Der Autor arbeitet in einer NGO in der Entwicklungszusammenarbeit, welche grosse Veränderungen durchläuft. Er selber hat in einer neu geschaffenen Führungsfunktion den Auftrag, (1) ein Bildungsteam aufzubauen, das neue Synergien nutzen soll, und (2) das gesamte Bildungsprogramm inhaltlich konsequent neu auszurichten.
Er geht der Frage nach, welche Aspekte von Change Management dabei besonders zu beachten sind unter spezifischer Berücksichtigung der Theorie der Lernenden Organisation nach Peter Senge („Die Fünfte Disziplin“).
Er sieht die Hauptaufgabe einer Organisation darin, Unsicherheit zu bewältigen, was in Lernprozessen erfolgt. Mit einer einfachen Umfrage erhebt er unter der Belegschaft die Einschätzung ihres Betriebs als Lernende Organisation. Er identifiziert sieben Führungsgrundsätze für den Aufbau des Fachteams anhand der fünf Lerndisziplinen von Senge: mentale Modelle, gemeinsame Vision, Systemdenken, Personal Mastery und Team-Lernen. Entgegen der Systematik von Senge passt er deren Reihenfolge der Logik des konkreten Change Prozesses an.
In einem abschliessenden Kapitel werden Chancen und Risiken, erreichte Ziele und anstehende Aufgaben und Indikatoren für eine Evaluation nach einem halben Jahr beschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1. Arbeitsfeld: Bildungsarbeit in COMUNDO Deutsch-Schweiz
1.1. COMUNDO: mitten in einem schwierigen Fusionsprozess
1.2. Bildungsarbeit: 29 Jahre Bildungshaus RomeroHaus und weitere Bildungsprogramme
2. Fragestellung
3. Aufbau des Fachteams Bildung
3.1. Teamaufbau
3.2. Inhaltliche Weiterentwicklung
3.3. Reflexion: Strukturen des Austausches und gemeinsame Vision
4. COMUNDO - eine Lernende Organisation
4.1. Eine Lernende Organisation ist eine sich verändernde Organisation
4.2. Eine Umfrage unter den Mitarbeitenden
4.3. Die wichtigsten Etappen des Change Prozesses hin zum Fachteam Bildung
4.4. Führungsgrundsätze für den neuen Fachteam-Leiter
4.4.1. Widerstände gegen Veränderung
4.4.2. Teamverständnis und Lernprozesse
4.4.3. Divergierende Bilder in den Köpfen der Teammitglieder: mentale Modelle offen legen
4.4.4. Bedeutung der gemeinsamen Vision
4.4.5. Systemdenken: Gleichgewichtsprozesse und Problemverschiebung
4.4.6. Förderung der Personal Mastery schon im ersten Führungsgespräch mit jedem/-r einzelnen Mitarbeiter/-in
4.4.7. Team-Lernen: Von der Diskussion zum Dialog
5. Chancen und Risiken im Change Prozess des Fachbereichs Bildung
5.1. Chancen
5.2. Risiken
5.3. In den ersten Monaten erreichte Ziele
5.4. Anstehende Aufgaben
5.5. Indikatoren für einen gelungenen Prozess des Aufbaus des Fachteams
5.6. Zusammenfassung: Wesentlich zu berücksichtigende Aspekte im Change Prozess des Fachbereichs Bildung im Rahmen einer Lernenden Organisation
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie ein neu aufgebautes Fachteam in einer NGO durch Change-Management-Methoden, basierend auf der Theorie der Lernenden Organisation von Peter M. Senge, erfolgreich entwickelt und in bestehende Strukturen integriert werden kann, um trotz institutioneller Krisen handlungsfähig zu bleiben.
- Change Management in Nonprofit-Organisationen
- Anwendung der fünf Lerndisziplinen von Senge
- Führungsgrundsätze für den Teamaufbau
- Strategische Neuausrichtung und Kohärenz
- Umgang mit Widerständen und mentalen Modellen
Auszug aus dem Buch
4.4.3. Divergierende Bilder in den Köpfen der Teammitglieder: mentale Modelle offen legen
Peter Senge definiert: „‘Mentale Modelle‘ sind tief verwurzelte Annahmen, Verallgemeinerungen oder auch Bilder und Symbole, die grossen Einfluss darauf haben, wie wir die Welt wahrnehmen und wie wir handeln. Sehr häufig sind wir uns dieser mentalen Modelle oder ihrer Auswirkungen auf unser Verhalten nicht bewusst.“ (SENGE 2011: 18) Wenn solche Annahmen in der Teamarbeit nicht auf den Tisch gelegt werden, blockieren sie oft aus dem Untergrund Veränderungen und Entwicklungen.
Der Gehirnforscher Gerald Hüther bestätigt mit seinen Forschungen die grosse Bedeutung, ja die „Macht der inneren Bilder“, so der Titel eines seiner Bücher (2014). Sie sind dabei ambivalent, können „sich öffnen und erweitern“ oder „sich verengen, starr und übermächtig werden“ (ebd.: 108 bzw. 112).
Im Umgang mit diesen Bildern, den mentalen Modellen, empfiehlt Senge das Einüben von fünf Fertigkeiten (vgl. SENGE 2011: 208-221):
• Reflexions- und Erkundungsfertigkeiten: selbstkritisches Nachdenken und zwischenmenschlich geschicktes Erforschen der Bilder seiner Mitmenschen.
• Differenzieren zwischen verlautbarten Theorien („espoused theory“; was wir sagen) und praktizierten Theorien („theory-in-use“; was wir tun) (s. auch ARGYRIS/SCHÖN 2006: 29)
• Abstraktionssprünge aufdecken: Unser Denken hat die Tendenz, in grosser Geschwindigkeit aus vorliegenden Fakten verallgemeinerte Schlüsse zu ziehen. Mit Fragen müssen wir uns immer wieder erneut zu den zu Grunde liegenden Fakten vorkämpfen.
• „Die linke Spalte“: eine Technik aus der Aktionsforschung, in der man in einem Gesprächsprotokoll in der rechten Spalte alles tatsächlich Gesagte notiert, links daneben aber das ergänzt, was man „eigentlich“ dabei gemeint und gedacht hatte.
• Ein Gleichgewicht von Erkunden einer konkreten Situation und von Vertreten seines eigenen Standpunktes dazu üben. Indikator dafür, dass dieses Gleichgewicht nicht stimmt, ist, wenn es „in einer mehrstündigen Sitzung wenig oder gar keine Fragen gibt“ (SENGE 2011: 217).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Arbeitsfeld: Bildungsarbeit in COMUNDO Deutsch-Schweiz: Das Kapitel beschreibt den organisatorischen Kontext und die Herausforderungen der NGO COMUNDO während eines Fusionsprozesses und der finanziellen Sanierung.
2. Fragestellung: Hier wird das Ziel definiert, Change-Management-Aspekte für den Aufbau des Fachteams Bildung unter Einbeziehung der Theorie der Lernenden Organisation nach Senge zu untersuchen.
3. Aufbau des Fachteams Bildung: Der Autor erläutert den Prozess der Teambildung, die inhaltliche Weiterentwicklung und die Notwendigkeit, Strukturen für Austausch und eine gemeinsame Vision zu schaffen.
4. COMUNDO - eine Lernende Organisation: Dieses Kernkapitel verbindet Senges Disziplinen wie mentales Modell, gemeinsame Vision und Systemdenken mit der praktischen Arbeit und der Führung des neuen Fachteams.
5. Chancen und Risiken im Change Prozess des Fachbereichs Bildung: Das Kapitel reflektiert erreichte Zwischenziele, benennt spezifische Risiken des Wandels und definiert Indikatoren für eine zukünftige Evaluation des Prozesses.
Schlüsselwörter
Change Management, Lernende Organisation, Peter Senge, Nonprofit-Organisation, Fachteam Bildung, Mentale Modelle, Systemdenken, Personal Mastery, Team-Lernen, Führungsgrundsätze, Organisationsentwicklung, COMUNDO, Bildungsarbeit, Gemeinsame Vision, Krisenbewältigung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Abschlussarbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der Führung und dem strukturellen Aufbau eines neuen Fachteams Bildung innerhalb einer sich in einem Fusions- und Veränderungsprozess befindenden NGO.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Anwendung von Change-Management-Modellen, die Integration von Bildungsprogrammen und die Etablierung einer teamorientierten Lernkultur.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, Führungsgrundsätze abzuleiten, die den Aufbau des Fachteams effizient gestalten und das Team zu einer „Lernenden Organisation“ im Sinne von Peter Senge entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Der Autor nutzt die Theorie der Lernenden Organisation nach Peter Senge („Die Fünfte Disziplin“) als systemischen Rahmen zur Reflexion seines eigenen Handelns als Führungsperson.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die praktische Umsetzung des Teambaus, die Reflexion interner Prozesse und die detaillierte Anwendung der fünf Lerndisziplinen (Systemdenken, mentale Modelle, etc.) auf die spezifische Arbeitssituation.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt am besten beschreiben?
Die wichtigsten Begriffe sind Change Management, Lernende Organisation, Führung, Teamentwicklung und systemisches Denken.
Wie geht der Autor mit dem Problem der „Veranstaltungsgruppe“ (VG) um?
Er nutzt diesen Begriff als Beispiel für ein veraltetes „mentales Modell“ und arbeitet daran, dieses durch eine Neudefinition der Kriterien für ein zeitgemäßes Programmangebot zu ersetzen.
Warum wird das Bild des „agrarischen Dorfes“ als Leitbild verwendet?
Das Bild dient dazu, eine Arbeitsstruktur zu veranschaulichen, in der individuelle Spezialisierung (die Gärtchen) durch eine kollektive Unterstützung (die Allmend) ergänzt wird, um die Ressourcen optimal zu nutzen.
Welche Bedeutung kommt der „kreativen Spannung“ bei?
Die kreative Spannung zwischen der aktuellen Realität und der gemeinsamen Vision wird als entscheidender Motor für Innovation und Lernprozesse innerhalb des Fachteams verstanden.
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- Dipl. theol. Bruno Fluder (Author), 2015, Aufbau eines Bildungsteams als Lernende Organisation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345655