In dieser Seminararbeit möchte ich mich mit den Grundlagen des Empowermentkonzepts und deren Umsetzbarkeit im Jugendmaßregelvollzug beschäftigen. Diese Thematik erscheint mir sinnvoll, da sie eine Schnittstelle zwischen Strafvollzug und Psychiatrie bildet und daher besonders schwierige Anforderungen an die professionellen Helfer stellt. Die konkrete Fragestellung lautet daher: Ist Empowerment im Jugendmaßregelvollzug umsetzbar?
Zuerst wird die Arbeit einen Überblick über die Grundlagen des Empowermentkonzepts geben. Dazu soll der Begriff Empowerment näher bestimmt und verschiedene Zugänge zu diesem Begriff erläutert werden. Anschließend werden Ebenen und Methoden des Konzepts näher behandelt. Dabei werde ich mich auf die Subjektebene beschränken und die dazu passenden Methoden erklären.
Das nächste Kapitel wird sich näher mit der Thematik des Jugendmaßregelvollzugs auseinandersetzen. Zunächst wird der Begriff Jugendmaßregelvollzug erklärt, um einen Zugang zu diesem Themenkomplex zu bieten. Danach möchte ich Aufgaben und rechtliche Grundlagen einer zwangsweisen Unterbringung in der Psychiatrie beleuchten. Zuletzt erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema.
Im folgenden Kapitel sollen die Begriffe Empowerment und Jugendmaßregelvollzug in Verbindung gesetzt werden. Dazu beleuchte ich Aufgaben der sozialpädagogischen Praxis in der forensischen Kinder- und Jugendpsychiatrie. Im Anschluss wird auf die Grenzen des Empowermentkonzepts in der stationären Jugendpsychiatrie eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Themeneingrenzung
2. Empowerment
2.1. Begriffsbestimmung
2.2. Methoden und Ebenen des Empowermentkonzepts
3. Jugendmaßregelvollzug
3.1. Begriffsbestimmung
3.2. Aufgaben des Jugendmaßregelvollzugs
3.3. Gesetzliche Grundlagen
3.4. Kritik
4. Empowerment im Jugendmaßregelvollzug
4.1. Aufgaben der Sozialen Arbeit
4.2. Grenzen des Empowermentkonzepts
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des Empowermentkonzepts und analysiert kritisch deren Anwendbarkeit und Grenzen im spezifischen Kontext des Jugendmaßregelvollzugs, wobei die zentrale Forschungsfrage lautet: Ist Empowerment im Jugendmaßregelvollzug umsetzbar?
- Grundlagen und Definitionen des Empowerment-Ansatzes
- Strukturen und gesetzliche Rahmenbedingungen des Jugendmaßregelvollzugs
- Methoden der Sozialen Arbeit in der forensischen Jugendpsychiatrie
- Herausforderungen und Widerstände bei der Umsetzung von Empowerment unter Zwangskontexten
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffsbestimmung
Übersetzt bedeutet der Begriff Empowerment zunächst nichts anderes als Selbstbemächtigung oder Selbstbefähigung. Es beschreibt Entwicklungsprozesse bei denen Menschen, die in einer Situation des Mangels und der gesellschaftlichen Ausgrenzung leben, aus eigener Kraft beginnen, ein autonomes und selbstbestimmtes Leben zu führen oder dieses wieder herzustellen. Um diese Macht zurückzugewinnen, müssen sich die Betroffenen ihrer Stärken und Fähigkeiten bewusst werden und lernen, ihre persönlichen Ressourcen zu nutzen (vgl. insgesamt Herriger, 2012, S. 13f.).
Norbert Herriger stellt in seinem Buch „Empowerment in der Sozialen Arbeit“, welches eine Einführung in den Themenkomplex bietet, vier Zugänge zu einer Definition des Begriffs vor (ebd., S. 13ff.).
Einen ersten Zugang bietet Herriger auf politischer Ebene. Hier ist der Begriff „Power“, was übersetzt Macht bedeutet, von zentraler Bedeutung. Mit Macht ist nun vor allem die politische Macht gemeint. Empowerment im politischen Sinn beschäftigt sich mit der Ungleichverteilung von politischer Macht und Einflussnahme. Folglich zielt dieses Konzept auf die Umverteilung dieser ab. Konkret sollen daher Menschen oder auch ganze Menschengruppen, denen politische Einflussnahme bisher versagt bleibt, sich selbst bemächtigen und sich demokratisches Partizipationsvermögen aneignen (ebd., S. 14).
Der zweite Zugang ist die Lebenswelt. Während der erste Zugang einen weiteren Blick auf die Gesellschaft wirft, beschäftigt sich die Lebenswelt mit dem einzelnen Individuum. Hier soll der Begriff „Power“ eher im Sinn von Stärke, Kompetenz oder Durchsetzungskraft verstanden werden. Der Mensch soll in die Lage versetzt werden, seinen Lebensalltag autonom und selbstorganisiert zu gestalten. Deswegen ist es umso wichtiger alltägliche Probleme und Belastungen aus eigner Kraft zu bewältigen (ebd., S. 15).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Themeneingrenzung: Einführung in die Thematik der Umsetzung des Empowermentkonzepts im Jugendmaßregelvollzug und Darstellung des Aufbaus der Arbeit.
2. Empowerment: Erläuterung der theoretischen Grundlagen, Zugänge und Methoden des Empowermentkonzepts, insbesondere auf der Subjektebene.
3. Jugendmaßregelvollzug: Definition, Aufgaben und rechtliche Rahmenbedingungen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Unterbringung in forensischen Kliniken.
4. Empowerment im Jugendmaßregelvollzug: Untersuchung der praktischen Aufgaben von Sozialarbeitern sowie der organisatorischen und gesetzlichen Grenzen des Konzepts.
5. Fazit: Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse und Beantwortung der Frage nach der Umsetzbarkeit von Empowerment im Zwangskontext.
Schlüsselwörter
Empowerment, Jugendmaßregelvollzug, Soziale Arbeit, Forensik, Selbstbemächtigung, Ressourcendiagnostik, Casemanagement, Kompetenzdialog, Biographiearbeit, Zwangskontext, Resozialisierung, Jugendpsychiatrie, Partizipation, Lebenswelt, Strafvollzug
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Schnittstelle zwischen Empowerment als sozialpädagogischem Konzept und dem Jugendmaßregelvollzug, einem Zwangskontext der forensischen Psychiatrie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Herleitung von Empowerment, die rechtlichen und praktischen Rahmenbedingungen der forensischen Unterbringung Jugendlicher sowie die spezifischen Anforderungen an die Soziale Arbeit in diesem Spannungsfeld.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: Ist Empowerment im Jugendmaßregelvollzug umsetzbar?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Seminararbeit, die auf Fachliteratur zu Empowerment-Konzepten und forensischer Psychiatrie basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Empowerment, die Darstellung des Jugendmaßregelvollzugs und die Analyse der Anwendungsmöglichkeiten und Grenzen von Empowerment in diesem speziellen Bereich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Empowerment, Jugendmaßregelvollzug, Soziale Arbeit, Forensik, Zwangskontext und Resozialisierung.
Warum ist die Anwendung von Empowerment im Jugendmaßregelvollzug so schwierig?
Die Schwierigkeit liegt primär im Zwangskontext begründet, da Empowerment eigentlich Freiwilligkeit und Eigeninitiative des Klienten voraussetzt, was durch die institutionellen Gegebenheiten oft erschwert wird.
Welche Rolle spielt die Ressourcendiagnostik in der Arbeit?
Sie wird als eine der zentralen Methoden vorgestellt, um über eine reine Defizitorientierung hinauszugehen und Potenziale der Jugendlichen trotz ihrer schwierigen Situation zu aktivieren.
Was ist das kritische Fazit zur Rechtslage?
Der Autor weist auf die Grauzone hin, die durch fehlende gesetzliche Befristungen bei der Unterbringungsdauer im Maßregelvollzug entsteht, und fordert eine restriktivere Anwendung unter Beachtung des Verhältnismäßigkeitsprinzips.
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- Benjamin Reingruber (Author), 2015, Soziale Arbeit im Jugendmaßregelvollzug. Zwischen Selbstbestimmung und Freiheitsentzug, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346518