Anorexia und Bulimia bei männlichen Jugendlichen in Deutschland


Hausarbeit, 2013

11 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlage
2.1. Schönheitsideal
2.2. Gestörte Körperwahrnehmung

3. Magersucht / Anorexia nervosa

4. Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht)

5. Risikogruppen und -faktoren von Bulimie und Anorexia bei Männern

6. Zusammenhang mit „Soziale rbeit“

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Verbreitung von Essstörungen nimmt bei Kinder und Jugendlichen in unserer Gesellschaft immer mehr zu. Die Ess-Krankheiten wie bspw. Anorexia nervosa (Magersucht) und Bulimia ner- vosa (Ess-Brech-Sucht)1 treten nicht nur bei Mädchen, sondern auch bei männlichen Jugendlichen immer häufiger auf. Junge Männersind heutzutage in unserer Gesellschaft genauso von dem Schlankheitskult konfrontiert wie junge Frauen.2 Dieses Problem ist jedoch den Eltern essgestör- ter Kinder meistens nicht nachvollziehbar. Sie können nicht verstehen, wieso ihre Kinder Angst vorm Zunehmen haben. Viele von ihnen ignorieren den Gewichtsverlust ihrer Kinder. Da in der Öffentlichkeit immer wieder diese Art der Krankheit als Frauenkrankheit bezeichnet wird und es kaum wissenschaftliche Veröffentlichungen zu diesem Problem bei den Männern gibt, ist es umso wichtiger, über Essstörungen bei männlichen Jugendlichen zu forschen.3

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich hauptsächlich mit zwei Arten von Essstörungen, Bulimia nervosa und Anorexia nervosa, bei männlichen Jugendlichen in Deutschland. Dabei werden die Hintergründe und Ursachen sowie die Folgen dieser Essstörungen beschrieben. Zudem wird auf den Zusammenhang den genannten Problemen mit der sozialen Arbeit näher eingegangen.

2. Grundlage

An dieser Stelle werden einige grundlegende Themen, die im engen Zusammenhang mit dem Hauptthema der vorliegenden Hausarbeit stehen, beschrieben.

2.1. Schönheitsideal

Das Schönheitsideal der Menschen hat sich im Laufe der Jahrhunderte enorm geändert. Die Figur von Venus, der römischen Göttin der Liebe und der Schönheit, mit Rundungen, welche vor 25000 Jahren für alle Frauen als Schönheitsideal galt, ist heutzutage kein Vorbild mehr definitiv out. Ein Schönheitsideal ist abhängig von vielen Variablen wie bspw. Kultur, Zeit oder Ort. Zurzeit werden Frauen mit Venusstatur eher als fettleibig und unattraktiv bezeichnet. Unser Körper zählt in den aktuellen Zeiten als Status- bzw. Erkennungssymbol, womit wir uns gerne präsentieren. An ihm werden viele Faktoren wie bspw. Alter, Geschlecht, Gesundheit, Beruf sogar soziale Schicht sicht- bar.4 In den letzten Jahrzehnten hat sich das körperliche Schönheitsideal stark verändert. Seit fast 30 Jahren gilt in der Gesellschaft Schlankheit gleich Schönheit. Mollige Menschen werden nicht mehr, wie noch vor dreißig Jahren, als gutmütig oder humorvoll angesehen, sondern eher als schwächlich, faul, unmännlich und unattraktiv. Dies sind Gründe dafür, dass sich Menschen heutzutage immer mehr mit Schönheitsthemen beschäftigt und sich mit Schönheitsidealen, wie Hollywoodstars, Supermodels oder Profisportler misst. Streben nach Schlankheit führt unter anderem zu gestörter Körperwahrnehmung sowie abnormalem Essverhalten. Diese Folgen sind Ursache von vielen Ess-Krankheiten bzw. Essstörungen wie bspw. Bulimia nervosa, Anorexia nervosa, Essphobie und Selektives- sowie Restriktives Essverhalten.5

2.2. Gestörte Körperwahrnehmung

Im Rahmen einer Studie zur Prävention von Essstörungen6 wurden 300 Jugendliche zwischen 10 und 13 Jahren zur Zufriedenheit mit ihrem Körper und Gewicht befragt. Das Ergebnis zeigt, dass jedes zweites Mädchen und jeder dritte Junge mit seinem Gewicht bzw. Körper unzufrieden ist. 70% der männlichen Befragten sind unter anderem mit ihren Muskeln unzufrieden. Diese extreme Körperunzufriedenheit unter den Jugendlichen, hat ihre Wurzeln in soziokulturellen sowie psycho- logischen Hintergründen. Dieses Problem hat jeweils unterschiedliche Folgen. Während die Unzu- friedenheit mit dem Gewicht zu einem gestörten Essverhalten führen kann, zieht die Unzufrie- denheit mit den Muskeln bei männlichen Judenglichen häufig zu einem extremen Muskelaufbau welcher jedoch im Gegensatz zur Gewichtsreduzierung nicht auffällig ist. Nach Lynch und Zellner (1999) wünschen sich über 80% der jungen erwachsenen Männer einen muskulöseren Körperbau. Sie versuchen durch unterschiedliche Methoden wie bspw. körperlich anstrengende Aktivitäten oder Konsum von bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln dieses Ziel zu erreichen. Dieser exzes- sive Muskelaufbau kann für die Betroffenen gesundheitsschädliche Folgen haben.7

Menschen mit Essstörungen wie Bulimia nervosa sowie Anorexia nervosa versuchen schlank zu werden. Eine Methode, die häufig zur Gewichtsreduzierung benutzt wird, ist Einhaltung spezieller Diäten. Bereits in Grundschulalter haben viele Kinder Erfahrungen mit Diäten, die häufig zu ge- störtem Essverhalten führen. Ca. 20% der weiblichen und 10% der männlichen Jugendlichen sind von diversen Essstörungen betroffen.8

In der POPS-Studie wurden Schüler der 7. Klasse (mit Durchschnittsalter 12,65 Jahre) untersucht. Dabei wurde ihr BMI9 gemessen. Der durchschnittliche BMI-Wert der weiblichen Schüler liegt bei 17,98. Bei Jungen ist dieser Wert 18,08. Zudem waren 17,64% der Mädchen und 14,4% der Jun- gen untergewichtig. Dieses Ergebnis macht deutlich, dass Untergewicht bei männlichen Jugendli- chen fast genauso häufig vorkommt wie bei weiblichen. Außerdem wurden die die Jugendlichen auch zu ihrer Körperzufriedenheit befragt. Das Ergebnis zeigt, dass dieses Problem kein Ge- schlecht-spezifisches Phänomen ist.10

3. Magersucht / Anorexia nervosa

Im Jahr 1845 schrieb Heinrich Hoffmann in seinem Buch „Struwwelpeter“ eine Geschichte über einen Jungen, der sich weigert seine Suppe zu essen und daher innerhalb von fünf Tagen verhun- gert͘ Diese Geschichte heißt „Suppenkasper“ und ist die wahrscheinlich älteste Geschichte über freiwillige Essenverweigerung - eine Krankheit, die heutzutage als Magersucht bezeichnet wird.

Die bekannteste Form der Ess-Krankheiten bzw. Essstörungen ist wahrscheinlich die Anorexia nervosa. Die wörtliche Übersetzung dieses Begriffs, „nervöser ppetitverlust“, stimmt nicht ganz, da die Personen mit Anorexia nervosa unter keinen wirklichen Appetitverlust leiden, sondern häufig mit ihren Appetitgefühlen kämpfen. Sie ignorieren absichtlich diese Gefühle und weigern sich ganz bewusst etwas zu essen.11

Bei den magersüchtigen Personen liegt das Körpergewicht mindestens 15 Prozent unter dem erwarteten altersentsprechenden Gewicht. Dies spricht einem BMI von 17,5. Die Betroffenen haben extreme Angst vorm Zunehmen und damit verbundenen Veränderungen der Figur. Diese Angst führt u.a. zu einer intensiven Nahrungsreduzierung, übertriebenen Sportaktivitäten und Verminderung der Selbstwertgefühle.12

Bei dieser Krankheit entwickelt sich bei den Patienten eine gestörte Körperwahrnehmung. Die Betroffenen halten sich auch mit Untergewicht für dick und unternehmen viele Maßnahmen ihr Körpergewicht zu reduzieren. Durch eine oder mehrere Diäten, extrem übertriebene Bewegungen versuchen diese essgestörten Personen noch dünner zu werden.13

Die geringe Nahrungsaufnahme hat viele negative Auswirkungen auf die Gesundheit der magersüchtigen Personen. Die gesundheitlichen Folgeschäden sind u.a. Absinken des Stoffwechsels, des Pulses, des Blutdrucks sowie der Körpertemperatur. Diese Veränderungen im Körper führen zu Frieren, Verstopfung sowie Müdigkeit. Außerdem können hormonelle Veränderungen auftreten, welche trockene Haut und brüchige Haare sowie Veränderung der Körperbehaarung verursachen können.14 Ein langjähriges Untergewicht bei Männern kann zur Reduktion von Sexualhormonen und sogar zum Verlust der Libido und der Potenz führen.15

Magersüchtige Personen sind normalerweise überdurchschnittlich intelligent und verfügen über ein hohes Verantwortungsbewusstsein.16 Auf der einen Seite sind die Betroffenen in der Pubertätszeit häufig in einer symbiotischen Beziehung zu ihren Müttern, auf der anderen Seite versuchen sie ihre eigene Autonomie zu gewinnen. Auf der Suche nach Anerkennung und Selbständigkeit durch Selbstbestimmung ihres Essverhaltens geraten sie jedoch in Magersucht.

Eine typische Ursache für Magersucht kann ein unstabiles Familienleben wie z.B. die Trennung der Eltern sein. Die Betroffenen leiden oft unter Identitätsstörungen und können sich nicht auf ihre Gefühle verlassen.17 Anorexia nervosa kommt in bestimmten Berufsgruppen der Männern wie bspw. bei Turnen, Tänzern, Models oder Skispringlern häufiger vor. In den genannten Bereichen spielen Körpergewicht oder Aussehen häufig eine große Rolle.18

[...]


1 siehe Kapitel 3 und 4

2 vgl. Valette 1990: S.13

3 vgl. Bryant-Waugh/Lasl 2008: S.9

4 vgl. Fütterer 2008: S.2

5 vgl. Höpfner 2010: S.21

6 POPS-Studie: Potsdamer Prävention von Essstörungen

7 vgl. Mohnke/Warschburger 2011: S.285-287

8 vgl. Mohnke/Warschburger 2011: S.286

9 Body Mass Index (Körpergewicht [kg] / (Körpergröße [m])²)

10 vgl. Mohnke/Warschburger 2011: S.288-289

11 vgl. Bryant-Waugh/Lasl 2008: S.25

12 vgl. Schlevogt 2002: S. 2-3

13 vgl. Gerlinghoff /Backmund 2011: S.21-22

14 vgl. BZgA: S.21

15 vgl.Bader2006: S.17

16 vlg. Höpfner 2010: S.4

17 vgl. BZgA: S.21

18 vlg. Höpfner 2010: S.5

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Anorexia und Bulimia bei männlichen Jugendlichen in Deutschland
Note
1.0
Autor
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V346862
ISBN (eBook)
9783668363335
ISBN (Buch)
9783668363342
Dateigröße
893 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anorexia, bulimia, jugendlichen, deutschland
Arbeit zitieren
Asefeh Balagar (Autor), 2013, Anorexia und Bulimia bei männlichen Jugendlichen in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346862

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