Kunst als Selbstdarstellung? Die Rolin-Madonna des Jan van Eyck

"Zur Rechten Gottes...“


Hausarbeit, 2013

11 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bildbeschreibung und Interpretation

3. Die Rolle des Kanzlers Rolin im Bild
3. 1 Selbstdarstellung Rolins im Gemälde

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

„Nicolas Rolin hat nicht nur Schlösser gebaut und seine Wohnhäuser in Autun und Dijon vergrößert und verschönt, sondern er verwendete auch einen erheblichen Teil seines Vermögens für Kunstgegenstände und fromme Stiftungen.“[1]

Der Kanzler Nicolas Rolin war einer der größten Politiker seiner Zeit. Er war ruhmreich, fleißig und intelligent. Als Vertrauter und Diplomat des Herzogs Philipp des Guten hatte er viel Einfluss gewonnen.[2] Neben den Kindern, die er aus seinen drei Ehen hat, weisen einige Quellen auch etliche Bastarde auf. Trotzdem scheint aus dem Gemälde „Madonna des Kanzlers Nicolas Rolin“ von Jan van Eyck ein tiefer Glaube und große Gottesfürchtigkeit zu sprechen. Doch wie passt das mit dem Charakter und dem Werdegang des Kanzlers zusammen? Ist er wohlmöglich der fromme Mensch, als der er durch die lange Stiftungsarbeit wirkt. Oder war seine „Religionspraxis {tatsächlich rein äußerlich}“[3], wie andere Quellen es beschreiben?

2. Bildbeschreibung und Interpretation

Jan van Eyck, Madonna des Kanzlers Nicolas Rolin,

um 1435, Öl auf Holz, 66 x 62 cm, Louvre, Paris.[4]

Die „Madonna des Kanzlers Nicolas Rolin“, oder auch Rolin-Madonna, wurde vom flämischen Maler des Spätmittelalters Jan van Eyck um 1435 mit Öl auf Eichenholz angefertigt. Das Bild misst 66 x 62 cm und hängt seit 1800 im Musée du Louvre in Paris. Zu sehen sind in einer Art Palasthof rechts sitzend Madonna mit dem Jesuskind auf ihrem Schoß und einem Engel über ihrem Kopf und links der kniend betende Kanzler Nicolas Rolin. Aufgrund dessen und wegen des Titels scheint der dargestellte Kanzler selbst der Auftraggeber dieses Bildes zu sein. Der Hintergrund wird durch das Panorama einer unbekannten Stadt gebildet, durch die sich ein Fluss schlängelt. Auf einer Art Balkon hinter dem Palast sind außerdem zwei Gestalten zu erkennen.

Da das Gemälde reich an Dynamik und Tiefenwirkung ist, wird eine Kompositionsskizze angeführt.[5]

Der vordere Bereich des Gemäldes zeigt eine Art Palastraum, der mit Säulen umgeben ist. Die Torbögen sind offen und ermöglichen daher einen weiten Blick in die Ferne und schaffen gleichzeitig die Illusion eines Lufterfüllten Raums voller Licht. Möglicherweise hat es gerade erst gedämmert, denn auf der ganzen Szenerie liegt ein besonderer Frieden und die blühenden Felder im Hintergrund wirken lebhaft frisch. Der Hof scheint sich durch die mathematisch genaue Perspektive in alle Seiten zu erstrecken und rechts und links kann man hinter Säulen weitere Kammern erahnen. Der Raum wirkt majestätisch ruhig und unbegrenzt ausgedehnt, was die breite, sich zu beiden Seiten ausdehnende, durch Treppen abgesetzte Terrasse vor dem ersten Raum, intensiviert. Zwischen den Säulen wird der Blick des Betrachters auf die ruhig daliegende Landschaft gelenkt. Unter dem hellen, wolkenlosen Himmel wird mit gedeckten Farben eine Stadt entworfen, die zwischen Bergen an einem Fluss liegt. Dem Betrachter wird kein Hinweis gegeben, um welche Stadt es sich handelt. Der breite, zum Horizont hin verblassende Fluss verstärkt die feierliche Ruhe, die das gesamte Gemälde ausmacht. Die Landschaft wirkt durch die detaillierte Darstellung fast greifbar und ist noch einzigartiger, ob der geringen Größe des Ölgemäldes. Jan van Eyck vermag es hier, auf kleinstem Raum ein Paradies zu schaffen, das in Dimension und Tiefe über das gegenständliche Objekt hinausgeht.

Auf der Terrasse befinden sich genau in der Bildmitte zwei Personen; eine steht mit dem Rücken zum Betrachter und die andere ist im Profil zu sehen. Diese trägt einen blauen Mantel und einen roten Turban. Die Kleidung lässt ihn wie einen Beamten dieses Hofes wirken.

Im Vordergrund ist links der Kanzler zu sehen. Er kniet auf einem Betpult und hat die Hände vor sich in einer typischen, betenden Geste aneinandergelegt. Vor ihm auf dem Pult liegt ein aufgeschlagenes Buch, das allerdings keine Anspielung auf den Inhalt zulässt. Rolin ist in einen braunen Mantel gekleidet, auf den goldene Muster gestickt sind, und die Bank vor ihm ist mit einem schweren dunkelblauen Stoff verhüllt. Sein Blick richtet sich konzentriert nach vorne in Richtung der Madonna mit ihrem Kind – zu denen er einen ehrwürdigen Abstand hält.

Madonna auf der rechten Seite ist mit einem weiten, blutroten Mantel mit reichlich verzierten goldenen Ornamenten am Saum umhüllt. Über ihrem Kopf schwebt ein ebenfalls in schönem Stoff gekleideter Engel mit regenbogenfarbenen Flügeln, der ihr eine verschnörkelte goldene Krone über das Haupt hält. Das verdeutlicht ihre Stellung als Gottesmutter. Auf dem Schoß der Maria sitz, fast in der Bildmitte, nach rechts in den goldenen Schnitt gerückt das Jesuskind. Die rechte Hand hebt es im Segensgestus nach vorne in Richtung des Kanzlers gestreckt und in der linken Hand hält es einen reich verzierten Reichsapfel. Diese Kostbarkeit unterstreicht die hohe, königliche Würde des Kindes, genau wie die Krone und der Engel es bei der Mutter tun. Während das zarte Gesicht der Madonna dem Boden entgegen geneigt ist, schaut das Jesuskind den Kardinal direkt an. Dennoch wird eine Verbindung zwischen Maria und Rolin geschaffen, denn ihre Köpfe befinden sich auf gleicher Höhe und werden im Hintergrund durch den Horizont verbunden.

Die Schwere der Stofflichkeit der Kleider aller Personen unterstreicht die Ruhe des Bildes, und auch die in warmen Tönen gehaltene Farbigkeit und das Fehlen jeglicher harter Kontraste unterstützt das harmonische Gesamtbild. Nur der Himmel steht mit den Säulen und Torbögen in einem Hell-Dunkel Kontrast, der die Szene aber nur noch strahlender und heller, aber auch überirdisch erscheinen lässt. Trotz der perfektionistisch genauen Grenzen des Raums, die die Perspektive einzigartig darstellen, wirkt die Kammer nicht hart oder verschlossen. Durch Es wird ein fließender Übergang zu der Terrasse gebildet, auf der Rosen und viele andere Blumen blühen.

Wie in der Kompositionsskizze eingeführt, ist das Gemälde reich an bedeutungstragenden Elementen, wie Dreiecken, welche die Dreifaltigkeit Gottes darstellen. Zusätzlich leiten die Rundungen der Torbögen den Blick des Betrachters nach unten in Richtung der Dargestellten. Auch hierdurch entsteht der Eindruck einer würdevollen Schwere.

Die gesamte Darstellung der Situation, des Zimmers voller Schönheit und Verzierungen, und der dahinter gelegenen detaillierten Landschaft erinnern an einen paradiesischen Ort, an dem sich die Heiligen den betenden Menschen ganz nah sind. Diese bildliche Thematik erinnert an das himmlische Jerusalem, an dem kein vermittelndes Element zwischen Gott und dem Menschen nötig ist.

[...]


[1] Herta-Florence Pridat: „Nicolas Rolin. 1376? – 1462. Kanzler von Burgund. Im Schrifttum von fünf Jahrhunderten.“ In: Schriften zur Europäischen Rechts- und Verfassungsgeschichte. Hg. Von Schulze, Prof. Dr. Reiner u.a.. Berlin 1995. S. 124.

[2] Siehe Ebd. S. 125.

[3] Ebd. S. 9.

[4] http://prometheus.unikoeln.de/pandora/image/show/bern14b69486d40c8e5638 8bd9b538488518dd407e0 14. Januar 2015.

[5] Siehe Abb. 2.

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Details

Titel
Kunst als Selbstdarstellung? Die Rolin-Madonna des Jan van Eyck
Untertitel
"Zur Rechten Gottes...“
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,0
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V346758
ISBN (eBook)
9783668360297
ISBN (Buch)
9783668360303
Dateigröße
854 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jan van Eyck, Madonna, Nicolas Rolin, Kunst, Selbst, Portrait, Porträt
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Kunst als Selbstdarstellung? Die Rolin-Madonna des Jan van Eyck, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346758

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