Soziale Arbeit im Jugendmaßregelvollzug. Zwischen Selbstbestimmung und Freiheitsentzug

Ist Empowerment im Jugendmaßregelvollzug umsetzbar?


Seminararbeit, 2015
14 Seiten, Note: 2,2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Themeneingrenzung

2. Empowerment
2.1. Begriffsbestimmung
2.2. Methoden und Ebenen des Empowermentkonzepts

3. Jugendmaßregelvollzug
3.1. Begriffsbestimmung
3.2. Aufgaben des Jugendmaßregelvollzugs
3.3. Gesetzliche Grundlagen
3.4. Kritik

4. Empowerment im Jugendmaßregelvollzug

4.1. Aufgaben der Sozialen Arbeit

4.2. Grenzen des Empowermentkonzepts

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Themeneingrenzung

In dieser Seminararbeit möchte ich mich mit den Grundlagen des Empowermentkonzepts und deren Umsetzbarkeit im Jugendmaßregelvollzug beschäftigen. Diese Thematik erscheint mir sinnvoll, da sie eine Schnittstelle zwischen Strafvollzug und Psychiatrie bildet und daher besonders schwierige Anforderungen an die professionellen Helfer stellt. Die konkrete Fragestellung lautet daher: Ist Empowerment im Jugendmaßregelvollzug umsetzbar?

Im Folgenden werde ich den Aufbau der Arbeit genauer erläutern. Zuerst wird die Arbeit einen Überblick über die Grundlagen des Empowermentkonzepts geben. Dazu soll der Begriff Em- powerment näher bestimmt und verschiedene Zugänge zu diesem Begriff erläutert werden. Anschließend werden Ebenen und Methoden des Konzepts näher behandelt. Dabei werde ich mich auf die Subjektebene beschränken und die dazu passenden Methoden erklären.

Das nächste Kapitel wird sich näher mit der Thematik des Jugendmaßregelvollzugs auseinandersetzen. Zunächst wird der Begriff Jugendmaßregelvollzug erklärt, um einen Zugang zu diesem Themenkomplex zu bieten. Danach möchte ich Aufgaben und rechtliche Grundlagen einer zwangsweisen Unterbringung in der Psychiatrie beleuchten. Zuletzt erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema.

Im folgenden Kapitel sollen die Begriffe Empowerment und Jugendmaßregelvollzug in Verbindung gesetzt werden. Dazu beleuchte ich Aufgaben der sozialpädagogischen Praxis in der forensischen Kinder- und Jugendpsychiatrie. Im Anschluss wird auf die Grenzen des Empowermentkonzepts in der stationären Jugendpsychiatrie eingegangen.

Im letzten Kapitel der Arbeit fasse ich den Inhalt knapp zusammen.

2. Empowerment

Empowerment ist in der Sozialen Arbeit in aller Munde. Eine eindeutige Definition des Begriffs erweist sich allerdings oft als schwierig. Daher wird im folgenden Kapitel versucht einige Zugänge zu diesem komplexen Thema zu erläutern sowie gängige Methoden des Empowermentkonzepts vorzustellen.

2.1 Begriffsbestimmung

Übersetzt bedeutet der Begriff Empowerment zunächst nichts anderes als Selbstbemächtigung oder Selbstbefähigung. Es beschreibt Entwicklungsprozesse bei denen Menschen, die in einer Situation des Mangels und der gesellschaftlichen Ausgrenzung leben, aus eigener Kraft be- ginnen, ein autonomes und selbstbestimmtes Leben zu führen oder dieses wieder herzustellen. Um diese Macht zurückzugewinnen, müssen sich die Betroffenen ihrer Stärken und Fähigkei- ten bewusst werden und lernen, ihre persönlichen Ressourcen zu nutzen (vgl. insgesamt Her- riger, 2012, S. 13f.).

Norbert Herriger stellt in seinem Buch „Empowerment in der Sozialen Arbeit“, welches eine Einführung in den Themenkomplex bietet, vier Zugänge zu einer Definition des Begriffs vor (ebd., S. 13ff.).

Einen ersten Zugang bietet Herriger auf politischer Ebene. Hier ist der Begriff „Power“, was übersetzt Macht bedeutet, von zentraler Bedeutung. Mit Macht ist nun vor allem die politische Macht gemeint. Empowerment im politischen Sinn beschäftigt sich mit der Ungleichverteilung von politischer Macht und Einflussnahme. Folglich zielt dieses Konzept auf die Umverteilung dieser ab. Konkret sollen daher Menschen oder auch ganze Menschengruppen, denen politische Einflussnahme bisher versagt bleibt, sich selbst bemächtigen und sich demokratisches Partizipationsvermögen aneignen (ebd., S. 14).

Der zweite Zugang ist die Lebenswelt. Während der erste Zugang einen weiteren Blick auf die Gesellschaft wirft, beschäftigt sich die Lebenswelt mit dem einzelnen Individuum. Hier soll der Begriff „Power“ eher im Sinn von Stärke, Kompetenz oder Durchsetzungskraft verstanden werden. Der Mensch soll in die Lage versetzt werden, seinen Lebensalltag autonom und selbstorganisiert zu gestalten. Deswegen ist es umso wichtiger alltägliche Probleme und Belastungen aus eigner Kraft zu bewältigen (ebd., S. 15).

Um sich nun weiter an eine Begriffsbestimmung heranzutasten, wird nun der reflexive Wort- sinn erläutert. Er beschreibt einen Prozess der aktiven Selbstbemächtigung eines Individuums, welches sich aus eigener Kraft und eigenem Willen aus seiner ohnmächtigen Position befreit und sich somit mehr Autonomie und Lebenssouveränität aneignet. Dieser Zugang ist sowohl auf die lebensweltliche als auch auf die politische Ebene der beiden vorher genannten Begriffsannäherungen anwendbar (vgl. insgesamt Herriger, 2014, S.16).

Empowerment kann allerdings auch von der entgegengesetzten Seite betrachtet werden. Der transitive Wortsinn beschreibt einen Prozess der Unterstützung und Förderung von Autono- mie, sowie die Bereitstellung von Ressourcen durch Dritte. Gemeint sind hiermit meist die beruflichen Helfer in der Sozialen Arbeit. Diese Deutung von Empowerment hat wohl die größte praktische Relevanz, um Klienten zu einem selbstbestimmten Leben zu verhelfen (ebd., S. 17).

Nachdem nun mögliche Zugänge zum Begriff Empowerment erläutert wurden, möchte ich nun im nächsten Abschnitt konkrete Methoden und Anwendungsmöglichkeiten des Empowermentkonzepts vorstellen.

2.2 Ebenen und Methoden des Empowermentkonzepts

Der Empowerment-Ansatz verfügt über vier Handlungsebenen, die durch verschiedene Me- thoden gekennzeichnet sind. Konkret sind dies die Subjektebene, die Gruppenebene, die Or- ganisationsebene und die Sozialraumebene. In der Praxis sind diese Ebenen nicht eindeutig zu unterscheiden. Eine klare Differenzierung der Ebenen ist nur in der Theorie möglich. In dieser Arbeit möchte ich meinen Fokus auf die Subjektebene legen, da sie von besonderer Relevanz ist, wenn es darum geht, einen Zugang zum Klienten zu schaffen (vgl. insgesamt Hoppe, 2012, S. 77).

Handlungsfeld der Subjektebene ist die soziale Einzelhilfe, welche ihren Schwerpunkt auf die individuelle Arbeit mit dem Klienten legt. Ziel ist es, das Gefühl individueller Stärke zu fördern, um ein Höchstmaß an Handlungskompetenz und psychischer Gesundheit für den Klienten zu erreichen (vgl. Hoppe, 2012, S.78). Auf Methoden, die in der Einzelfallhilfe von besonderer Bedeutung sind, wird nun genauer eingegangen.

Ressourcendiagnostik

Eine wichtige Methode stellt die Ressourcendiagnostik dar. Sie erfasst sowohl die personenbezogenen als auch die umweltbezogenen Ressourcen des Klienten. Aufgabe des Professionellen ist es, genau diese Ressourcen zu aktivieren, damit der Klient die Chance erhält, alltägliche Lebensaufgaben selbstständig zu bewältigen. In der praktischen Arbeit zeigt sich allerdings, dass viele Institutionen behaupten, ressourcenorientiert zu arbeiten, dies aber nur in den wenigsten Fällen effektiv umgesetzt wird, da der Blick auf die Defizite des Klienten noch weit verbreitet ist (vgl. insgesamt Herriger, 2014, S. 92ff.).

Casemanagement

Als zweite Methode möchte ich das Unterstützungsmanagement oder auch Case Management erwähnen, welches auf der Grundlage des Arrangierens beruht. Ziel dieses Prozesses, welcher an die Ressourcendiagnostik anknüpft, ist die Herstellung und Sicherung von grundlegenden Lebensressourcen. Viele Klienten sind von der Menge und Komplexität der Hilfeleistungen überfordert und benötigen daher Unterstützung bei der Vernetzung. Aufgabe der Professionellen ist es nun, eine koordinierende und arrangierende Funktion einzunehmen, um private und öffentliche Hilferessourcen zu bündeln und eine ganzheitliche soziale Hilfe zu gewährleisten (vgl. insgesamt Herriger, 2014, S. 103-105).

Kompetenzdialog

Als Dritte Methode soll der Kompetenzdialog dargestellt werden. Dieser lösungsorientierten Methode liegt die Auffassung zu Grunde, dass bereits kleine Anreize und Erfolgserlebnisse bestehende Handlungs- und Wahrnehmungsmuster aufbrechen können. Dies steigert die Motivation und fördert das Entdecken von eigenen Potenzialen, Kompetenzen und Ressourcen (vgl. insgesamt Hoppe, 2012, S. 80-82).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Soziale Arbeit im Jugendmaßregelvollzug. Zwischen Selbstbestimmung und Freiheitsentzug
Untertitel
Ist Empowerment im Jugendmaßregelvollzug umsetzbar?
Hochschule
Duale Hochschule Gera-Eisenach (ehem. Berufsakademie Thürigen in Gera)
Veranstaltung
Soziale Arbeit als Disziplin und Profession
Note
2,2
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V346518
ISBN (eBook)
9783668358126
ISBN (Buch)
9783668358133
Dateigröße
896 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit, Jugendmaßregelvollzug, Empowerment, Selbstbestimmung, Zwangskontext
Arbeit zitieren
Benjamin Reingruber (Autor), 2015, Soziale Arbeit im Jugendmaßregelvollzug. Zwischen Selbstbestimmung und Freiheitsentzug, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346518

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