Die frühe Textilindustrie in Deutschland und Italien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die deutsche Textilindustrie
1.1. Die frühe deutsche Textilindustrie
1.2. Am Anfang war die Textilindustrie
1.3. Die Textilindustrie im Verlauf der Industriellen Revolution

2. Die italienische Textilindustrie
2.1. Die frühe italienische Textilindustrie
2.2. Der Einfluss auf die Industrialisierung und die weitere Entwicklung

Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich die Textilindustrie Deutschlands mit der Italiens vergleichen.

Mein besonderes Interesse gilt der Frage, wie sehr die Textilindustrie in dem jeweiligen Land Einfluss auf die Industrialisierung nahm.

Im ersten Teil der Hausarbeit wird die deutsche Textilindustrie vorgestellt. Die frühe deutsche Textilindustrie, die eigene Vorformen der Fabrik aufweist und in der das Leinen dominant ist, erlebt einen Wandel. Mit der Baumwolle beginnt der Siegeszug der Fabrik und der Niedergang des Heimgewerbes.

Die Mechanisierung der Spinnerei, steht am Anfang der Industrialisierung.

„Die „Mutter“ der Industrialisierung ist die Textilindustrie. Mit ihr hat alles angefangen: die Mechanisierung und der technologische Fortschritt bis zur Technologiegläubigkeit, wirtschaftliche Prosperität, internationale Handels-expansion und Verflechtung einerseits, aber auch Veränderung der Landschaft, Bevölkerungsakkumulation und –explosion, sozialer Abstieg bis zur Verarmung der Massen andererseits.“[1]

Im zweiten Teil wird die italienische Textilindustrie vorgestellt. Hier war es das Seidengewerbe, das zunächst die weiteste Verbreitung fand. Es weist große Ähnlichkeiten mit dem deutschen Leinengewerbe auf. Eine weitere Parallele ist der in beiden Ländern stattfindende Wandel. Das Heimgewerbe musste der Industrie weichen und mit ihm die klassischen Rohstoffe Leinen und Seide der Baumwolle.

Italien startete noch später als Deutschland in das Industriezeitalter (1830-60), woraus sich verschiedene Besonderheiten ergaben. Die Chancen, aber eben auch Probleme, die sich ergaben, werden diskutiert.

Da ich die italienische Literatur, wegen fehlender Sprachkenntnisse, nicht bearbeiten konnte, musste ich mich auf die spärliche deutsche und englische Literatur zu dem Thema stützen. Das wichtigste Werk war hierbei Cafagnas Arbeit.[2] Für den deutschen Teil dagegen konnte ich auf ein großes Repertoire an Büchern zurückgreifen.

1. Die deutsche Textilindustrie

1.1. Die frühe deutsche Textilindustrie

Die wichtigsten Zweige der Textilindustrie waren woll-, flachs-, seide- und baumwollverarbeitende Industrie. Die Rohstoffe wurden vor und zu Beginn der Industriellen Revolution im weitaus größten Maße im Heimgewerbe verarbeitet. Es gab also kein zentralisiertes Textilgewerbe im Sinne von großen Manufakturen. Die verbreitetste Vorform der Fabrik war das Verlagssystem. Der Verleger lieferte Garn an die einzelnen Weber, die ihm dann das fertige Gewebe gegen einen vorher festgelegten Stücklohn verkauften. Das Verlagssystem ermöglichte es den Händlern, Erfahrungen für die Lösung der Probleme einer Großproduktion zu sammeln, die z.B. bei der Rohstoffbeschaffung und dem Absatz der Produkte entstanden. Die Produktion der Textilien fand allerdings dezentralisiert bei den einzelnen Webern statt.[3]

Vor der Industriellen Revolution und in deren Anfängen stellte das Textilgewerbe den mit Abstand größten Zweig der nichtagrarischen Produktion dar. Die Ursache hierfür lässt sich mit der einfachen Tatsache erklären, dass der Mensch neben Nahrung am nötigsten Kleidung braucht.

Das Bevölkerungswachstum führte überdies zu einer erhöhten Nachfrage.

Flachs wurde außer im Verlag auch von der bäuerlichen Bevölkerung „an langen Winterabenden“ versponnen, um so einen höheren Ertrag als durch den Flachsverkauf zu erzielen. Daher wurde die Handarbeit bei dieser Bevölkerung lange als „rentabel“ angesehen.[4]

Während die Leinenherstellung bei größeren Bauern dem eigenen Bedarf diente, übergaben die Kleinbauern ihre in der Form des Hauswerkes gefertigten gesponnen Garne einem Heimweber, der das rohe Material verkaufte oder das Gespinst auftragsgemäß herstellte.

Auch bei geringen Verdiensten wurde die Heimarbeit noch bis in die Zeit der Fabriken als Nebenerwerb betrieben.

Textilien konnten schon im vorindustriellen Zeitalter massenhaft produziert werden und waren leicht zu transportieren. Daher waren die Regionen, in denen es ein Textilgewerbe und später die ersten Fabriken gab, arme Regionen, in denen die Löhne sehr niedrig waren. Die Ersparnisse an Löhnen glichen die Transportkosten mehr als aus.[5]

John Kay entwickelte 1733 den sogenannten Schnellschützen, eine Verbesserung des Webstuhls, die dem Weber das hin- und herschieben des Webschiffchens abnahm. Dadurch wurde die Stoffproduktion zunächst erhöht, dann kam es aber zu einem Engpass an Garn. Garn wird aus Baumwolle, Hanf oder Flachs hergestellt und wird dann wiederum zu Stoff weiterverarbeitet. Es musste also eine Maschine erfunden werden die den erhöhten Garnbedarf abdeckte.

1.2. Am Anfang war die Textilindustrie

Dies gelang 1751 James Hargreaves. Er erfand eine Maschine, die in der Lage war, sechs Fäden Baumwolle, Hanf oder Flachs in einem Arbeitsgang zu spinnen. Vorher konnte immer nur ein Faden gesponnen werden. Nach mehrmaligem Überarbeiten der Maschine bekam sie schließlich den Namen ,,Spinning Jenny". 1767 gelang es Hargreaves die Maschine so zu verbessern, dass sogar 20 Fäden gleichzeitig gesponnen wurden.

1769 verbesserte Richard Arkwright die ,,Spinning Jenny". Er ersetzte den Betrieb per Fußpedal durch eine nicht-menschliche Kraft.

„Die industrielle Revolution hatte ihren Ursprung nicht in der Entwicklung der Schwerindustrie oder des Transportwesens; sie entstand - und das war auch die einzige Möglichkeit - aus den Entwicklungen innerhalb des wichtigsten Industriezweigs Englands, ja aller damaligen Länder: der Textilindustrie.“[6]

Die Einführung der Arbeitsmaschine im Textilgewerbe führte zu einer enormen Steigerung der Produktion. Den Prototyp der Arbeitsmaschine brachte das Textilgewerbe hervor.

„Die Maschine, wovon die industrielle Revolution ausgeht, ersetzt den Arbeiter, der ein einzelnes Werkzeug handhabt, durch einen Mechanismus, der mit einer Masse derselben oder gleichartiger Werkzeuge auf einmal operiert und von einer einzigen Triebkraft, welches immer ihre Form, bewegt wird.“[7]

Die ersten Antriebsformen waren die Wasser- aber auch Pferdekraft.

Der Gebrauch von Wasserkraft war allerdings mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Zum einen konnte man sie nicht beliebig erhöhen und zuweilen mangelte es an ihr, zum anderen war sie nicht überall vorhanden. Und erst als die Dampfmaschine ein ausgereifteres Stadium ihrer Entwicklung erreicht hatte, konnte dieses Problem gelöst werden.

Die Einführung von Fabriken erfolgte zuerst in der Spinnerei. Hier waren geringere technische Probleme zu überwinden.

Die ersten Spinnfabriken entstanden in den alten Zentren der Textilproduktion.

Hier war in der Regel Wasserkraft vorhanden und es gab massenhaft billige Arbeitskräfte. Zwei Faktoren trugen wesentlich zur Rationalisierung in der Textilindustrie bei. Die gegenüber der Handarbeit um ein vielfaches höhere Produktivität der Maschinen und die ausländische Konkurrenz. In Deutschland gab es kaum Schutzzölle und so musste die junge deutsche Textilindustrie mit der überlegenen englischen und belgischen Konkurrenz rivalisieren. Dies machte Mechanisierung nötig. Viele Verleger verfolgten aber auch eine zweigleisige Strategie, indem sie mechanisierte Fabrik und handarbeitendes Heimgewerbe gleichzeitig betrieben. Sank die Nachfrage, erteilten sie den Heimwebern keine Aufträge und ließen die teuren Maschinenweiterarbeiten. Stieg die Nachfrage wieder, so stellten sie die Heimweber wieder ein. So dienten ihnen die Heimweber als Puffer, der das Risiko verringerte, das eine Massenproduktion mit sich brachte.

Das Spinnen konnte zuerst mechanisiert werden, weil es weit geringere Anforderungen an die Technik stellte als das Weben. Der Mechanische Webstuhl wurde erst 1786 erfunden, die erste Spinnmaschine baute James Hargreaves aber schon 1767 (s.o.).[8]

Der Siegeszug der Baumwolle über das bis dahin dominante Leinen liegt größtenteils in der besseren Verarbeitbarkeit der Baumwolle durch Maschinen begründet. Die erste Spinnmaschine (von 1767) verspann Baumwolle. Die erste brauchbare Spinnmaschine für Flachs wurde erst in den 1820er Jahren in Großbritannien entwickelt.[9]

Die Technologie, die Brügelmann 1783/84 in der ersten Baumwollspinnerei Deutschlands einsetzte, kam aus England. Daher auch der Name Cromfort-Ratingen. Zwar galt in England ein Exportverbot von Textilmaschinen, doch gelang es Brügelmann, durch einen „guten Freund“ in den Besitz einer Kratzenmaschine zu kommen. Da in Deutschland aber niemand in der Lage war, die für den Transport zerlegte Maschine zusammenzusetzen, warb Brügelmann nach „vielen Mühen und Umständen“ einen englischen Meister an. Dieser baute ein funktionstüchtiges Modell. Nicht allein die Maschinen kamen aus England, sondern auch Fachkräfte, die diese bedienen und deutsche Arbeiter anlernen konnten.[10] Neben dem Produktionsverfahren dürfte sich Brügelmann vor allem für die großen Profitmöglichkeiten interessiert haben. Gespinstmangel, vor allem aber die ungeheuren Gewinnmöglichkeiten motivierten deutsche Unternehmer, in die Textilindustrie zu investieren. Diese Unternehmer waren vor allem Textilkaufleute, die über Kenntnisse der Produktion, Absatzmöglichkeiten und Kapital verfügten. Andere Gruppen wie z.B. Adelige oder Bauern gründeten kaum Textilunternehmen. Sie investierten ihr Geld eher traditionell in Land und Staatsanleihen.[11]

Die ersten Fabriken der Leinenindustrie entstanden erst im ersten Drittel des 19. Jh. (1816). Die technischen Schwierigkeiten ergaben sich im wesentlichen aus der anders gearteten Faser, die vor allem länger war.[12] Die Flachsspinnerei erforderte, verglichen mit den anderen Spinnfabriken, das höchste Anlagekapital. Darüber hinaus waren die Maschinen für eine Flachsspinnerei nur schwer zu bekommen. Die meisten deutschen Maschinenbauer fertigten zwar Maschinen für die Baumwoll- und Wollverarbeitung, doch nur wenige stellten auch Flachsspinnmaschinen her.

Die Kosten der Flachsmaschinenspinnerei beliefen sich pro Spindel auf 160 Franken. Bei der Baumwollspinnerei waren es hingegen nur 50 Franken und bei der Wollspinnerei 60 Franken pro Spindel.[13]

Die Textilindustrie machte durch ihre große Nachfrage an Maschinen, die nicht mehr von den lokalen Handwerkern gedeckt werden konnte, eine Veränderung im Maschinenbau nötig. Sie war somit die wichtigste „Entstehungsquelle“ des deutschen Maschinenbaus. Durch ihren kontinuierlichen Bedarf an gleichartigen Maschinen ermöglichte sie die Entstehung der ersten Maschinenbaufabriken vor allem in Sachsen. Bis zum Beginn der vierziger Jahre des Neunzehnten Jahrhunderts gab es kaum einen anderen Industriezweig, der einen derartig hohen und gleichmäßigen Bedarf an Maschinen hatte.[14]

Die Textilindustrie gab durch ihren Bedarf Impulse an die Eisen- und chemische Industrie. Diese wiederum förderten durch ihren Rohstoffbedarf, wie z.B. Kohle, den Bergbau und andere Rohstofflieferanten.[15]

„Die Umwälzung der Produktionsweise in einer Sphäre der Industrie bedingt die Umwälzung in der anderen. (…) So macht Maschinenspinnerei Maschinenweberei nötig und beide zusammen die mechanisch-chemische Revolution in der Bleicherei, Druckerei und Färberei. So rief andererseits die Revolution in der Baumwollspinnerei die Erfindung des gin zur Trennung der Baumwollfaser vom Samen hervor, womit erst die Baumwollproduktion auf dem nun erheischten großen Maßstab möglich ward. Die Revolution in der Produktionsweise der Industrie und Agrikultur ernötigte namentlich aber auch eine Revolution in den allgemeinen Bedingungen des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, d.h. den Kommunikations- und Transportmitteln.“[16] Es entwickelte sich also eine Spirale, an deren Anfang die Textilindustrie stand.

Die Mechanisierung der Baumwollindustrie setzte eine Entwicklung, die „Industrielle Revolution“, in Gang.

[...]


[1] Siehe: Mildner-Flesch: Die Macht der Maschine. Ratingen 1985. S.155

[2] Cafagna, L.: Die industrielle Revolution in Italien, New York 1977. Das Werk lag mir in deutscher und englischer Übersetzung vor.

[3] Vgl.: Adelmann: Vom Gewerbe zur Industrie im kontinentalen Nordwesteuropa. Stuttgart 1986. S.165-167

[4] Vgl.: Mottek, H.: Studien zur Geschichte der industriellen Revolution in Deutschland, Berlin 1975 S.108

[5] Vgl.: Kisch: Die hausindustriellen Textilgewerbe am Niederrhein vor der industriellen Revolution. Göttingen 1981. S.49-50

[6] siehe: Bernal: Die Wissenschaft in der Geschichte. Berlin 1961. S.369

[7] siehe: Marx: Das Kapital. Frankfurt, 1932. Bd.6, S.396

[8] Vgl.: Adelmann: Vom Gewerbe zur Industrie im kontinentalen Nordwesteuropa. Stuttgart 1986 S.167

[9] Vgl.: Pollard in: Ditt: Von der Heimarbeit in die Fabrik. Paderborn 1992. S.454-455

[10] Vgl.: Mildner-Flesch: Die Macht der Maschine. Ratingen 1985 S.64-67

[11] Vgl.: Ditt: Von der Heimarbeit in die Fabrik. Paderborn 1992. S.30-33

[12] Vgl.: Mottek, H.: Studien zur Geschichte der industriellen Revolution in Deutschland, Berlin 1975 S.104

[13] Vgl.: Mottek, H.: Studien zur Geschichte der industriellen Revolution in Deutschland, Berlin 1975 S.109

[14] Vgl.: Blumberg: Die dt. Textilindustrie in der industriellen Revolution. Berlin 1965. S.19-33

[15] Vgl.: Bernal: Die Wissenschaft in der Geschichte. Darmstadt 1961. S.371

[16] siehe: Marx, K.: Das Kapital. Frankfurt 1932. Bd.6 S.404

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die frühe Textilindustrie in Deutschland und Italien
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Veranstaltung
Hauptseminar: Spätstarter im Industrialisierungsprozess
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V345641
ISBN (eBook)
9783668354876
ISBN (Buch)
9783668354883
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Textilindustrie, Industrialisierung Deutschland, Industrialisierung Italien
Arbeit zitieren
Magister Artium Markus Schüßler (Autor), 2006, Die frühe Textilindustrie in Deutschland und Italien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345641

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