Von elementarer Bedeutung für die Festigung und den Ausbau ihrer Macht war für die Nazis die Gewinnung der deutschen Jugend. So wurde bereits 1922 in München der erste kleine Jungendverband der NSDAP in München ins Leben gerufen. Als die Hitler-Jugend und der Bund Deutscher Mädel in den Jahren 1926/27 schließlich offiziell gegründet wurden und nur aus wenigen hundert Mitgliedern bestanden, hätte sich wohl niemand träumen lassen, dass das vom Reichsjugendführer Baldur von Schirach 1931 proklamierte Ziel, die gesamte deutsche Jugend in die Verbände einzugliedern, binnen weniger Jahre annähernd erreicht sein würde.
Dies wirft die Frage auf, wie ein solch gigantisches Unterfangen in so kurzer Zeit gelingen konnte. Wer trug die Verantwortung dafür und welche Organisationsstrukturen waren für die Aufnahme von Millionen neuer Mitglieder vonnöten? Wie wurden Jugendliche dazu gebracht, sich BDM und HJ anzuschließen und wie verfuhr man mit konkurrierenden Jugendorganisationen? Im folgen Text werde ich versuchen, diese Fragen zu beantworten, wobei ich mich hauptsächlich mit der Mädchenorganisation der Nazis, dem Bund Deutscher Mädel, beschäftigen werde, zu der es im Vergleich mit der allgemeinen HJ nur einen Bruchteil an Quellen und Publikationen gibt. Neben der Entstehung, dem Werdegang der Organisation und der Beschreibung ihrer Funktionen möchte ich außerdem erörtern, was die pädagogischen Maxime der Nazis waren und welches Frauenbild den Mädchen im BDM vermittelt wurde. Außerdem gehe ich der Frage nach, was die „nationalsozialistische Weltanschauung“ kennzeichnete, zu deren Trägerinnen die Mädchen nach dem Willen Hitlers und der Reichsjugendführung erzogen werden sollten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Zusammenhang
2.1 Der BDM vor der Machtergreifung
2.2 Der BDM als Teil der Staatsjungend im Dritten Reich
3. Charakteristika der Organisation
3.1 Aufbau und Organisation
3.2 Ideologische Ausrichtung und pädagogische Maxime
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entstehung, den Werdegang und die ideologische Ausrichtung des Bundes Deutscher Mädel (BDM) im Nationalsozialismus, wobei insbesondere die pädagogischen Maxime und das vermittelte Frauenbild analysiert werden.
- Historische Entwicklung des BDM vor und nach der Machtübernahme 1933
- Struktureller Aufbau und militärisch-hierarchische Organisation
- Rolle des BDM innerhalb der nationalsozialistischen Staatsjugend
- Pädagogische Erziehungsziele, körperliche Ertüchtigung und ideologische Indoktrination
Auszug aus dem Buch
3.2 Ideologische Ausrichtung und pädagogische Maxime
Hitler behielt seine bereits 1926 in seinem Buch „mein Kampf“ beschriebene Vorstellung von Erziehung während der ganzen Zeit seiner Herrschaft bei. Ausgehend von der Annahme, dass die Qualität einer Rasse von ihren geistigen Qualitäten abhing und dass diese sich am besten in einem gesunden und leistungsfähigen Körper entwickeln würden, legte er größten Wert auf körperliche Ertüchtigung und Abhärtung. In „Mein Kampf“ äußerte er sich hierzu wie folgt: „[…] Der völkische Staat hat in dieser Erkenntnis seine gesamte Erziehungsarbeit in erster Linie nicht auf das Einpumpen bloßen Wissens einzustellen, sondern auf das Heranzüchten kerngesunder Körper zu legen. Erst in zweiter Linie kommt dann die Ausbildung der geistigen Fähigkeiten. […] Die körperliche Ertüchtigung ist daher nicht eine Angelegenheit die in erster Linie die Eltern angeht, und die erst in zweiter oder dritter die Allgemeinheit interessiert, sondern eine Forderung der Selbsterhaltung des durch den Staat vertretenen und geschützten Volkstums“ (Hitler 1933, S. 452).
Dieser Aussage folgend, bestand ein großer Teil des Freizeitprogramms im BDM aus sportlicher Ertüchtigung. Schirach erließ hierzu eine Anweisung, laut der zwei Drittel der BDM-Dienstzeit der Leibesertüchtigung und ein Drittel der weltanschaulichen Schulung zu dienen hätte (vgl. Klönne 1982, S. 57). Ziel der sportlichen Übungen war nicht nur, den Körper gesund und leistungsfähig zu erhalten. Gleichzeitig versprach man sich davon eine mit der körperlichen Straffung einhergehende innere Disziplinierung und eine verbesserte Selbstbeherrschung der Mädchen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Faszination des Dritten Reiches und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Organisation und Erziehung der weiblichen Jugend im BDM.
2. Historischer Zusammenhang: Dieses Kapitel zeichnet die Entwicklung des BDM von den frühen nationalsozialistischen Mädchengruppen bis zur vollständigen Eingliederung als Staatsjugend nach.
3. Charakteristika der Organisation: Das Kapitel beschreibt den starren, hierarchischen Aufbau der Organisation sowie die ideologischen und pädagogischen Ziele der NS-Führung.
4. Fazit: Das Fazit resümiert den Erfolg der BDM-Strukturen bei der Indoktrination und mahnt die Verantwortung zukünftiger Pädagogen an, die durch die leichte Instrumentalisierbarkeit der Jugend verdeutlicht wird.
Schlüsselwörter
Bund Deutscher Mädel, BDM, Nationalsozialismus, Hitler-Jugend, Erziehung, Ideologie, Weltanschauung, Staatsjugend, Baldur von Schirach, Pädagogik, Rassebewusstsein, Indoktrination, Körperliche Ertüchtigung, Mädchenerziehung, Volksgemeinschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle, dem Aufbau und der erzieherischen Zielsetzung des Bundes Deutscher Mädel (BDM) während der Zeit des Nationalsozialismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören die historische Genese der Organisation, ihre Integration in die Strukturen der Hitler-Jugend sowie die ideologische Ausrichtung der Mädchenerziehung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Organisationsstrukturen sowie die pädagogischen Maxime zu analysieren, nach denen Mädchen im BDM zu Trägerinnen der nationalsozialistischen Weltanschauung erzogen werden sollten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische und erziehungswissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung relevanter zeitgenössischer Quellen und historischer Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der historische Kontext der Machtergreifung, der Aufbau der Organisation sowie die spezifischen pädagogischen Schwerpunkte wie körperliche Ertüchtigung und die Rolle als Mutter untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie BDM, Nationalsozialismus, Erziehung, Indoktrination, Rassebewusstsein und Volksgemeinschaft charakterisiert.
Welche Bedeutung hatte das BDM-Werk „Glaube und Schönheit“?
Es wurde 1938 gegründet, um die Lücke zwischen dem BDM und der NS-Frauenschaft für die 17- bis 21-jährigen Mädchen zu schließen.
Wie reagierte die BDM-Führung auf den Kriegsbeginn?
Mit Kriegsbeginn verschob sich der Fokus des BDM hin zur Unterstützung der Kriegsanstrengungen, etwa als Helferinnen, Pflegerinnen oder im landwirtschaftlichen Einsatz, um die abkommandierten Männer zu ersetzen.
- Arbeit zitieren
- Martin Kuhlen (Autor:in), 2014, Die Erziehung der weiblichen Jugend im Dritten Reich im Bund Deutscher Mädel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346606