Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden, ob PEGIDA eine ähnliche Gefährdung für die demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschlands darstellen kann wie die RAF, oder ob sie im Vergleich zu dieser Terrorzelle harmlos und vollkommen anders orientiert ist. Lassen sich Parallelen zwischen beiden Gruppierungen feststellen, sollte dies die deutschen Politiker und Institutionen zu schnellem Handeln veranlassen, um eine ähnlich gewalttätige Situation wie zur Zeit der RAF zu vermeiden. Gibt es keine Hinweise auf ähnliches extremistisches Potential zwischen beiden, kann eine weniger zeitkritische Lösung der Probleme mit PEGIDA angedacht werden. Am Ende meiner Arbeit soll also die Chance bestehen, das Gefährdungspotential der „Patriotischen Europäer“ besser abschätzen zu können, um so möglicherweise Gegenmaßnahmen zum Schutz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Deutschland einleiten zu können. Hierzu erläutere ich zunächst den theoretischen Rahmen der Extremismustheorie nach Eckard Jesse und verdeutliche die verschiedenen Merkmale des Extremismus. Anschließend werde ich beide Gruppierungen kurz hinsichtlich ihrer Entstehungsgeschichte und dem Verlauf beziehungsweise den aktuellen Entwicklungen vorstellen. Des Weiteren versuche ich bei einem empirischen Vergleich beider Phänomene, diese bezüglich der aufgeführten Extremismusmerkmale zu analysieren und daraus eine Gefährdungsanalyse zu entwickeln. Abschließend gebe ich einen Ausblick inwieweit es in Zukunft möglich sein könnte, mit PEGIDA umzugehen.
„Extremist ist, wer – aus welchen Gründen und wo auch immer – auf die Beseitigung einer freiheitlichen demokratischen Grundordnung hinarbeitet.“ (Patzelt 2016a: 651). Werner Pat-zelt beschreibt extremistische Gruppen also prinzipiell als Demokratiegegner. Eine Gruppierung, welche aktuell häufig im Kontext des Extremismus wahrgenommen wird, ist PEGIDA („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“). In der Arbeit schreibe ich ausschließlich über PEGIDA in Dresden, nicht aber über die Ableger in anderen Großstädten. Einerseits beobachten viele Menschen die Vorgänge in Dresden mit Sorge, andererseits steigt die Zustimmung und die Beteiligung für diese Protestbewegung immer weiter an. In meiner Arbeit befasse ich mich mit der Frage, inwieweit PEGIDA extremistisch auftritt, oder ob es sich hierbei um eine Missdeutung des Extremismusbegriffes handelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Extremismustheorie nach Eckard Jesse
2.1 Bedeutung und Merkmale des Extremismus
2.1.1 Ideologie und Ziele extremistischer Gruppierungen
2.1.2 Strategien und Mittel extremistischer Gruppierungen
2.1.3 Organisationsgrad extremistischer Gruppierungen
2.1.4 Aktionismus extremistischer Gruppierungen
2.2 Kritik an der Extremismustheorie
3. Entstehungsgeschichte und Verlauf beider Gruppen
3.1 Entstehungsgeschichte und Verlauf der Roten-Armee-Fraktion
3.2 Entstehungsgeschichte und aktuelle Entwicklungen aus Dresden
4. Empirischer Vergleich beider Gruppierungen
4.1 Ideologie und Ziele der beiden Gruppierungen
4.2 Strategien und Mittel der beiden Gruppierungen
4.3 Organisationsgrad der beiden Gruppierungen
4.4 Aktionismus der beiden Gruppierungen
5. Fazit und Gefährdungspotential von RAF und PEGIDA
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit die Protestbewegung PEGIDA ein extremistisches Gefährdungspotential für die demokratische Grundordnung darstellt, indem sie diese mittels eines direkten Vergleichs mit der als unbestritten extremistisch geltenden Roten-Armee-Fraktion (RAF) analysiert.
- Anwendung der Extremismustheorie nach Eckard Jesse
- Gegenüberstellung von RAF und PEGIDA
- Analyse ideologischer Ausrichtungen und Ziele
- Vergleich von Strategien, Organisationsgraden und Aktionismus
- Bewertung des Gefährdungspotentials für die Demokratie
Auszug aus dem Buch
4.2 Strategien und Mittel der beiden Gruppierungen
Die Strategie der RAF verkörpert das „Konzept Stadtguerilla“ (städtischer Kleinkrieg). Hierbei geht es um eine Kriegsform, welche sich durch Anschläge, Attentate und Entführungen auszeichnet. Schon in der Anfangszeit dieser Terrororganisation wurde deutlich gemacht, das eine Revolution nur in gewalttätiger Form zum Erfolg führen könne. Neben marxistisch-leninistischen Ausrichtungen dieser Strategie spielt auch die Anlehnung an südamerikanische Befreiungskämpfe eine große Rolle in den strategischen Überlegungen der RAF-Mitglieder. Zudem geht es um die Lösung der Probleme der dritten Welt durch einen bewaffneten Kampf in der BRD. Des Weiteren zielt die Rote-Armee-Fraktion auf den Aufbau einer revolutionären Gegenmacht zum deutschen Staat ab, um dadurch revolutionäre Veränderungen durchsetzen zu können (Schweizer 2009: 18-24).
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die RAF auch in diesem Merkmal dem harten Extremismus zuzuordnen ist. Es liegt keinerlei Zusammenarbeit mit demokratischen Organisationen vor. Im Gegenteil besteht das Ziel in der Schaffung einer Gegenmacht und ein Systemwechsel wird angestrebt. Das Mittel der Gewaltanwendung wird sehr deutlich und von Beginn an eingesetzt, um Instabilität, Unsicherheit und Angst in der BRD zu schaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein, die Protestbewegung PEGIDA auf ihr extremistisches Potential hin zu prüfen, und begründet den Vergleich mit der RAF.
2. Extremismustheorie nach Eckard Jesse: Das Kapitel erläutert den theoretischen Rahmen und die wesentlichen Merkmale des Extremismus sowie die Kritik daran, um eine Grundlage für die Gefahrenanalyse zu schaffen.
3. Entstehungsgeschichte und Verlauf beider Gruppen: Hier werden die historischen Ursprünge und Entwicklungsphasen der RAF sowie die Entstehung und aktuelle Entwicklung von PEGIDA in Dresden vorgestellt.
4. Empirischer Vergleich beider Gruppierungen: Dieses Kapitel führt den systematischen Vergleich anhand der Extremismusmerkmale Ideologie, Strategie, Organisationsgrad und Aktionismus durch.
5. Fazit und Gefährdungspotential von RAF und PEGIDA: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet das Gefährdungspotential von PEGIDA im Vergleich zur RAF, wobei eine Zuordnung zum Populismus vorgeschlagen wird.
Schlüsselwörter
Extremismus, PEGIDA, Rote-Armee-Fraktion, RAF, Demokratie, Gefährdungspotential, Ideologie, Strategie, Politische Radikalisierung, Populismus, Protestbewegung, Gesellschaft, Staatsordnung, Systemwechsel, Gewaltbereitschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, ob die Protestbewegung PEGIDA als extremistisch eingestuft werden kann und welches Gefährdungspotential sie für die demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland darstellt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Extremismustheorie nach Eckard Jesse, die historische Entwicklung der RAF sowie die Ideologie, Strategie und Organisationsweise von PEGIDA.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch einen Vergleich mit der RAF herauszufinden, ob PEGIDA eine vergleichbare Bedrohung für die Demokratie darstellt oder ob eine andere begriffliche Einordnung, wie etwa Populismus, passender ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Methode, bei der zwei unterschiedliche Phänomene (Terrorgruppe vs. Protestbewegung) anhand definierter Extremismusmerkmale systematisch gegenübergestellt werden.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Fundierung des Extremismusbegriffs, der historischen Einordnung beider Gruppen sowie dem detaillierten empirischen Vergleich in den Kategorien Ideologie, Strategie, Organisation und Aktionismus.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben den Hauptobjekten RAF und PEGIDA sind Begriffe wie Extremismus, Gefährdungspotential, Demokratie, Populismus und Radikalisierung zentral.
Kann PEGIDA nach der Analyse eindeutig als extremistisch eingestuft werden?
Nein, die Autorin kommt zu dem Schluss, dass eine eindeutige Einordnung schwerfällt, da die Gruppe zwar Merkmale einer "weichen" Extremismusvariante zeigen kann, aber primär als populistische Empörungsbewegung zu verstehen ist.
Wie unterscheidet sich die Gewaltbereitschaft bei beiden Gruppen?
Während die RAF Gewalt von Beginn an als legitimes Mittel für einen Systemwechsel einsetzte, zeigt sich bei PEGIDA ein überwiegend gewaltablehnendes Selbstverständnis, wenngleich eine aggressive Atmosphäre und verbale Übergriffe existieren.
- Quote paper
- Benjamin Leonhardt (Author), 2016, Extremistische Gruppierungen in der BRD. Stellt PEGIDA eine ähnliche Bedrohung für die Sicherheit Deutschlands dar wie die RAF?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345603