Der Mythos der Freimaurer. Aufbau, Riten und Symbole und das Verhältnis zur Kirche


Hausarbeit, 2016

14 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursprung der Freimaurerei

3. Aufbau
3.1 Die Logen
3.2 Arten von Logen
3.3 Die Stufen und Grade der Mitgliedschaft

4. Brauchtum und Riten

5. Symbole

6. Freimaurerei und die Kirche

7. Fazit

8.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wenn man den Begriff Freimauer hört, kommt einem sofort die Frage in den Sinn, wer oder was Freimauer überhaupt sind. Diese Frage eindeutig zu beantworten stellt eine große Herausforderung dar. Oberflächliches Suchen liefert die unterschiedlichsten Antwortmöglichkeiten, die inhaltlich sehr weit auseinander gehen. Es ist mancherorts von einem elitärem Männerbund oder einer kritischen Gesellschaftsgruppe die Rede. Man liest sogar, dass die Freimaurer ein mysteriöser Geheimbund sein sollen. Es gibt zu dem Thema der Freimaurerei einen solch großen Pool an Informationen, sodass bedauerlicherweise viele Gerüchte, Spekulationen und Desinformationen im Umlauf sind, die nicht der Wahrheit entsprechen. Diese erschweren die Recherche.

In meiner Hausarbeit möchte ich der Frage nachgehen, welche Rolle die Freimaurer in der Gesellschaft einnehmen. Sind die Freimaurer ein Geheimbund, sind sie eine Gruppe Männer die wüste Bräuche und Rituale ausführen oder wollen sie sogar einen Platz zwischen den Weltreligionen einnehmen? Um diese Frage zu beantworten werde ich zu Beginn ausführlich auf den Ursprung der Freimaurerei eingehen, da man dadurch einen guten Einblick in das Brauchtum der Maurer bekommt und die Grundlagen kennenlernt, auf denen die Freimaurerei basiert. Ebenfalls soll kurz aufgegriffen werden, wie es zu verschiedenen Entstehungstheorien kommt, auf deren Grundlage weitere Verschwörungstheorien aufbauen. Die Entstehung und die Geschichte der Freimaurer entkräftet schon einige vorwurfsvolle Verschwörungen gegen die Gruppe der Freimaurer und hat möglicherweise zur Folge, dass falsche Vorstellungen widerlegt werden. Danach möchte ich auf den Aufbau der Freimaurerei eingehen und ihr spezifisches Logensystem vorstellen. In diesem Zusammenhang werden auch einige Symbole und Rituale der Freimaurer erläutert. Bevor es zum Fazit kommt, soll versucht werden, das Verhältnis der katholischen Kirche zu den Freimaurern zu erläutern.

2. Ursprung der Freimaurerei

Wie in der Einleitung schon angedeutet, trifft man auf viele verschiedene Definitionen der Freimauer. Dies schließt mit ein, dass es ebenso zahlreiche Theorien zum Ursprung der Freimauerei geben muss. Im Jahr 1900 zählte man „39 verschiedene Angaben über den Ursprung der Maurerei.“[1]

Zu Beginn soll nun auf die undurchsichtige Ursprungsfindung der Freimaurerei eingegangen werden. Es folgt die Darstellung ihrer Geschichte aus der Sicht eines Freimaurers.

Einer der bedeutendsten freimaurerischen Historiographen, Oskar Posner, erklärt das Phänomen der vielen verschiedenen Ursprungstheorien damit, dass es immer, wenn es zu einem Zusammenleben einer Gruppe von Menschen kommt, es etwas gibt, was sich mit der Freimauerei vergleichen lässt. Daher sind einige freimaurerische Geschichtsschreiber sogar soweit gegangen, zu behaupten, dass der biblisch erste Mensch, Adam, ein Freimauer gewesen sein soll. Diese Vermutung ist darin begründet, da er sich mit seinen Söhnen in einem Raum, bei den Freimaurern Loge genannt, versammelte. Aus dieser Basis schöpfen ebenfalls verschiedene weitere Theorien zum Ursprung der Maurerei ihre Grundlagen. Aus der Sicht solcher Traditionstheorien hat sich eine lange Liste von bedeutenden Freimaurern entwickelt. Zum Beispiel werden Jesus Christus, Moses oder auch Erzengel Michael als Großmeister der Freimaurerei genannt.[2] Durch die Verbindung bedeutender Persönlichkeiten zum Freimaurerbund soll ein „fabelhafter Stammbaum“ erzeugt werden, wodurch

„zum Ausdruck kommen soll, daß die Freimaurerei immer bestand hat, wenn nicht tatsächlich, so doch als geistiges Prinzip, und daß die Universalität der Menschheit über Raum und Zeit ihre Berufung ist.“[3]

Einige Theorien gehen auf das Zweite Buch der Chronik des Alten Testamentes zurück. An dieser Stelle ist die Rede von Hiram, dem Sohn einer jüdischen Witwe. Er war Baumeister des Salomonischen Tempels und hatte das Sagen über 34 000 Arbeiter. Er teilte die Arbeiter in drei Gruppen ein: Meister, Gesellen und Lehrlinge. Um die Lohnzahlungen zu erleichtern, hatte jede Gruppe ein geheimes Wort, welches die Arbeiter bei der Auszahlung benötigten. Drei Gesellen entführten Hiram und versuchten an das Meisterwort zu gelangen. Dabei töteten sie ihn, ohne das Meisterwort erfahren zu haben. Diese dreigliedrige Stufung und die Möglichkeit vom Lehrling zum Meister auszusteigen gilt als Hinweis auf die Freimaurer. Sie ist beispielsweise Teil der Johannismaurerei. Des Weiteren zierte ein Akazienzweig das Grab von Hiram, welches ein spezielles Symbol in der Freimaurerei einnimmt.[4]

Neben den vorausgegangenen Theorien möchte ich nun den Ursprung der Freimaurerei aus Sicht des Freimaurers Philip Militz vorstellen. Er legt den Ursprung der Freimaurerei in die Antike und führt die „Bauhütten“ als Vorgänger auf. Bauhütte bezeichnet einen Ort, „an dem Handwerker des Sakralbauwesens tätig gewesen sind.“[5] Diese Handwerker haben besondere Bauten, wie zum Beispiel Gotteshäuser und Tempel gebaut. Die Mitglieder hatten eine besondere Beziehung zueinander und innerhalb der Bauhütte gab es neben eigenen Gesetzen, sogar eine eigene Gerichtsbarkeit. Es wurde mehr als nur die einfache handwerkliche Fähigkeit abverlangt. So gehörten eine philosophisch- ethische Bildung, Tugendhaftigkeit, Rechtschaffenheit und edles Betragen zum Standard der Bauhütte. Durch diese Eigenschaften bildeten sich die Handwerker, die der Bauhütte angehörten im Gegensatz zu den normalen Handwerkern enorm weiter und erfuhren höheres Ansehen und Einfluss.[6]

Weitere Zeugnisse der Bauhütten folgten ab dem sechsten Jahrhundert in Form des Baus der ersten Kathedrale von Canterbury (597) und der Paulskirche in Westminster (605). In dieser Zeit beherrschten die Handwerker des Sakralbauwesens das Bildungsmonopol mit dem Wissen um Baukunst und Geometrie. Ab 1070 war die Nachfrage nach Arbeitskräften des Sakralbauwerks so hoch, dass Abt Wilhelm von Hirsau sogenannte Conversi einführte. Conversi waren Handwerker, die kein Mönchsgelübde abgelegt hatten, aber dennoch in den Klöstern leben durften und dort in die Baukünste eingeweiht wurden. Durch diese Erweiterung entstand mit der Zeit ein großes Netzwerk von Bauschulen.

Die Kreuzzüge sorgten dafür, dass gegen Ende des zwölften Jahrhunderts viele Europäer in den Orient wanderten. Umgekehrt wurden dadurch die Kenntnisse um Geometrie und Baukunst nach Europa getragen. Dies hatte zur Folge, dass auch dort riesige Kathedralen gebaut wurden. In dieser Zeit wird Gott gerne als „Baumeister“ dargestellt, wodurch die Bedeutung des Baumeisters enorm stieg. In der heutigen Zeit wäre der Baumeister zwischen Architekt und Bauleiter einzuordnen. Militz geht sogar soweit, den damaligen Baumeister mit einem heutigen Nobelpreisträger gleichzusetzen, da er rechnen und schreiben konnte. Das waren Fähigkeiten, die zu der damaligen Zeit kaum jemand beherrschte. Darüberhinaus plante der Baumeister nicht nur den Bau, sondern kümmerte sich um die Finanzen, beaufsichtigte die technische Durchführung, beschaffte das Material und koordinierte zusätzlich die Arbeit von hunderten Arbeitern. Der anhaltende Bauboom ließ die Nachfrage an qualifizierten Handwerken stets steigen, wodurch die Baumeister ständig in unterschiedlichen Ländern unterwegs waren. Um sich besser zu organisieren gründeten sie sogenannte Steinmetzbruderschaften, die als eine Art internationale Vereinigung anzusehen waren. Zur Geheimhaltung ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten und den Besonderheiten der Geometrie und Statik, entwickelten sie über die Zeit hinweg Rituale, Gebräuche und Erkennungszeichen, die sie ebenso wie Details über ihre Gemeinschaft nicht aufschrieben, um sich vor der Konkurrenz zu schützen. Daher ist darüber heutzutage wenig bekannt. Bekannt ist nur, dass die Bruderschaften eigene Gesetzte und sogar eine eigene Rechtsprechung besaßen. In diesem Aufbau kann man die ersten Grundzüge einer Demokratie entdecken.[7]

Die Mitglieder, unter denen sowohl Handwerker als auch gebildete Architekten waren, tauschten sich untereinander vielfach aus und arbeiteten auf engstem Raum zusammen. Somit legten sie die Standesschranken beiseite und nannten sich untereinander „Brüder“. Wichtig war dabei, dass sie sich gegenseitig richtige Umgangsformen, Erziehung und Toleranz entgegenbrachten.

Die große Erschütterung der Steinmetzbruderschaft folgte im Jahr 1517, als Martin Luther seine 95 Thesen veröffentlichte. Diese Reformation brachte das religiöse Weltbild der Menschen ins Wanken, sodass die Bruderschaften mehr und mehr in Frage gestellt wurden. Hinzu kam der Dreißigjährige Krieg, der von 1618 bis 1648 dafür sorgte, dass das Sakralbauwesen zum Erliegen kam. Einzig ein paar wenige Brüder schafften es, das Wissen und die Gebräuche der Steinmetzbruderschaft in die Neuzeit zu retten, indem sie sich auf die britischen Inseln absetzten. Das Fortbestehen der Bruderschaft konnte dort nur durch das Aufnehmen von Adligen erreicht werden. Dabei spielten der gute Ruf der Bruderschaft und das hohe Ansehen, durch ihre internationalen Beziehungen, eine wichtige Rolle.[8] Fortan sprach man durch die Vermischung von Bauleuten und Adligen nicht mehr von den Bauhütten, sondern der Begriff „Logen“[9] etablierte sich.

Dies war der Grundstein für die Entstehung der modernen Freimaurerei. Ein weiterer Faktor spielte eine Katastrophe im Jahr 1666, bei der ein Großbrand achtzig Prozent Londons zerstörte. Bei dem fälligen Wiederaufbau war das Wissen der Freimaurer mehr denn je gefragt. Als Folge daraus schlossen sich am 24. Juni 1717 vier alte Werkmaurerlogen in London und Westminster zur Ersten Großloge von England zusammen. Dieses Datum gilt seit dem als offizielles Gründungsdatum der modernen Freimaurerei. Die erste Loge in Deutschland wurde im Jahr 1737 in Hamburg gegründet.[10] Im Laufe der Zeit wurden die Freimaurer einige Male verboten, da sie die Menschen zum Denken anregen und Demokratie und Gerechtigkeit fördern. Dies war vor allem in totalitären Systemen, wie z.B. während der NS-Diktatur, der Fall. Von dieser Diktatur erholten sich die Freimaurer jedoch gut und bauten innerhalb kürzester Zeit ein gut organisiertes Netzwerk von Freimaurerlogen in Deutschland auf. Nahezu in jede größere Stadt in Deutschland findet man heutzutage eine Freimaurerloge.

3. Aufbau

Im vorherigen Teil wurde sehr ausführlich auf den Ursprung der Freimaurerei eingegangen, damit man einen Eindruck gewinnen kann, wo die Bruderschaft her kommt und woraus sie sich entwickelt hat. Nun soll das System der sogenannten Logen der Freimaurer näher betrachtet werden, um die Organisation der Bruderschaft zu begreifen.

3.1 Die Logen

Der Name „Loge“ stammt aus der Tradition der Steinmetzbruderschaft und bezeichnet „sowohl den Ort, also den Raum, von dem maurerische Arbeit geleistet wird, als auch die Gemeinschaft von mindestens sieben Meisterbrüdern.“[11] Bei diesen sieben Meisterbrüdern bleibt es nur in den seltensten Fällen. Die Anzahl der Logenmitglieder variiert zwischen diesen sieben Mitgliedern bis hin zu über 200-300 Mitgliedern.[12] Da jedoch der persönliche Kontakt innerhalb der Loge einen zentralen Stellenwert einnimmt, sind Logen mit über 100 Mitgliedern sehr bedenklich, da so der brüderliche und freundschaftliche Charakter verloren geht. Über viele Jahre hinweg hat sich eine Anzahl von 30 Mitgliedern als sehr sinnvoll herausgestellt, um das Brauchtum der Freimaurer auszuleben und zu bewahren. Grundsätzlich hat jeder die Möglichkeit einer Loge beizutreten. In den freimaurerischen Konstitutionen steht dazu, dass die „als Mitglieder einer Loge aufgenommenen Personen [...] gute und aufrichtige Männer sein [müssen], von freier Geburt, in reifem und gesetztem Alter, keine Leibeigenen, keine Frauen, keine sittenlosen und übelbeleumdeten Menschen, sondern nur solche von gutem Ruf.“[13]

Die einzelnen Logen sind jeweils einer Großloge zugehörig. Dabei sind die Bereiche der Großlogen meist mit den Ländergrenzen gleichzusetzen. Über den ganzen Globus verteilt gibt es ungefähr 40.000 Logen, die sich jeweils einer Großloge unterordnen.[14] Damit eine Großloge für gültig erklärt wird, muss sie von einem Freimaurermeister gegründet worden sein und mindestens drei Logen umfassen. Darüberhinaus muss die Großloge ein eigenes Hausgesetzt haben und im Vereinsregister des jeweiligen Landes eingetragen sein. Die Freimaurerei ist demokratisch aufgebaut, was bedeutet, dass die Funktionsträger mittels einer demokratischen Wahl der Mitglieder gewählt werden. Auch die Funktionäre der Großloge (Großmeister und Großbeamten) werden von den Mitgliedern aller Logen in einem Land direkt oder über Wahlmänner ermittelt.

Die Loge wird von den Mitgliedern auch Bauhütte oder Tempel genannt und ist der Ort, an dem sie ihre freimaurerische Arbeit bezüglich der Persönlichkeitsarbeit der Menschen leisten. Diese Arbeit besteht aus dem „Vollzug des traditionellen Rituals“[15], womit die nicht sichtbare Arbeit des Maurers an und in sich gemeint ist.[16]

[...]


[1] Binder, Die Freimaurer, 16.

[2] Vgl. Binder, Die Freimaurer, 15.

[3] Ebd., 16.

[4] Vgl. Jäger, Hinter dem großen Orient, 12f.

[5] Militz, Freimaurer in 60 Minuten, 13.

[6] Ebd., 14.

[7] Vgl. Militz, Freimaurer in 60 Minuten, 15 ff.

[8] Vgl. Militz, Freimaurer in 60 Minuten, 21f.

[9] lat. logia, logium = Wohnhaus

[10] Vgl. Militz, Freimaurer in 60 Minuten, 23f.

[11] Giese, Die Freimaurer, 24.

[12] Giese, Die Freimaurer, 36.

[13] Gößling, Die Freimaurer, 100.

[14] Vgl. Giese, Die Freimaurer, 24.

[15] Ebd., 25.

[16] Vgl. ebd., 24f.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Mythos der Freimaurer. Aufbau, Riten und Symbole und das Verhältnis zur Kirche
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Universität)
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V345556
ISBN (eBook)
9783668355668
ISBN (Buch)
9783668355675
Dateigröße
1249 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mythos, freimaurer, aufbau, riten, symbole, verhältnis, kirche
Arbeit zitieren
Robin Böcher (Autor), 2016, Der Mythos der Freimaurer. Aufbau, Riten und Symbole und das Verhältnis zur Kirche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345556

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