Chinas Engagement in Eurasien

Die Seidenstraßeninitiative zur Wiederbelebung des sinozentrischen Weltbildes


Seminararbeit, 2016
26 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1. 1 Fragestellung
1. 2 Forschungsstand

2 Das sinozentrische Weltbild und dessen Verlust
2. 1 Definition des Sinozentrismus
2. 2 Der Verlust des sinozentrischen Weltbildes

3 Xi Jinpings Seidenstraßeninitiative
3. 1 Die chinesischen Motive und Ziele
3. 2 Einordnung der Seidenstraßeninitiative in den gegenwärtigen Kontext chinesischer Außenpolitik

4 Wiederbelebung des sinozentrischen Weltbildes? - Ein Fazit

5 Anhang

6 Literatur- und Quellenverzeichnis
6. 1 Quellen
6. 2 Literatur
6. 3 Internetverweise
6. 4 Bildnachweis

1 Einleitung

1. 1 Fragestellung

Im Jahr 2013 stellte der Staatspräsident der Volksrepublik China (VRCh) Xi Jinping ein globales Wirtschafts- und Infrastrukturprojekt vor, das an die historische Seidenstraße erinnert - Die Seidenstraßeninitiative. Jene historische Seidenstraße ebnete bereits im 2. Jahrhundert vor Christus die Handelswege vom chinesischen Kaiserreich über Zentralasien bis zu den östlichen Ausläufern des damaligen Europas. Sie diente nicht nur dem Austausch von Waren, wie Gewürzen und Seide, sondern ebenso von Wissen und Kultur. So gelangten sowohl das Judentum und der Islam, als auch Kulturpflanzen und bis dato fremde Tiere nach Ostasien. Umgekehrt erreichte das Wissen um Schießpulver und die Nutzung von Papier den Orient und später Europa. Mit zunehmender Hochseeschifffahrt, verlagerte sich der Handel, der auf der Seidenstraße stattfand, auf die Weltmeere. Dies hatte die Vorteile, dass kostspielige Zwischenhändler, die auf dem Landweg bezahlt werden mussten, entfielen sowie die Karawanen nicht mehr territorialen Streitigkeiten zwischen unterschiedlichen Fürstentümern, König- und Kaiserreichen ausgesetzt waren. Diese Verlagerung der Handelswege hatte ein baldiges Ende der ursprünglichen Seidenstraße zur Folge. Insbesondere der chinesische Kaiser Zhu Qizhen trug einen erheblichen Anteil daran. So verbot er 1436 die chinesische Hochseeschifffahrt und ließ zunächst alle Schiffsbaupläne vernichten, ehe die komplette chinesische Hochseeflotte auf seinen Befehl hin zerstört wurde. China zog sich nahezu vollständig aus dem Weltgeschehen zurück, was unter anderem mit Folgendem begründet wurde: „Man habe alles selbst im Lande und könne von anderen Ländern nichts lernen, schließlich sei China das allmächtige und allwissende Reich der Mitte.“1 Diese Abschottung wollten die immer weiter erstarkenden europäischen Mächte, vor allem das britische Empire, nicht widerstandslos hinnehmen und fielen im 19. Jahrhundert in China ein und zwangen ihm Handelsbeziehungen auf. Diese als „Jahrhundert der Schande“ bezeichnete Epoche, riss China aus ihrem ideologischen Zentralismus und ließ es erkennen, dass es nicht die unangefochtene Weltmacht - das Reich der Mitte - ist. Mit der zu Beginn angesprochen Seidenstraßeninitiative versucht Xi Jinping diesen Status Chinas wieder herzustellen, sprich das „sinozentrische“ Weltbild wiederzubeleben. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dieser Frage, inwieweit die VRCh mit dem geplanten Infrastruktur- und Wirtschaftsprojekt das Wiederaufleben des Sinozentrismus forciert. Dazu soll zunächst versucht werden, eine Definition des Sinozentrismus zu geben, um im Anschluss, den Verlust der zentralen Stellung Chinas in der Welt historisch darzustellen. Nachfolgend wird explizit auf die neue Seidenstraße eingegangen, wobei hier Chinas Motive und Ziele sowie die chinesische Außenpolitik im aktuellen Kontext besprochen werden sollen. Abschließend wird versucht die eingehende Frage, ob der Wiederbelebung des Sinozentrismus mit Hilfe der Seidenstraßeninitiative, zu beantworten.

1. 2 Forschungsstand

Zu der Geschichte Chinas sind bis heute zahlreiche Monographien und Aufsatzbände erschienen, wobei sich diese Arbeit in historisch zu besprechenden Abschnitten auf das Werk des deutschen Historikers und Politikwissenschaftlers Thoralf Klein „Geschichte Chinas - Von 1800 bis zur Gegenwart“2 stützt, da dieses aufgrund seiner Aktualität als Standardwerk zu betrachten ist. In einigen Werken, die sich mit der Geschichte Chinas befassen, sind auch Abschnitte zum Sinozentrismus zu finden. So beispielsweise in „Selected Works on the Political History of Modern China“3 des japanischen Politikwissenschaftlers Eto Shinkichi, oder in „Das China der Kaiser - Die historischen Grundlagen des modernen China“4 vom britischen Sinologen Michael Loewe. Um auf die chinesische Intention der Seidenstraßeninitiative einzugehen wurde sich im Kapitel 3.1 dieser Arbeit eng an den Bericht der chinesischen Regierung „Visionen und Aktionen zum gemeinsamen Aufbau des Wirtschaftsgürtels entlang der Seidenstraße und der maritimen Seidenstraße des 21. Jahrhunderts“5 gehalten, in denen die Motive und Ziele eingehend dargelegt werden. Jedoch werden in diesem Bericht keine konkreten Handlungsweisungen angeboten, sondern lediglich der chinesische Wunsch des Vorhabens für die Seidenstraßeninitiative geäußert. Aufgrund der Aktualität der Thematik, existieren zur Seidenstraßeninitiative Xis noch keine Monographien, sondern lediglich Aufsätze. So sei an dieser Stelle der wissenschaftliche Mitarbeiter des Mercator Instituts for China Studies (merics) Moritz Rudolf genannt, der sich bereits intensiv mit „Ein Gürtel und eine Straße“ auseinandersetzte, so beispielsweise in seinem Aufsatz „Häfen, Bahnen, und Pipelines - China baut mit der neuen Seidenstraße auch seine Macht aus“, in dem er ohne Wertung die Seidenstraßeninitiative beleuchtet und auch auf die möglichen Folgen für den eurasischen Wirtschaftsraum eingeht, welche in Kapitel 3.2 dieser Arbeit besprochen werden sollen.6

2 Das sinozentrische Weltbild und dessen Verlust

2. 1 Definition des Sinozentrismus

Der Begriff „Sinozentrismus“ geht etymologisch auf die Begriffe „Sinologie“ und „Zentrismus“ zurück. „Sinologie“ beschreibt die Wissenschaft von der chinesischen Kultur und Sprache und stammt ursprünglich aus dem griechischen „Sinanthropus“, was sich mit „Pekingmensch“ übersetzen und sich dort wiederum laut Duden aus dem Begriff „Sínai“ für „Chinesen“ herleiten lässt.7 Der Sinozentrismus beschreibt somit die „Chinesen der Mitte/des Zentrums“. So war der Sinozentrismus das vorherrschende Selbstbild des chinesischen Kaiserreiches und seiner Bevölkerung bis zum Beginn des „Jahrhunderts der Schande“, welches in Kapitel 2.2 besprochen werden soll. China sah sich bis in das 19. Jahrhundert hinein als das Reich der Mitte und somit als Mittelpunkt der Welt:

„[…] in den Dekreten, die eine politische Linie vorschreiben, werden fremde Stämme und Völker in immer den gleichen abwertenden Ausdrücken beschrieben, die Verdacht, Misstrauen und Spott erwecken sollen. Es wird selbstverständlich vorausgesetzt, dass die vom Glück begünstigten Chinesen höhere sittliche Eigenschaften und geistige Gaben besitzen als alle andere Völker.“8

Und auch Eto Shinkichi lieferte eine Art Definition zum Sinozentrismus:

„The Han people regarded themselves as the origin of civilization, as the source of justice, faith and morality, demanding these from subjugated people. Those who could not be subjugated were looked down upon as people outside civilization.“9

Unbestreitbar ist, dass China seinen Nachbarn und Europa um Jahrhunderte voraus war. Dies betraf vor allem die Technik und die Wissenschaft. An dieser Stelle seien einige Beispiele genannt: Wie die Möglichkeit zur Herstellung von Eisen und deren späteren Veredelung zu Stahl. Europa, so der deutsche Journalist Wolfgang Hirn, erreichte dies erst 13 Jahrhunderte später, Mitte des 19. Jahrhunderts. Weiter entdeckten die Chinesen wenige Jahrhunderte nach Christus die Herstellung von Papier, entwickelten den Magnetkompass und fanden Anwendungen für Schwarzpulver.10 Jedoch bezog sich der Sinozentrismus nicht nur auf Europa. Auch die umliegenden Länder Asiens, insbesondere Ostasiens, wurden als unterwürfig angesehen. Mit benachbarten Fürstentümern und Königreichen etablierte sich eine Art Tributverhältnis, wobei Delegationen zum chinesischen Kaiser entsandt wurden, um seine Oberhoheit anzuerkennen. Lediglich Japan und Vietnam verweigerten sich diesem zeremoniellen Akt, wobei dennoch, bei gleichzeitiger Behauptung der politischen Eigenständigkeit, das chinesische Kulturmodell angenommen wurde.11

Laut Loewe stützte sich die selbstempfundene Überlegenheit der Chinesen gegenüber anderen Völkern nicht auf Kriterien der Rasse oder der Religion, sondern auf den „Grad der Zivilisiertheit.“12 Dies ist folgendermaßen zu erklären und stützt sich auf die Lehre des Konfuzianismus: Nach dem chinesischen Gelehrten und Philosophen Konfuzius regiert der Herrscher im Auftrag des Himmels. Der Himmel ist sowohl als moralische Instanz zu verstehen und sogleich als materielle Natur. Handelt der Herrscher nun nicht im „Sinne“ des Himmels und zum Wohle des chinesischen Volkes, erhält dieser als Reaktion auf sein unmoralisches Handeln eine Antwort aus dem Himmel in Form von Naturkatastrophen, wie beispielsweise Erdbeben oder Überschwemmung.13 Somit fungiert der Herrscher nicht als rein weltlicher Politiker, der sein Volk nur regiert, sondern die Beziehung des Herrschers zu seinem Volk ist gleichzusetzen, mit dem eines Vaters zu seinem Sohn, wobei der Vater ebenfalls immer zum Wohle des Sohnes erziehen soll.14 Aus diesem Gleichnis soll sich eine homogene chinesische Gesellschaft ergeben, die unter dem vom Himmel beauftragten Herrscher friedlich und harmonisch koexistiert und hierarchisch gegliedert ist. Der Glaube an die Einzigartigkeit des vom Himmel beauftragten Herrschers macht übrige Denkansätze überflüssig und unbrauchbar. So ist doch das Volk unter der mittelbaren Herrschaft des Himmels, als das einzig zivilisierte anzusehen. Übrige Völker, die sich nicht der Herrschaft des Himmels unterordnen, gelten daher als barbarisch und rückständig - als unzivilisiert. Jedoch konnten barbarische Völker durch Erziehung und Disziplin zivilisiert werden und sich somit unter den Schutz des Himmels stellen. Dahingehend waren dann auch die erwähnten Tributzahlungen an den chinesischen Herrscher zu leisten.15

Freilich ist eine solche Form des Sinozentrismus in der heutigen internationalen Politik undenkbar. China spielte bis zum 19. Jahrhundert die Rolle einer regionalen Ordnungs- wenn nicht sogar Großmacht in Ostasien. Jedoch wurde das sinozentrische Weltbild der Chinesen durch das Jahrhundert der Schande nachhaltig zerstört. Kein Staat Asiens käme heute auf die Idee, China als das Reich der Mitte zu betrachten, wenngleich die Volksrepublik in den letzten 30 Jahren die Rückkehr auf die internationale Bühne mit Bravour meisterte und heute von der globalen Staatengemeinschaft als unabdingbarer Partner in der Wirtschaft und der internationalen Sicherheitspolitik betrachtet wird. Des Weiteren gelang China der (erneute) Aufstieg zu einer Regionalmacht in Asien, wobei die Frage im Raum steht, ob China seine Macht in Asien durch die Seidenstraßeninitiative zu festigen und auszubauen gedenkt. Dieser Sachverhalt wird in Kapitel 3.2 besprochen.

2. 2 Der Verlust des sinozentrischen Weltbildes

Der Verlust des sinozentrischen Weltbildes begann um die Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Der chinesische Außenhandel beschränkte sich zu der Zeit lediglich auf den Hafen von Guangzhou, wobei exportierte chinesische Güter von den zumeist europäischen Händlern mit Silber, statt mit europäischen Fertigprodukten bezahlt werden sollten. Durch diese Praxis behielt China die größtmögliche Kontrolle über die Produkte, die es erreichte und verließ. Zudem ließ sich durch das Silber als Zahlungsmittel ein erheblicher Reichtum aufbauen. Groß Britannien und die USA versuchten durch Delegationen den chinesischen Kaiser zur Ausweitung der Handelsbeziehungen zu bewegen, welche dieser jedoch ablehnte. Als Folge dessen begannen Groß Britannien und die USA größere Mengen Opium nach China zu importieren, was wiederrum darin endete, dass sich ein erheblicher Teil der Bevölkerung der Drogensucht hingab. Aufgrund dieser Entwicklung, verbot die chinesische Führung 1821 die Einfuhr von Opium, welches jedoch durch illegalen Handel und korrupte chinesische Beamten ausgehöhlt wurde. Hinzu kam eine Silberknappheit, da durch die zunehmende Abhängigkeit der Bevölkerung, das (illegal) zu importierende Opium mit Silber bezahlt werden musste. Zudem waren Steuern ebenfalls mit Silber zu entrichten, welches die Bevölkerung jedoch nicht aufbringen konnte und somit die Einnahmen der chinesischen Staatskasse sanken. Die chinesische Regierung veranlasste die Vernichtung der Opiumvorräte in Guangzhou, was in einer Kriegserklärung Groß Britanniens an China endete und den ersten Opiumkrieg von 1839 bis 1842 zur Folge hatte. China unterlag den britischen Truppen und die Unterzeichnung des Vertrags von Nanjing, dem ersten „ungleichen Vertrag“, läutete das Jahrhundert der Schande ein, welches bis 1945 andauerte sollte. In dem Vertrag von Nanjing wurde die Abtretung der Hafenstadt Hongkongs an Groß Britannien sowie die Öffnung weiterer fünf chinesischer Häfen für den Außenhandel festgehalten.16

Aufgrund des Erfolges der Briten in China, sah sich Frankreich ebenfalls veranlasst, Kapital aus dem nun geschwächten China zu schlagen. Im zweiten Opiumkrieg von 1856 bis 1860 musste China eine weitere Niederlage gegen Groß Britannien und Frankreich verkraften und kam nun gänzlich zu der Erkenntnis, den europäischen Mächten nichts entgegensetzen zu können. Frankreich forderte nun ähnliche Konzessionen wie Groß Britannien, welche 1858 im Vertrag von Tianjin und 1860 im Vertrag von Peking festgehalten wurden. So beinhalteten diese die Öffnung weiterer 11 chinesischer Häfen für den Außenhandel, die Einrichtung ständiger diplomatischer Vertretungen in Peking, die komplette innerchinesische Reisefreiheit für Ausländer sowie die Konsulargerichtsbarkeit, welche Ausländer nicht der chinesischen, sondern der heimatlichen Gerichtsbarkeit unterstellte. China sah sich aufgrund der Ausweglosigkeit der Situation gezwungen, die Verträge anstandslos zu akzeptieren.17

Als reiche es nicht aus, dass bereits europäische Kolonialmächte China ihren Willen aufzwingen, so trat nun auch Japan auf den Plan und eroberte im ersten JapanischChinesischen Krieg 1894/95 Teile Chinas im Norden, die Halbinsel Korea sowie die Insel Taiwan. Das sinozentrische Weltbild schien endgültig zerstört - Ein asiatischer Nachbarstaat besiegt das Reich der Mitte. Aus dieser außenpolitischen Situation ergaben sich innenpolitische Probleme, da die Bevölkerung das Vertrauen in die kaiserliche Regierung verlor und Reformen für die kaiserliche Regierung forderte. Trotz angestoßener Reformmaßnahmen musste die Qing-Dynastie nach knapp 300 Jahren der Herrschaft im Februar 1912 abdanken und beendete somit die jahrtausendlange Geschichte des Chinas der Kaiser.18

Noch vor der Abdankung des chinesischen Kaisers wurde am 1. Januar 1912 die Republik China ausgerufen. Als Vater der neugegründeten Nation gilt der chinesische Berufsrevolutionär Sun Yat-sen, welcher zahlreiche Reisen in die USA und Europa unternahm, dort westliches Denken über den Staat kennenlernte und das Gewaltenteilungsmodell des französischen Staatstheoretikers Montesquieu weiterentwickelte. Dieses, um ein Prüfungs- und Kontrollorgan erweitertes, Modell sollte fortan als Regierungssystem der Republik China dienen, dessen erster Präsident Sun bis Februar 1912 war. Zudem gründete Sun die Nationale Volkspartei Chinas (auch Guomindang, GMD), welche jedoch bis in die 1920er Jahre nicht an der Regierung partizipierte, da China in den folgenden Jahren von innenpolitischen Problemen geprägt war. Einzelne Provinzen erkannten die Republik China nicht an und wurden von regionalen Warlords regiert, die zum Teil eigene Streitkräfte unterhielten. Hinzu kamen die Gängelungen der ausländischen Besatzer. Der GMD war klar, dass nur durch Einigung des chinesischen Volkes eine Befreiung von den ausländischen Besatzern möglich ist und so kam es zu Beginn der 1920er Jahre zur ersten Einheitsfront mit der 1921 gegründeten Kommunistischen Partei China (KPCh). Zunächst konnte die Einheitsfront auch Erfolge erzielen und einzelne Armeen der Warlords zurückdrängen, jedoch kam es aufgrund des neuen Führers der GMD Chiang Kai-shek, der nicht mit Kommunisten zusammenarbeiten wollte, zum Zerwürfnis mit der KPCh und die Einheitsfront wurde aufgelöst. Fortan wütete der chinesische Bürgerkrieg zwischen den Armeen der GMD und der KPCh.19

Bis 1937 lieferten sich beide Armeen gegenseitig Gefechte, wobei die Armee der KPCh eher auf Partisanentaktik setzte, um ihre Truppen zu schonen. 1937 erfolgte ein erneuter Angriff auf China durch das japanische Kaiserreich, welcher somit den Startpunkt für den zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg setzte. Die beiden verfeindeten Bürgerkriegsparteien verbündeten sich für die Dauer des Krieges erneut zur zweiten Einheitsfront. Während die GMD-Truppen ihre Kräfte vollständig gegen die japanische Aggression richteten, verfolgten die KPCh-Truppen weiterhin ihre Taktik der Überfälle und kleiner Scharmützel mit japanischen Truppen. Mao Zedong, welcher spätestens seit dem von ihm initiierten „Langen Marsch“ 1934/35 zum Parteiführer der KPCh aufstieg, verfolgte die Strategie, dem japanischen Feind nur das Nötigste entgegenzusetzen, um die Kräfte der Truppe für die Wiederaufnahme des Bürgerkrieges gegen die GMD zu schonen und zu stärken. So konnte mit Hilfe der USA und der Sowjetunion der zweite Japanisch-Chinesische Krieg 1945 beendet und der Bürgerkrieg wieder aufgenommen werden. Diesem unterlag die GMD und flüchtete 1949 mit 2.000.000 Anhänger Chiang Kai-sheks auf die Insel Taiwan, die nach der Kapitulation Japans wieder an die Republik China zurückgegeben wurde. Auf dem chinesischen Festland rief Mao Zedong die Volksrepublik China (VRC) aus und das Territorium der Republik China beschränkt sich seit dem auf die Insel Taiwan und einiger dem chinesischen Festland vorgelagerten Inseln.20 Der Konflikt zwischen der VRC und der Republik China um die Souveränität und Unabhängigkeit Taiwans vom chinesischen Festland bietet bis in die heutige Zeit Zündstoff für etwaige militärische Auseinandersetzungen. So beansprucht die VRC Taiwan als ihre Provinz und setzte mit dem Anti-Sezessionsgesetz aus dem Jahr 2005 ein Zeichen, im Falle der Proklamation der Unabhängigkeit seitens der Republik China, militärisch zu intervenieren.21

[...]


1 Hirn, Wolfgang: Herausforderung China - Wie der chinesische Aufstieg unser Leben verändert, Frankfurt am Main 2006, S. 19.

2 Klein, Thoralf: Geschichte Chinas - Von 1800 bis zur Gegenwart, Paderborn 2009.

3 Shinkichi, Eto: Selected Works on the Political History of Modern China, Tokyo 2004.

4 Loewe, Michael: Das China der Kaiser - Die historischen Grundlagen des modernen China, Wien 1966.

5 Regierung der Volksrepublik China: Visionen und Aktionen des Wirtschaftsgürtels entlang der Seidenstraße und der maritimen Seidenstraße des 21. Jahrhunderts, 2015, in: Onlinepräsenz der Botschaft der Volksrepublik China in der Bundesrepublik Deutschland, URL: http://www.china- botschaft.de/det/zt/yidaiyilude/t1253699.htm, Zugriff am 01.09.2016, Anmerkung: Die englischsprachige Version des Berichts ist unter folgendem Verweis nachzulesen: http://en.ndrc.gov.cn/newsrelease/201503/t20150330_669367.html, Zugriff am 01.09.2016.

6 Rudolf, Moritz: Häfen, Bahnen, und Pipelines - China baut mit der neuen Seidenstraße auch seine Macht aus, in: Internationale Politik, Mai/Juni 2015, S.102-107.

7 Duden, URL: http://www.duden.de/, Zugriff am 01.09.2016.

8 Loewe, S. 297.

9 Shinkichi, S. 11.

10 Hirn, S. 17.

11 Klein, S. 34.

12 Loewe, S. 298

13 Gu, Xuewu: Konfuzius zur Einführung, Hamburg 1999, S. 40ff.

14 Klein, S. 66.

15 Loewe, S. 299f.

16 Klein, S. 34ff.

17 Ebd., S. 36f.

18 Ebd., S. 44f.

19 Ebd., S. 45ff.

20 Ebd., S. 52ff.

21 Seit 1949 beanspruchen sowohl die Regierung der Volksrepublik China auf dem Festland, als auch die Regierung der Republik China auf Taiwan, die alleinige Vertretung des gesamtchinesischen Volkes zu sein. Die Republik China löste sich bis in die 1990er Jahre allmählich von diesem Anspruch und vereinbarte mit der Volksrepublik den „Konsenses von 1992“, wonach beide Staaten am Ein- China-Prinzip festhalten, jedoch beide eine unterschiedliche Interpretation dessen haben können. Auf Seiten der Volksrepublik steht eine „Rückführung Taiwans an das Mutterland“ außer Frage. In Taiwan wird am Status-quo festgehalten, womit eine Entscheidung über die Zukunft Taiwans

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Chinas Engagement in Eurasien
Untertitel
Die Seidenstraßeninitiative zur Wiederbelebung des sinozentrischen Weltbildes
Hochschule
Universität Rostock  (Institut fuer Politik- und Verwaltungswissenschaften)
Veranstaltung
Russland und seine Nachbarn – Hintergründe, aktuelle Entwicklungen und Konflikte im postsowjetischen Raum
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
26
Katalognummer
V346708
ISBN (eBook)
9783668361430
ISBN (Buch)
9783668361447
Dateigröße
784 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
chinas, engagement, eurasien, seidenstraßeninitiative, wiederbelebung, weltbildes
Arbeit zitieren
Jacob Bobzin (Autor), 2016, Chinas Engagement in Eurasien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346708

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