Die angemessene Erfassung der Stärke und Richtung sozialer Erwünschtheit


Hausarbeit, 2015

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund

3 Definition

4 Die angemessene Erfassung der Stärke und Richtung sozialer Erwünschtheit
4.1 Zusammenfassung
4.2 Methodik
4.3 Anwendung der drei Operationalisierungen
4.4 Ergebnisse

5 Self-knowledge and social desirability of personality traits
5.1 Zusammenfassung
5.2 Methodik
5.3 Ergebnisse

6 Diskussion
6.1 Bewertung der ausgewählten Studien
6.1.1 Die angemessene Erfassung der Stärke und Richtung von Anreizen durch soziale Erwünschtheit
6.1.2 Self-knowledge and social desirability of personality traits
6.2 Bezug zur Fragestellung
6.3 Abschließende Bewertung

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Verletzung der Neutralitätsannahme und deren Konsequenzen für die prognostizierten Anreize durch soziale Erwünschtheit

Tabelle 2: Durch die verschiedenen Konstrukte prognostizierte Gesamtstärke der Anreize durch soziale Erwünschtheit auf der Individualebene

Tabelle 3: Means and standard deviations for the objective profile (MPI) and self-perception

1 Einleitung

“It‘s a basic truth of the human condition that everybody lies.” (Shore & Singer, 2004, o.S.)

Davon ist der bekannte Fernseharzt „Dr. House“ überzeugt. Auch bei Umfragen hat sich gezeigt, dass nicht immer ehrlich geantwortet wird. Ob Fragebögen zu aggressiven Verhalten oder Berufseignungstest, es kommt häufig zu großen Verzerrungen. Wie kann man aber sicher sein ehrliche Antworten und somit wissenschaftlich valide Ergebnisse, zu bekommen? „Dr. House“, schlägt eine Lösung vor, die auch in der psychologischen Forschung Anwendung findet: “[…] when you want to know the truth about someone that someone is probably the last person you should ask.” (Cooper & Yaitanes, 2004, o.S.). Befragungen im sozialen Umfeld sind somit ein häufig gewähltes methodisches Instrument, dennoch kann die Methodik nicht völlig auf Selbstauskünfte verzichten. Um trotz zu erwartender Fehlinformationen an valide Ergebnisse zu kommen hält die Psychologie es nicht wie der Fernsehdoktor und sagt: “I don’t ask why patients lie, I just assume they all do.“ (Moran & Pollard, 2004, o.S.). Im Gegenteil gilt ein Forschungsfeld der Psychologie der Frage nach den Ursachen und Einflussfaktoren systematischer Antwortverzerrung. Ein Indikator soll hier näher vorgestellt werden.

Die folgende Hausarbeit widmet sich dem Thema soziale Erwünschtheit, ein besonderes Augenmerk soll auf den Einfluss sozialer Erwünschtheit auf das Antwortverhalten in Interviews gelegt werden. Dabei werden auch eventuelle Korrelate mit Persönlichkeitseigenschaften betrachtet. Grundlage hierfür bildet eine theoretische Arbeit zu der Erwünschtheit von Persönlichkeitseigenschaften. Vorab werden drei Operationalisierungen vorgestellt, sie sollen Möglichkeiten aufzeigen den Faktor soziale Erwünschtheit möglichst differenziert zu erfassen und bei Auswertungen von Fragebögen zu berücksichtigen. Die herausgearbeiteten Ergebnisse werden unter der Fragestellung zusammengeführt, ob die Einflüsse sozial erwünschten Antwortverhaltens auf Forschungsstudien durch sorgfältige Analyse der Gründe ihres Auftretens, häufiger erkannt und vermieden werden können.

Einer Befassung mit dem Untersuchungsgegenstand sollte eine genaue Definition vorangehen; Kapitel 3 unternimmt deshalb den Versuch eine solche aufzustellen und stellt heraus warum das bei dem vorliegenden Thema schwierig ist. Vorab soll in Kapitel 2 kurz der historische Hintergrund skizziert werden. In Kapitel 4 wird eine Studie zur Operationalisierung der Erfassung von sozialer Erwünschtheit vorgestellt, zusammen mit der, in Kapitel 5 präsentierten, Studie soll in Kapitel 6 eine Einschätzung erfolgen, ob und in wie weit eine Antwortverzerrung durch soziale Erwünschtheit die Validität von Selbstbeschreibungen weiterhin verzerren kann, wenn sowohl Rücksicht auf Entstehungsgründe genommen wird, als auch eine passende Operationalisierung durchgeführt wird.

Es soll noch darauf hingewiesen werden, dass als Erklärungsansätze für sozial erwünschtes Verhalten hier nur auf das Modell des rationalen Verhaltens, Interaktion mit Interviewpartnern und ausgewählte Persönlichkeitseigenschaften eingegangen wird. Auf weitere Erklärungen, die in der Fachöffentlichkeit diskutiert werden, wie Handlungsfolgen und Leistungs- und Affiliationsmotiv, kann hier nicht eingegangen werden.

2 Theoretischer Hintergrund

Begibt man sich auf die Suche nach den historischen Wurzeln des Konstrukts trifft man auf Hyman und seinen Aufsatz „Do they tell the truth?“ (Hyman, 1944), mit dem das Problem das erste Mal explizit verbalisiert wurde. Erste Maßnahmen soziale Erwünschtheit angemessen zu operationalisieren finden sich in Forschungsstudien von Marlowe und Crowne (1960). Diese sehen die Ursache sozial erwünschten Antwortverhaltens im Anerkennungsmotiv der Befragten und berücksichtigen in ihrer Skala auch nur diese Erklärung. Obwohl diese einseitige Sichtweise besonders im sozialpsychologischem Kontext kritisiert wurde (vgl. Esser, 1986), ist die Marlowe-Crowne-Scale bis heute eine beliebte Operationalisierungsmethode, welche beispielsweise in Persönlichkeitstests wie dem Leistungsmotivationsinventar (Schuler & Prochaska, 2001) Anwendung findet. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass soziale Erwünschtheit besonders im Kontext zu Meinungsumfragen, Selbstbeschreibungen in der Persönlichkeitspsychologie und darauf aufbauend, natürlich auch im arbeitspsychologischem Kontext betrachtet wird. Kritik wird, wie oben erwähnt, besonders aus dem Feld der Sozialpsychologen geäußert, da diese auf den interaktionistischen Aspekt der sozialen Erwünschtheit, welcher bei einer Konzentration auf Motive vernachlässigt werde, hinweisen (Esser, 1986). Wie ein roter Faden zieht sich ein grundsätzliches Problem bei der Aufarbeitung des Konstrukts soziale Erwünschtheit: Der bisherige Forschungsstand scheint unstrukturiert und nach verschiedenen Definitionen aufgebaut. Auf diesen Aspekt wird in Kapitel 6 ausführlicher eingegangen.

3 Definition

Wie bereits in der Einleitung angedeutet gestaltet sich eine einheitliche Definition von sozialer Erwünschtheit als schwierig. Verschiedene Forschungsansätze befassen sich mit verschiedenen Dimensionen sozialer Erwünschtheit und eine zugrunde liegende, ursprüngliche Definition ist nicht zu finden. Die meisten Arbeiten beziehen sich auf soziale Erwünschtheit im Rahmen der Rational-Choice-Theorie, alternierende Schwerpunkte in der empirischen Umsetzung führen allerdings immer noch zu unterschiedlichen Ergebnissen. Hartmann bringt dieses Problem in ihrer Dissertation: „Wunsch und Wirklichkeit: Theorie und Empirie sozialer Erwünschtheit“ (1991) ausführlich zum Ausdruck (Hartmann, 1991, S.36-60). Im Rahmen der Rational-Choice-Theorie kann von einer Beurteilung eines Individuums über bestimmte Merkmale oder Merkmalsausprägungen gesprochen werden, bei der die Urteilsdimension unter anderem auf der wahrgenommenen Erwünschtheit des entsprechenden Merkmals, gemäß der sozialen Normen und Vorstellungen, liegt. Abweichende Definitionen, bei denen soziale Erwünschtheit als die wahrgenommenen Vorstellungen des Interviewers betrachtet werden, sind hier nicht weiter behandelt, da bei den vorliegenden wissenschaftlichen Arbeiten von standarisierten Interviewern ausgegangen wird.

Um zu spezifischeren, der empirischen Forschung dienlicheren Begriffsbestimmungen zu kommen, stellt Hartmann fünf Definitionen auf. Die vorliegende Arbeit bezieht sich auf Definition 5. Diese sieht soziale Erwünschtheit als einen Sonderfall einer systematischen Antwortverzerrung (Response Bias) und greift hier den oft gewählten Begriff Social Desirability-Bias auf (SD-Bias): Die Definition lautet also: „Ein Social Desirability-Bias liegt vor, wenn Antworten systematisch in sozial erwünschter Richtung verzerrt werden“ (Hartmann, 1991, S.52). Bedingungen, um von einem SD-Bias sprechen zu können sind die Existenz eines „wahren Wertes“ und eine systematische Abweichung von diesem Wert, welche in sozial erwünschter Richtung erfolgt.

Der Vorteil dieser Definition ist, dass sie völlig offen lässt wo die Ursachen für das abweichende Antwortverhalten liegen. So entsteht keine Beschränkung auf personelle Einflussfaktoren wie Wahrnehmung, Motive oder Selbstwert, situativ bedingte wie die Interaktion mit dem Interviewpartner oder auch in Fragestellungen implizierte Antworten.

4 Die angemessene Erfassung der Stärke und Richtung sozialer Erwünschtheit

4.1 Zusammenfassung

Der vorliegende Artikel von Volker Stocké und Christian Hunkler aus dem Jahr 2004 konzentriert sich auf die angemessene Erfassung der SD-Bias. Dabei stellen die Autoren drei verschiedene Möglichkeiten zur Operationalisierung gegeneinander. Ihre Fragestellung dabei lautet, ob es möglich ist, bei den häufig in Selbstzuschreibungen untersuchten Merkmalen Lebensglück, Fernseh- und Alkoholkonsum und Blutspenden den SD-Bias zu isolieren und mit allen drei Operationalisierungen zu erfassen. Getestet wurde dabei, ob sich bei einem der Themen übereinstimmende Testergebnisse mit allen drei Methoden erreichen lassen. Abschließend sollte rausgestellt werden, dass die Bewertung verschiedener Merkmalsausprägungen im Hinblick auf ihre soziale Erwünschtheit entscheidend ist für eine angemessene Operationalisierung.

4.2 Methodik

Die empirische Studie setzte sich aus einer lokalen Zufallsstichprobe der Bevölkerung Mannheims zusammen. Alle der 143 Teilnehmer (N = 143), dessen Interview ausgewertet wurde waren über 18 Jahre alt und besaßen die deutsche Staatsangehörigkeit. Die Haushalte der Teilnehmer wurden nach einem Zufallsprinzip ausgewählt, ebenso der Teilnehmer aus jedem Haushalt. Die erwähnten 143 verwertbaren Interviews stellten eine Ausschöpfungsquote von 33.3 Prozent dar. Aufgrund der kleinen Stichprobe wurde Repräsentativität verfehlt.

Die Studienteilnehmer wurden in zwei Gruppen geteilt, alle wurden in einem 60 minütigen Interview bei sich zuhause befragt. Dabei lasen die Interviewer die Fragen vor, legten eine Antwortskala in Papierform vor und gaben die jeweiligen Antworten in den Computer ein. Jede Versuchsgruppe sollte 15 Fragen über die wahrgenommene soziale Erwünschtheit verschiedener Merkmale beantworten. Gruppe eins, 71 der Teilnehmer, hat neben der hier ausgewerteten Beurteilung von Alkoholkonsum auch Fragen zu Vorurteilen, sportlicher Betätigung und Führerscheinentzug beantwortet. Gruppe zwei, 72 der Teilnehmer, hat die untersuchten Merkmale Fernsehkonsum, Blutspenden und Lebensglück bewertet ebenso wie Parteianhängerschaft und Prüfungsmisserfolge. Gefragt wurde nach der fremdeingeschätzten Erwünschtheit der Merkmalsausprägungen, von starker Ausprägung, mittlerer und leichter. So lautete beispielsweise eine Frage, wie jemand in der Gesellschaft bewertet wird, der sehr oft, gelegentlich oder nie zum Blutspenden geht. Die Beantwortung sollte auf einer bipolaren Antwortskala von -4 bis +4 erfolgen. Die Ergebnisse wurden mit drei verschiedenen Operationalisierungen ausgewertet.

4.3 Anwendung der drei Operationalisierungen

In Ihrem Artikel stellen Stocké und Hunkler drei verschiedene Methoden zur Erfassung der SD-Bias vor. Sie sprechen zunächst vom Standardverfahren. Dabei wird nur nach der sozialen Erwünschtheit einer starken Merkmalsausprägung gefragt, einer niedrigen oder mittleren wird Neutralität unterstellt. Die Autoren weisen darauf hin, dass diese vorschnelle Neutralitätsannahme nicht empirisch geprüft sei. In der Umsetzung mussten so nur die Bewertungen der starken Merkmalsausprägung übernommen werden.

Die zweite vorgestellte Methode erfordert etwas mehr Aufwand. Die Idee dabei ist es, eine Differenz aus den Bewertungen einer starken und einer schwachen Merkmalsausprägung zu erstellen und so auf einen allgemeinen SD-Bias zu kommen. Hierbei wird die Bewertung einer mittleren Ausprägung außer Acht gelassen, es wird ein monotoner Verlauf unterstellt. Diese Monotonieannahme wird von den Autoren ebenfalls als nicht empirisch belegt kritisiert. Es wurden die Bewertungen von schwachen und starken Merkmalsausprägungen zunächst auf eine Skala von 0 (gesellschaftlich sehr schlecht bewertet), bis +8 (gesellschaftlich sehr positiv bewertet) übertragen und anschließend die Ergebnisse der schwachen Merkmalsausprägung von der der starken subtrahiert. Die ermittelten Differenzwerte können Werte von -8 bis +8 annehmen, wobei negative Werte für einen starken Anreiz zur Selbstzuschreibung einer schwachen Merkmalsausprägung und positive für einen starken Anreiz zur Nennung einer starken Merkmalsausprägung sprechen.

Die dritte Methode schließt die Bewertung der mittleren Merkmalsausprägung mit ein. Ähnlich wie bei der zweiten Methode werden die Rohdaten zunächst auf eine Skala von 0 bis +8 übertragen. Aus den Bewertungen der starken und mittleren, sowie der mittleren und schwachen Ausprägung werden wieder Differenzwerte gebildet. Die Summe der resultierenden Werte ergibt die Stärke des Anreizes durch soziale Erwünschtheit, wobei 0 keines und 16 ein starkes Potenzial zur Verzerrung durch soziale Erwünschtheit bedeutet.

4.4 Ergebnisse

Stocké und Hunker beließen es bei der Auswertung der erfassten Daten nicht bei der oben genannten Fragestellung. Sie erweiterten diese indem sie etwa die Neutralitätsannahme der Standardoperationalisierung empirisch überprüften. Diese ließ sich bei den untersuchten Gegenständen nicht bestätigen. Bei allen vier Themen ließ sich bei der Bewertung einer schwachen Merkmalsausprägung eine Abweichung vom neutralen Nullpunkt der Skala feststellen. Diese war am deutlichsten beim Fernsehkonsum mit einer Abweichung von 2.09. Die genauen Auswirkungen einer Verletzung der Neutralitätsannahme sind der angefügten Tabelle zu entnehmen, für diese Arbeit spielen sie aber eine untergeordnete Rolle. Festzuhalten ist hier, dass die Grundvoraussetzung der Standardoperationalisierung empirisch widerlegt wurde.

Tabelle 1: Verletzung der Neutralitätsannahme und deren Konsequenzen für die prognostizierten Anreize durch soziale Erwünschtheit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die angemessene Erfassung der Stärke und Richtung sozialer Erwünschtheit
Hochschule
Rheinische Fachhochschule Köln  (Wirtschaftspsychologie)
Veranstaltung
Wissenschaftliches Arbeiten
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V346628
ISBN (eBook)
9783668360655
ISBN (Buch)
9783668360662
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziale Erwünschtheit, Interview, Verzerrungstendenzen, bias, Antwortverhalten, Operationalisierung
Arbeit zitieren
Jasmin Mattern (Autor), 2015, Die angemessene Erfassung der Stärke und Richtung sozialer Erwünschtheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346628

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