Die Diskussionen um die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) sorgen schon seit längerer Zeit für viel Aufregung in Unternehmen und Banken. Viele Unternehmen befürchten, dass sich ihre Finanzierungskosten durch die für die Kreditinstitute neuen Regelungen zur Eigenkapitalhinterlegung nachhaltig erhöhen werden. Außerdem wird eine stärkere Zurückhaltung der Kreditinstitute in der Kreditvergabepolitik erwartet.
Die Kreditinstitute werfen den Unternehmen vor, überwiegend schlechte wirtschaftliche Voraussetzungen für die Kreditaufnahme zu haben. Es wird ihnen immer wieder ihre sehr dünne Eigenkapitaldecke sowie eine unzureichende Ertragskraft vorgehalten. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern...
Große Unternehmen haben die Möglichkeit, am Kapitalmarkt durch die Ausgabe von neuen Aktien oder die Begebung von Anleihen günstig Kapital aufzunehmen. Dieser Weg bleibt dem überwiegenden Anteil der mittelständischen Unternehmen zur Kapitalaufnahme verschlossen. So bleiben nur die Kreditinstitute zur Kreditaufnahme. Aber woher sollen die Kredite kommen, wenn sich viele Banken aus dieser Finanzierung zurückziehen, weil sie befürchten, mit diesem Geschäftsbereich kein Geld verdienen zu können. Das Risiko, das hinter der Mittelstandsfinanzierung steckt, ist ihnen einfach zu hoch.
So bleiben die Fragen, ob die KMU überhaupt noch neue Kredite erhalten, die bestehenden Kredite nicht gekündigt werden, und zu welchen Zinskonditionen die Kredite eventuell ausgegeben werden. Um diese Frage aus Sicht der Unternehmen positiv beantworten zu können, ist der Unternehmer aufgefordert, sich auf das auf ihn zukommende Ratingverfahren vorzubereiten...
Im weiteren Verlauf dieser Diplomarbeit soll nun auf die Relevanz von internen und externen Ratings für mittelständische Unternehmen eingegangen werden. Außerdem soll ermittelt werden, welche Kriterien zur Kreditbewilligung der Kreditinstitute herangezogen, wie die individuelle Bonität im internen Rating ermittelt wird, ob ein externes Rating einer Ratingagentur KMU weiterbringen würde und welche Gewichtung die Banken den einzelnen Kriterien im Ratingprozess beimessen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Vorgehensweise
2 Rating und Ratingsysteme von deutschen Kreditinstitutionen
2.1 Ursprünge und Definition des Ratings
2.2 Überblick über Ratingverfahren
2.2.1 Ablauf von Ratingverfahren und deren Einfluss auf Kreditinstitute aufgrund von Basel II
2.2.2 Das interne Rating
2.2.3 Das externe Rating
2.3 Chancen und Risiken der Ratingverfahren
2.3.1 Beurteilung des internen Ratings
2.3.2 Beurteilung des externen Ratings
2.4 Mittelständische Unternehmen unter Berücksichtigung von Basel II
2.4.1 Definition Mittelstand
2.4.2 Bedeutung und derzeitige wirtschaftliche Situation des Mittelstandes
2.4.3 Konsequenzen für den Mittelstand
3 Empirische Untersuchung zur Analyse von Ratingsystemen und deren Einfluss auf kleine und mittelständische Unternehmen
3.1 Untersuchungsdesign und Fragestellung der Untersuchung
3.1.1 Problemstellung und Vorgehensweise
3.1.2 Umfang der Untersuchung
3.1.3 Entwicklung und Zusammenstellung des Fragebogens
3.1.4 Untersuchungsdurchführung und Auswertungsmethoden
3.2 Darstellung und Auswertung der Untersuchungsergebnisse aus der Befragung der Kreditinstitute
3.2.1 Darstellung der Ergebnisse der untersuchten Ratingkriterien
3.2.1.1 Allgemeine Daten zu den befragten Kreditinstituten
3.2.1.2 Allgemeine Daten zum Rating
3.2.1.3 Inhaltliche Aspekte beim Rating
3.2.2 Auswertung der Untersuchungsergebnisse
3.2.2.1 Auswirkung der Größe der Kreditinstitute auf die untersuchten Kriterien
3.2.2.2 Auswirkung der Institutsgruppe von Kreditinstituten auf die untersuchten Kriterien
3.2.3 Analyse der Ergebnisse
3.3 Schlussfolgerung aus den gewonnenen Untersuchungsergebnissen
3.4 Untersuchungsdesign und Darstellung einer empirischen Untersuchung bei Unternehmen
4 Einfluss von Ratingkriterien auf mittelständische Unternehmen und deren Optimierung mit besonderer Berücksichtigung des Mittelstandes
4.1 Einfluss von Ratingkriterien auf die Unternehmen
4.2 Möglichkeiten zur Verbesserung des Ratingurteils von Unternehmen
4.2.1 Kurzfristige Optimierung des Ratings
4.2.2 Langfristige Optimierung des Ratings
5 Interne Ratingsysteme deutscher Kreditinstitutionen als Chance für Kreditinstitute und kleine und mittelständische Unternehmen?
5.1 Blickwinkel der Kreditinstitute
5.2 Blickwinkel der Unternehmen
6 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) auf die Finanzierung kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) in Deutschland. Das Hauptziel besteht darin, die Relevanz interner und externer Ratings für diese Unternehmen zu analysieren, die bankseitig verwendeten Kriterien und deren Gewichtung zu bestimmen sowie Lösungswege aufzuzeigen, wie KMU ihr Ratingergebnis aktiv beeinflussen und ihre Kreditkonditionen langfristig optimieren können.
- Analyse der Ratingsysteme deutscher Kreditinstitute
- Einfluss von Basel II auf die Kreditvergabepolitik
- Untersuchung der bankinternen Ratingkriterien und deren Gewichtung
- Chancen und Risiken für den Mittelstand durch Ratingverfahren
- Strategien zur kurzfristigen und langfristigen Ratingoptimierung
Auszug aus dem Buch
2.1 Ursprünge und Definition des Ratings
„Alles begann mit der Eisenbahn“
Die Ursprünge des Ratings sind im Zusammenhang mit dem Bau der amerikanischen Eisenbahn Mitte des 19. Jahrhunderts zu finden. Zur damaligen Zeit konnten die kürzeren Bahnstrecken noch durch lokale Banken finanziert werden. Als jedoch der gesamte Kontinent vernetzt werden sollte, war die Finanzierung nicht mehr durch sie möglich. Durch Unternehmensanleihen aus dem In- und Ausland sollte der Kapitalbedarf gedeckt werden. Damals war es jedoch sehr schwer für die potenziellen internationalen Investoren der Bahngesellschaften, an vertrauenswürdige Informationen über die Kreditwürdigkeit der Bahngesellschaften zu kommen. Die damaligen Investoren wollten, genauso wie die heutigen Investoren, keinem Unbekannten, der auf einem sehr fernen Kontinent ein Schienennetz aufbaut, ihr Geld in den Rachen werfen.
So entstanden zur gleichen Zeit die ersten Kreditinformationsdienste, wie „Mercantile Agency“ 1841, gegründet von Lewis Tappan, und die ersten Wirtschafts- und Finanzzeitungen, wie „The American Railroad Journal“, 1832 gegründet, dessen Herausgeber Henry Varnum Poor (1812 – 1905) in der Zeit von 1849 bis 1862 war. Poor sammelte und veröffentlichte alle zur damaligen Zeit erhältlichen Informationen über die finanzielle Situation der besagten Eisenbahngesellschaften, die die ersten amerikanischen Großunternehmen darstellten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definiert die Problemstellung durch Basel II und beschreibt die Zielsetzung sowie die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2 Rating und Ratingsysteme von deutschen Kreditinstitutionen: Erläutert die historischen Ursprünge, die verschiedenen Verfahren (intern/extern) sowie die Chancen und Risiken von Ratings für KMU.
3 Empirische Untersuchung zur Analyse von Ratingsystemen und deren Einfluss auf kleine und mittelständische Unternehmen: Dokumentiert das Untersuchungsdesign, die Datenerhebung bei Kreditinstituten sowie die detaillierte Auswertung der bankinternen Ratingkriterien.
4 Einfluss von Ratingkriterien auf mittelständische Unternehmen und deren Optimierung mit besonderer Berücksichtigung des Mittelstandes: Analysiert den Einfluss der Kriterien auf die Unternehmensfinanzierung und präsentiert konkrete Ansätze zur kurz- und langfristigen Ratingoptimierung.
5 Interne Ratingsysteme deutscher Kreditinstitutionen als Chance für Kreditinstitute und kleine und mittelständische Unternehmen?: Reflektiert die gewonnenen Erkenntnisse aus der Perspektive beider Akteure und diskutiert Basel II als Chance zur Professionalisierung.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Fasst die Kernergebnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Bedeutung von Ratings im Mittelstand.
Schlüsselwörter
Basel II, Rating, Kreditinstitute, Mittelstand, KMU, Eigenkapitalvereinbarung, Bonität, Kreditwürdigkeit, Risikomanagement, Unternehmensfinanzierung, Ratingverfahren, interner Ratingprozess, Ratingkriterien, Unternehmensanalyse, Zinskonditionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ratingsysteme deutscher Kreditinstitute vor dem Hintergrund von Basel II und untersucht, wie sich diese auf die Finanzierung kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) auswirken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Anwendung von Ratingverfahren, die empirische Analyse bankinterner Kriterien sowie Strategien zur Optimierung des eigenen Ratings für Unternehmen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie mittelständische Unternehmer durch gezielte Vorbereitung und Transparenz ihr Ratingergebnis positiv beeinflussen und somit ihre Finanzierungskonditionen verbessern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt neben einer fundierten Literaturanalyse eine empirische Untersuchung in Form einer schriftlichen Befragung unter deutschen Kreditinstituten, deren Daten mittels SPSS ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Ergebnisse der Befragung detailliert dargestellt, Unterschiede zwischen verschiedenen Institutsgruppen (z.B. Kleinbanken vs. Großbanken) analysiert und Wege zur kurzfristigen sowie langfristigen Ratingoptimierung erläutert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind Basel II, Ratingprozess, Bonitätsbeurteilung, KMU-Finanzierung, interne/externe Ratings sowie die Bedeutung von Transparenz und Managementqualität.
Welche Rolle spielt die Bilanzsumme bei den Ergebnissen der Kreditinstitute?
Die Bilanzsumme dient als Kennzahl zur Einstufung der Größe der Banken, wobei untersucht wird, ob Unterschiede in der Gewichtung von Ratingkriterien auf die jeweilige Institutsgruppe oder deren Bilanzgröße zurückzuführen sind.
Warum wird im Rahmen der Arbeit keine direkte Unternehmensbefragung ausgewertet?
Aufgrund einer zu geringen Rücklaufquote bei der geplanten Unternehmensbefragung konnte diese nicht repräsentativ in die Diplomarbeit einbezogen werden, weshalb der Fokus primär auf der Auswertung der Kreditinstitut-Befragung liegt.
- Quote paper
- Dipl.-Betriebswirt Martin Rajmann (Author), 2004, Analyse von Ratingverfahren von deutschen Kreditinstitutionen und deren Einfluss auf kleine und mittelständische Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34688