mit unterschiedlichen Soll- und Habenzinssätzen: Das letzte Kapitel stellt eine Erweiterung vor, die bei erschöpften Kreditlinien iterative Berechnungen für präzisere Investitionsentscheidungen ermöglicht.
Schlüsselwörter
Marktzinsmethode, Investitionscontrolling, Kapitalwertrechnung, Kassageschäfte, Standardfinanzierung, Investitionsrechnung, Fristentransformation, Finanzierungsannahmen, Projekterfolg, Terminzinssätze, Sollzinssatz, Habenzinssatz, Investitionsentscheidung, Arbitrage, Regelfinanzierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Marktzinsmethode, ein ursprünglich aus dem Bankwesen stammendes Rechenkonzept, und bewertet dessen Eignung sowie Grenzen für die Investitionsbeurteilung in Unternehmen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die methodischen Grundlagen des Marktzinsmodells, die kritische Diskussion der zugrunde liegenden Finanzierungsannahmen und der Umgang mit verschiedenen Zinsniveaus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erläuterung der Marktzinsmethode als Instrument der Projektrechnung und eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit der Kritik an diesem Modell.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine betriebswirtschaftliche Analyse durchgeführt, die mathematische Verfahren (Kapitalwertrechnung, Zinsberechnungen) mit theoretischen Diskursen der Investitionsrechnung kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Rechentechnik, eine tiefgehende kritische Analyse der Finanzierungsannahmen sowie die Diskussion über die Trennung von Erfolgsquellen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Marktzinsmethode, Kassageschäfte, Kapitalwert, Standardfinanzierung und Fristentransformation.
Warum wird die Trennung von Projekterfolg und Fristentransformationserfolg im Modell vorgenommen?
Vertreter der Methode begründen diese Trennung damit, dass der Erfolg aus der Finanzierungstransformation projektunabhängig sei und somit nicht den Investitionserfolg verzerren solle.
Welchen Vorteil bietet das Modell der begrenzten Regelfinanzierung?
Es ermöglicht eine genauere Kalkulation in Fällen, in denen ein Projekt das Volumen einer einzelnen Finanzierungsmöglichkeit überschreitet und somit unterschiedliche Zinssätze für Teilbeträge anfallen.
- Arbeit zitieren
- Joachim Krautter (Autor:in), 2013, Die Marktzinsmethode zur Beurteilung von Investitionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345403