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Folter als Mittel der Wahrheitsfindung

Title: Folter als Mittel der Wahrheitsfindung

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Karin Daiß (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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„Wenn wir uns das vormoderne traditionelle Strafsystem vergegenwärtigen […] stellt es sich uns als ein Theater des Schreckens dar mit seiner Grausamkeit und Rohheit sowie mit seinen abergläubischen Ritualen und dem makaberen Zeremoniell, in das die Strafhandlungen eingebunden waren.“
(Dülmen, Richard van: Theater des Schreckens; 1985; S. 7.)

Spricht man heute vom Mittelalter, so wird dieses Zeitalter oft als düsteres Zeitalter dargestellt. Eine Rechtsituation wie wir sie heute kennen, war damals noch undenkbar. „Folter als Mittel der Wahrheitsfindung“ stellt einen Abriss des Rechtssystems im 12. und 13. Jahrhundert dar, belegt die Wiederkehr der Folter anhand von Gesetzen, Fakten und Daten und stellt darüber hinaus einige Foltermethoden vor.
Folter - schaurig und faszinierend zugleich.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition des Wortes „Folter“

3. Das Recht vor dem 12. Jahrhundert

4. Rechtsrevolution im 12. Jahrhundert

5. Die Wiederkehr der Folter

6. Die juristische Rechtfertigung der Folter

7. Die Inquisition

8. Folterwerkzeuge

9. Constitutio Criminalis Bambergensis von 1507

10. Constitutio Criminalis Carolina von 1532

11. Schlussbemerkung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Prozess der Entstehung und Etablierung der Folter als legitimes Mittel der Wahrheitsfindung im mittelalterlichen Strafsystem sowie deren rechtliche Rahmenbedingungen und Wirkungsweisen.

  • Historischer Wandel der Beweissysteme (vom Gottesurteil zum Inquisitionsprozess)
  • Die Rolle der Kirche und der Inquisition bei der Etablierung der Folter
  • Juristische Rechtfertigung und normative Regelungen der Folteranwendung
  • Systematisierung der Foltermethoden und Folterwerkzeuge
  • Bedeutung der Constitutio Criminalis Bambergensis und der Constitutio Criminalis Carolina

Auszug aus dem Buch

Die Wiederkehr der Folter

Im 9. Jahrhundert entstand die Folter. Das Verfahren der quaestio (Folter) wurde bis zum 12. Jahrhundert von Laiengerichten nur vereinzelt, von kirchlichen Gerichten allgemein angewendet. Der Grund dafür, war der, dass die kirchliche Gerichte die Doktrin der male fame (= des schlechten Rufes) leichter akzeptierten konnten: dies erlaubte dem Richter, einen Verdächtigen vor sich erscheinen zu lassen, ohne Anwesenheit oder Existenz eines Klägers. Die Kirchengerichte entwickelten zudem die Doktrin der allgemeinen Bekanntheit von Verbrechen, die es dem kirchlichen Richter gleichfalls gestattete, ein Verfahren ohne Ankläger zu eröffnen.

Unter den rechtlichen Veränderungen zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert erwies sich die Entwicklung der Doktrin der Ehrlosigkeit als besonders nützlich und vielseitig anwendbar. Danach war der Angeklagte weit weniger als früher durch Konventionen oder sogar durch das Urteil Gottes geschützt.

Zusammen mit dem Inquisitionsprozess trug die Doktrin der Ehrlosigkeit dazu bei, dass ein Rechtssystem durch ein anderes ersetzt wurde. Diese revolutionären Veränderungen im geltenden Recht benötigten ein Jahrhundert, bis sie sich endgültig durchgesetzt hatten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Folter als integralen Bestandteil des vormodernen „Theaters des Schreckens“ vor und definiert das Ziel der Arbeit, den historischen Entstehungsprozess der Folter zu erklären.

2. Definition des Wortes „Folter“: Hier werden die verschiedenen lateinischen und deutschen Begrifflichkeiten für die Folter erläutert und ihre Funktion als Instrument zur Geständniserzwingung und Wahrheitsfindung definiert.

3. Das Recht vor dem 12. Jahrhundert: Das Kapitel beschreibt das damalige private Strafrecht, den Eideshelfer-Prozess und die Bedeutung von Gottesurteilen zur Wahrheitsfindung.

4. Rechtsrevolution im 12. Jahrhundert: Es wird die weitreichende Transformation der Rechtskultur, die Wiederbelebung des römischen Rechts und der Aufstieg des Geständnisses zum wichtigsten Beweismittel thematisiert.

5. Die Wiederkehr der Folter: Das Kapitel erläutert die Entstehung der Folter unter kirchlichen Gerichten und die Rolle der „Doktrin der Ehrlosigkeit“ für die Ablösung älterer Rechtssysteme.

6. Die juristische Rechtfertigung der Folter: Hier wird der Prozess beschrieben, wie die Folter zum festen Bestandteil der gerichtlichen Verfahren und Gegenstand einer rechtswissenschaftlichen Spezialisierung wurde.

7. Die Inquisition: Das Kapitel behandelt die Verfolgung von Ketzern, die Institutionalisierung der Inquisition und die offizielle Einführung der Folter im kirchlichen Inquisitionsverfahren.

8. Folterwerkzeuge: Dieser Abschnitt differenziert zwischen verschiedenen Arten der Folter und stellt beispielhaft spezifische Folterinstrumente und ihre Anwendung dar.

9. Constitutio Criminalis Bambergensis von 1507: Das Kapitel analysiert die Bedeutung dieser Halsgerichtsordnung als Wendepunkt in der deutschen Strafrechtsentwicklung, die die amtliche Strafverfolgung stärkte.

10. Constitutio Criminalis Carolina von 1532: Hier wird die Carolina als erstes gesamtdeutsches Straf- und Strafprozessgesetzbuch gewürdigt, das trotz harter Bestimmungen auch rechtsstaatliche Neuerungen einführte.

11. Schlussbemerkung: Der Autor resümiert, dass das Mittelalter in Bezug auf sein Strafverfahren als düstere Epoche einzustufen ist und zieht einen Bogen zur heutigen Menschenrechtssituation.

Schlüsselwörter

Folter, Mittelalter, Inquisition, Strafrecht, Geständnis, Wahrheitsfindung, Rechtsgeschichte, Gottesurteil, Constitutio Criminalis Carolina, Inquisitionsprozess, peinliche Befragung, Häresie, Strafverfahren, Rechtsrevolution, Beweismittel.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und Etablierung der Folter als juristisches Mittel zur Wahrheitsfindung innerhalb des mittelalterlichen Strafrechtssystems.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Schwerpunkte liegen auf dem Wandel der Rechtssysteme im 12. Jahrhundert, der Rolle der Inquisition, der juristischen Rechtfertigung der Folter sowie der Analyse bedeutender frühneuzeitlicher Rechtsordnungen wie der Bambergensis und der Carolina.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den historischen Prozess zu erklären, der dazu führte, dass die Folter vom außerordentlichen Mittel zu einem festen, normierten Bestandteil des gerichtlichen Strafverfahrens wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer historischen Literaturanalyse, die zentrale zeitgenössische Quellen, rechtshistorische Sekundärliteratur und die Entwicklung der strafrechtlichen Dogmatik im Mittelalter auswertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Darstellung der Rechtsgeschichte, von der vor-inquisitorischen Zeit über die Etablierung der Inquisition bis hin zu den großen Peinlichen Gerichtsordnungen des 16. Jahrhunderts.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Begriffe sind Folter, Inquisition, Geständnis, Strafrechtsgeschichte und die Constitutio Criminalis Carolina.

Warum galt das Geständnis im späten Mittelalter als „Königin der Beweise“?

Aufgrund der strengen Anforderungen des Inquisitionsprozesses, der oft keine ausreichenden Augenzeugenbeweise bot, wurde das Geständnis zum notwendigen Faktor für die rechtmäßige Verurteilung, was den Druck zur Anwendung der Folter massiv erhöhte.

Welche Rolle spielte die Constitutio Criminalis Carolina bei der Regulierung der Folter?

Die Carolina stellte einen Wendepunkt dar, indem sie die Folteranwendung zwar nicht abschaffte, aber strenger an das Vorliegen einer Anzeige knüpfte und versuchte, die Willkür durch prozessuale Regelungen zu begrenzen.

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Details

Title
Folter als Mittel der Wahrheitsfindung
College
University Karlsruhe (TH)
Course
HS: Schmerz, Leid, Trauer, Klage in der Literatur des Mittelalters
Grade
1,0
Author
Karin Daiß (Author)
Publication Year
2004
Pages
24
Catalog Number
V34552
ISBN (eBook)
9783638347426
ISBN (Book)
9783638684385
Language
German
Tags
Folter Mittel Wahrheitsfindung Schmerz Leid Trauer Klage Literatur Mittelalters
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Karin Daiß (Author), 2004, Folter als Mittel der Wahrheitsfindung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34552
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