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Darstellungen des Todes in der Literatur

Title: Darstellungen des Todes in der Literatur

Term Paper (Advanced seminar) , 1997 , 23 Pages , Grade: 1

Autor:in: Christoph Steven (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Das Motiv des Todes gehört zu den am häufigsten thematisierten Motiven in der Literatur aller Jahrhunderte. Die thematische Aufarbeitung des Todesmotivs ist auf vielfältige Weise verwirklicht worden. Tod als Schicksal, Vollendung, Erlösung, Protest, Verzweiflungstat, als Unfall- oder Zufallstod, Sühne, Heldentat. Es gibt allegorische Personifizierungen des Todes, Thematisierung des Todes in surrealer Darstellung. Wenn vom Tod die Rede ist, symbolisieren meist extreme Bilder dieses Faktum. Da ist die Rede vom großen Nichts und vom Tor zum Leben, vom Tod als dem Richter und Erlöser, vom undurchsichtigen Dunkel. Das Phänomen des Todes ist noch keinem Menschen jemals wirklich zu Bewußtsein gekommen, es kann einfach nicht in Erscheinung treten als ein Wissen in der Bedeutung einer phänomenologischen Theorie. Die Wahrheit des Todes können wir nicht direkt erkennen. Wir schauen das Wahre nur im Abglanz - wie Goethe sagte -: „im Beispiel, im Symbol, in einzelnen und verwandten Erscheinungen.“ Dieses Faktum ist ein blinder Fleck in unserem Bewußtsein. P. L. Landsberg definierte den Tod deshalb auch als „anwesende Abwesenheit.“ Wir unterdrücken schließlich diese Fragen, die sich nicht mit konkretem Wissen beantworten lassen. Auch beruhigt man sich aus reiner Furcht vor dem Tod mit den Wunschträumen von einem Leben nach dem Tod oder einer höheren Lebenserwartung, die einfach nicht realistisch sind. „Leben“ ist geradezu das natürlichste Ziel, der Tod entschwindet dem direkten Bewußtsein. Es ist also das Rätsel zu lösen, über ein Faktum zu schreiben, das sich dem direkten Erleben entzieht. So bleiben der Kunst statt der expliziten Erfahrungen nur der Entwurf der Wortwelt der Bildwelt und der Verweis auf die Sinnbilder. Todesdarstellung in explizito richtet sich in seinen spezifisch ästhetischen Ansprüchen auf das paradoxe Bewußtsein. Es soll etwas bewußt gemacht werden, was nicht bewußt ist, es soll etwas darstellbar gemacht werden, was nicht erfahrbar ist. Soweit es um die Beschreibung des Todes selbst geht und nicht um die Beschreibung des Sterbens, ist der Tod nur negativ, als Verneinung des Lebens „erfahrbar“.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DICHTER-AUFFASSUNGEN VOM TOD IM MITTELALTER

3. DICHTER-AUFFASSUNGEN VOM TOD IM 20. JAHRHUNDERT

3.1 Tod als Beziehungsverlust

3.2. Tod als radikaler Verfall

3.3 Ästhetisierung des Todes.

4. SCHLUßBEMERKUNGEN

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen literarischen Darstellungen des Todes im Wandel der Zeit, mit einem besonderen Fokus auf den Kontrast zwischen mittelalterlichen Auffassungen und den vielfältigen Todesbildern des 20. Jahrhunderts. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich der Tod vom religiös eingebetteten Faktum hin zu einem ästhetisierten oder pathologisch betrachteten Motiv gewandelt hat, das oft als Mittel zur Kritik am modernen Leben oder zur Entwerfung utopischer Gegenwelten dient.

  • Historische Perspektiven auf den Tod in der Literatur des Mittelalters
  • Der Tod als Beziehungsverlust und Isolation im 20. Jahrhundert
  • Pathologischer Realismus und radikaler körperlicher Verfall in der Moderne
  • Die Ästhetisierung des Todes als literarisches Mittel zur Lebenskritik
  • Bedeutungswandel des Begriffs "Tod" als Utopie und Gegenentwurf

Auszug aus dem Buch

3.2. Tod als radikaler Verfall

Weitaus drastischer gehen Autoren wie Gottfried Benn oder Franz Kafka mit dem Tod um. Der Verstorbene wird nicht mehr in all seiner Fremdheit, Isolation und seiner Nichtigkeit beschrieben, sondern Benn und Kafka lenken den Blick auf schreckenerregende, tabulose Bilder von verfallenen Körpern und einem schrecklichem Sterben, das dazu dienen soll, mit ästhetisierenden Bildern vom Tod aufzuräumen.

Die radikalsten Beschreibungen Verstorbener thematisiert Gottfried Benn in seinen frühen Gedichten aus der Morgue. Morgue ist nicht nur der Ausdruck für das Leichenschauhaus, sondern heißt auch Fleisch. Schon das Wort an sich ist eine brutale Gegenformulierung zum Erwartungshorizont einer ästhetischen Literatur. Aber die demonstrative Wortwahl ist beabsichtigt. Es geht um (menschen)-stoffliche Zusammensetzung; und zwar im Zustand der Überschreitung der stoffagglomeraten Grenze und damit auch um eine Todesdarstellung, indem der verfallene Körper beschrieben wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Es wird in das Thema der literarischen Todesdarstellung eingeführt und erläutert, dass der Tod als Phänomen schwer greifbar ist und oft durch Symbole und Metaphern in der Kunst verarbeitet wird.

2. DICHTER-AUFFASSUNGEN VOM TOD IM MITTELALTER: Das Kapitel beschreibt den Tod im Mittelalter als ein in das normale Weltbild integriertes Ereignis, das stark religiös durch das Konzept von Erlösung und Jenseits geprägt war.

3. DICHTER-AUFFASSUNGEN VOM TOD IM 20. JAHRHUNDERT: Dieser Hauptteil analysiert die modernen Todeskonzepte, die den Tod als Beziehungsverlust, als drastischen körperlichen Verfall oder als ästhetisierte Gegenwelt begreifen.

3.1 Tod als Beziehungsverlust: Hier wird thematisiert, wie der Tod den Menschen aus seinen sozialen Bindungen reißt und absolute Einsamkeit sowie Fremdheit erzeugt.

3.2. Tod als radikaler Verfall: Es wird untersucht, wie Autoren wie Benn und Kafka den Tod schonungslos durch die Darstellung von Körperverwesung und Sterbeprozessen entmythologisieren.

3.3 Ästhetisierung des Todes.: Dieses Unterkapitel beleuchtet, wie der Tod in der Literatur des 20. Jahrhunderts als bewusstes ästhetisches Motiv eingesetzt wird, um auf die Sinnlosigkeit des Lebens zu verweisen oder utopische Gegenwelten zu entwerfen.

4. SCHLUßBEMERKUNGEN: Das Fazit fasst zusammen, dass die einst religiös fundierte Heilserwartung des Mittelalters in der Moderne zerstört wurde und der Tod heute als Ausdruck einer kritischen Auseinandersetzung mit den Katastrophen des Lebens dient.

Schlüsselwörter

Todesmotiv, Literaturwissenschaft, Mittelalter, 20. Jahrhundert, Ästhetisierung des Todes, Pathologie, Beziehungsverlust, Isolation, Körperverfall, Lebenskritik, Gegenwelt, Erlösung, Jenseitsvorstellung, Gottfried Benn, Paul Celan.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die verschiedenen literarischen Konzepte und Auffassungen vom Tod, beginnend bei mittelalterlichen religiösen Dogmen bis hin zur literarischen Verarbeitung in der Literatur des 20. Jahrhunderts.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf dem Wandel der Todesdarstellung, der Rolle des Bewusstseins, dem Aspekt der Isolation, der Radikalität körperlicher Zerfallsprozesse sowie der bewussten Ästhetisierung des Todes.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich der Tod im literarischen Diskurs vom religiösen Faktum zum "blinden Fleck" im Bewusstsein entwickelte und welche Funktionen diese Todesdarstellungen für die Kritik am modernen Leben erfüllen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die exemplarische Texte und Gedichte verschiedener Epochen interpretiert und in einen kulturgeschichtlichen Kontext einbettet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des mittelalterlichen Todesbildes und eine detaillierte Analyse der Todesmotive im 20. Jahrhundert, unterteilt in die Themen Isolation, körperlicher Verfall und ästhetische Gestaltung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind Todesmotiv, Ästhetisierung, Pathologie, Beziehungsverlust, Isolation und der Bedeutungswandel des Todes als Utopie.

Wie unterscheidet sich die mittelalterliche Auffassung des Todes von der modernen?

Im Mittelalter war der Tod in ein geordnetes, christlich geprägtes Weltbild als Übergang zur Erlösung integriert, während im 20. Jahrhundert diese religiöse Gewissheit weitgehend zerstört ist und der Tod oft als radikaler Verfall oder isolierte Absurdität dargestellt wird.

Welche Rolle spielt die "Ästhetisierung des Todes" in der modernen Literatur?

Sie dient als literarisches Mittel, um das Unaussprechliche des Todes darstellbar zu machen, Vorstellungen über das Leben kontrastiv zu beleuchten und utopische Gegenwelten zu entwerfen, um die Sinnlosigkeit der zeitgenössischen Existenz zu kritisieren.

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Details

Title
Darstellungen des Todes in der Literatur
College
University of Duisburg-Essen
Grade
1
Author
Christoph Steven (Author)
Publication Year
1997
Pages
23
Catalog Number
V34566
ISBN (eBook)
9783638347525
Language
German
Tags
Darstellungen Todes Literatur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christoph Steven (Author), 1997, Darstellungen des Todes in der Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34566
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