Nahrungsergänzung für Diabetiker

Können Diabetiker von der Einnahme von Zink, Zinkhistidin, Chrom, Zimt und anderen Mikronährstoffen profitieren?


Essay, 2015
6 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Sinn und Unsinn einer Nahrungsergänzung bei Diabetes mellitus

Der Stellenwert von Nahrungserg ä nzungsmitteln, Zimt, Zink, Chrom oder Zimt in der adjuvanten Diabetestherapie aus Sicht des Diabetesberaters

von Sven-David Müller, MSc.

Die chronische Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus wird leitliniengerecht mit Ernährungs- und Bewegungstherapie sowie häufig Pharmaka behandelt. In der Schulung und Beratung, die lebensbegleitend durch ein Team aus Diabetesberatern, Diätassistenten, Sporttherapeuten, Psychotherapeuten und Pädagogen (etc.) stattfindet, spielt die Aufnahme von Nahrungsergänzungsmitteln in Deutschland eine untergeordnete Rolle. Inzwischen ist jedoch eine Reihe von Präparaten für Diabetiker in den Markt eingeführt. Was ist davon zu halten und welchen Stellenwert haben Nahrungsergänzungsmittel in der modernen Diabetes-Therapie? Laut Leitlinien wohl eher keinen. Das Ernährungsverhalten vieler Diabetiker gibt Anlass zur Sorge, dass die Versorgung mit essentiellen Mikronährstoffen suboptimal bis mangelhaft ist. Aber lässt sich das nur durch Nahrungsergänzungsmittel ausgleichen?

Der Stellenwert von Mikronährstoffen und sonstigen Nahrungsinhaltsstoffen, wie beispielsweise bestimmten sekundären Pflanzenstoffen in Zimt in der Prophylaxe und Therapie des Diabetes mellitus darf nicht unter- oder überschätzt werden. Die Wirkung auf den Blutzuckerspiegel und die Insulinwirkung ist durch verschiedene Untersuchungen gut belegt (12, 13). Eine Reihe ernstzunehmender Studien zeigt zudem, dass beispielsweise Vitamin D in der Vorbeugung des Diabetes mellitus eine wichtige Rolle einnimmt. Selbstverständlich kann auch die bestkonzipierteste Mikronährstofftherapie weder einen Typ 1 noch einen Typ 2 Diabetes mellitus heilen - aber eine Optimierung der Blutglukosehomöostase ist wissenschaftlich nachgewiesen möglich und kann durchaus in die Therapiekonzepte einbezogen werden. In der Beratung und Schulung muss abgewogen werden, ob bestimmte Nahrungsinhaltsstoffe wie Zink, Chrom, Vitamin D, Ballaststoffe wie Pektin oder auch Zimt empfohlen werden oder nicht. Darüber sollte das Diabetesteam gemeinsam entscheiden.

Was sagt die Wissenschaft zu Zimt bei Diabetes mellitus?

Durch verschiedene Studien hat sich der Markt an Nahrungsergänzungsmitteln und ergänzend bilanzierten Diäten für Diabetiker verändert und deutlich erweitert. Unsere Patienten werden regelmäßig in der Werbung und natürlich auch in der Apotheke oder der Drogerie mit solchen Präparaten konfrontiert. Die Produkte sind in der Regel in der Apotheke mit dem Produktstatus Nahrungsergänzungsmittel (2) oder diätetische Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke (1) erhältlich. Einen Arzneimittelstatus haben die vorgenannten Produkte nicht und daher darf in der Bewerbung auch nicht von einer Linderung oder Heilung gesprochen werden, was bei Diabetes mellitus ohnehin wenig zielführend wäre. Zimt-Präparate für Diabetiker enthalten in der Regel cumarinfreie Zimtextrakte aus Cassia-Zimt, deren Gehalt an oligomeren Zimt-Catechine standardisiert ist. Zudem enthalten manche Präparate Mikronähstoffe (wie beispielsweise Chrom oder Zink). angereichert. Wissenschaftlich ist durch verschiedene Studien gesichert, dass Zimt den Blutzucker von Typ 2 Diabetikern senken kann. Die von US-amerikanischen und pakistanischen Wissenschaftler in der renommierten Zeitschrift Diabetes Care publizierte Studie zeigt sensationelle Ergebnisse (13). Den Studienergebnissen des Beltsville Human Nutrition Research Centers zufolge senkt ein in Zimt vorhandener sekundärer Pflanzenstoff (Zimt-Catechine oder Methylhydroxy-Chalcone Polymer) den Blutzuckerspiegel. An der randomisierten placebokontrollierten doppelblinden Studie nahmen 60 Typ 2 Diabetiker mit einem Durchschnittsalter von 52 Jahren teil, die in sechs Gruppen eingeteilt wurden. 30 Probanden erhielten 40 Tage lang ein, drei oder sechs Gramm Zimt in Kapselform, die anderen 30 Probanden erhielten ein Placebopräparat. Laut Studienergebnissen nahm die Blutzuckerkonzentration um 18 bis 29 Prozent ab. Nach Beendigung der Studie stiegen die Blutzuckerwerte wieder an. Weiterhin konnten die Wissenschaftler günstige Auswirkungen auf die Blutfettwerte der Probanden feststellen. Eine Vielzahl weiterer Studien konnten die Ergebnisse bestätigen.

Gibt es Health Claims, die sich auch an Diabetiker richten?

Während Medikamente für spezielle Indikationen zugelassen werden, ist das bei Lebensmitteln und Nahrungsinhaltsstoffen wie Zink natürlich anders. Und natürlich sind Werbeaussagen nicht ohne Nachweis erlaubt. Inzwischen sind aber viele Mikronährstoffe oder Lebensmittel von der EFSA überprüft und es wurden sogenannte Health Claims vergeben (3), beispielsweise:

Arabinoxylan: Reduktion der postprandialen Blutzuckersteigerung (glykämischen Antwort) Beta-Glukane: Reduktion der postprandialen Blutzuckersteigerung (glykämischen Antwort) Hydroxypropyl Methylcellulose (HPMC): Reduktion der postprandialen Blutzuckersteigerung (glykämischen Antwort)

Alpha-Cyclodextrin: Reduktion der postprandialen Blutzuckersteigerung (glykämischen Antwort) Pektin: Reduktion der postprandialen Blutzuckersteigerung (glykämischen Antwort) Resistente Stärke: Reduktion der postprandialen Blutzuckersteigerung (glykämischen Antwort)

Chrom: Aufrechterhaltung normaler Blutzuckerspiegel Zink: Beitrag zur normalen Kohlenhydratstoffwechsels

Insgesamt sind für 10 Nahrungsinhaltsstoffe oder Lebensmittel Health Claims vergeben. Diese können auf Verpackungen abgedruckt werden und sind wissenschaftlich begründet. Sinnvoll erscheint eine Ballaststoffanreicherung bei Diabetikern, um die Blutzuckersteigerung nach Mahlzeiten mit dem Glukosetyp zu verlangsamen. Es könnte beispielsweise Pektin in Fruchtjoghurt, Pudding oder Rote Grütze gegeben werden. Zudem könnten Getränke wie Obstsaft mit bestimmten Ballaststoffen angereichert werden. In den USA ist die Einnahme von Produkten, die die Spurenelemente Zink und/oder Chrom enthalten, sehr häufig. In Deutschland gibt es in Apotheken oder Drogerien deutlich weniger Produktvielfalt. Die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit autorisierten Health Claims rechtfertigen durchaus die Empfehlung an Diabetiker Chrom und Zink zu substituieren. Die Rolle der Spurenelemente in der Insulinsynthese und -speicherung ist zweifelsfrei belegt und zudem ist bei Diabetikern oft eine gesteigerte Zinkurie festzustellen, die zu einer Verarmung führen kann. Ähnliche Effekte gelten auch für Chrom (4, 5, 6, 7, 10, 11). Sinnvoll erscheint bei Diabetiker eine langfristige Mikronähstoffsubstitutionstherapie mit 10 bis 25 Milligramm Zink in Form von Zinkhistidin und 200 bis 300 Mikrogramm Chrom als Chrom-III-Chlorid (7, 8).

Wissenschaftliche Ansätze einer Zink-/Chrom-Substitutionstherapie bei Typ 1 und Typ 2 Diabetes mellitus (nach 9, 10, 11)

Blutglucosespiegel-Senkung [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und Erhöhung der Insulinwirkung[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Wirkungsansätze einer Zink- / Chromgabe bei Typ 1- und Typ 2- Diabetikern

Typ 1 Typ 2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zusammenfassung:

Mit Hilfe von antidiabetischen und blutzuckerspiegelreduzierenden Lebensmitteln und/oder Nahrungsinhaltsstoffen ist es möglich, dem Diabetes mellitus Typ 2 vorzubeugen. Alternativ kann eine schon bestehende Erkrankung gelindert und die Diabetes-Behandlung von Typ 1 und von Typ 2 Diabetikern unterstützt werden. Durch ihre Zusammensetzung können beispielsweise Äpfel (Pektin), Zimt (Catechine) oder Ballaststoffkonzentrate und Spurenelemente wie Zink und Chrom ein Bestandteil der adjuvanten Diabetestherapie sein.

Autor:

Sven-David Müller, Master of Science in Applied Nutritional Medicine (Angewandte Ernährungsmedizin) Staatlich anerkannter Diätassistent und Diabetesberater der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)

1. Vorsitzender des Deutschen Kompetenzzentrum Gesundheitsförderung und Diätetik e.V.

Heinersdorfer Straße 38 12209 Berlin-Lichterfelde

www.svendavidmueller.de www.dkgd.de

sdm@svendavidmueller.de

Literatur/Quellen:

Diätetik und Ernährungsberatung, Hrsg. Eva Lückerath und Sven-David Müller, Haug Verlag Stuttgart, 2014

Berufs- und Beratungspraxis für Diätassistenten und Ernährungswissenschaftler, Hrsg. SvenDavid Müller und Kathrin Pfefferkorn, Mainz Verlag Aachen, 2015

Zimt gegen Zucker, Müller, Sven-David, Mainz Verlag, Aachen

Diabetes natürlich behandeln, Müller, Sven-David, Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover

Die 50 besten Blutzuckerkiller, Müller, Sven-David, Trias Verlag, Stuttgart

(1) http://www.bvl.bund.de/DE/01_Lebensmittel/04_AntragstellerUnternehmen/02_Dia etetischeLM/03_DiaetLM_MedizinZwecke/lm_diaet_medizin_node.html, 28. Oktober 2015, 16.00 Uhr

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Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Nahrungsergänzung für Diabetiker
Untertitel
Können Diabetiker von der Einnahme von Zink, Zinkhistidin, Chrom, Zimt und anderen Mikronährstoffen profitieren?
Note
1
Autor
Jahr
2015
Seiten
6
Katalognummer
V346634
ISBN (eBook)
9783668362024
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zink, Zinkhistidin, Sven-David Müller, Diätassistent, Chrom, Diabetes mellitus, Zuckerkrankheit, Ernährung, Diätetik, Zimt
Arbeit zitieren
Sven-David Müller (Autor), 2015, Nahrungsergänzung für Diabetiker, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346634

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