Ein gemeinsames Merkmal großer Städte ist ihre Lage an einem größeren Fluß, sei es Wien an der Donau, Prag an der Moldau, Köln am Rhein oder Berlin an der Spree. Die Besiedlung einer günstigen Stelle an einem Wasserlauf bedeutete einige strategische Vorteile. Vor allem entwickelten sich diese Städte zu wichtigen Handelsknotenpunkten, da hier zumeist eine Brücke die ‚Verkehrswege’ beider Ufer verband. Gleichfalls dienten die Städte als Halte- und Umschlagspunkt für den Wasserverkehr. Das 19. Jahrhundert bedeutet in der Fluß- und Stadtentwicklung eine Zeit massivster Veränderungen. Der Beginn der Moderne, getragen durch neue soziale und politische Strukturen und durch revolutionäre technische Entwicklungen, die das wirtschaftliche und gleichzeitig das vorherrschende Wertegefüge nachhaltig veränderten, löste einen ungeahnten Wachstumsboom der Städte aus.
In der Beschreibung dieses Prozesses wird der Einfluß der Ströme aber auch der Einfluß der Städte auf die Flüsse oftmals marginalisiert oder ganz und gar vergessen. Dabei ist der oben genannte Siedlungsvorteil auch in dieser Epoche eine die Entwicklung beeinflußende Größe. Diese kann in zwei verschiedenen Dimensionen untersucht werden: einmal aus der Sicht des Flusses (Längsbebauung) und einmal aus der Sicht einer Stadt (Querbebauung). Diese Arbeit konzentriert sich auf die Querbebauung der Elbe aus der Sicht der Stadt Dresden in der zweiten Hälfte des 19. Jhd.. Dabei ist die Elbe aus städtebaulicher Sicht zu betrachten, sozusagen als Abschnitt der Stadt mit den typischen Eigenschaften und Wirkungen einer Wasserstraße.
Der Fluß wird in diesem Kontext verschiedenartig wahrgenommen. Der Fokus dieser Ausführungen liegt dabei in der Beantwortung der Frage, inwieweit die (relativ) naturnahe Flußlandschaft als ästhetischer Aspekt die Querbebauung beeinflußte. Vorab behandeln vier abstracts die für diese Zeit wichtigen Rahmenbedingungen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1 abstract – von der Residenzstadt zur bürgerlichen Metropole
1.2 abstract – die Entwicklung des Eisenbahnnetzes in Dresden
1.3 abstract – Industrialisierung in Dresden
1.4 Der Ausbau der Elbe zur Wasserstraße – eine Übersicht der Rahmendaten
2. HAUPTTEIL
2.1 Die Wahrnehmung der Elbe – der Fluß als integraler Bestandteil der Stadt
2.2 Der ästhetische Aspekt – Dresden, die bewahrte Stadt
2.2.1 Der Generalbauplan 1859-62 und die „Normierung der Elbe“
2.2.2 Das „Ortsstatut betreff der Industrieflächen“ von 1878
2.2.3 Die Bauordnung von 1905
3. ZUSAMMENFASSUNG
4. ANHANG
4.1 Genealogie der Elbebaumaßnahmen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die städtebauliche Entwicklung Dresdens im 19. Jahrhundert mit einem besonderen Fokus auf die Querbebauung der Elbe. Zentrales Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, inwieweit ästhetische Erwägungen und die Wahrnehmung der naturnahen Flusslandschaft die baulichen Entscheidungen der Stadtentwicklung beeinflussten und dabei halfen, die Elbufer vor einer unkontrollierten Bebauung zu bewahren.
- Städtebauliche Entwicklung Dresdens zwischen Residenzstadt und Industriemetropole
- Die Wahrnehmung des Flusses als Bereicherung, Hindernis, Gefahr und ästhetische Komponente
- Die Rolle zentraler Planungsinstrumente (Generalbauplan, Ortsstatut, Bauordnung)
- Konfliktlinien zwischen wirtschaftlichen Interessen der Industrie und ästhetischem Anspruch
- Einfluss des bürgerlichen Bewusstseins auf die Erhaltung des Stadtbildes
Auszug aus dem Buch
Die Wahrnehmung der Elbe – der Fluß als integraler Bestandteil der Stadt
Natürlich bedeutet diese Entwicklung auch Veränderungen für die Elbe. Fragt man nach den Gründen für diese baulichen Maßnahmen, ist es hilfreich, sich über das ‚Verhältnis’ der Stadt bzw. der Bürger zum Fluß klar zu werden. Die Elbe wurde unter folgenden Gesichtspunkten wahrgenommen: (1) als Bereicherung, (2) als Hindernis, (3) als Gefahr und (4) als ästhetische Komponente.
(1) die Elbe als Bereicherung
Hier ist natürlich zuerst ihre Funktion als Verkehrsweg zu nennen. Seit der Einführung der Dampfschiffahrt 1836, dem systematischen Ausbau des Flusses zur verkehrstüchtigen Wasserstraße (siehe Abschnitt 1.4) sowie den sich nach und nach ändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen (wie etwa Zollbestimmungen7) bedeutete die Elbe eine gute Möglichkeit für Personen- und Gütertransport (siehe Abbildung 6f, S. 39). In Verbindung mit der Eisenbahn entwickelte sich die Stadt im Laufe des 19. Jhd. zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt, ein wichtiger Fakt für Dresdens etwas späte, dafür dann aber intensive Entwicklung hin zur (Industrie-) Metropole.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung verortet das Thema im Kontext der städtebaulichen Entwicklung im 19. Jahrhundert und definiert die Forschungsfrage bezüglich des ästhetischen Einflusses auf die Elbbebauung.
2. HAUPTTEIL: Dieser Teil analysiert die verschiedenen Facetten der Elbwahrnehmung sowie die konkreten städtebaulichen Instrumente wie den Generalbauplan, das Ortsstatut und die Bauordnung, die maßgeblich zur Gestaltung beitrugen.
3. ZUSAMMENFASSUNG: Die Zusammenfassung resümiert, dass das Zusammenspiel aus zentraler Planung und bürgerlichem ästhetischen Bewusstsein eine übermäßige industrielle Nutzung der Elbufer verhinderte.
4. ANHANG: Der Anhang bietet eine detaillierte chronologische Übersicht der Elbebaumaßnahmen sowie ein ergänzendes Abbildungsverzeichnis.
Schlüsselwörter
Dresden, Stadtentwicklung, Elbe, Querbebauung, Industriemetropole, Städtebau, Ästhetik, Bauordnung, Ortsstatut, Generalbauplan, Elbauen, Hochwasserschutz, Residenzstadt, Industrieflächen, Stadtplanung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die städtebauliche Entwicklung Dresdens im 19. Jahrhundert mit einem Fokus auf den Umgang der Stadt mit der Elbe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen Industrialisierung, Stadtplanung, Hochwasserschutz und den Konflikt zwischen wirtschaftlichen Interessen und der Erhaltung des Stadtbildes.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Einfluss des ästhetischen Aspekts auf die Bebauung bzw. Nichtbebauung der Dresdner Elbabschnitte zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine historische Analyse städtebaulicher Entwicklungen auf Basis von Primärquellen, Archivmaterialien und zeitgenössischen Standardwerken durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Elbewahrnehmung, den Generalbauplan von 1859-62, das Industrieflächen-Statut von 1878 und die Bauordnung von 1905.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Dresden, Stadtentwicklung, Elbe, Städtebau, Ästhetik, Bauordnung und Industrialisierung sind die zentralen Begriffe.
Warum war das „Sonntag’sche Haus“ so bedeutend?
Der Bau dieses Wohnhauses auf den Elbwiesen löste Proteste aus, da er die wichtige Sichtbeziehung zwischen der Brühlschen Terrasse und den Elbhängen beeinträchtigte und somit den Schutz der Elbauen beschleunigte.
Was besagte die Bauordnung von 1905 konkret bezüglich der Elbe?
Sie schloss das Uferland der Elbe verbindlich von jeglicher Bebauung aus, sofern Hochufernormierungslinien vorhanden waren, und schützte zudem die Flutrinnen.
- Quote paper
- Bastian Wienrich (Author), 2004, Die Querbebauung der Elbe am Beispiel der Stadt Dresden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34682