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Der Körper zwischen Täuschung und Wahrheit. Eine Untersuchung des "Tristan" von Gottfried von Straßburg

Title: Der Körper zwischen Täuschung und Wahrheit. Eine Untersuchung des "Tristan" von Gottfried von Straßburg

Term Paper (Advanced seminar) , 1998 , 19 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Barbora Sramkova (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Die Geschichte von Tristan und Isolde ist zweifellos eine der bewegendsten Liebesgeschichten, die das Abendland je hervorgebracht hat. Auch wenn sie heute gewiss anders rezipiert wird als zur Zeit ihres Entstehens, fasziniert die Geschichte allein schon durch die Intensität der Gefühle, die die beiden Protagonisten füreinander hegen. Das innere Leben der Hauptfiguren soll im Mittelpunkt der folgenden Arbeit stehen, und zwar unter dem Gesichtspunkt, wie es auf der nonverbalen Ebene der Körpersprache zum Ausdruck gebracht wird. Zwar kommt in dem Roman dem Wort, dem gesprochenen und dem gedachten, eine prominente Rolle zu, nichtsdestoweniger sollte die Sprache des Körpers nicht unbeachtet bleiben. In der vorwiegend schriftlosen Gesellschaft stellte die Sprache des Körpers eine wichtige Form der Sinnvermittlung dar. Die moderne Auffassung des Körpers als Text ist durchaus auf das Gebaren der Romanfiguren anzuwenden. Das Bewusstsein um das äußere Aussehen, um die körperliche Präsenz und um die Signale des Körpers war in der Epoche der höfischen Kultur sehr stark. Das öffentliche Leben war einem festen Gebärdenkodex unterworfen, wie es in dem Roman z.B. an der Reglementierung des Turniers, der Gerichtsszenen oder der Schwertleitezu sehen ist. Das höfische Zeremoniell war auch für das Privatleben bestimmend, und so unterlag auch die Körpersprache, die die Regungen des inneren Lebens ausdrückt, vielfachen Regulierungen. Davon legen die zahlreichen Anweisungen über Anstandsregeln ein Zeugnis ab, darunter Thomasin von Zerklaeres Der Wälsche Gast, um nur ein prominentes Beispiel zu nennen. Eine zentrale Rolle in dieser Problematik spielt die mâze als Maßstab des höfischen Benehmens. Darin lebt das antike ideal der modestia, das Aristoteles in seiner Rhetorik hervorhebt, fort.

In Tristan wird die mâze ebenso oft beachtet wie verletzt. Wird sie als ein erstrebenswertes Ideal oder eine verbindliche Norm gezeigt? Übt Gottfried bei der Darstellung des Abweichens von diesem Grundsatz eine Kritik aus? Wenn ja, ist es eine Kritik der Figuren oder der Norm? Das sind Fragen, die sich bei Behandlung dieses Themas zwangsweise stellen, auch wenn deren Beantwortung keineswegs unproblematisch ist, da sich Gottfried nicht eindeutig zu den Handlungen seiner Protagonisten äußert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Körpersprache

3. Der Körper als Text

4. Maß und Harmonie

5. Täuschung und Wahrheit

5.1 Die Wahrheit des Inneren

5.2 Täuschung und Betrug

5.3 Die innere Tugend

5.4 Manipulation der Gebärden

6. Das Auge in der höfischen Kommunikation

7. Der Zwang zur Selbstbeherrschung

8. Zusammenfassung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht das innere Leben der Protagonisten in Gottfried von Straßburgs "Tristan" unter dem spezifischen Aspekt der Körpersprache als nonverbales Ausdrucksmittel, welches in Spannung zu den höfischen Normen von Maß und Wahrheit steht.

  • Analyse der Körpersprache als Mittel der Sinnvermittlung in der höfischen Kultur.
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen höfischem Gebärdenkodex und individuellem Empfinden.
  • Dekonstruktion der "mâze" als Maßstab und ihr Stellenwert im Roman.
  • Erforschung der Thematik von Täuschung, Verstellung und der Wahrheit des Inneren.
  • Reflektion über die Rolle des Auges in der höfischen Kommunikation.

Auszug aus dem Buch

3. Der Körper als Text

Unsere Aufmerksamkeit soll zuerst der umfänglichen Auffassung der Körpersprache geschenkt werden. Dabei werden einige allgemeine Konzepte des höfischen Umgangs vorgestellt, die sich auch in der Gebärdensprache niederschlagen. Wenn wir uns mit der Wirkung des Körpers auf die Außenwelt befassen, können wir uns am Anfang die Frage stellen, wie die Figuren vor- und dargestellt werden. Dies passiert in der Regel durch eine direkte Beschreibung oder einen Bericht, sei es aus der Perspektive des Erzählers oder einer anderen Figur. Das auffallendste Beispiel einer Figurenbeschreibung ist der Auftritt der jungen Isolde auf dem Hoftag in Wexford (10889 - 11024). Es ist hier aber nicht das erste Mal die Rede von Isolde. Etliche Male zuvor wurde schon die Tochter Isolde, das vollkommene Mädchen (7168, 7716), die schöne Isolde (7973) erwähnt. Ausgiebig hat Gottfried von ihrer Ausbildung und ihren schönen Sitten berichtet (7974 - 8141); darauf folgt Tristans emphatische Beschreibung Isoldes, der künftigen Braut Markes (8253 - 8300). Erwartungsgemäß schwelgt Tristan in Superlativen, aber seine Worte preisen nur Isoldes Schönheit. Zwar wurde die makellose Schönheit als ein Spiegel der inneren Vollkommenheit betrachtet, aber warum erwähnt Tristan nichts von Isoldes geistigen Vorzügen, von denen es doch so viel zu berichten gibt? Unter der Aufsicht Tristans, der als der Spielmann Tantris auftritt, vervollkommnen sich nicht nur Isoldes musikalische Kunstfertigkeiten, sondern auch ihr Geist und Benehmen. Die Vermutung liegt nahe, dass es Tristan bewusst ist, Isoldes geistige Vortrefflichkeit wäre an Marke und den Angehörigen seines Hofes mehr oder weniger verloren. Im Laufe der Handlung wird gezeigt, dass Marke gewiss nicht zu den auserwählten edelen herzen gehört, von denen der Roman erzählt, und an die er sich wendet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie das innere Leben der Tristan-Figuren durch die nonverbale Ebene der Körpersprache ausgedrückt wird.

2. Körpersprache: Dieses Kapitel definiert Körpersprache sowohl als konkrete Gestik und Mimik als auch als abstraktes Zeichen der ganzen Person im höfischen Kontext.

3. Der Körper als Text: Hier wird analysiert, wie Figuren im Roman durch direkte Beschreibung und ihr äußeres Erscheinungsbild als "Text" gelesen werden.

4. Maß und Harmonie: Dieses Kapitel beleuchtet den höfischen Maßstab der "mâze" und den Anspruch an die äußere Harmonie von Erscheinung und Bewegung.

5. Täuschung und Wahrheit: Dieses Kapitel untersucht, wie innere Tugend und äußere Erscheinung in einen Konflikt geraten, der zu Täuschung und Verstellung zwingt.

6. Das Auge in der höfischen Kommunikation: Das Kapitel thematisiert die zentrale Rolle des Auges als Wegweiser zur Wahrheit oder als Instrument der Täuschung.

7. Der Zwang zur Selbstbeherrschung: Hier wird der Konflikt zwischen den heftigen, absoluten Gefühlen der Liebenden und dem höfischen Zwang zur Selbstdisziplin analysiert.

8. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert das Spannungsfeld zwischen absolutem Gefühl und der notwendigen Täuschung im höfischen Kontext.

Schlüsselwörter

Gottfried von Straßburg, Tristan, höfische Kultur, Körpersprache, mâze, Täuschung, Verstellung, höfische Kommunikation, Minne, Innere Tugend, Gebärdenkodex, Personenkenntnis, Symbolik, Literaturwissenschaft, Mittelalter.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht Gottfried von Straßburgs "Tristan" unter dem Fokus, wie das innere Gefühlsleben der Protagonisten durch nonverbale Kommunikation und Körpersprache sichtbar gemacht wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die höfische Etikette, das Konzept der "mâze" (Maß), die Dialektik von Erscheinung und Wesen sowie die Mechanismen von Täuschung und Verstellung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt danach, wie die Körpersprache als Ausdruck des inneren Lebens der Romanfiguren fungiert und inwiefern dabei die Einhaltung oder Verletzung höfischer Normen eine Kritik an diesen Normen selbst darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die auf Basis des Tristan-Fragments Argumente aus der Forschungsliteratur (wie z.B. zu höfischer Kultur und Personerkenntnis) integriert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Körperdarstellung, die Bedeutung der höfischen Norm "mâze", die Problematik von Täuschungs- und Betrugsszenarien sowie die Rolle des Blickkontakts in der Kommunikation.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Tristan, höfische Kultur, Körpersprache, mâze, Täuschung, Verstellung, Minne und die Korrespondenz von Innen und Außen.

Wie unterscheidet sich die Kommunikation zwischen Tristan und Isolde von der mit Isolde Weißhand?

Während die Kommunikation mit der blonden Isolde durch spontane, tiefgreifende Harmonie und Augenkontakt geprägt ist, basiert die Beziehung zu Isolde Weißhand auf Missverständnissen und Tristans irreführendem Gebaren.

Welche Funktion hat die Figur des Marke im Kontext der Täuschung?

Marke wird als jemand charakterisiert, dem die feine Unterscheidungsgabe für die "edelen herzen" fehlt, weshalb er anfällig für die Täuschungen der Liebenden bleibt.

Welche Rolle spielt die "mâze" im Umgang der Figuren miteinander?

Die "mâze" dient als verbindliche höfische Norm für angemessenes Benehmen, gegen die die Protagonisten jedoch oft verstoßen, da ihre Minne über die sozialen Gesetze hinausgeht.

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Details

Title
Der Körper zwischen Täuschung und Wahrheit. Eine Untersuchung des "Tristan" von Gottfried von Straßburg
College
Technical University of Berlin  (Institut für Deutsche Philologie)
Course
HS Gottfried von Straßburg: Tristan
Grade
1,3
Author
Barbora Sramkova (Author)
Publication Year
1998
Pages
19
Catalog Number
V34669
ISBN (eBook)
9783638348263
ISBN (Book)
9783656757870
Language
German
Tags
Körper Täuschung Wahrheit Gottfried von Straßburg Tristan
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Barbora Sramkova (Author), 1998, Der Körper zwischen Täuschung und Wahrheit. Eine Untersuchung des "Tristan" von Gottfried von Straßburg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34669
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