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Kann durch die anhaltende Niedrigzinsphase und eine mögliche Bargeldabschaffung eine Ausdehnung der Staatsverschuldung erleichtert werden?

Titel: Kann durch die anhaltende Niedrigzinsphase und eine mögliche Bargeldabschaffung eine Ausdehnung der Staatsverschuldung erleichtert werden?

Bachelorarbeit , 2016 , 52 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Sascha Braun (Autor:in)

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Achtundsiebzig Prozent der deutschen Staatspapiere bescheren den Gläubigern derzeit keine Rendite. Sie „rentieren“ negativ. Denn real, also unter Berücksichtigung der Inflation, sind bspw. die Renditen der Bundesanleihen für neunjährige Papiere auf bis zu -0,6 Prozent gesunken. Nicht nur für Banken, Versicherungen und Unternehmen, die auf Zinserträge aus sind, ist diese Kette an Hiobsbotschaften ein Desaster, sondern auch für jeden einzelnen Bürger. Sparen ist also keine Tugend mehr.

Natürlich sind auch die Ziele der Niedrigzinsstrategie allseits bekannt: Der Anreiz des Sparens soll ausgehebelt gar eliminiert werden, die Konsumlaune anregen, die Konjunktur beleben.

Jedoch rücken mit dieser Geldpolitik zwei weitere Aspekte ins Zentrum der Betrachtung. Zum einen, die Kompatibilität zwischen der „Minuswelt“ und einer Schuldenabbaudynamik Deutschlands, wieder einmal zu Gunsten des Finanzystems und zu Lasten des Sparers. Und zum Zweiten, die vielseitig diskutierte Annäherung zur Abschaffung des Bargelds. Denn mit dieser „Entmündigungsstrategie“ lassen sich weiter negative Zinsen durchsetzen um den keynesianischen Kerngedanken: der Staat müsse in Zeiten deflationärerer Tendenzen unbegrenzt in die freien Marktkräfte eingreifen, weiter zu verfolgen.

Ziel der Arbeit ist es, dezidiert unter ethisch-normativen Gesichtspunkten zu beleuchtet, ob aus der aktuell anhaltenden Niedrigzinsphase -verstärkt durch eine mögliche Bargeldabschaffung- eine Ausdehnung der Staatsverschuldung zukünftig erleichtert werden kann. Es soll kritisch hinterfragt werden, inwieweit die Europäische Zentralbank in das fiskalpolitische Gelände eingreift, sodass Zinsentlastungen womöglich erkauft werden und hieraus Umverteilungseffekte wirken.

Denn bei einer Entwicklung, welche mit Restriktionen von Bargeldgeldtransaktionen einhergeht, greift mitunter die Absicht, Druck auf die Bürger auszulösen um - in Zeiten ohne Bargeld - eine latente „Konsumverweigerungssteuer“ zu begünstigen.

Es werden mitunter Spielräume geschaffen um den Konsumenten transparenter zu machen, ihn letztlich flexibler Besteuern zu können und wenn es der Staatskasse dienlich ist, ihn schleichend zu enteignen. Es werden ganz bewusst Mechanismen in ein System injiziert, die als Nebenwirkungen grundlegende ideologische Prämissen verändern, und wir werden uns den politischen sowie ökonomischen Herausforderungen stellen müssen, die ein anderes Denkmuster und Handeln in einer von uns selbst geschaffenen Welt erfordern.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

1.1 Problemstellung

1.2 Thema und Ziel der Arbeit

2. Ursachen von Staatsschuldenkrisen

2.1 Monetäre Staatsfinanzierung

2.2 Der irrationale Glaube an stetigem Wachstum

3. Auswirkungen der Finanzkrise 2007 / 2008 auf die deutsche Staatsverschuldung

3.1 Deutscher Schuldenstand nach der Finanzkrise

3.2 Ordnungspolitische Rückbesinnung nach Walter Eucken

4. Theoretische Grundlagen

4.1 Entstehung des Geldes

4.2 Bedeutung des Geldes

4.2.1 Funktionen des Geldes

4.2.2 Tauschmittelfunktion des Geldes nach Ludwig von Mises

4.2.2.1 Unterfunktion als Recheneinheit

4.2.2.2 Unterfunktion als Wertaufbewahrungsmittel

4.2.3 Erscheinungsformen des Geldes

4.3 Der Zins

4.3.1 Bedeutung des Zins

4.3.2 Begründung des Zins nach Böhm-Bawerk

4.3.3 Begründung des Zins nach Ludwig von Mises

4.3.4 Die keynesianische Zinstheorie

4.3.5 Die Liquiditätsfalle nach Keynes

5. Optionale Risiken einer Bargeldabschaffung

5.1 Motive einer Bargeldabschaffung

5.2 Autonomieverlust

5.3 Schuldenschnitt statt Bargeldabschaffung

6. Ursache und Wirkung der Niedrigzinsphase auf die deutsche Staatsverschuldung

6.1 Primäres Ziel der Europäischen Zentralbank

6.2 Ursachen niedriger Leitzinsen

6.3 Niedrigzinspolitik drückt Zinslastquote

6.4 Sinkende Schuldenquote trotz steigender Staatsverschuldung

7. Einflussfaktoren, die eine Ausweitung der Staatsverschuldung durch die Niedrigzinsstrategie der EZB erleichtern - in Anlehnung einer zunehmenden Abkehr von Bargeld

7.1 Notwendige Reformen zur Sicherung staatlicher Einnahmen

7.2 Niedrigzinspolitik reduziert Reformdruck

7.3 Bargeldabschaffung aus volkswirtschaftlicher Sicht

8. Schlussbetrachtung

9. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Auswirkungen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank auf die deutsche Staatsverschuldung. Das primäre Ziel der Untersuchung ist es zu klären, welche Wirkungskanäle durch die Umverteilung niedriger Zinsen existieren und inwieweit diese – ergänzt durch eine potenzielle Bargeldabschaffung – eine Ausdehnung der Staatsverschuldung begünstigen können.

  • Analyse der Ursachen von Staatsschuldenkrisen und deren historischer Kontext.
  • Untersuchung der theoretischen Grundlagen von Geld, Zins und Liquidität.
  • Bewertung der Risiken einer Bargeldabschaffung in Bezug auf Autonomieverlust und Überwachungsaspekte.
  • Diskussion der Auswirkungen der Niedrigzinsphase auf die deutsche Staatsverschuldung und die damit verbundenen fiskalpolitischen Anreize.

Auszug aus dem Buch

4.3.3 Begründung des Zins nach Ludwig von Mises

Als einer der wichtigsten Vertreter der österreichischen Schule integrierte Ludwig von Mises (1881 – 1973) den Faktor Zeit in die Theorie des Zinses und knüpft an die Arbeiten von Knut Wicksells „originären Zins“ (1851 – 1926) an.74 Er erklärt darin, dass jedes Individuum gegenwärtige Güter höher schätzt als zukünftige Güter gleicher Art und Zahl.75 Ein bestimmtes Genussgut (Apfel = 1€) gegenwärtig zu besitzen, schätzt jedes Individuum höher ein als ein bestimmtes Genussgut (Apfel = 1€) in Zukunft zu besitzen. Aus dieser Beobachtung heraus kann es einem Individuum nicht egal sein, wann er konsumiert. Wenn dies so wäre, könnten sich Konsumenten zu keiner Zeit für eine Bedürfnisbefriedigung entscheiden.76 Der logischen Interpretationskette Ludwig von Mises zufolge, ergibt sich eine höhere Bewertung von gegenwärtigen Gütern gegenüber zukünftigen Gütern.77 In einer weiteren Betrachtung bedarf es einer Kompensation für den Aufschub jeglicher Bedürfnisbefriedigung. Setzt man eine tägliche Zeitpräferenzrate in Höhe von 20 Prozent an, errechnet sich daraus ( 1 / 1,2 = 0,833). Diesen „Preisabschlag“ bezeichnet Ludwig von Mises als den Urzins (natürlichen Zins). Er ist Bestandteil eines jeden Individuums, wodurch sich die „Logik des menschlichen Handelns“ erschließen lässt und zudem Ausdruck einer „Wertdifferenz“, der besagt, „dass der handelnde Mensch eine frühere Erreichung seiner Ziele einer späteren vorzieht“78

Unter der allgemeinen Theorie des Handelns (Praxeologie) ist die Zeitpräferenz und der Urzins stets positiv und kann weder heute noch zukünftig negativ oder null sein.79 Einer rein hypothetischen Annahme zufolge, der Urzins könne negativ werden, würde der Handelnde seine Bedürfnisse permanent in die Zukunft verschieben. Er würde quasi nie mehr konsumieren, sondern ausschließlich sparen. Und, in letzter Konsequenz, sich selbst vernichten.80

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Diese Einleitung beschreibt die Entwicklung der globalen Finanzkrise ab 2007 und deren Übergreifen auf Europa, was zu einer Phase unkonventioneller Geldpolitik und massiven Diskussionen über staatliche Verschuldung führte.

2. Ursachen von Staatsschuldenkrisen: Das Kapitel beleuchtet historische Beispiele für Staatsbankrotte und theoretische Erklärungen wie die monetäre Staatsfinanzierung und den irrationalen Glauben an stetiges Wachstum.

3. Auswirkungen der Finanzkrise 2007 / 2008 auf die deutsche Staatsverschuldung: Hier werden die realwirtschaftlichen Folgen der Finanzkrise auf Deutschland analysiert und der Ruf nach einer ordnungspolitischen Rückbesinnung im Sinne Walter Euckens diskutiert.

4. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert grundlegende ökonomische Konzepte, insbesondere die Entstehung und Bedeutung des Geldes sowie diverse Zinstheorien von Böhm-Bawerk bis hin zur keynesianischen Sichtweise.

5. Optionale Risiken einer Bargeldabschaffung: Es werden die Motive einer Bargeldabschaffung sowie damit verbundene Gefahren wie Autonomieverlust und Überwachung des gläsernen Konsumenten erörtert.

6. Ursache und Wirkung der Niedrigzinsphase auf die deutsche Staatsverschuldung: Das Kapitel untersucht die Zielsetzung der EZB, die Ursachen niedriger Leitzinsen und die paradoxe Entwicklung sinkender Zinslastquoten trotz steigender Staatsverschuldung.

7. Einflussfaktoren, die eine Ausweitung der Staatsverschuldung durch die Niedrigzinsstrategie der EZB erleichtern - in Anlehnung einer zunehmenden Abkehr von Bargeld: Hier wird der Reformdruck auf Staaten analysiert und diskutiert, wie niedrige Zinsen notwendige strukturelle Anpassungen verzögern könnten.

8. Schlussbetrachtung: Eine kritische Würdigung der Rettungsmaßnahmen in der Finanzkrise und die Notwendigkeit, privates Vermögen produktiv in die Realwirtschaft zu führen statt es lediglich durch Abgaben zu belasten.

9. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das Hinauszögern notwendiger Strukturreformen durch die Niedrigzinsphase die zukünftige Verschuldungslage eines Staates verschlechtern kann.

Schlüsselwörter

Staatsverschuldung, Niedrigzinspolitik, Finanzkrise, Bargeldabschaffung, EZB, Zinstheorie, Liquiditätsfalle, Finanzielle Repression, Haushaltskonsolidierung, Schuldenschnitt, Zeitpräferenz, Marktwirtschaft, Ordnungspolitik, Inflation, Realzins.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Niedrigzinspolitik der EZB auf die deutsche Staatsverschuldung und diskutiert, inwiefern eine mögliche Abschaffung des Bargelds in diesem Kontext als Instrument zur Staatsfinanzierung oder finanziellen Repression fungiert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Entwicklung der Staatsverschuldung nach der Finanzkrise 2007/2008, die geldpolitischen Maßnahmen der EZB, theoretische Zins- und Geldtheorien sowie die sozioökonomischen Risiken einer bargeldlosen Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, welche Wirkungskanäle durch die Umverteilung niedriger Zinsen aufgezeigt werden können und ob durch die anhaltende Niedrigzinsphase, ergänzt durch eine mögliche Bargeldabschaffung, eine Ausdehnung der Staatsverschuldung erleichtert wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die ökonomische Erkenntnisse (insbesondere der österreichischen Schule und keynesianische Ansätze) mit aktuellen Daten zur Staatsverschuldung und geldpolitischen Entscheidungen verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt theoretische Grundlagen zu Geld und Zins, die Ursachen von Finanzkrisen, die Folgen der EZB-Politik für den deutschen Haushalt sowie die kritische Abwägung der Argumente pro und contra einer Bargeldabschaffung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind insbesondere Staatsverschuldung, Niedrigzinspolitik, Bargeldabschaffung, finanzielle Repression und ordnungspolitische Prinzipien nach Walter Eucken.

Welchen Einfluss hat das niedrige Zinsumfeld konkret auf die deutsche Staatsverschuldung?

Das niedrige Zinsumfeld führt zu erheblichen Zinseinsparungen im deutschen Staatshaushalt, was kurzfristig die Schuldenquote sinken lässt, aber gleichzeitig den Anreiz für notwendige strukturelle Reformen reduziert.

Warum wird die Bargeldabschaffung von der Autorin kritisch gesehen?

Die Kritik basiert auf der Sorge, dass eine Bargeldabschaffung den Bürger zum „gläsernen Konsumenten“ macht, die persönliche Freiheit einschränkt und dem Staat ermöglicht, über negative Zinsen und Besteuerungsmechanismen direkten Zugriff auf das private Vermögen zu nehmen.

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Details

Titel
Kann durch die anhaltende Niedrigzinsphase und eine mögliche Bargeldabschaffung eine Ausdehnung der Staatsverschuldung erleichtert werden?
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Veranstaltung
Makroökonomie
Note
2,0
Autor
Sascha Braun (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
52
Katalognummer
V346927
ISBN (eBook)
9783668380486
ISBN (Buch)
9783668380493
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Niedrigzinsstrategie Bargeldabschaffung Staatsverschuldung Zinsen Geld Ludwig von Mises EZB Österreichische Ökonomie Finanzielle Repression Enteignung der Sparer Marktwirtschaftliche Ordnungspolitik Walter Eucken Hayek Urzins Negativzins Schuldenquote Expansive Fiskalpolitik Liquiditätsfalle nach Keynes
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GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sascha Braun (Autor:in), 2016, Kann durch die anhaltende Niedrigzinsphase und eine mögliche Bargeldabschaffung eine Ausdehnung der Staatsverschuldung erleichtert werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346927
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  52  Seiten
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