"Der Regenbogenfisch". Literaturdidaktische Analyse und Anregungen für die praktische Umsetzung in der Grundschule


Unterrichtsentwurf, 2016

15 Seiten, Note: 1,0

Eva Wieser (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Sachanalyse
1.1 Vorstellung des Textes
1.2 Kompakte Inhaltszusammenfassung
1.3 Analyse der Handlung
1.4 Interpretation

2. Didaktische Analyse
2.1 Begründung der Textauswahl und theoretische Umsetzungsmöglichkeiten für den Unterricht
2.2 Ziele für den Literaturunterricht – Kaspar H. Spinner
2.2.1 Förderung der Lesefreude
2.2.2 Texterschließungskompetenz
2.2.3 Literarische Bildung
2.2.4 Förderung von Imagination und Kreativität
2.2.5 Identitätsfindung und Fremdverstehen
2.2.6 Auseinandersetzung mit anthropologischen Grundfragen

3. Methodische Analyse
3.1 Eine Möglichkeit der praktischen Umsetzung zum „Regenbogenfisch“
3.1.1 Vorüberlegungen
3.1.2 Unterrichtsverlauf
3.2 Entwurf einer Unterrichtseinheit für die 1./2. Jahrgangsstufe
3.2.1 Stundenthema: Vorstellung des Buches „Der Regenbogenfisch“
3.2.2 Stundenintention und Lernchancen
3.2.3 Artikulationsschema

4. Literaturverzeichnis

1. Sachanalyse

1.1 Vorstellung des Textes

Die Geschichte vom „Regenbogenfisch“ wurde in einem Buch künstlerisch durch und von Marcus Pfister verewigt. Es ist eine Erzählung in der literarischen Form der Fabel und gehört somit zur literarischen Gattung der Epik. Das Buch ist farblich so aufgebaut, dass es fast ausschließlich bläuliche Töne enthält. Die Bilder darin laden zum Anfassen ein, da sie zum einen aquarelliert und sehr fein gezeichnet wurden und weil sie zum anderen durch die Glitzerschuppen des Regenbogenfisches besonders ansprechend für Kinder sind. Abgesehen von den überwiegend blauen, türkisenen und grünen Farbtönen glitzern die Schuppen des Fisches in allen bunten Regenbogenfarben. Mimik, Körperhaltung, Blickkontakt und weitere soziale Aspekte werden bereits bei den Illustrationen deutlich, wobei dadurch die Konstellation der Beziehungen unter den Figuren, sowie die äußere und innere Handlung unterstrichen wird. Diese Form des Buches hebt somit von gängigen Büchern ab und wird von vielen Erwachsenen rückwirkend als „Lieblingsbuch der eigenen Kindheit“ bezeichnet.

Betrachtet man die Sprache des Buches etwas genauer, so wird ganz klar ersichtlich, dass sich diese - abgesehen von der optischen Gestaltung des Buches – ebenso von gängigen Fibeln oder Sprachbüchern absetzt. Dieser Unterschied kann jedoch positiv verzeichnet werden, da sie besonders variationsreich und lebendig gewählt wurde. Den Kindern wird durch den Aufbau des Textes, der Wortwahl und sogar der unkomplizierten Syntax das Einprägen des Handlungsablaufes um ein Vielfaches vereinfacht. Wie bereits erwähnt untermauern die farbigen Illustrationen den Prozess eines tiefgründigen Verstehens. Auffällig ist, dass innere Monologe und wörtliche Rede erhöht auftreten. Rhetorische Mittel, sog. Stilmittel, lassen sich im Text herauskristallisieren. Alliteration und Binnenreime wie beispielsweise: „Regenbogenfisch, Regenbogenfisch, warte auf mich!“ unterstützen literarisch die Aussage des Textes. Hinzu kommt, dass die Wortstellung in vielen Sätzen zugunsten der Betonung von diversen Phrasen verändert wurde: „Finster war es hier.“ Wörter, Wortteile bzw. deren Inhalt möchte der Autor damit besonders hervorheben. Inversionen werden entweder eingesetzt, um bestimmte Inhalte zu akzentuieren, aber auch um eine Spannung aufzubauen: „Weit draußen im Meer lebte ein Fisch. Doch kein gewöhnlicher Fisch, nein. Er war der allerschönste Fisch…“.

1.2 Kompakte Inhaltszusammenfassung

Die Geschichte erzählt von einem Fisch, der ein Schuppenkleid in allen Regenbogenfarben trägt. Dieser wird aufgrund seiner Optik auch „der Regenbogenfisch“ genannt. Da er im gesamten Gewässer der einzige Fisch mit einem so schillernden Schuppenkleid ist, wird er stets von anderen Fischen bewundert. Diese Anerkennung von anderen verleiht ihm Stolz und Würde und gibt ihm vermeintlich das Recht allein etwas Einzigartiges zu sein. Als ihn eines Tages ein kleiner blauer Fisch um eine Glitzerschuppe bittet, lehnt er diese Nachfrage ab und verjagt den Fisch unhöflich. Daraufhin schwimmt der kleine blaue Fisch verwundert und erschrocken zugleich zu seinen Freunden und berichtet ihnen von dem für ihn unfassbarem Erlebnis. Von da an will keiner mehr etwas mit dem Regenbogenfisch zu tun haben, wobei ihm das zum einsamsten Fisch im Meer macht. Aus Kummer und Trauer vertraut er sich dem Seestern an und erzählt ihm von seinem Leid. Dieser schickt den Regenbogenfisch zum weisen Oktopus, der ihm rät, jedem Fisch eine seiner Glitzerschuppen zu schenken. Mit diesem Ratschlag gab sich der Regenbogenfisch nicht zufrieden und folgt dem zunächst nicht. Plötzlich kommt der kleine blaue Fisch erneut und bittet den Regenbogenfisch wieder um eine Glitzerschuppe. Diese zweite Chance nutzt der Regenbogenfisch zögernd und gibt ihm eine kleine schimmernde Schuppe ab. Er ist erstaunt über die Glücksgefühle und Freuden des kleinen blauen Fisches. Die Nachfrage nach seinen Glitzerschuppen steigt rapide an, denn auch die anderen Fische kommen und bitten ihm darum. Schließlich verteilt der Regenbogenfisch an jeden der Fische eine Glitzerschuppe, sodass ihm letztendlich nur noch selbst eine übrig bleibt. Von da an lebt der Regenbogenfisch glücklich und vergnügt mit den anderen Fischen im Meer.

1.3 Analyse der Handlung

Da die aufgeführten Kapitel in dem Buch nicht konkret gegliedert wurden, beschäftige ich mich im Folgenden mit den Abschnitten der einzelnen Handlungen.

Zunächst wird der Regenbogenfisch in Bezug auf sein äußeres Erscheinungsbild oberflächlich beschrieben. Im zweiten Abschnitt arbeitet sich der Erzähler zur inneren Erscheinung durch und schildert daher den Stolz, die Eitelkeit und Arroganz des Fisches aufgrund seiner Glitzerschuppen. Nachdem dem Leser die Eingangssituation näher gebracht wurde und ausführlich Bezug zu dem Charakter des Fisches genommen wird, der letztendlich veranlasst, dass er von anderen verstoßen wird und somit einsam weiterleben muss, ist der Regenbogenfisch im vierten Abschnitt ratlos und bittet den Seestern um Hilfe. Dieser schickt ihm wiederum zum Octopus, der ihm im fünften Abschnitt in der für den Regenbogenfisch aussichtslosen Situation berät. Die anfängliche Situation, dass ein kleiner blauer Fisch den Regenbogenfisch um eine seiner Glitzerschuppen bittet, wiederholt sich im sechsten Abschnitt. Daraufhin überwindet der Regenbogenfisch seinen Stolz und gibt diesem im siebten Abschnitt eine Schuppe ab. Völlig überrascht von der freudigen und glückseligen Reaktion des kleinen blauen Fisches, teilt der Regenbogenfisch auch im achten Abschnitt mit allen anderen Fischen, die ihm um eine seiner Glitzerschuppen bitte. Durch dieses Teilen entsteht Freundschaft zwischen den Fischen und der Regenbogenfisch erkennt, dass er sich nicht selbst als etwas Besseres einstufen soll und von nun an jeder eine Besonderheit (eine Glitzerschuppe) besitzt, das sie alle noch mehr verbindet.

1.4 Interpretation

Aufgrund der besonderen Schönheit hebt sich der Regenbogenfisch aus der Gemeinschaft der Fische hervor, diese führt aber zu einer selbst gewählten Isolation eben genau aus dieser Gemeinschaft. Der Regenbogenfisch leidet jedoch unter diesem Zustand und muss sich entscheiden, ob er entweder seinen Sonderstatus als schönster Fisch im Meer beibehält und aufgrund dessen einsam bleibt oder ob er seine Schönheit mit anderen teilt und zurück in die Gemeinschaft tritt. Während diesem Entscheidungsprozess durchlebt der Fisch eine sog. „innere Wandlung“, in der er die Erkenntnis gewinnt, dass es einen persönlich glücklich macht, andere glücklich zu machen und dies in dem Fall ohne seine Schönheit gänzlich aufgeben zu müssen.

Anhand dieser Geschichte wird Kindern die Möglichkeit geboten zu lernen, wie schön es ist einem anderen eine Freude zu bereiten, wenn man beispielsweise teilt. Der Regenbogenfisch merkt, dass das Teilen Freunde bringt und man mit egoistischen Zügen langfristig allein bleibt.

2. Didaktische Analyse

2.1 Begründung der Textauswahl und theoretische Umsetzungsmöglichkeiten für den Unterricht

Ich habe mich für diesen Text entschieden, da es selbst ein Lieblingsbuch aus meiner eigenen Kindheit darstellt. Eine derartige Geschichte bleibt v.a. durch die einzigartigen Illusionen besonders gut im Gedächtnis. Anhand eigener Erfahrungen kann ich bestätigen, dass wir in einer Zeit leben, in der derartige Geschichten, Märchen, Fabeln oder Ähnliches gerne durch neuartige Medien ersetzt werden, die aber die Förderung der Phantasie unterbrechen. Durch den kreativ-handelnden und phantasiefördernden Umgang mit diesem Text bzw. Buch kann den Kindern so ein weiterer Zugang zur Literatur freigeschaltet werden. Der Prozess eines freiwilligen und positiv assoziierten Lesens kann auf diese Weise unterstützt werden. Die in dem Buch enthaltene emotionale Geschichte, die auf einer künstlerisch-ansprechenden Art vermittelt wird, legt die Möglichkeit den Kindern offen selbst eine lebendige Emotionalität beim Lesen zu entwickeln und nachzufühlen. Das Empathie-Vermögen wird dadurch genauso geschult, sowie die Perspektiveübernahmefähigkeit, die sich im Kindesalter noch in einem frühen Stadium befindet (Jean Piaget). Des Weiteren kann beim Umgang mit dieser Literatur der Schüler bzw. die Schülerin durch die einzigartige Gestaltung des Buches und v.a. der lebendigen Sprache (viele Monologe, Gedankengänge etc.) in die Handlung direkt miteinbezogen werden. Sie können sich mit Figuren aus dem Buch identifizieren und sogar eigene Erfahrungen in den Unterricht miteinbeziehen, die in einer freieren Unterrichtsphase zum Ausdruck gebracht werden könnten. Genauso können sie seine Gefühle und deren Wandlung nachempfinden und dies mit Erfahrungen aus der eigenen Lebenswelt vergleichen. Im Unterricht sollten dazu auch Handlungsweisen kritisch durchleuchtet werden, sowie mögliche Problemlösungen diskutiert werden. Denn dadurch können sich die Kinder eigener Konflikte bewusster werden. Man könnte daraus auch eine sog. „Dilemma-Geschichte“ kreieren und die Kinder mit der nächsthöheren Stufe konfrontieren, um eine intensive Diskussion anzuregen (Lawrence Kohlberg).

Durch die in der Sachanalyse bereits beschriebene Aufmachung des Buches können die Kinder die Erfahrung machen, dass es allgemein bei Geschichten, Büchern, Fabeln, Märchen etc. nicht nur um das Lesen per se geht, sondern, dass das Betrachten, Befühlen, Bestaunen und Besprechen ganz besonders wichtige Aspekte im Umgang mit Literatur sein können. Bei der Fabel vom Regenbogenfisch wird die Lebenswelt der Kinder mit den jeweiligen Erfahrungen aus der kindlichen Lebenswirklichkeit aufgegriffen. Der Prozess der individuellen Auseinandersetzung mit einer derartig beschriebenen Literatur soll als Alternative zu einer Vielzahl von Medien der heutigen Zeit die Hauptaufgabe des Grundschulunterrichts darstellen. Aus diesem Grund möchte ich im Anschluss darlegen, wie dieses Unterrichtsthema als kreativer Umgang mit Literatur den Schülerinnen und Schülern nahegebracht werden kann. Dazu möchte ich bereits ein Unterrichtsziel vorneweg nehmen, nämlich die Erkenntnis der Kinder, dass Literatur unterhaltsam sein kann und die Phantasie anregt. Die Darstellung der Handlung durch Dialoge und innere Monologe lassen den Text für die Kinder lebendig erscheinen. Im Unterricht kann man genauso die Anleitung von rhetorischen Fragen miteinbinden, wie etwa: „Was nutzen dem Regenbogenfisch nun seine wunderbaren schimmernden Schuppen, wenn sie von niemanden mehr bewundert wurden?“.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
"Der Regenbogenfisch". Literaturdidaktische Analyse und Anregungen für die praktische Umsetzung in der Grundschule
Hochschule
Universität Passau
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V345448
ISBN (eBook)
9783668379275
ISBN (Buch)
9783668379282
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
regenbogenfisch, literaturdidaktische, analyse, anregungen, umsetzung, grundschule
Arbeit zitieren
Eva Wieser (Autor), 2016, "Der Regenbogenfisch". Literaturdidaktische Analyse und Anregungen für die praktische Umsetzung in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345448

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