Die Definition des Controllingbegriffes stellt bis heute eine große Schwierigkeit dar. „Jeder hat seine eigenen Vorstellungen darüber, was Controlling bedeutet oder bedeuten soll, nur jeder meint etwas anderes.“ 1 Es ist daher wichtig, diesen Begriff zu klären, „bevor man sich in sinnvoller Weise mit der Thematik des Verwaltungs-Controlling auseinandersetzen kann.“ 2
Preissler formuliert: „Erkennen, was Controlling bedeutet, ist eine unerläßliche Randbedingung vor der Einführung von Controlling.“ 3 Diese Forderung wurde bis dato nicht erfüllt. Zwar hat man Vorstellungen darüber, was unter Controlling, insbesondere Controlling in der öffentlichen Verwaltung verstanden werden kann, doch hat man bis heute keine Definition gefunden, die seinen Facetten im ganzen Umfang entspricht. Dennoch wird Controlling in modernen, öffentlichen Verwaltungen durchgeführt. Im Rahmen dieser Seminararbeit wird zunächst auf die Wortentstehung und die historische Entwicklung des Controlling eingegangen. Diese Vorüberlegungen sollen dazu beitragen, diesen Begriff im nächsten Schritt besser strukturieren zu können. Nach dieser Strukturierung erfolgt eine kurze Überlegung zur Notwendigkeit des Controlling in der öffentlichen Verwaltung. Es wird der Frage nachgegangen, welche Missstände in der öffentlichen Verwaltung die Einführung eines Controllingsystems notwendig machen. Den Hauptteil bilden die begrifflichen Grundlagen zum Controllingbegriff in der öffentlichen Verwaltung, die durch verschiedene Autoren geschaffen wurden. Hier werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Begriffsauffassung deutlich, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben und die dazu beitragen, dass der Controllingbegriff selbst heute schwer zu definieren ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ursprünge des Controllingbegriffes
2.1 Herleitung und historische Entwicklung des Controllingbegriffes
2.2 Entwicklung des Controlling in Deutschland
3. Strukturierung des Controllingbegriffes
3.1 Das Verhältnis zwischen Controlling und Führung
3.2 Aufgabenfelder des Controlling und deren Wahrnehmung
3.3 Die zeitliche Reichweite des Controlling
4. Begriffliche Grundlagen zum Controllingbegriff in der öffentlichen Verwaltung
4.1 Die Notwendigkeit von Controlling in der öffentlichen Verwaltung
4.2 Controlling in öffentlichen Verwaltungen nach Zünd und König
4.3 Der Controllingbegriff in der Kommunalverwaltung nach Reinermann
4.4 Controlling in öffentlichen Verwaltungen nach Budäus
4.5 Controlling in der öffentlichen Verwaltung nach Weber
4.6 Controlling in öffentlichen Verwaltungen nach Braun
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, den vielschichtigen Controllingbegriff im Kontext der öffentlichen Verwaltung zu strukturieren und verschiedene wissenschaftliche Begriffsauffassungen gegenüberzustellen, da bis heute keine einheitliche Definition existiert.
- Historische Herleitung und Etymologie des Controllingbegriffs
- Strukturelle Abgrenzung von Controlling und Führung
- Analyse der Notwendigkeit von Controlling in öffentlichen Institutionen
- Vergleichende Darstellung namhafter Controlling-Konzepte in der Verwaltung
- Diskussion über Einführungsstrategien und operationale Anforderungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Verhältnis zwischen Controlling und Führung
Nachdem Ursprung und geschichtliche Entwicklung des Controllingbegriffes dargestellt wurden, ist es notwendig, weitere Kriterien zu betrachten, um das „Controlling Phänomen“ näher strukturieren und konkretisieren zu können. Das erste Kriterium, das im Rahmen dieser Seminararbeit angeführt wird, ist das Verhältnis von Controlling und Führung. Es ist besonders wichtig, da es einen großen Unterschied macht, ob Controlling als führungsunterstützende und somit entlastende Funktion verstanden wird, oder ob der Begriff als Führungsfunktion angesehen wird. Im ersten Fall kann das Controlling durch einen institutionalisierten Controller ausgeübt werden, wohingegen Controlling als Führungsfunktion von der Führungsperson selbst wahrgenommen werden muss.
Controlling kann zusätzlich als Denkhaltung angesehen werden, die „im Idealfall sowohl das Handeln der Führungskräfte als auch das Agieren der nachgeordneten Systemmitglieder bestimmt.“ Controlling kann also auch als Führungsphilosophie verstanden werden, die durch alle Angehörigen eines Systems an den Tag gelegt wird. Aufgrund dieser unterschiedlichen Auffassungen ist das Verhältnis zwischen Controlling und Führung nicht klar definierbar. Zwar wurde in vielen Veröffentlichungen bereits herausgestellt, dass Controlling über die herkömmliche Kontrolle hinausgeht, doch wurde bis heute keine Definition gefunden, die eine klare Abgrenzung zwischen Führung und Controlling beschreibt. Um diesem Problem entgegenzuwirken, haben sich viele Autoren darauf beschränkt, im Controlling eine führungsunterstützende Funktion zu sehen. Der Controller hat demzufolge die Aufgaben der Bereitstellung führungsrelevanter Informationen sowie die Entwicklung eines Informationssystems. Allerdings ist es nicht immer einfach, diese führungsunterstützenden Aufgaben und die eigentlichen Managementaufgaben zu trennen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Erläutert die Problematik der fehlenden einheitlichen Definition des Controllingbegriffs und skizziert das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Die Ursprünge des Controllingbegriffes: Beleuchtet die etymologischen Wurzeln und die historische Entwicklung des Begriffs von den Anfängen bis zur Etablierung in deutschen Unternehmen.
3. Strukturierung des Controllingbegriffes: Analysiert zentrale Kriterien wie das Verhältnis zur Führung, die Aufgabenfelder und die zeitliche Reichweite.
4. Begriffliche Grundlagen zum Controllingbegriff in der öffentlichen Verwaltung: Diskutiert die Notwendigkeit von Controlling in Verwaltungen und vergleicht die Konzepte verschiedener Autoren.
5. Schlussbetrachtung: Führt die Erkenntnisse zusammen und unterstreicht die Bedeutung der Informationsversorgung für ein funktionsfähiges Verwaltungscontrolling.
Schlüsselwörter
Controlling, öffentliche Verwaltung, Verwaltungscontrolling, Führung, Koordinationsfunktion, Informationssystem, Soll-Ist-Vergleich, Operatives Controlling, Strategisches Controlling, Budgetierung, Organisationssteuerung, Effizienzsteigerung, Managementprozess, Controlling-Boom, Controller.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Definition und Strukturierung des Controllingbegriffs im Kontext der öffentlichen Verwaltung, da dieser Begriff in der Literatur unterschiedlich ausgelegt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Genese des Begriffs, die Abgrenzung zur Führung, die Notwendigkeit moderner Steuerung in Verwaltungen sowie die verschiedenen Konzepte bekannter Fachautoren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Controllingbegriff trotz seiner Vielschichtigkeit besser zu strukturieren und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in den Begriffsauffassungen der Fachwelt herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der verschiedene Konzepte und Definitionen führender Autoren zum Controlling in öffentlichen Verwaltungen gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine strukturelle Analyse des Controllingbegriffs (Verhältnis zur Führung, Aufgabenfelder) und eine detaillierte Auseinandersetzung mit spezifischen Controlling-Modellen für den Verwaltungsbereich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Verwaltungscontrolling, Koordinationsfunktion, Informationsversorgung, strategisches und operatives Controlling sowie Effizienzsteigerung.
Warum ist die Einführung von Controlling in der Verwaltung schwierig?
Die Schwierigkeit liegt in der mangelnden Gewinnorientierung, der fehlenden Messbarkeit von Leistungen sowie der starken Politikorientierung und komplexen Rahmenbedingungen des Verwaltungshandelns.
Wie bewerten die untersuchten Autoren den Einführungsprozess?
Alle Autoren stimmen darin überein, dass Controlling nicht schlagartig, sondern schrittweise und inkremental eingeführt werden sollte, um die Erfolgsaussichten zu erhöhen.
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- Sven Tillery (Author), 2003, Zum Controllingbegriff in der öffentlichen Verwaltung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34581