Ziel der Arbeit ist es, herauszuarbeiten, ob es einen Einfluss von Internet und Fernsehen als Sozialisationsinstanz auf Kinder und Jugendliche gibt. Die leitende Fragestellung hierfür lautet: „Wie wirken Medien auf die Identität und das Selbstbild von sechs bis 18-Jährigen ein?“
„Sozialisation ist ohne Medien heute nicht mehr denkbar, sie erfolgt unter dem Vorzeichen eines aktiven Subjekts, das sich von klein auf mit den Medien auseinandersetzt, sie zielgerichtet nutzt und sich ihrer bedient, um seinen Alltag zu gestalten, das Wert und Normgefüge seines sozialen Umfeldes, seine Persönlichkeits- und Lebenskonzepte zu prüfen, zu erweitern, zu revidieren.“ Diese Aussage zeigt beispielhaft, die (immer größer) werdende Rolle von Medien bei der Sozialisation. Besonders hervorzuheben ist hierbei das Internet, das neben Recherche und Kommunikation viele Möglichkeiten der Selbstdarstellung bietet. Neben dem Internet ist das Fernsehen ein wichtiges Medium für die Menschheit und somit auch für diese Untersuchung.
Oft wird die Mediennutzung durch Kinder und Jugendliche von Wissenschaftlern kritisch beurteilt. Medien hätten z.B. einen negativen Einfluss auf die Entwicklung und seien manipulativ. Die Sozialisationsforschung beschäftigt sich allerdings kaum mit der zunehmenden Bedeutung von Medien. Die Ursache für diese Vernachlässigung sieht Dagmar Hoffmann darin, dass man in der Sozialisationsforschung die Auffassung hat, dass es keine wechselseitige Beziehung zwischen den Menschen und den Medien gibt und Medien somit nicht als Sozialisationsinstanz gezählt werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen der Begriffe „Sozialisation“ und „Identität“
2.1 Sozialisation
2.2 Identität
3. Mediennutzung
3.1 Einführung
3.2 Zahlen, Daten und Fakten zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen anhand von der Shell-, KIM-, und JIM- Studie
3.3 Art der Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen
3.4 Funktionen von Medien
4. Einfluss von Medien auf die Sozialisation und Identitätsbildung
4.1 Vorstellung der gewählten Medien
4.1.1 Fernsehen
4.1.2 Internet /Smartphone
4.2 Aktuelle Studienergebnisse
4.3 Facebook als Beispiel sozialer Netzwerke
4.4 Beliebtheit von „Pseudo- Dokus“: Familien im Brennpunkt und Berlin- Tag und Nacht als Beispiel
4.4.1 „Scripted- Reality- Serien
4.4.2 „Familien im Brennpunkt“
4.4.3 „Berlin- Tag & Nacht“
4.5 Das Fernsehen als negativer Einfluss auf das Selbstbild und Auslöser für Essstörungen
4.5.1 Das Frauenbild in den Medien
4.5.2 Fernsehen als Auslöser für Essstörungen
4.6 Zwischenfazit
5. Stichprobenuntersuchung in einer offenen Kinder- und Jugendeinrichtung
5.1 Umfrage
5.1.1 Fragebogenerstellung
5.1.2 Auswertung
5.2 Fazit der Umfrage
5.3 Interviews
5.4 Fazit der Interviews im Zusammenhang mit der Umfrage
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss von Internet und Fernsehen als Sozialisationsinstanzen auf die Identitätsbildung und das Selbstbild von Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 18 Jahren. Dabei wird analysiert, inwieweit Medien als Orientierungshilfe dienen oder negative Auswirkungen wie unrealistische Körperbilder und Essstörungen fördern können.
- Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KIM-, JIM- und Shell-Studien).
- Die Rolle von Fernsehen und sozialen Netzwerken bei der Identitätsarbeit.
- Scripted-Reality-Formate als realitätsnahe Orientierung und Vorbildquelle.
- Mediale Schönheitsideale und ihr Zusammenhang mit Essstörungen.
- Empirische Untersuchung in einer Kinder- und Jugendeinrichtung.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Fernsehen
Egal in welchem Alter gehört der Fernseher zu den meistgenutzten Medien. Das Angebot an Sendern, Pay-TV- Programmen, Serien und Filmen ist heutzutage schlichtweg unüberschaubar. Das Fernsehen stellt eine Fülle von Geschichten zur Verfügung, die Identitätsentwürfe, Deutungsmuster und Handlungsorientierungen, zulassen. Nach J.Reichertz bietet das Fernsehen dem Menschen „große und kleine Orientierungen, Zerstörung von Ordnung und deren Einrichtung, Glaubhaftes und Unglaubliches, Verbotenes und Erwünschtes, aber auch Rezepte, Formeln und Praktiken“72, was Einfluss auf die Menschen nehmen kann. Das Fernsehen bzw. die Menschen die es machen, führt den Zuschauer zu „Welten und Werten, die einigen würdig, anderen dagegen unwürdig erscheinen, und oft stellen sie Wegweiser auf, von denen sie hoffen, dass die Zuschauer ihnen folgen.“73
Doch was sagt die Auswahl des Programms über die Zuschauer aus und welchen Einfluss hat das Fernsehen auf die Identität Heranwachsender?
Das Fernsehen, insbesondere Daily Soaps erzählen vom „Guten und Bösen, von Probe und Bewährung, von Schuld, Leid, Schmerz, Elend, Tod und Verzweiflung, aber auch von Sühne, Vergebung, Hoffnung, Glück und Liebe“74 und zeichnen sich durchaus durch eine positive Ethik aus, z.B. wird Gewalt abgelehnt und das Unmoralische führt nicht zum Erfolg. Nach Reichertz hat das Fernsehen durchaus das Potenzial als ethische Vermittlungsinstanz zu dienen und liefert auch Sinnstiftung und ethische Maßstäbe.75 Daily Soaps übernehmen genau wie Talkshows und Realityshows gewissermaßen eine Ratgeberfunktion für alltägliche Lebenssituationen.76 Auch fiktionale Sendungen können diese Funktionen übernehmen, indem das Verhalten verschiedener Protagonisten analysiert und bewertet wird.77
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Mediensozialisation ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach der Wirkung von Medien auf Identität und Selbstbild.
2. Definitionen der Begriffe „Sozialisation“ und „Identität“: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe und ordnet Medien als moderne Sozialisationsinstanz neben Eltern und Schule ein.
3. Mediennutzung: Es werden die Nutzungsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen sowie die Funktionen von Medien als Orientierungs- und Probehandlungsräume beleuchtet.
4. Einfluss von Medien auf die Sozialisation und Identitätsbildung: Dieses Kapitel analysiert spezifische Medienformate wie Scripted-Reality-Serien und deren Einfluss auf die Identitätskonstruktion sowie die Rolle medialer Körperbilder.
5. Stichprobenuntersuchung in einer offenen Kinder- und Jugendeinrichtung: Hier wird das methodische Vorgehen einer eigenen Umfrage und geführten Interviews beschrieben sowie deren Ergebnisse und Fazit dargestellt.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und bestätigt, dass Medien einen maßgeblichen Einfluss auf das Selbstbild haben, wobei weiterführende Langzeitstudien als notwendig erachtet werden.
Schlüsselwörter
Sozialisation, Identität, Mediennutzung, Jugendliche, Fernsehen, Internet, Scripted-Reality, Selbstbild, Vorbilder, Peergroup, Identitätsbildung, Essstörungen, Soziale Netzwerke, JIM-Studie, Medienkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie moderne Medien, insbesondere Fernsehen und Internet, die Identitätsentwicklung und das Selbstbild von Kindern und Jugendlichen beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Mediennutzung, die Bedeutung von Vorbildern, die Wirkung von Scripted-Reality-Serien sowie den Zusammenhang zwischen medialen Schönheitsidealen und Essstörungen.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es herauszuarbeiten, ob und wie Internet und Fernsehen als aktive Sozialisationsinstanzen auf die Identität von 6- bis 18-Jährigen einwirken.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für diese Arbeit verwendet?
Neben einer Literaturanalyse wurde eine qualitative und quantitative Stichprobenuntersuchung mittels Fragebögen und Interviews in einer offenen Kinder- und Jugendeinrichtung durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Begriffe und Medienfunktionen, eine Untersuchung spezifischer TV-Formate sowie die Auswertung der eigenen empirischen Erhebung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Mediensozialisation, Identitätskonstruktion, Scripted-Reality, Selbstsozialisation und die Wirkung medialer Vorbilder sind zentrale Begriffe der Untersuchung.
Welche Rolle spielt "Berlin - Tag & Nacht" laut der Autorin für die Jugendlichen?
Die Serie wird von vielen Jugendlichen als sehr realitätsnah empfunden und dient als Orientierungsquelle für Alltagsprobleme, Liebe und soziale Interaktion, obwohl sie inszeniert ist.
Wie beeinflusst "Germanys Next Topmodel" laut der Arbeit das Selbstbild junger Frauen?
Die Sendung vermittelt extrem dünne Schönheitsideale, die bei vielen jungen Zuschauerinnen negative Gefühle gegenüber dem eigenen Körper auslösen und laut vorliegenden Studien die Entwicklung von Essstörungen verstärken können.
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- Laura Römer (Author), 2016, Sozialisation von Kindern und Jugendlichen durch Medien. Einfluss auf Identität und Selbstbild, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346360