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Das Doppelgängermotiv in der deutschen Romantik

Title: Das Doppelgängermotiv in der deutschen Romantik

Master's Thesis , 2012 , 91 Pages , Grade: 2.0

Autor:in: Master Minhui Zhu (Author)

Literature - Romance Literature
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Summary Excerpt Details

Der Doppelgänger ist ein altes Motiv und spielt bereits im Glauben der Naturvölker eine Rolle, indem sie sich die Seele als ihr zweites Ich vorstellen, dessen Trennung vom Körper den Tod des Individuums verursacht. Nach der deutschen Mythologie betritt jeder Mensch die Erde mit einem geistigen Doppelgänger, der ihn lebenslang begleitet und schützt.

In vielen Schöpfungsmythen ist der Mensch nach dem Ebenbild des Gottes als dessen Doppelgänger geschaffen, „was auch die Umkehrung zuläßt, daß der Mensch sich seine Götter als ideales Ebenbild seiner selbst erschafft und unerreichbar macht“.

Das Doppelgängermotiv hat auch in der Literatur eine lange Geschichte. Dieser Motivkomplex setzt mit der Zwillingskomödie ein, die den zentralen Bestandteil der antiken Lustspieltradition bildet. Die komische Verwechslung zweier Personen kennzeichnet die Handlungsstruktur dieses Komödientypus. Musterbeispiel dafür ist Plautus´ Komödie Menaechmi, deren Handlungsaufbau in der Folgezeit zum Fundament und Kompositionsprinzip vielfältiger Aktualisierungen geworden ist. Die täuschende Ähnlichkeit zweier Personen ist biologisch bedingt und daher objektiv vorgegeben.

Seit der Antike orientiert sich das Doppelgängermotiv in der Dichtung hauptsächlich an der physischen Ähnlichkeit zweier Personen. Erst in der deutschen Romantik erfährt das Doppelgängermotiv eine bedeutende Neubelebung und Umdeutung, die aus dem Verwechslungsmotiv hervorgeht und besonders in den Werken Jean Pauls und E. T. A. Hoffmanns ihren Niederschlag findet. Wenn die physische Identität Textgrundlage für ein komisches Verwirrspiel bildet, so wird das Doppelgängermotiv in der deutschen Romantik um die Komponente der Persönlichkeitsspaltung bereichert, das heißt der Doppelgänger und sein Prototyp in der Verwechslungskomödie haben Selbstständigkeit, sind mit sich selber identisch, während sie in der deutschen Romantik in einem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis stehen. Der Doppelgänger funktioniert nicht mehr als eine objektiv vorgegebene Person, die durch ihr identisches Aussehen die Verwechslung mit ihrem Prototyp verursacht, sondern als subjektiv erlebte Persönlichkeit, welche die Identität ihres Prototyps reflektiert. Der subjektiv erlebte Doppelgänger kann sowohl das Produkt der Phantasie oder Illusion seines Prototyps, als auch eine reale Person sein.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Die Entwicklungsgeschichte des Doppelgängermotivs

1.2 Definition des Doppelgängers in der Romantik

1.3 Forschungssituation des Doppelgängermotivs und Aufgabe der vorliegenden Arbeit

1.4 Vorgehensweise der Analyse

2. Psychologisches Doppelgängertum

2.1 Das Allgemeine des psychologischen Doppelgängertums

2.2 Die Elixiere des Teufels von E. T. A. Hoffmann: Doppelgänger als Dualismus von der guten und bösen Macht des Unbewussten

2.2.1 Kindheit als unbewusste Einheit von 'Gut und Böse'

2.2.2 Doppelgänger als Symbol des Zerfalls der Ganzheit der Persönlichkeit

2.2.3 Rückgewinn der Einheit der Persönlichkeit

2.3 Siebenkäs von Jean Paul: Doppelgänger als ergänzende Seele

3. Mythologisches Doppelgängertum

3.1 Das allgemeine des mythologischen Doppelgängertums

3.2 Die Abenteuer der Sylvester-Nacht von E. T. A. Hofmann: Doppelgänger als Dualismus des Philister- und Künster-Ich

3.2.1 Der Konflikt zwischen dem alltäglichen und idealen Ich

3.2.2 Das Spiegelmotiv

3.3 Prinzessin Brambilla von E. T. A. Hoffmann: Doppelgänger als Dualismus des realen und idealen Ich

3.3.1 Der Dualismus der Realwelt und Phantasiewelt in Hoffmanns Capriccio Prinzessin Brambilla

3.3.2 Doppelgänger als Konflikt des realen und idealen Ich

3.3.3 Humor zur Überwindung der Ich-Spaltung

4. Satirisches Doppelgängertum

4.1 Das Allgemeine des satirischen Doppelgängertums

4.2 Lebens-Ansichten des Katers Murr von E. T. A. Hoffmann: Der Kater Murr als satirischer Doppelgänger des Philisters

4.3 Nachricht von den neuesten Schicksalen des Hundes Berganza von E. T. A. Hoffmann: Der Hund Berganza als Doppelgänger des empfindenden Künstlers

5. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Doppelgängermotiv innerhalb der deutschen Romantik mit dem Ziel, das Motiv anhand spezifischer Darstellungsweisen in drei Kategorien (psychologisch, mythologisch, satirisch) zu unterteilen und deren jeweilige Funktion zu ergründen. Dabei steht die Analyse literarischer Primärtexte im Vordergrund, um aufzuzeigen, wie das Doppelgängertum die Spaltung oder Ganzheit der menschlichen Identität sowie das Verhältnis zwischen Unbewusstem und Bewusstem thematisiert.

  • Kategorisierung des Doppelgängermotivs in der Romantik
  • Psychologische Analyse bei E. T. A. Hoffmann und Jean Paul
  • Mythologische Ausprägung des Motivs als Spiegelung idealer und realer Welten
  • Satirische Funktion des Doppelgängers zur Philisterkritik
  • Verbindung von Identitätsspaltung, Unbewusstem und künstlerischem Genie

Auszug aus dem Buch

1.1 Die Entwicklungsgeschichte des Doppelgängermotivs

Der Doppelgänger ist ein altes Motiv und spielt bereits im Glauben der Naturvölker eine Rolle, indem sie sich die Seele als ihr zweites Ich vorstellen, dessen Trennung vom Körper den Tod des Individuums verursacht. Nach der deutschen Mythologie betritt jeder Mensch die Erde mit einem geistigen Doppelgänger, der ihn lebenslang begleitet und schützt: „Als ein feenartiges Wesen, weiblich und geflügelt gedacht, begleitete ihn dieser Geist von der Geburt bis zum Grabe, trat mit ihm ins Leben, starb mit ihm im Tode, warnte ihn in Gefahren sichtbar, oder flößte ihm ein gewisses vorahnendes Vermögen ein, wenn er in entscheidenden Momenten rathlos war und sich aussetzen wollte. [...]“

In vielen Schöpfungsmythen ist der Mensch nach dem Ebenbild des Gottes als dessen Doppelgänger geschaffen, „was auch die Umkehrung zuläßt, daß der Mensch sich seine Götter als ideales Ebenbild seiner selbst erschafft und unerreichbar macht“.

Das Doppelgängermotiv hat auch in der Literatur eine lange Geschichte. Dieser Motivkomplex setzt mit der Zwillingskomödie ein, die den zentralen Bestandteil der antiken Lustspieltradition bildet. Die komische Verwechslung zweier Personen kennzeichnet die Handlungsstruktur dieses Komödientypus. Musterbeispiel dafür ist Plautus’ Komödie Menaechmi, deren Handlungsaufbau in der Folgezeit zum Fundament und Kompositionsprinzip vielfältiger Aktualisierungen geworden ist. Die täuschende Ähnlichkeit zweier Personen ist biologisch bedingt und daher objektiv vorgegeben.

Seit der Antike orientiert sich das Doppelgängermotiv in der Dichtung hauptsächlich an der physischen Ähnlichkeit zweier Personen. Erst in der deutschen Romantik erfährt das Doppelgängermotiv eine bedeutende Neubelebung und Umdeutung, die aus dem Verwechslungsmotiv hervorgeht und besonders in den Werken Jean Pauls und E. T. A. Hoffmanns Niederschlag findet. Wenn die physische Identität Textgrundlage für ein komisches Verwirrspiel bildet, so wird das Doppelgängermotiv in der deutschen Romantik um die Komponente der Persönlichkeitsspaltung bereichert, das heißt der Doppelgänger und sein Prototyp in der Verwechslungskomödie haben Selbstständigkeit, sind mit sich selber identisch, während sie in der deutschen Romantik in einem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis stehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung des Doppelgängermotivs, definiert dessen Bedeutung in der Romantik und legt die methodische Vorgehensweise der Analyse fest.

2. Psychologisches Doppelgängertum: Hier wird das Doppelgängermotiv als Ausdruck psychologischer Prozesse analysiert, wobei insbesondere Hoffmanns Die Elixiere des Teufels und Jean Pauls Siebenkäs als Beispiele dienen.

3. Mythologisches Doppelgängertum: Dieser Teil betrachtet das Doppelgängertum als Mittel zur Darstellung des Dualismus zwischen der realen Welt und einer idealisierten Poesie-Welt, illustriert an Die Abenteuer der Sylvester-Nacht und Prinzessin Brambilla.

4. Satirisches Doppelgängertum: Das Kapitel untersucht die Verwendung von Tieren oder fantastischen Wesen als Doppelgänger zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Philistertum, analysiert anhand von Lebens-Ansichten des Katers Murr und Nachricht von den neuesten Schicksalen des Hundes Berganza.

5. Schluss: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Relevanz der Dreiteilung des Doppelgängermotivs zur tiefgreifenden literarischen Analyse.

Schlüsselwörter

Doppelgängermotiv, deutsche Romantik, Identitätsspaltung, Unbewusstes, E. T. A. Hoffmann, Jean Paul, Dualismus, Spiegelmotiv, Philistertum, künstlerisches Genie, psychologische Analyse, mythologische Darstellung, satirische Doppelgänger, Persönlichkeitszerfall, Realität und Phantasie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Doppelgängermotiv in der deutschen Romantik, indem sie es in drei Kategorien unterteilt: das psychologische, das mythologische und das satirische Doppelgängertum.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Identitätsspaltung, das Verhältnis von Mensch und Unbewusstem, die Abgrenzung von Realität und Phantasie sowie die Kritik am Philistertum durch literarische Doppelgängerfiguren.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, durch die Analyse ausgewählter Primärtexte zu zeigen, wie das Doppelgängermotiv in verschiedenen Kategorien als Instrument der Identitätsdarstellung und zur literarischen Reflexion romantischer Konzepte dient.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Analyse stützt sich auf die methodischen Ansätze der philosophischen Hermeneutik, wobei die literarischen Texte als Grundlage für die Untersuchung dienen, was diese „von sich aus zum Ausdruck bringen“.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei Kategorien: Psychologisches Doppelgängertum (Hoffmann, Jean Paul), mythologisches Doppelgängertum (Hoffmanns Capriccios) und satirisches Doppelgängertum (Hoffmanns tierische Protagonisten).

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die wichtigsten Begriffe sind Doppelgängermotiv, Identitätsspaltung, Romantik, Unbewusstes, Philisterkritik und Persönlichkeitszerfall.

Wie unterscheidet sich die Darstellung des Doppelgängers bei Jean Paul von der bei E. T. A. Hoffmann?

Während Hoffmanns Doppelgänger oft als Quelle der Angst und des Unbewussten auftreten, stellt Jean Paul in Siebenkäs Doppelgänger dar, die sich positiv als gegenseitig ergänzende Seelen präsentieren.

Welche Rolle spielt die Satire bei der Figur des Katers Murr?

Der Kater Murr dient als satirischer Doppelgänger, der durch die Übernahme menschlicher Eigenschaften und Bildung sowohl das Philistertum als auch das problematische Geniekonzept parodiert.

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Details

Title
Das Doppelgängermotiv in der deutschen Romantik
College
University of Tubingen
Course
Deutsche Literaturgeschichte
Grade
2.0
Author
Master Minhui Zhu (Author)
Publication Year
2012
Pages
91
Catalog Number
V346906
ISBN (eBook)
9783668365100
ISBN (Book)
9783668365117
Language
German
Tags
Doppergängermotiv deutsche Romantik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Master Minhui Zhu (Author), 2012, Das Doppelgängermotiv in der deutschen Romantik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346906
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