Das System der Komposition im Deutschen und Englischen. Ein Vergleich der deutschen und englischen Komposita


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016
15 Seiten, Note: 1,3
Caro Schlimbach (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hinführung zum Thema - Ein Überblick über die morphologischen Prozesse im Deutschen

3. Komposita der deutschen Sprache
3.1.Semantische Klassifikation
3.1.1. Determinativkompositum
3.1.2. Kopulativkompositum
3.2.Syntaktisch-Morphologische Klassifikation nach Wortarten

4. Morphologie im Englischen - Ein Überblick
4.1.Komposita der englischen Sprache im Vergleich zum Deutschen
4.1.1. Klassifikationen
4.1.2. Unterscheidung von Komposita und Wortverbindungen
4.1.3. Fugenelemente

5. Schluss - Gegenüberstellung der Komposition im Englischen und im Deutschen

1. Einleitung

Im folgenden Text werde ich mich mit einem der wichtigsten Muster der deutschen Wortbildung auseinandersetzen, nämlich der Komposition oder auch Zusammensetzung genannt. Die Komposition ist aber nicht nur in der deutschen Sprache ein häufig vorkommendes und sehr produktives Phänomen, sondern in allen germanischen Sprachen (Gaeta & Schlücker 2012, 1). Da ich zwei germanische Sprachen studiere, neben Germanistik auch Anglistik, möchte ich in dieser Hausarbeit zusätzlich auf die Komposita im Englischen eingehen und das englische System vor dem Hintergrund des deutschen beleuchten, um eventuelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu entdecken, zu beschreiben und zu reflektieren. Bevor ich mit dem eigentlichen Thema beginne, werde ich zunächst einen allgemeinen Überblick über die Wortbildung des Deutschen geben und einige Begriffe erläutern. Hierbei muss erst einmal unterschieden werden zwischen den morphologischen Prozessen der Wortbildung und der Flexion. Anschließend werde ich kurz die verschiedenen Prozesse der Wortbildung ansprechen und natürlich die einzelnen Arten der Komposita genauer erklären. Nachfolgend soll vor dem Hintergrund des Deutschen die Komposition im Englischen genauer beleuchtet werden. Zunächst werde ich das englische System der Morphologie und der Wortbildung genauer erklären, bevor ich zur Klassifikation der Komposita komme. Schlussendlich möchte ich auffällige Unterschiede und bedeutsame Gemeinsamkeiten zwischen der Komposition beider Sprachen noch einmal aufgreifen und besondere Phänomene beleuchten. Bei der Erarbeitung der allgemeinen Informationen über Komposita im Englischen und im Deutschen werde ich mich fast nur auf Fachliteratur beziehen, die die Grundlagen morphologischer Prozesse genau erläutert oder sich speziell mit der Wortbildung beschäftigt. Hierzu möchte ich vor allem Texte und Bücher verwenden, die sich schon während meiner bisherigen Studienzeit bewährt haben. Für weitere Analysen und Vergleiche werde ich auch Ansichten von Experten auf dem Gebiet der Wortbildung aufgreifen, um so eine umfassend informative und sachlich korrekte Arbeit anzufertigen. Natürlich kann nicht auf alle Punkte detailliert und haargenau eingegangen werden, jedoch wird man am Ende einen Überblick über die Komposition der deutschen und auch der englischen Sprache haben und grundlegende Unterschiede und Gemeinsamkeiten kennen. Alle Quellen werden angegeben und finden sich im angehängten Literaturverzeichnis, jedoch werde ich auch eigene Beispiele verwenden.

2. Hinführung zum Thema - Ein Überblick über die morphologischen Prozesse im Deutschen

Wortbildung ist „der Prozess der Bildung neuer Wörter, welcher der Erweiterung des Wortschatzes einer Sprache dient.“ Das heißt, die Wortbildung beschäftigt sich mit den Prozessen, bei denen aus der kleinsten bedeutungstragenden Einheit einer Sprache, nämlich den Morphemen, Wörter werden (Busch & Stenschke 2014, 94). Um das Prinzip der Wortbildung zu verstehen, ist es wichtig, sich zunächst die Grundlagen der Morphologie ins Gedächtnis zu rufen. Was Morpheme sind, wurde bereits erläutert, nämlich die Bausteine mit einer Bedeutung oder einer grammatischen Funktion, in die sich Wörter untergliedern. Jedoch gibt es einige Unterschiede zwischen den einzelnen Morphemen. Meist unterscheidet die Fachliteratur, so auch Linke, Nussbaumer und Portmann (2004, 67), zwischen freien und gebundenen Morphemen und zwischen lexikalischen und grammatischen Morphemen. Freie Morpheme sind solche, die als eigenständiges Wort auftreten können, wie beispielsweise „dunkel“ oder „wunder“. Gebundene Morpheme wie „bar“ oder „heit“ stehen nie alleine. Sie treten stets im Zusammenhang mit anderen Morphemen auf und bilden so Wörter wie „Dunkelheit“ oder „wunderbar“. Kommen wir nun zur Unterscheidung von lexikalischen und grammatischen Morphemen. Nach Linke, Nussbaumer und Portmann (2004, 67) zeichnen sich lexikalische Morpheme dadurch aus, dass sie eine eigene Bedeutung tragen und sich auf etwas Außersprachliches beziehen, zum Beispiel „Tasse“, „Baum“ oder „lieb“. Grammatische Morpheme hingegen tragen eine grammatische Bedeutung. Beispiele hierfür wären Wortendungen, die Kasus oder Numerus markieren, aber auch Adjektiv- oder Adverbendungen, wie „lich“ in „lieblich“. Meistens ist es so, dass lexikalische Morpheme frei sind und grammatische Morpheme gebunden. Allerdings gibt es auch Ausnahmen. Grammatische Morpheme, die gebunden sind heißen Affixe, die je nach Vorkommen im Wort unterteilt werden in Präfixe, die vorne stehen und Suffixe, die hinten stehen. Des Weiteren gibt es die Zirkumfixe, die ein anderes Morphem umschließen und die Infixe, die in ein anderes Morphem eingefügt sind. Beispiele für häufig vorkommende Affixe sind vor allem Präfixe wie „ver“, „an“ oder „um“, aber auch Flexionsaffixe, die meistens Suffixe sind.

Auf die Flexion möchte ich im Folgenden noch weiter eingehen. Jedoch ist das deutsche Flexionssystem sehr komplex, deshalb möchte ich vor allem auf die Unterschiede zwischen Flexion und Wortbildung eingehen. Weitere Erläuterungen würden hier vermutlich den Rahmen sprengen. Die Flexion dient, anders als die Wortbildung, nicht der Wortschatzerweiterung. Das bedeutet, durch sie wird kein neues Lexem, also der Teil in einem Wort, der die lexikalische Bedeutung trägt, gebildet, sondern viel mehr syntaktische Wortformen, also Wörter, die sich durch die Anfügung grammatischer Merkmale auf einander beziehen und sich so zum Beispiel in einen Satzzusammenhang eingliedern lassen. Als wichtigste Formen der Flexion sollten vor allem die Deklination und die Konjugation genannt werden. Bei der Deklination verändern Substantive, Pronomen, Adjektive und Artikel gemäß Genus, Kasus und Numerus ihre Form. Durch die Konjugation werden Verben nach Numerus, Tempus, Modus und nach der Person flektiert (Busch & Stenschke 2014, 110). Zum Beispiel kann durch Flexion „der große Mann“ (Nominativ, Singular) zu „der großen Männer“ (Genitiv, Plural) oder „er laufe“ zu „er liefe“ verändert werden. Abschließend können zwei entscheidende Unterschiede zwischen Flexion und Wortbildung festgehalten werden. Bei der Flexion wird nämlich nie die Wortart verändert, das bedeutet ein Adjektiv bleibt auch nach der Flexion ein Adjektiv. Außerdem wird durch den Flexionsvorgang eine Beziehung zwischen mehreren Lexemen sichtbar (Busch & Stenschke 2014,110).

Kommen wir aber nun zur Wortbildung. Wie schon vorher erwähnt, ist die Wortbildung der Vorgang, bei dem neue Wörter gebildet werden. Zu den wichtigsten Verfahren der Wortbildung zählen unter anderem die Entlehnung, bei der Wörter aus anderen Sprachen in den Wortschatz integriert werden und die Konversion, bei der es zu einem Wortartenwechsel kommt, ohne das etwas am Grundmorphem geändert wird. Dies geschieht zum Beispiel bei der Substantivierung, wenn aus einem Verb wie „treffen“ ein Substantiv wie „das Treffen wird“. Weitere Formen der Wortbildung sind die Ausdruckserweiterung und die Ausdruckskürzung. Wie der Name schon sagt, wird hier die Basis entweder erweitert oder verkürzt. Zur Ausdruckserweiterung gehört unter anderem die Derivation. Hier werden gebundene, also in der Regel grammatische Morpheme an freie, lexikalische Morpheme gehängt (Busch & Stenschke 2014, 94-107). Das bedeutet, ein neues Lexem wird durch Anhängen eines Affixes gebildet. Zum Beispiel wird aus dem freien, lexikalischen Morphem „treue“ und dem grammatischen und gebundenen Morphem „un“ das Wort „die Untreue“.

3. Komposita der deutschen Sprache

Nachdem die grundlegenden morphologischen Prozesse soweit behandelt wurden, liegt der Fokus nun voll und ganz auf dem eigentlichen Thema dieses Textes, nämlich der Komposition. Sie ist neben der Derivation der produktivste und am häufigsten vorkommende Prozess, um den Wortschatz einer Sprache zu erweitern. Im Gegensatz zur Derivation werden hier neue Wörter nicht durch das Anhängen eines grammatischen Affixes gebildet, sondern es werden in der Regel zwei oder mehr Lexeme, also Wörter, die auch für sich allein im Lexikon zu finden sind zusammengesetzt (Wellmann 1975, 21).

3.1. Semantische Klassifikation der Komposita

Meistens werden die deutschen Komposita nach semantischen Aspekten unterteilt, wobei zwischen Determinativkomposita und Kopulativkomposita unterschieden werden kann.

3.1.1. Determinativkomposita

Das (endozentrische) Determinativkompositum tritt am häufigsten auf. Ein klassisches Beispiel hierfür ist „der Fußball“. Der Fußball ist eine bestimmte Art von Ball, nämlich einer, der für das Spielen mit dem Fuß gedacht ist. An diesem Beispiel lässt sich gut erkennen, dass das erste Glied, auch Determinans genannt, das zweite Glied, das Determinatum, bestimmt. Das Erstglied, was in der Regel ein Substantiv, Adjektiv oder ein verbales Grundmorphem ist, bestimmt also die semantische Kategorie und das Zweitglied die Wortart und das Genus. Für Determinativkomposita gilt immer, dass „das AB ein B ist“ (Busch & Stenschke 2014, 95). Das bedeutet das Grundwort wird durch das erste Glied näher spezifiziert. Also ist ein Kirschbaum ein Baum, an dem Kirschen wachsen oder ein Fahrradhelm ein Helm, den man zum Fahrradfahren trägt. Manchmal ist es bei Determinativkomposita so, dass sie aus einer ganz bestimmten Situation heraus entstehen, das heißt für einen bestimmten Zweck gebildet werden, aber nicht lexikalisiert, also in den alltäglichen Sprachgebrauch aufgenommen werden.

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Details

Titel
Das System der Komposition im Deutschen und Englischen. Ein Vergleich der deutschen und englischen Komposita
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Linguistikseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V346767
ISBN (eBook)
9783668368538
ISBN (Buch)
9783668368545
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Germanistik, Anglistik, Wortbildung, Komposita, Komposition, Linguistik, Sprachwissenschaft, Flexion
Arbeit zitieren
Caro Schlimbach (Autor), 2016, Das System der Komposition im Deutschen und Englischen. Ein Vergleich der deutschen und englischen Komposita, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346767

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