Zeit in der New Economy. Entwicklung neuer Arbeitszeitmodelle und die Konsequenzen für das Verständnis von Arbeitszeit und Freizeit für das Individuum


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Definition
a) Arbeitszeit
b) Freizeit

2. Arbeitszeitmodelle der New Economy
a) Teilzeitbeschäftigung (Arbeitszeit-Freizeit)
b) Job-Sharing
c) Telearbeit
d) Zeitarbeitsfirmen
e) Freie Mitarbeiter (free lancer)

3. Veränderungen in der Internet- und Medienbranche, die Einfluß auf das Verhältnis Arbeitszeit und Freizeit nehmen, anhand empirischen Datenmaterials

4. Zeitkonvergenz statt strikter Teilung von Arbeits- und Freizeit?

1. Einleitung

In den 1990er Jahren entwickelte sich die New Economy in rasantem Tempo. Mit ihr veränderte sich das Verständnis von Arbeit. Diese Veränderungen wurden für die Arbeitnehmer deutlich spürbar in der Wende vom Hype der New Economy zu ihrer schweren Krise im Jahr 2000, die bis dahin höchst profitable Unternehmen innerhalb kürzester Zeit in den Konkurs führte.

Unternehmer wie Arbeitnehmer nahmen in dieser Situation eine Umwertung von Arbeit vor: die Unternehmer im Zuge eines näherkommenden bedrohlichen Konkurses, die Arbeitnehmer hingegen im Zuge drohender Arbeitslosigkeit.

In vielen Bereichen des Arbeitslebens wurden Veränderungen zur Old Economy vorgenommen: Feste Arbeitsgruppen wurden aufgelöst und durch flexible Projektarbeit ersetzt. Die Arbeit verlor ihren festen Ort zugunsten eines ortsvariablen Arbeitens, das sich den Bedürfnissen und Wünschen des Kunden besser anpaßte. Feste Arbeitszeiten gehörten ebenso der Vergangenheit an. Wenn es sein mußte, wurde bis in die Nacht gearbeitet. Die Arbeitnehmer arbeiteten mit höchster Flexibilität, wie der Betrieb den Arbeitnehmer benötigte: das Wann, Wo Mit - wem und Wie - lange waren zur freien Disposition gestellt.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit Veränderung der Arbeitsorganisation in der New Economy, genauer mit der Entwicklung neuer Arbeitszeitmodelle in der New Economy und ihrer Veränderung im Zuge des Hypes und des Tiefs sowie mit ihren Konsequenzen für das Verhältnis von Arbeitszeit und Freizeit für das Individuum. Verändern die neuen Arbeitszeitmodelle das Verständnis von Arbeitszeit und Freizeit beim Individuum, so daß es zu einer Zeitkonvergenz kommt?

Zunächst wird eine Klärung der zentralen Termini vorgenommen.

Dann werden die neuen Arbeitszeitmodelle der New Economy genauer betrachtet und ihre Auswirkungen auf das Individuum. Im nächsten Kapitel werden empirische Erkenntnisse über die Entwicklung der Arbeitszeit in Internet - und Multimedia – Betrieben analysiert, die als Kernbereich der New Economy angesehen werden. Wie veränderten sich hier Arbeitszeiten? Dabei werden unterschiedliche Faktoren, die Einfluß auf die freie Zeit der Arbeitnehmer ausüben betrachtet.

Daran anschließend möchte ich einen kurzen gesamtgesellschaftlichen Ausblick versuchen: Wird Zeitkonvergenz das Lebensprinzip einer neuer Arbeitnehmergeneration?

1. Definition

a) Arbeitszeit

Arbeitszeit ist nach der Arbeitszeitordnung (AZO) als die Zeit definiert, die vom Beginn bis zum Ende der Arbeit ohne Ruhepausen andauert. Es handelt sich also um die Zeit, in der ein Arbeitnehmer dem Arbeitgeber zur Verfügung steht. Arbeitszeit stellt die Zeit der eigentlichen Arbeitsleistung dar. Sie wird in der Regel entweder auf den Arbeitstag oder die Arbeitswoche (z.B. 37, 5 -Stunden - Woche) bezogen[1].

Im weiteren wird allerdings von einer weiteren Diskussion ausgegangen: unter Arbeitszeit soll die gesamte arbeitsgebundene Zeit verstanden werden, die sich zusammensetzt aus den Wegzeiten von und zur Arbeitsstätte, aus den reinen Tätigkeitszeiten, den Pausenzeiten und Zeiten für berufliche Fort - und Weiterbildung.

Während der Industrialisierung betrug die Arbeitszeit eines Arbeitnehmers bis zu 14 Stunden oder sie war sogar unbeschränkt. Bei Eintritt der Massenarbeitslosigkeit am Ende des 19. Jahrhunderts stellte die Arbeitszeitregelung die Möglichkeit dar, neue Arbeitsplätze zu schaffen, so daß die Arbeitszeit auf 11 - 12 Stunden am Tag festgelegt wurde. Ab 1918 wurde sie auf 8 Stunden pro Arbeitstag begrenzt. Auf der einen Seite entstanden so neue Arbeitsplätze, auf der anderen Seite kam es jedoch zu einer Intensivierung der Arbeit[2].

b) Freizeit

Freizeit stellt die Zeit dar, die frei ist von Erwerbsarbeiten oder berufsähnlichen Tätigkeiten (Hausarbeit, Hausaufgaben), von der Befriedigung notwendiger biologischer Bedürfnisse (Schlaf, Ernährung, Hygiene) und von obligatorischen Beschäftigungen mit Verpflichtungscharakter im familiären und sozialen Bereich (z.B. Kinderbetreuung oder Kontaktpflege)[3].

Freizeit wird also als Dispositionszeit verstanden, die frei ist von physiologischen Grundbedürfnissen oder ökonomischen, sozialen und normativen Zwängen. In dieser Zeit bleiben Wahlmöglichkeiten, Entscheidungskompetenzen und Eigeninitiativen für den einzelnen offen[4].

Subjektiv erlebt das Individuum Freizeit als „freie Zeit“, wenn sie frei ist von Verpflichtungen und Zwängen, so daß der einzelne frei und freiwillig darüber verfügen kann[5]. Freizeit gestattet dem Individuum einen höheren Grad an Individualisierung. Sie wird als Zeit der Selbstverwirklichung wahrgenommen[6]. Freizeit kann jedoch negativ empfunden werden, wenn das Individuum zuviel davon hat, beispielsweise durch Arbeitslosigkeit, dann wird ihre Unproduktivität als unerträglich empfunden.

Ein Faktor ist in allen Bereichen der Freizeit festzustellen: eine bestimmte Lockerung der Affektkontrolle[7]. Sie öffnet gesellschaftliche und individuelle Handlungsspielräume mit deutlich mehr Freiheitsgraden, als es sie in allen anderen Lebensbereichen gibt. Diese Freiheit ist allerdings relativ und nicht beliebig, d.h. auch die Freizeit gestaltet sich durchaus in sozial kontrollierter Form.

Über die Freizeit können die Individuen also „freier verfügen“, als über andere Bereiche ihrer Lebenszeit[8]. Völlige Freiheit besteht dabei jedoch nicht. Freie Zeit ist nicht gleichzusetzen mit verhaltensbeliebiger Zeit, da Freizeit auch in unterschiedliche Freiheitsgrade eingeteilt werden muß, die sich durch Indikatoren wie Orte, Anlässe, Kontakte, zur verfügungstehendes Kapital bestimmen. Jedoch ist Freizeit, als ein Zeitabschnitt gekennzeichnet, der durch relativ hohe Zeitautonomie gekennzeichnet.

Der Begriff „Freizeit“ kam erstmals um 1880 auf und somit in einem Zuge mit der Industrialisierung. Hier erfolgte eine Trennung von Arbeitsraum und Wohnraum, der Arbeitszeit von der Zeit, die zum Leben und zur Wiedergewinnung der Arbeitskraft notwendig war.

Freizeit wird oftmals im Kontrast zur Arbeitszeit gesehen und wird im Vergleich als „Emanzipation von der Totalität der Berufsrolle, vom Existenzminimum und vom Milieu als lebenslangem Schicksal“[9] und als Chance sich der Selbstentfremdung durch spezialisierte Arbeit, zumindest für einen Zeitraum zu entziehen und der Selbstverwirklichung Raum zu geben[10]. So fühlen sich 82 Prozent der Bundesbürger in der Freizeit „frei“ und unabhängig, aber nur 36 Prozent im Beruf[11].

2. Neue Arbeitszeitmodelle

a) Teilzeitbeschäftigung

Bei einer Teilzeitbeschäftigung muß der Arbeitnehmer eine geringere Arbeitszeit im Vergleich zu den Vollzeitarbeitskräften einer Firma leisten[12]. 1998 waren allein in Westdeutschland 5.181.000 Arbeitnehmer teilzeitbeschäftigt[13]. Dies entspricht 20 % an der Gesamtzahl der abhängig Beschäftigten. Auffällig erscheint dabei, daß 40 % aller erwerbstätigen Frauen einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen, wohingegen die männliche Teizeitquote bei 4,5 % liegt[14]. Interessant ist zudem, daß die Arbeitslosenquote bei Teilzeitbeschäftigten überdurchschnittlich groß ist.

Für den Arbeitnehmer kann Teilzeitarbeit positiv bewertet werden, insbesondere wenn Kinder vorhanden sind, die von den Eltern begleitet werden sollen. Eine „ reduzeite Erwerbsarbeitszeit kann neue Spielräume für Freizeit und Sozialzeit und eine Umverteilung der Familienarbeit schaffen“[15]. Teilzeit eignet sich im Fall eines Zweitverdieners in der Familie. Dies stimmt auch mit den Ergebnissen zu Arbeitszeitpräferenzen überein: Frauen im Alter zwischen 25 und 45 Jahren streben im Durchschnitt eine Arbeitszeit von 28 Wochenstunden an, also ein Teilzeitarbeitsverhältnis[16]. Dahingegen streben alleinerziehende Mütter und Frauen aus unteren Lohngruppen in der Regel Normalarbeitsverhältnisse zur eigenständigen Sicherung ihres Unterhaltes an, da hier keine rationale Entscheidung zwischen Lohn oder mehr Familien- oder Lebenszeit zu fällen ist, sondern die Existenzsicherung vorrangiges Ziel ist[17]. Insgesamt hat der Reallohnverlust der vergangenen Jahr den Wunsch nach Teilzeitarbeit tendenziell gesenkt[18].

[...]


[1] Fuchs; Klima; Lautmann: Lexikon zur Soziologie, Bd 1.

[2] Schäfer: Grundbegriffe der Soziologie S. 25 - 30.

[3] Schäfer, Bernd: Grundbegriffe der Soziologie. 7. Auflage, Opladen 2001.

[4] OPASCHOWSKI, Horst: Freizeit als gesellschaftliche Aufgabe. Konzepte und Modelle. Düsseldorf 1976.

[5] Brockhaus

[6] Andrae 1970.

[7] Elias, Norbert: 1971, S. 27ff.

[8] von Hentig 1977

[9] Giesecke, 1968

[10] Küng 1966

[11] OPASCHOWSKI, Horst: Einführung in die Freizeitwissenschaft. Opladen 1997, S. 30f.

[12] Weidinger/Göbel, S. 10 ff.

[13] RITTERSHOFER, Werner: Das Lexikon Wirtschaft Arbeit Umwelt Europa. Frankfurt 1994, S. 532 f. (Im folgenden zitiert als: RITTERSHOFER, W.: Das Lexikon Wirtschaft Arbeit Umwelt Europa.)

[14] AUTH, Diana: Wandel im Schneckentempo. Arbeitszeitpolitik und Geschlechtergleichheit im deutschen Wohlfahrtsstaat. Opladen 2002, S. 73. (Im folgenden zitiert als Auth, D: Wandel im Schneckentempo.)

[15] GARHAMMER, Manfred: Sozialverträgliche Arbeitszeiten. Soziologische Überlegungen und Ergebnisse der Zeitbudgetforschung. In: Büssing, André et al.: Sozialverträgliche Arbeitszeitgestaltung. München 1995, S. 58. (Im folgenden zitiert als Garhammer, M.: Sozialverträgliche Arbeitszeiten.)

Garhammer, M.: Sozialverträgliche Arbeitszeiten, S. 58.

[16] Auth, D: Wandel im Schneckentempo, S. 77.

[17] Garhammer, M.: Sozialverträgliche Arbeitszeiten, S. 57.

[18] Ebenda.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Zeit in der New Economy. Entwicklung neuer Arbeitszeitmodelle und die Konsequenzen für das Verständnis von Arbeitszeit und Freizeit für das Individuum
Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen  (Soziologie)
Veranstaltung
HS: New economy (Mayer-Ahuya)
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V34675
ISBN (eBook)
9783638348300
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Leitfrage: Verändern neue Arbeitszeitmodelle das Verständnis von Arbeits- und Freizeit beim Individuu, so dass es zu einer Zeitkonvergenz kommt?
Schlagworte
Zeit, Economy, Entwicklung, Arbeitszeitmodelle, Konsequenzen, Verständnis, Arbeitszeit, Freizeit, Individuum
Arbeit zitieren
Mariette Köster (Autor:in), 2003, Zeit in der New Economy. Entwicklung neuer Arbeitszeitmodelle und die Konsequenzen für das Verständnis von Arbeitszeit und Freizeit für das Individuum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34675

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