Der moralische Status des menschlichen Embryos in Peter Singers 'Praktische Ethik'


Bachelorarbeit, 2016

42 Seiten, Note: 1,0


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Inhalt

1 Einleitung

2 Singers "Praktische Ethik"
2.1 Singers Verortung in der normativen Ethik
2.2 Präferenzen
Gleichheit
2.3 Pathozentrismus
2.4 Personalität
2.5 Der Embryo / Fötus
Im Einzelnen
2.6 Embryonen im Labor

3 Kritische Würdigung einiger Aspekte
3.1 Präferenzen-Kalkül – konkret
Autonomie und Ratio
3.2 Personalität
Zukünftige oder gegenwärtige Präferenzen
3.3 SKIP-Argumente
Spezies
Kontinuität
Identität
Potenzialität
3.4 Ersetzbarkeit
3.5 Lebenswerte Zukunft
3.6 Embryo im Labor
Beziehungen
3.7 Gradualität

4 Schluss

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Zum 2015er Philosophie-Festival phil.COLOGNE war Peter Singer (Princeton und Melbourne) zu einem Vortrag über Veganismus eingeladen. Wegen "ernstzunehmende[r] Hinweise auf massive Störungen"[1] wurde der Philosoph kurzfristig wieder ausgeladen – gegen den Protest vieler Wissenschaftler. Vorausgegangen war ein Interview von Neue Zürcher Zeitung[2] mit Singer, in dem er seine bekannte These, dass die Tötung schwerst behinderter Neugeborener moralisch erlaubt sei, wiederholt hatte. Kaum ein anderer Philosoph wird mit seinen Aussagen in der breiten Öffentlichkeit so wahrgenommen wie Singer; kein anderer wird öffentlich so angefeindet, in Deutschland sogar niedergeschrien.[3]

In einer Zeit, in der die Pluralisierung der Gesellschaft auch die Auflösung des bisherigen Konsenses über moralische Normen zur Folge hatte, hat Singer in seinem Hauptwerk eine ethische Theorie propagiert, die einfach und zugleich umfassend auf die Probleme und Fragen der Zeit angewendet werden kann.[4] Aus der Anwendung dieser Theorie resultieren einige Thesen, die völlig kontrovers zur öffentlichen Meinung sind; darum wird in den Medien gern über ihn berichtet. Weil seine Argumentation so klar ist, versteht auch die breite Masse, was er meint. Seine Nuancierungen bleiben indes oft unbeachtet. In den Hintergrund treten auch seine Forderungen gegen Tierexperimente, gegen die industrielle Tierhaltung und für einen globalen Wohlstandsausgleich. Die tierethischen Verdienste Singers sind unbestritten.

Singer hält die Tötung von Embryonen und Föten für moralisch neutral bzw. erlaubt. Zu diesem Thema wird seit Jahrzehnten eine Debatte geführt, deren polare Positionen hauptsächlich um den Beginn des Lebens kreisen und nicht auflösbar scheinen. Diese Arbeit will Singers Theoriegrundlagen und seine Argumente zum Fetozid darstellen (Abschnitt 2) und einige davon auf ihre Konsistenz prüfen (Abschnitt 3). Das Anliegen zielt nicht darauf ab, Singers Theorie gegen die Vielzahl anderer Begründungssysteme zu testen, sondern Widersprüche und gewisse Schwachpunkte in seiner eigenen Argumentation aufzuspüren.

2 Singers "Praktische Ethik"

Peter A. D. Singer (*1946) ist ein australischer Ethiker, der sich selbst als Präferenz-Utilitarist bezeichnet. Sein Buch Practical Ethics [5] ist "die Skizze einer Auffassung [view] von Ethik, die der Vernunft [reason] eine wichtige Rolle in moralischen Entscheidungen zugesteht" (S. 33).

2.1 Singers Verortung in der normativen Ethik

Singer zeigt eine universale areligiöse ethische Theorie, die die konsequente Gleich-Berücksichtigung der Präferenzen aller Betroffenen zum Maßstab des Handelns setzt; zugleich fordert er zur kritischen Auseinandersetzung und Prüfung dieser Grundlagen auf. Im ersten Kapitel steckt Singer einen Rahmen von Voraussetzungen: Die Begriffe 'Ethik' und 'Moral' verwendet er austauschbar (S. 21), er lehnt eine religiöse Grundlage der Ethik ebenso ab, wie "die Annahme, dass alles Natürliche gut sei" (S. 27); auch einen gesell­schaftsbezogenen Relativismus, erst recht einen ethischen Subjektivismus lehnt er ab. Als "plausible Ansätze zur Ethik" (S. 32) erwähnt er den Emotivismus (C. L. Stevenson), den universellen Präskriptivismus (R. M. Hare), sowie die Auffassung von J. L. Mackie, der im Denken und Reden, als ob es objektive moralische Maßstäbe gäbe, eine Quelle des Irrtums sehe. Singer selbst geht es jedoch darum, der Vernunft eine wichtige Rolle in moralischen Entscheidungen zuzuweisen und dies im Diskurs zu vertreten (S. 33).

Als Grundfigur moralischen Handelns stellt er heraus, dass man eine Rechtfertigung seines Tuns anbieten kann, die irgendwie über das Eigeninteresse hinausreicht, "denn der Begriff der Ethik enthält die Vorstellung von etwas Größerem, als es das Individuum ist." (S. 36). Wie Viele mit ihm betont er, dass Ethik universal sein müsse, das heißt bei allen möglichen Unterschieden in der Ausgestaltung zumindest, dass ich meine Handlungen und die anderer, meine Interessen und die anderer nach den selben Maßstäben bewerten muss.[6] Unter der Grundvoraussetzung, dass moralisches Handeln säkular-rational begründbar sein muss, geht er aus vom natürlichen hedonistischen Egoismus, den jeder einsehen und teilen kann; hinsichtlich der Motivation zu moralischem Handeln holt Singer die Menschen damit bei ihrem eigenen Standpunkt ab ("Unterm Strich zähl' ich!"[7] ), um dann auf alle Betroffenen zu verallgemeinern.

Die Vorstellung von Rechten, auch des Rechts auf Leben, die intuitiv so nahe liegt, findet in Singers utilitaristischer Theorie keinen gehörigen Platz:

"Ich bin nicht überzeugt davon, dass der Begriff eines moralischen Rechts hilfreich oder sinnvoll ist, außer man verwendet ihn als Kürzel, um auf fundamentalere moralische Erwägungen zu verweisen, [...]." (S. 153)

Ziel der Theorie soll sein, dass nicht zu viele Probleme ohne Lösung bleiben. Wenn auch eine Lösung gegen die allgemeine moralische Intuition die Akzeptanz schwächt, wird dies von Singer in Kauf genommen und zu zeigen versucht,

"dass wir, obwohl das Prinzip der gleichen Interessenabwägung sich vielleicht im Widerstreit mit einigen verbreiteten Ansichten bezüglich einer ethischen Lebensweise befindet, genau diese Ansichten und nicht das Prinzip der gleichen Interessenabwägung ablehnen sollten." (S. 58)

Von den Anwendungskapiteln befassen sich vier explizit mit dem Thema 'Töten', eines davon mit "Leben nehmen: Der Embryo und der Fötus" (c. 6). Wie Singer im Vorwort schreibt, ist die dritte Auflage völlig überarbeitet, auch um Missverständnisse auszuräumen (S. 13), und weil er "nun bereitwilliger die Existenz objektiver ethischer Wahrheiten unabhängig von unseren Wünschen in Erwägung ziehe" (S. 19). Damit markiert er, dass er nun in einigen Punkten über den Präferenz-Utilitarismus hinauszugehen bereit ist.

Singers zentrale Konzepte hängen an den Leitbegriffen "Präferenzen", "Empfindungs­fähigkeit" und "Person".

2.2 Präferenzen

Für Singer zählt die Summe der Präferenzen aller Betroffenen als Maßstab moralischer Handlungen. Begrifflich setzt er Bedürfnisse, Wünsche und Interessen gleich mit Präferenzen.

"Daher muss dann, wenn ich moralisch denke, mein ganz natürliches Bestreben, dass für meine eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Interessen [ needs, wants and desires ] – ich werde sie von nun an als 'Präferenzen' bezeichnen – gesorgt wird, ausgedehnt werden auf die Präferenzen anderer." (S. 39)

Zunächst soll betrachtet werden, wie weit die Gleichsetzung der Begriffe nachvollziehbar ist. "Präferenz" bedeutet nach dem Wortsinn (von lat. praefero, ich ziehe vor), den Vorzug, den ich einer von zwei oder mehreren Auswahlen gebe; im utilitaristischen Kontext sind das die zur Auswahl stehenden Handlungsfolgen: Alternative Handlungsmöglichkeiten werden hinsichtlich ihrer Folgen betrachtet und entsprechend der summierten Bevorzugung der Betroffenen ausgewählt. In einem Handbuchartikel konstatiert Christoph Lumer: "Der Standardweg, die Präferenzen anderer zu ermitteln ist deshalb, sie einfach nach ihren Präferenzen zu fragen."[8]

Als Bedürfnis kann das gelten, wessen ich bedarf um zu leben: Luft, Wasser, Nahrung, wärmende Kleidung, schützende Behausung, Gesundheitsvorsorge, und zumindest phasen­weise die sorgende und liebende Zuwendung anderer. Im Kindesalter oder aufgrund Gebrechlichkeit oder Krankheit besteht sogar eine zwingende Angewiesenheit auf andere. Diese Bedürfnisse sind uns von unsrer menschlichen Natur aufgegeben, eine Wahlmög­lichkeit besteht nur in äußerst eingeschränktem Umfang.

Wünsche können sich auf materielle Güter und Dienstleistungen, die ich haben will, ebenso beziehen, wie auf affektive Zustände und vieles andere. Dabei unterscheiden sich Wünsche hinsichtlich ihrer Dauer und Stärke, sie können flüchtig oder anhaltend sein, schwach oder stark, brennend bis zur Begierde. Lumer unterscheidet Wünsche entweder im alltagssprachlichen Sinn als ein "emotional empfundenes Sehnen"[9] oder technisch als eine subjektive Wertzuschreibung: "s wünscht p im Maße x."[10] Und: "Das – quantitative – Maß dieses Wunsches ist der Nutzen."[11] Der Zustand des erfüllten Wunsches ist nicht immer in allen Aspekten vorhersehbar, es braucht ein gewisses Maß an Information und Vorausschau; deshalb kann man gegen den manifesten Wunsch den wahren Wunsch abgrenzen, wie er manifest wäre, wenn alle Informationen vorlägen (S. 43 f.). Auch wenn ich im Rückblick wünschen kann, dass in der Vergangenheit etwas anders gelaufen wäre, wird ein Wunsch doch in der Regel in die nähere oder fernere Zukunft zielen. "Für die meisten erwachsenen Menschen sind diese in die Zukunft gerichteten Wünsche von zentraler Bedeutung für ihr Leben" (S. 146).

Desires, das die starke Konnotation von sehnsüchtigem Begehren hat, wird hier mit Interessen (von lat. intersum, ich bin dazwischen) übersetzt, wohl weil Singer sonst über weite Strecken durchlaufend interests benutzt, insbesondere auch im "Prinzip der gleichen Interessenabwägung". Interessen sind, woran mir gelegen ist, was wichtig für mich ist; sie korrespondieren mit allen Lebensumständen und meiner Sicht der Welt als meinem Lebenskonzept. Die Wendung, dass etwas in jemandes bestem Interesse sei, impliziert, dass Interessen auch wohlmeinend von Dritten zugeschrieben sein können.

Wenn Singer auf solche ausgearbeiteten Definitionen verzichtet und die Begriffe 'Bedürfnisse, Wünsche und Interessen' zu einer festen Kombination verbindet, so ist daraus zu schließen, dass er diese Begriffstrias ohne weitere Qualifizierung allumfassend meint; tatsächlich hat Singer die Trias an dieser Stelle erst in der dritten Auflage eingeführt. Vorher war einfach von Interessen (interests) die Rede mit dem erläuternden Zusatz, "if we define 'interests' broadly enough, so that we count anything people desire as in their interests".[12] Jeder Betroffene bewertet selbst, was ihm als das Notwendige und Begehrenswerte erscheint, gesteht aber jedem anderen die Wertsetzung im gleichen Umfang zu. Die Zusammenfassung im Begriff 'Präferenzen' verweist auf die ethische Entscheidungs­situation, in der einer von mehreren Folgen-Alternativen der Vorzug gegeben wird, ohne Auswahlmöglichkeit gibt es keine Präferenz und kein moralisches Gefordertsein. Es entsteht ein Prinzip, das unmittelbar einleuchten soll, denn Singer unterstellt: "Wir alle wissen, was Präferenzen sind" (S. 44).

Singers Präferenz-Utilitarismus modifiziert den klassischen Utilitarismus, der zunächst pleasures and pains für eine Nutzenbilanz heranzog.[13] Jeremy Benthams Anliegen Ende des 18. Jahrhunderts war ein sozialreformerisches, und für die englische Gesellschaft zur Zeit der industriellen Revolution war klar, was mit den 'Freuden und Leiden' gemeint war: Es ging um die Begründung eines Ausgleichs zwischen einer darbenden Bergwerks- und Industrie-Arbeiterschaft und der schwelgenden Oberschicht. Über eine Rechenregel mit 7 Kriterien brachte er jede Art von Freude quantitativ in einen Nutzenkalkül ein.

Mit zunehmender Pluralisierung der Gesellschaft verlor die Vorstellung von Glück ihre scheinbare Eindeutigkeit; unter dem Vorwurf, der Utilitarismus propagiere die Erfüllung niederer Lüste, brachte John Stuart Mill im 19. Jh. in Ansatz, dass es für Menschen zu ihrem Glück (happiness) wichtig sei, ihre 'höheren Fähigkeiten' in ihre Lebensweise einzu­bringen[14] und machte damit einen qualitativen Aspekt stark.

Bei Singer treten statt des Glücks die Präferenzen, das für jeden Einzelnen Notwendige und Wünschbare, in den Kalkül ein. Zwar räumt er ein, dass der Lustbegriff bei Bentham und Mill so weit gefasst werden kann, dass er die je eigenen Präferenzen einschließt (S. 41), an anderer Stelle verweist Singer auf Schopenhauers Pessimismus, die Präferenzerfüllung bringe "keine dauerhafte Befriedigung, sondern es entsteht ein neues Verlangen, das befriedigt werden muss." (S. 209) Eben dies ist ein relevanter Unterschied zwischen dem "größten Glück der größten Zahl" in Benthams klassischem Utilitarismus oder der qualitativen Glücksvorstellung bei Mill und der Summe erfüllter Präferenzen im Präferenz-Utilitarismus: Erfüllte Wünsche müssen nicht automatisch zum Glück führen, und anders als hedonistische Utilitaristen unterstellten, sei Präferenz-Erfüllung kein Surrogatparameter für Glück, sondern eigenständiger ethischer Maßstab (S. 43 f.). Maximilian Forschner fasst zusammen: "Nicht mehr die Herstellung bestimmter subjektiver Zustände, sondern die Herstellung bestimmter Weltzustände wird demnach zum Ziel der Ethik."[15]

Aus der Universalisierung vom Eigeninteresse auf die Interessen aller Beteiligten leitet Singer ab, dass sich der Utilitarismus in der Ausprägung des Präferenz-Utilitarismus als Ausgangspunkt für alle weiteren Überlegungen am besten eigne (S. 43), auch deswegen, weil er "eine unkomplizierte ethische Theorie dar[stellt], die ein Minimum an meta­physischen Vorannahmen impliziert" (S. 44).

Gleichheit

In konsequenter Weiterführung dieses Ansatzes spricht sich Singer dafür aus, dass das einzige, was bei einer Interessenabwägung zählt, eben diese Interessen, d. h. die Prä­ferenzen, sind. Hingegen soll nicht zählen, wessen Interessen es sind; gegen Rassismus und Sexismus legt er dar, dass morphologische Merkmale nicht zu einer Ungleichbehandlung von Menschen führen dürfen. Diese Merkmale sind nicht moralisch relevant, denn sie befähigen "uns nicht zu Schlüssen über Intelligenz, Gerechtigkeitssinn, Tiefe der Gefühle oder irgendetwas, das uns bevollmächtigen würde, sie oder ihn ungleich zu behandeln." (S. 50) – An dieser Stelle scheint Singers Formulierung noch die Intelligenz als Grund ungleicher Behandlung zuzulassen, im Folgenden bearbeitet er jedoch diese Sicht und stellt klar:

"Wir können diese 'Hierarchie der Intelligenz' und ähnliche phantastische Systeme ablehnen, wenn uns klar ist, dass der Anspruch auf Gleichheit nicht auf dem Besitz von Intelligenz, moralischer Persönlichkeit, Rationalität oder ähnlichen Tatsachen beruht. Es gibt keinen logisch zwingenden Grund für die Annahme, dass ein Unterschied in den Fähigkeiten zweier Menschen einen Unterschied in dem Maß der Beachtung rechtfertigt, die wir ihren Interessen schenken." (S. 51)

Auch ob die leitende Intention hinter den Interessen womöglich verwerflich ist, lässt Singer außer Betracht; er vertraut darauf, dass ein Ausgleich durch die Präferenzen anderer Betroffener gegeben ist (54 f.), analog zur "unsichtbaren Hand" (des Marktes: Adam Smith).

Es geht ihm nicht darum, dass alle Menschen gleich seien, tatsächlich sind alle Menschen verschieden, aber eben nicht in moralisch relevanter Hinsicht; deshalb fordert Singer, ihre Präferenzen in gleicher Weise zu berücksichtigen. "Gleichheit ist ein grundlegendes moralisches Prinzip, keine Tatsachenbehauptung." (S. 51) Er folgert das "Prinzip der gleichen Interessenabwägung", bei dem das einzig Wesentliche die Interessen selbst sind (S. 53). Er führt die Konsequenz so weit, dass er sogar Familienzugehörigkeit als Grund für eine höhere Interessenberücksichtigung kontraintuitiv in Frage stellt (S. 52 u. 58). Im Bild der Waage impliziert er allerdings, dass manche Interessen stärker sein können als andere.

Zum einen könnten Präferenzen als die pluralen Nachfolger von Benthams pleasures angesehen werden im Sinne eines universalisierten hedonistischen Utilitarismus, zum anderen geht es Singer um die einfache Anwendbarkeit in vielen (allen?) Situationen auf der Grundlage weniger Prämissen. Intuitionen erkennt Singer nicht als zuverlässige moralische Weisung an (S. 26).

"Wir können nicht einfach auf unsere Intuitionen vertrauen, selbst nicht auf jene, die wir in sehr hohem Maß mit anderen teilen, weil sie, wie wir gesehen haben, möglicherweise das Ergebnis unseres evolutionären Erbes und daher ein unzuverlässiger Wegweiser zu dem sind, was richtig ist." (S. 43)

Singer übernimmt von Richard M. Hare die Unterscheidung in eine kritische und eine 'intuitive' Ebene der Betrachtung. Dies entspricht ansatzweise dem Unterschied zwischen Handlungs- und Regelutilitarismus. Die äquivoke Verwendung von 'intuitiv' ist zu beachten. Während der Regelutilitarismus bereits am Übergang zu deontologischen Begründungen steht[16], liegt der Schwerpunkt beim "Befolgen sorgfältig gewählter intuitiver Moral­prinzipien" (S. 151) schlicht darauf, im Alltag schneller und mit geringerer Fehlerquote zu entscheiden, als bei jeweils fallbezogener Kalkulation der Präferenzen aller Betroffenen. Die Last der Begründung wird von der kritischen Ebene getragen, aber Singer geht davon aus, dass die meisten Entscheidungen auf der mittleren Ebene der Regeln und Prinzipien, oder wie Hare es nennt auf der intuitiven Ebene, getroffen werden dürfen (S. 40 u. 150).

2.3 Pathozentrismus

Die ursprünglichste aller Präferenzen ist die Vermeidung von Schmerz und Leid. Ohne Berücksichtigung der biologischen Systematik legt Singer seinen Überlegungen eine klare Dreiteilung der Lebewesen zugrunde: Wesen ohne Empfindungsfähigkeit, Wesen mit Emp­findungsfähigkeit für Schmerz und Leid (bewusst, aber nicht selbst-bewusst), Wesen mit Selbst-Bewusstsein. Die Empfindungsfähigkeit (sentience) ist Voraussetzung dafür, Interessen haben zu können, nämlich Unangenehmes zu vermeiden und Angenehmes zu vermehren. Dieses Interesse von nichtmenschlichen Tieren und nicht-personalen Stadien von Menschen, nicht gequält zu werden, ist in gleicher Weise in den Nutzenkalkül einzube­ziehen. Singer bezieht sich auf Bentham; der zeichnete bereits "die Fähigkeit zu leiden als jene entscheidende Eigenschaft aus, die einem Lebewesen Anspruch auf gleiche Interessen­abwägung verleiht." (S.101) Am Beispiel der Sklaverei erläutert Singer, dass es rassistisch sei, die Leiden von Menschen anderer Hautfarbe für weniger wichtig zu halten. Wie inzwischen gesellschaftlicher Konsens zumindest gegen offenen Rassismus bestehe, müssten die Leiden anderer Spezies ebenso berücksichtigt werden, um nicht dem Vorwurf des Speziesismus[17] anheim zu fallen. Das ganze Argument für die Gleichberücksichtigung sei, dass Tiere den Schmerz ebenso schlimm verspüren wie Menschen (S. 102). Schmerz­vermeidung ist ein Verhalten, das an allen 'höheren' Tieren eindrücklich zu beobachten ist und das uns selbst so stark innewohnt, dass wir es ohne Weiteres als allgemeines Prinzip akzeptieren können. Die daraus abgeleitete Norm hat vor Zeiten als Sinnspruch[18] ihren Platz in der Kindererziehung gefunden. Wer in erheblicher Weise dagegen verstößt, den be­trachten wir als verroht. Neu in der 3. Auflage räumt Singer ein, "dass Lust einen Wert darstellt, und [...] dass es wertvolle Dinge gibt, unabhängig davon, ob ein Wesen sie präferiert." (S. 162) Im Vorwort hat er bereits auf seine Anerkennung objektiver ethischer Werte hingewiesen und diese im Kontext des Klimawandels breiter ausgeführt (S. 213 ff.).

2.4 Personalität

Singer beleuchtet zunächst die Lehre von der Unantastbarkeit (sanctity) des menschlichen Lebens[19] als Teil der säkularen Ethik, und er will sie – in Hinblick auf Notwehr und Todes­strafe – "nicht so verstehen, als müsse es immer unrecht sein, menschliches Leben zu nehmen" (S. 138), um dann auf eine Äquivokation aufmerksam zu machen: 'Mensch' kann rein im Sinne der biologischen Zugehörigkeit zur Spezies Homo sapiens gedeutet werden; oder 'Mensch' bezeichnet das Zutreffen einer Reihe von Indikatoren, die mit Selbst­bewusstsein und Rationalität zu tun haben. Dafür wird Singer nun den Begriff 'Person' gebrauchen, was ihm zum einen erlaubt, selbstbewusste Tiere (Menschenaffen, Delfine; er legt sich nicht auf einen abschließenden Katalog fest, sondern überlässt dies dem jeweiligen Stand der zoologischen Forschung) in den Begriff hinein zu nehmen, zum anderen, bestimmte menschliche Entwicklungsphasen (Embryo / Fötus) oder schwerst behinderte Individuen (z. B. Anencephalus) auszuschließen.

Die Spezies-Zugehörigkeit bezeichnet Singer als moralisch irrelevant (S. 143). Bei Ausscheiden religiöser Argumentation falle jede moralische Bedeutung der Spezies-Zugehörigkeit weg; dagegen sei die Tötung einer Person abzulehnen wegen ihrer zukunfts­orientierten Präferenzen.

"Ein selbstbewusstes Wesen ist sich seiner selbst als einer distinkten Entität bewusst, mit einer Vergangenheit und Zukunft. (Dies stellte, wie wir sahen, Lockes Kriterium für die Person dar.) [...]Für die meisten erwachsenen Menschen sind diese in die Zukunft gerichteten Wünsche von zentraler Bedeutung für ihr Leben" (S. 145 f.).

Also legt er sich auf die Reflexion des Selbst als in der Zeit existent und seine Wünsche und Pläne als wesentliche Rechtfertigungsgründe für ein Lebensrecht bzw. Tötungsverbot fest, dies ist die Grundlage seines Personbegriffs. Daraus entsteht die für viele kontra­intuitive These, dass das Leben eines erwachsenen Gorillas oder Delfins (oder Hundes, Schweines, Huhns?) schützenswerter sei, als das eines neugeborenen Menschen.

Während alle empfindungsfähigen Wesen das Interesse haben, von Leiden verschont zu werden, können darüber hinaus gehende, in die Zukunft wirkende Präferenzen, die begriff­liches Denken (conceptual thought, S. 179) voraussetzen, nach Singer nur Personen haben. Das Unrecht, eine (lebenswillige) Person zu töten, bestehe darin, dass ihre Präferenzen ver­eitelt werden (S. 152). Damit werden die Begriffe von Person und Präferenz eng gekoppelt, Person wird synonym dafür, wer "eine Rolle im Leben spielt" (S. 142), bzw. wessen Interessen über die Qualvermeidung hinaus zählen. Zugleich ist aber der Personbegriff auch mit der Wertung eines Rechts auf Leben eng verknüpft.[20]

Der Personbegriff war im Laufe der Geschichte einer erheblichen Wandlung unterworfen. In der Antike war persona (gr. prósōpon) die Maske im Theater, die der Rolle Ausdruck verlieh, dann auch die Rolle selbst bzw. ihr Charakter.[21] Von Cicero (106-43) wurden jedem Menschen mehrere personae (Rollen) zugeschrieben: zum einen die natura universa, das ist die Teilhabe an der Vernunft (als Vorzug der Menschheit), zum andern die je besonders zugeteilten Eigenschaften; des weiteren die zugefallene Stellung und der selbst gewählte Stand.[22]

Boethius (~480-525) definierte die vernünftige oder vernunftbegabte Natur[23] als Kennzeichen der Person im Rahmen seiner Christologie. Christliche Dogmatik gebrauchte den Personbegriff über viele Jahrhunderte, um die innergöttlichen Beziehungen der Trinität zu beschreiben, und zwar nahezu entgegengesetzt zum heutigen alltagssprachlichen Verständnis, das die Individualität, die Abgeschlossenheit der Person gegenüber anderen Entitäten impliziert.

John Locke (1632-1704) verwendete die Persondefinition, die Singer (S. 142) über­nommen hat: Besitz von Rationalität und Bewusstsein seiner selbst. Von verschiedener Seite wurden Kriterienkataloge erstellt, welche Voraussetzungen für die Zuschreibung von Personalität vorliegen müssen, insofern ist das 'Person'-Kriterium "die symbolische Zu­sammenfassung eines ganzen Ensembles konkreterer Merkmale"[24], ohne dass jedoch ein Konsens über die Kriterien im einzelnen erreicht wäre. Singer favorisiert neben Locke offenbar Joseph Fletcher, der eine Liste von 20 "Indicators of Humanhood"[25] vorgelegt hat, aus der Singer aber nur eine Auswahl von acht zitiert:

"Selbstbewusstheit, Selbstkontrolle, Sinn für Zukunft, Sinn für Vergangenheit, die Fähigkeit, mit anderen Beziehungen zu knüpfen, sich um andere zu kümmern, Kommunikation und Neugier." (S. 140 f.)

Singer hält die Unterscheidung zwischen Homo und Person konsequent durch und kommt so zur Vorstellung von nicht-menschlichen Personen einerseits und andererseits nicht-personalen Menschen (S. 142). Dies sind neben schwerst geistig Behinderten auch alle menschlichen Wesen während aller Stadien ihrer vorgeburtlichen Entwicklung und Neuge­borene. Ihnen sei gemeinsam, dass sie über die Schmerzvermeidung hinaus keine weiteren Präferenzen haben, weil ihnen ein Selbstkonzept mit Vergangenheit und Zukunft nicht zur Verfügung stehe. Dies bedingt nicht einen minderen Wert der empfindungsfähigen Nicht-Personen, sondern lediglich, dass sie andere Interessen haben; diese seien aber ebenso zu berücksichtigen (S. 128).

Diesem subjekttheoretischen oder bewusstseinsphilosophischen Ansatz von Personalität steht – wie Frank Kannetzky zusammenfassend referiert[26] – ein sozialphilosophischer An­satz gegenüber, bei dem dem Selbst-Bewusstsein erst vom "gemeinschaftlichen kulturellen Hintergrund"[27] her Bedeutung verliehen wird. Diese Richtung wird von Singer nicht verfolgt, er lehnt jegliche gesellschaftliche Bedingtheit von Ethik ab (S. 27 ff.).

2.5 Der Embryo / Fötus

Die drei Leitbegriffe wendet Singer auf die Betrachtung des vorgeburtlichen Menschen an, also ist zu fragen: Hat er Präferenzen; ist er Person; ab wann kann er leiden? Durch diese Wendung kann Singer die Frage nach dem Beginn menschlichen Lebens ausblenden (S. 245); was interessiert, ist die Frage nach dem Beginn von Leidensfähigkeit und von Personalität. Er betrachtet zum einen den Embryo (1. Drittel der Schwangerschaft) bzw. Fötus (2. und 3. Drittel) in utero, es geht also um die Abtreibungsproblematik; er setzt sich sowohl mit konservativen wie liberalen Argumenten auseinander, um dann den Wert embryonalen Lebens, sein Potenzial zur Personwerdung und die Empfindungsfähigkeit des Fötus zu diskutieren. Er kommt zum Ergebnis, dass aufgrund fehlender Personalität ein Schwangerschaftsabbruch bei gegebener Präferenz der Mutter nicht moralisch verboten sei. In bemerkenswerter Weise nimmt Singer zur Leidensfähigkeit des Fötus Stellung und fordert, bei einem Abbruch bei bereits vorhandener Schmerzempfindung des Föten müsse dieser vorab schmerzlos getötet werden, um ihm Leiden während des Eingriffs zu ersparen (S. 249).

Zum anderen wird auch das Problem des Embryo in vitro thematisiert, mithin die diagnostischen (Präimplantationsdiagnostik, PID), therapeutischen (In-vitro-Fertilisation, IVF) und wissenschaftlichen Eingriffe am Embryo im Labor.

Im Einzelnen

Dass die Abtreibung in den verschiedenen Ländern durch so verschiedene rechtliche Kompromisse geregelt ist, deutet an, dass hinter diesen Gesetzen keine gemeinsam anerkannte ethische Begründung steht; dazu kommt die Ratlosigkeit über den Umgang mit den aus der IVF in Labors eingefrorenen verwaisten Embryonen; Singer nimmt deren Zahl für USA mit 400.000 an (S. 225). Er postuliert, dass es im Rahmen einer säkularen Ethik eine eindeutige Lösung gebe. Um Argumente gegen den Schwangerschaftsabbruch zu prüfen und zu widerlegen, setzt er sich zunächst mit einer formalisierten "konservativen Position" auseinander:

"Erste Prämisse: Es ist unrecht, ein unschuldiges menschliches Wesen zu töten.

Zweite Prämisse: Ein menschlicher Fötus ist ein unschuldiges menschliches Wesen.

Schlussfolgerung: Daher ist es unrecht, einen menschlichen Fötus zu töten." (S. 228)

Die Entwicklung des Embryos zum 'fertigen' Menschen verläuft "allmählich" (gradually, S. 227), deshalb sei sehr sorgfältig zu prüfen, ob doch Marksteine zu finden sind, die klären helfen, ab wann ein Fötus gemäß der zweiten Prämisse ein "unschuldiges menschliches Wesen" ist, und so für ein Tötungsverbot von moralischer Relevanz sind.

Die Geburt ist zwar in sozialem und rechtlichen Sinn ein Einschnitt, kann aber für die moralische Beurteilung nicht herhalten, weil ein reifer Fötus vor der Geburt deutlich weiter entwickelt ist, als ein bereits zur Welt gebrachtes Frühgeborenes (S. 229 f.). Könnte statt dessen die Lebensfähigkeit heran gezogen werden? Der Entwicklungszustand, in dem ein Neugeborenes nachgeburtlich überleben kann, hängt von dem Ausmaß an Hilfe ab, das ihm gewährt wird. In den letzten Jahrzehnten ist die Überlebensfähigkeit von Frühgeborenen unter die 25. Schwangerschaftswoche gesenkt worden, wenn entsprechende intensiv­medizinische Anstrengungen unternommen wurden. Singer folgert aus der Variabilität dieses Zeitpunktes, der früher ein anderer war und der an anderen Orten bei verschiedener medizinischer Ausstattung ein ganz anderer sein kann, dass er nicht für ein Tötungsverbot ausschlaggebend sein kann (S. 230 ff.). Auch der Zeitpunkt erster Bewegungen kann nicht relevant sein, weil er sich nicht genau bestimmen lässt und vom Bewusstsein unabhängig ist (S. 232 f.).

Näher ans Ziel scheint die Betrachtung der Bewusstseinsentwicklung zu führen (S. 233 f.). Singer hält fest, dass in der siebten Woche Gehirnaktivitäten festgestellt wurden und somit die Möglichkeit von Schmerzafferenzen bestehe. Die zugehörige corticale Reprä­sentation, die einer bewussten Schmerzwahrnehmung entspräche, lässt Singer tutioristisch ab 18. Woche gelten (S. 248). Trotzdem sei gerade diese Grenze in der Abtreibungsdebatte nie besonders zur Argumentation herangezogen worden, weil die Abtreibungsgegner auf die Konjugation als Lebensbeginn abheben, während es für die Abtreibungsbefürworter ein "riskantes Spiel" (S. 234) bedeuten würde. 1995 hat Singer resümiert: "So wie wir den Hirn tod als das Ende einer Person betrachten, sollten wir das Hirn leben als den Beginn einer Person betrachten."[28] So weist er diesem Zeitpunkt der beginnenden Funktion des Großhirns (18. Woche) en passant eine zentrale Stellung für sein Personkonzept zu, ohne dies jedoch in 'Praktische Ethik' weiter zu vertreten.

Damit habe sich die Prämisse, dass ein Fötus ein "unschuldiges menschliches Wesen" sei, nicht widerlegen lassen. Deshalb wendet sich Singer der ersten Prämisse zu: "Es ist unrecht, ein unschuldiges menschliches Wesen zu töten" (S. 244). Da er die Spezieszugehörigkeit für moralisch unerheblich hält, wendet er diese Prämisse auf das Unrecht, eine Person zu töten, und stellt zugleich fest, dass der Fötus kein Selbst-Bewusstsein als in der Zeit existierende Entität und dementsprechend keine zukunftsorientierten Präferenzen hat. Daraus folgt: "Da kein Fötus eine Person ist, hat kein Fötus denselben Anspruch auf Leben wie eine Person." (S. 246)

Zusätzlich diskutiert er das Problem der Mehrlingsbildung und geht dabei auf den Begriff 'Individuum' ein (S. 263). Solange aus dem cluster of cells noch zwei Embryonen werden können, also bis zum 14. Tag, hält er die Argumente Identität und Kontinuität nicht für sinnvoll anwendbar, d. h. der Beginn der individuellen Menschwerdung (Individuation) kann für Singer frühestens beim 14. Tag liegen, weil erst dann keine Mehrlingsbildung mehr möglich ist; das entspricht auch dem Zeitpunkt der Nidation und steht in Übereinstimmung mit dem common sense, der die Anwendung nidationshemmender Verhütung unbeanstandet lässt.

2.6 Embryonen im Labor

Den In-vitro-Embryo behandelt Singer knapp (S. 262-272); zunächst scheint es, dass sich seine zuvor breit ausgeführte Theorie 1:1 auf den Labor-Embryo anwenden lässt; kurz gesagt: keine Empfindungsfähigkeit – keine Person – keine Rechte. Aber "mit weiteren Anwendungsmöglichkeiten des IVF-Verfahrens [...] stellen sich eigene ethische Fragen, die von großer Bedeutung sind." (S. 272) Bei der steigenden Zahl verschiedener Verfahren wäre zunächst zu differenzieren nach woher und wohin, nach Herkunft und Zweck der In-vitro-Embryonen. Als Quellen kommen in Betracht: Zum einen die aus dem Reproduktions­verfahren IVF übrig bleibenden, nicht transferierten Embryonen, zum andern zu Forschungszwecken aus totipotenten Stammzellen erzeugte Embryonen, wobei die Stammzellen aus Schwangerschaftsabbrüchen stammen können, aus älteren Zelllinien oder aus adulten somatischen Zellen, die durch bestimmte Eingriffe ihre Totipotenz zurück erhalten.

Die Labormaßnahmen rund um den Embryo können im Dienst der Fortpflanzung stehen, einschließlich der Präimplantationsdiagnostik (PID), mit der bei tragischen genetischen Konstellationen die Weitergabe kranker Gene an die Nachkommen verhindert werden soll. Zum andern wird an Stammzellen und Embryonen geforscht, um bestehende Wissenslücken zu füllen, und zum dritten besteht ein Interesse an der Erzeugung von Organgewebe zur Behandlung von bestimmten Krankheiten, in Zukunft auch von Klonen, die ganze Organe zur Transplantation bereit stellen sollen. Keinesfalls ist es Singers Anliegen, in 'Praktische Ethik' sämtliche ethischen Aspekte von IVF und Embryonen-Versuchen abzuarbeiten, denn bereits aus der einfachen Aufzählung lässt sich erahnen, dass hier eine Vielzahl bedeutsamer ethischer Fragen drängt, die – auch im Zusammenhang mit dem Problem der Überbe­völkerung – je einzeln abgearbeitet werden müssten. Zu diesen bedeutsamen Fragen zählt er ausdrücklich auch die genetische Selektion (S. 272).

3 Kritische Würdigung einiger Aspekte

Singer hat die Präferenzen als Basis für seine Theorie gewählt. Während es unmittelbar einleuchtet, die Bedürfnisse der Menschen als Maßstab gelten zu lassen, ist dies für Wünsche und Interessen nicht so selbstverständlich. Singer liefert keine Letztbegründung für deren Bedeutsamkeit; also muss man sich wohl diskursiv darauf einigen, dass es so sein soll. Das kann gelingen, wenn man sich daran erinnert, dass eines seiner Argumente für den Präferenz-Utilitarismus war, dass so zu ethischem Handeln motiviert werden kann: Will ich meine Präferenzen beachtet haben, so tue ich gut daran, auch die der anderen zu beachten. Als entscheidend hält er fest, dass die Abwägung ohne Ansehen der Person erfolgt.

3.1 Präferenzen-Kalkül – konkret

So eingängig die Maxime der gleichen Interessenberücksichtigung zunächst erscheint, weisen doch verschiedene Autoren[29] darauf hin, dass sich eine solche nicht schon aus der Universalität der Moral ergibt, wie Singer insinuiert. Der allgemeine Standpunkt verlangt unparteiliche Standards, d. h. ich darf meine eigene Position nicht parteiisch besser stellen als die der anderen. Über die formale Unparteilichkeit hinaus verlangt Singer aber auch Gleichheit aller Betroffenen; dies ist ein weiterer Schritt, der sich nicht zwingend aus dem ersten ergibt. Dass die Interessen des Anderen A und des Anderen B gleich zu behandeln seien, ist eine Möglichkeit von Moral. Aber auch ein Standard, der mir für eine bestimmte Gruppe – z. B. meine eigenen Nachkommen – weitergehende Verpflichtungen auferlegt als für alle anderen, ist weder irrational noch unmoralisch.[30] Anne Maclean bringt den Einwand auf den Punkt:

Singer apparently thinks that there is a compulsory logical route from his statement:

Your kin are entitled to the same treatment from you as my kin are from me.

to this:

Neither your kin nor mine should be treated by you and by me respectively any differently from the way in which we treat other people.

But there is no such route."[31]

Maclean deutet Singers 'Fehler' [ mistake ] als eine Äquivokation von Unparteilichkeit im logischen Sinne eines interesselosen Prinzips, das von allen geteilt werden kann, bzw. im moralischen Sinne einer Vermeidung von Interesse-geleiteter Bevorzugung. Für den speziellen Fall der Familie wird im übrigen von Singer eingeräumt, dass eine vorrangige Verpflichtung begründbar ist (S. 362).

Im Bild der Waage (S. 53) geht Singer von unterschiedlichen Präferenz-Stärken aus, erläutert indes nicht, wie abgewogen wird. Zwar können Schmerzen auf einer Skala angegeben und subjektiv verglichen werden, aber wie Präferenzen unterschiedlicher Qualitäten in ihrer Stärke gegeneinander abgewogen werden sollen, bleibt offen.

Um das abwägende Vorgehen konkret zu testen, sei folgende Konstellation gedacht: eine Familie mit Vater, Mutter und zwei heranwachsenden Kindern; die Mutter ist wieder schwanger geworden und freut sich auf das ungeplante Baby. Vater und Kinder haben Präferenzen, die ein Baby ausschließen: Der Vater will kein Geld und keine Zeit in die Erziehung investieren, die Geschwister wollen das künftige Erbe nicht mit einem Dritten teilen. Gedacht sei weiterhin ein fiktives Gerät, das die Elimination der Leibesfrucht ermöglicht, ohne dass die Mutter dabei in irgendeiner Weise belastet oder auch nur einbezogen wäre, außer, dass sie nicht mehr schwanger wäre: Die Präferenzen stünden drei gegen eins für Tod des Embryos.

Das Gedankenexperiment wirft mehrere Fragen auf. (1) Hat der Embryo Interessen, die vertreten werden müssen? (2) Hat die Mutter eine Sonderstellung? (3) Wer hat mitzureden? (4) Wie ist mit den verschiedenen Präferenzstärken umzugehen? (5) Erfordern die Präferenzen eine besondere Qualifikation?

(1) Da der Embryo weder leidensfähig ist noch aktuale Interessen zum Ausdruck bringen kann, also Nicht-Person ist, bleibt er völlig außer Acht.

(2) Der Eingriff in die körperliche Integrität der Mutter würde wohl unsrer Vorstellung von Selbstbestimmung zuwider laufen, und auch Singer setzt voraus, dass als "die am meisten Betroffenen – die potenziellen Eltern oder zumindest die potenzielle Mutter – den Abbruch auch tatsächlich wollen." (S. 279) Ist er also bereit, hier einen Präferenzvorrang ad personam einzuräumen, was mit seiner Grundvoraussetzung der Gleichberücksichtigung von Interessen nicht zusammen stimmen würde? Im umgekehrten Fall – die Schwangere will abtreiben – haben wir nach Jahrzehnten feministischer Diskussion schon gelernt, dass die Ressourcen, die die Frau in Schwangerschaft und Säuglingspflege investieren muss, so erheblich sind, dass sie im Kalkül nicht durch die Präferenzen anderer aufgewogen werden können. Will jedoch die Schwangere das Kind gegen die Präferenz des Vaters austragen, ist von der Sache her kein Präferenzvorrang ersichtlich, es müsste Singers Diktum gelten: "Interesse ist Interesse, wessen Interesse es auch immer sein mag." (S. 52)

Innerhalb von Singers Theorie sind zwei Lösungswege für das Dilemma denkbar. Entweder wird die Präferenz der Mutter stärker gewichtet in der Annahme, sie habe als emotional Meistbetroffene mehr Folgen zu tragen als die ganze übrige Familie, was nicht in jedem Fall plausibel ist. Oder es wären Präferenzen weiterer Betroffener ins Kalkül zu ziehen. Das wäre aber ein anderes Argument als der Vorrang qua Schwangerschaft. Das Problem des intuitiven Vorrangs der Schwangeren kann also auf der kritischen Ebene nicht aufgelöst werden, zumal Singer eine mögliche Besonderheit der Beziehung zwischen der Schwangeren und ihrer Leibesfrucht nicht ausdrücklich in Ansatz bringt.

(3) Auch von außerhalb der Familie können noch andere Interessen auf den zu erwartenden neuen Erdenbürger zielen, z. B. die abstrakte Sorge vor drohender Überbe­völkerung oder die abstrakte Freude über ein neues Kind ("Die Welt ist 'reicher', wenn es dieses Neugeborene gibt als wenn nicht."[32] ) oder konkreter: die Hoffnung auf einen künftigen Beitragszahler für die sozialen Sicherungssysteme. Bernward Gesang führt sogar die Interessen demonstrierender Abtreibungsgegner als beachtlich an.[33] Damit öffnet sich die grundsätzliche Frage des Utilitarismus, wie überhaupt die Gesamtmenge der Betroffenen einer Handlung zu ermitteln sind – auch in Hinblick auf die Folgen in ferner Zukunft.

(4) Die nicht näher erläuterte Stärke der Präferenz könnte damit zusammenhängen, ob die Präferenz existenziell bedeutsame Folgen hat oder nur randständige Interessen tangiert werden; eine Rolle könnte auch deren Dauer spielen; ist sie in einer Laune entstanden, im Wankelmut, oder hat sie Bestand über längere Zeit, und: Ist sie autonom zustande gekommen. Singer erläutert: "People have their own structuring of relative importance of desires, however, and the preference utilitarian should accept this weighting, rather then taking felt intensity as the criterion."[34] Jedes Individuum legt also seine eigene Präferenz-Hierarchie selbst fest, aber die interindividuelle Abwägung bleibt unklar.

(5) Jean-Claude Wolf sieht im "tatsächlich wollen" der Schwangeren, in der Autonomie­forderung, sogar einen dritten unabhängigen Parameter neben Zahl und Intensität; eine Begründung für diesen Vorrang des freien bewussten Willens findet er bei Singer nicht.[35] Sein grundlegendes Prinzip der gleichen Interessenabwägung werde damit durchbrochen. Singer hat Wolf in diesem Punkt widersprochen[36], tatsächlich befasst sich Singer mit der "Respektierung der Autonomie" (S. 157 ff.) und kommt zum Schluss, dass auf der kritischen Ebene die Autonomie einer Person zwar nicht die Stärke eines Moralprinzips habe, also wohl durch andere Präferenzen aufgewogen werden könnte. "Dennoch kann ein Utilitarist der Autonomie nicht das gleiche Gewicht beimessen wie jene, die die Autonomie als ein grundlegendes moralisches Prinzip erachten." (S. 158) Aber er räumt ein, dass auf der intuitiven Ebene der Respekt vor der Autonomie der Person zu den Prinzipien gehört, deren Beachtung in der Regel zu besseren Folgen führt. Dies gilt für die Autonomie im Sinne der Selbstbestimmtheit der Person, die gegen andere Präferenzen zu stärken ist.

Autonomie und Ratio

Die Forderung nach Autonomie im Sinn von "freie und rationale Entscheidung" (S. 307) wird von Singer kurz gestreift; er fordert die Freiheit der Entscheidung (S. 279), ohne jedoch auf die Bedingungen von Entscheidungsfreiheit weiter einzugehen, als dass sie "auf der Grundlage vollständiger Informationen, in ruhiger innerer Verfassung und bei klarem Verstand" (S. 43) getroffen werden sollten. An anderer Stelle erörtert er dieses Problem ausführlicher, nämlich in Erwiderung auf Don Marquis' Einwand, dass eine unzureichend therapierbare depressive Person trotz ihres manifesten Todeswunsches nicht getötet werden dürfe.[37] Singer schlägt einen "'idealized desire' view"[38] vor, was bedeutet, dass eine Entscheidung, die unter falschem Glauben oder falscher Tatsachenkenntnis zustande kommt, dahin zu korrigieren ist, wie es der Präferenz unter Bedingungen einer wohlinformierten und rationalen Entscheidungsfindung entspräche. Diese Korrektur, so Singer, könne nur auf aktual vorhandene Entscheidungen angewendet werden. Die Differenz zu Marquis bleibt, dass dieser analog auf die Konstruktion von idealisierten Interessen auch beim Fötus folgert; Singer hingegen verneint die Möglichkeit, nicht vorhandene Präferenzen zu idealisieren. Gesang[39] führt das Rationalitätsproblem weiter aus und stellt fest, dass die "interne Rationalität", also die Präferenz des Betroffenen, wie sie im Falle völliger Aufgeklärtheit bestünde, der entscheidende Maßstab für die Beachtung der Präferenz sei. Dagegen sei die Beachtung eines objektiven Standpunkts ("externe Rationalität") zwar der Frustrations­vermeidung förderlich, komme aber nur in Betracht, wenn er vom Betroffenen internalisiert werden könne. Singer dürfe also z. B. religiöse Motivationen nicht von vorneherein als unbeachtlich qualifizieren.

Zurück zur konkreten Situation: Singer will nicht das Recht eines einsamen Killers begründen, wahllos Fötusse zu töten. Vielmehr geht es um die Situation, in der eine Schwangere eine Abtreibung wünscht. Selbst wenn der Ersatz nicht vorhandener Präfe­renzen des Fötus durch idealisierte abgelehnt wird, lohnt ein Blick auf die Autonomie der mütterlichen Präferenz, denn diese sollte idealisiert werden, wenn sie irrational oder aufgrund falscher Information zustande gekommen ist.

Abgesehen von gesundheitlicher Bedrohung oder Zustandekommen der Schwangerschaft unter Gewaltbedingungen sind häufig die wahren Präferenzen bessere Lebensbedingungen für das erwartete Kind, die haben aber womöglich gar nicht zur Wahl gestanden, weshalb dann die Abtreibung als Ausweg dient. Der Wunsch, ein menschliches Wesen zu töten, kann durchaus manifest und autark sein, d. h. ohne äußere Zwänge bei klarem Verstand entstanden sein; und doch kann dieser Wunsch von einer Person, die noch nie getötet hat, nicht autonom gefasst werden, denn sie weiß nicht und kann nicht ins Kalkül ziehen, wie sie selbst sich nach der Handlung befinden wird. Genügend Beispiele gibt es von Müttern, die über viele Jahre hinweg litten, weil sie ihre Entscheidung zur Tötung ihrer Leibesfrucht nicht verarbeiten konnten.[40]

Singers Präferenz-Utilitarismus geht vom Bild eines rationalen und selbst-bewussten Menschen aus, was impliziert, dass der sein Leben mit den künftigen Optionen rational reflektiert und eine autonome Feststellung seiner Interessen trifft. "Mit 'Autonomie' ist hier die Fähigkeit gemeint, eine Wahl zu treffen, eine Handlung nach eigener Entscheidung zu vollziehen. Vernunftbegabte und selbstbewusste Wesen haben vermutlich diese Fähigkeit" (S. 158). Das impliziert nicht nur die Freiheit von äußeren Zwängen oder Manipulationen, sondern auch die Konsistenz der Wünsche innerhalb eines Lebensplans über einen gewissen Zeitraum hinweg. Sollte sich herausstellen, dass etliche dieser Voraussetzungen für viele Menschen die meiste Zeit gar nicht zutreffen, wird die Grundlage von Singers Theorie erheblich geschwächt. In der Ethikberatung wird gerade in Situationen des Lebensbeginns und -endes ganz praktisch deutlich, wie schwer es ist, Entscheidungen als autonom zu qualifizieren.[41] Und ein ganzer Wirtschaftszweig, die Werbewirtschaft, gründet auf der Absicht, die Wünsche von (potenziellen) Konsumenten zu manipulieren.[42]

Dass auch eine Stufe unterhalb der bewussten Manipulation Wünsche nicht stabil sind, zeigen Jon Elsters Erklärungen zur adaptiven bzw. kontraadaptiven Präferenzbildung undänderung. Zunächst Erwünschtes kann bei Unerreichbarkeit als nicht wünschenswert deklariert werden ('Saure-Trauben-Effekt', nach einer Fabel von Äsop); ein andermal wirkt gerade die Unerreichbarkeit Präferenz-verstärkend ('verbotene Früchte').[43] Dass der zeitliche Druck, unter dem entschieden wird, die Präferenzen beeinflusst, wurde ebenfalls nachgewiesen.[44]

Viele Menschen gleichen nicht Singers Ideal von Rationalität. In weitaus größerem Maß als von Vernunftgründen sind Menschen von Tugenden und Lastern, von Emotionen und Beziehungen beeinflusst, auch von verschiedensten Formen des Gottesglaubens, gegen den Singer immer wieder argumentiert. Beim Blick über unsere eigene vom griechischen Vernunftideal mitbestimmte Gesellschaft hinaus können wir erkennen, dass Rationalität und Zukunftsplanung nicht unbedingt universale Bedeutung haben. So mag Singers Ideal eher Forderung als Wahrnehmung bestehender Verhältnisse sein.

Die Einsicht in die mögliche Irrationalität des Menschen schwächt auch eine weitere wichtige Voraussetzung für Singers Interessenkalkül, den Einfluss des Prinzips des sinkenden Grenznutzens (S. 56). Während für das rationale Denken die Sättigung mit einer Schwächung der Präferenz für eine Sache zugunsten der noch Ungesättigten einhergeht, entfällt dieses Korrektiv bei Menschen, die durch Gier gesteuert sind: Der Gierige will mit starker Präferenz anhäufen, begehrt weit über den eigenen Bedarf hinaus, die Sättigung tritt nicht ein. Wenn der Gierige zugleich der geschäftlich Erfolgreiche ist, geht der durch den Kalkül erwartete soziale Ausgleich bei bestimmten Problemen, z. B. der Güterverteilung, nicht mehr auf.

Für eine einfache universale Theorie, wie Singer sie intendiert, muss deren Handhabbarkeit gefordert werden. Der Interessenkalkül kann nur dann die ganze Last der moralischen Entscheidung zwischen Handlungsalternativen tragen, wenn die Feststellung aller Betroffenen mit ihren Interessen und die Festlegung der Stärke ihrer Präferenzen vor der Abwägung überhaupt möglich sind. Die Eignung von Präferenzen zur Begründung einer Vernichtung von Leben wird von Singer nicht bewiesen. Die Einbeziehung irrationaler Präferenzen ist nicht ausreichend geklärt und kann ein Korrektiv zum reinen Präferenz-Utilitarismus erfordern.

3.2 Personalität

Singer bearbeitet die tierethische Frage, welche Rechte welchen Tieren zugesprochen werden müssen. Die Antwort stützt er auf Definitionen von Personalität und Leidens­fähigkeit. Er kommt auf dem Prinzip gleicher Interessenabwägung zu dem Schluss, dass bewusste Tiere nicht gequält werden dürfen. Tiere, denen Personeigenschaften zuge­schrieben werden können (Menschenaffen, Delfine und ggf. andere) dürfen weder gequält noch getötet werden. Diese neue wünschenswerte Klarheit über den moralischen Status von Tieren ist zu begrüßen.

Dann aber überträgt Singer die gefundenen Antworten auf die ganz andere Frage, welcher moralische Status und welche Rechte dem menschlichen Embryo zukommen sollen, indem er frühe zeitliche Stadien von Menschen mit erwachsenen Tieren vergleicht und in seine Kriterien von Personalität und Leidensfähigkeit einordnet. Aus einem ursprünglich tier­ethischen Anliegen schließt Singer in Verbindung mit seinem Personbegriff, dass dem Embryo kein eigenständiges Lebensrecht zukomme. In formallogischer Betrachtungsweise bildet er aus der ursprünglichen gut begründeten Implikation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

die logische Implikation der Negationen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieser logische Fehlschluss ist als 'Verneinung des Vordersatzes' bekannt. Die Ableitung würde nur zutreffen, wenn keine weiteren Kriterien ein Tötungsverbot begründen könnten, d. h. wenn logische Äquivalenz bestände. Eine solche Äquivalenz postuliert Singer, ohne sie jedoch zu beweisen.

Dieter Birnbacher erinnert, dass moralische Rechte außer durch Personalität auch durch andere Merkmale oder durch Beziehungen begründet sein können.[45] Marquis' Vorschläge zur Begründung von Lebensrecht werden weiter unten (3.5) behandelt. Singer dagegen verlangt von jeder anderen Begründung eines Lebensrechts, dass sie auch auf die Tiere angewendet werden muss; andernfalls liege 'Speziesismus' vor.

Dass Singer für die ethische Diskussion die Betrachtung des Menschseins als Spezies-Zugehörigkeit fallen lässt und statt dessen die Personalität betrachtet, lenkt die Diskussion um den Embryo in eine andere Richtung. Es geht nicht mehr um die umkämpfte Frage, wann ein Menschenleben beginnt. Der – zumindest in vivo – schwer einsehbare Zeitraum der Zeugung und frühen Embryonalentwicklung verliert seine Bedeutung für die moralische Diskussion. Dafür tauchen in der neueren Diskussion weitere Fragen auf: (1) Welche Bedeutung hat Personalität? (2) Wann und wie beginnt eine Person? (3) Kann die Person Träger eines moralischen Status sein, oder ist Personalität ihrerseits nur ein Status bzw. eine komplexe Eigenschaft?

(1) Von verschiedenen Autoren wird aufmerksam gemacht, dass Lockes Personbegriff einen juristischen Hintergrund hat[46] und nicht ohne weiteres in ethische Debatten eingesetzt werden kann. Das forensische Anliegen dreht sich um die Frage der Verantwortlichkeit für Handlungen. Wenn jemand einen Defekt seiner Personeigenschaften oder seiner Persön­lichkeit hat, kann es sein, dass er für seine Handlungen nicht verantwortlich gemacht werden kann. Das hat aber im rechtlichen Kontext zur Folge, dass er der Strafe entgeht, dass sein Leben verschont wird. Die Konsequenz ist also gerade entgegengesetzt zur Auffassung Singers, wo eine Nicht-Personalität mit dem Verlust des Lebensrechts einher geht. Von daher ist die Übernahme des juristischen Personbegriffs in eine ethische Theorie zumindest erläuterungsbedürftig. Das Thema Verantwortlichkeit, das für die forensische Betrachtung zentral ist, taucht in Singers 'Praktische Ethik' auch gar nicht als Inhalt von Personalität auf, sondern nur im Zusammenhang mit den Folgen des Fleischkonsums und mit der Gleich­setzung von Töten und Sterbenlassen, sowohl in der Medizin wie auch bezüglich der Hilfspflicht für die Armen der Welt.

(2) Über den Beginn der Personhaftigkeit lässt Singer sich nur soweit aus, dass er feststellt, dass irgendwann im Kleinkindalter das Selbst-Bewusstsein einsetzt. Um auf der sicheren Seite zu sein, lässt er jedoch das Tötungsverbot nach Ablauf des ersten Lebens­monats greifen. Dieser späte Zeitpunkt steht in Widerspruch zu seinem Vorschlag, die Person könne mit ihrem "Hirnleben"[47] beginnen. Die entscheidenden Entwicklungsschritte vom nur bewussten zum selbst-bewussten Kind und die Art dieses Phänomens (Emergenz, Supervenienz?)[48] scheinen ihn ebenso wenig zu interessieren wie eine Messmethode für Selbst-Bewusstsein. Unklar bleibt, wie viele der Person-Kriterien in welchem Umfang erfüllt sein müssen. Fletcher hat seine Liste zur Diskussion offen gehalten und einzelne Indikatoren schon gradual angelegt; außerdem betont er die Rolle der Empirie: "Divorced from the laboratory and the hospital, talk about what it means to be human could easily become inhumane."[49] Dies darf als Plädoyer verstanden werden, allgemeine Begriffs­definitionen an konkreten Fällen zu testen.

(3) Handelt es sich bei 'Person' um einen ontologischen Status oder um (eine Menge von) Eigenschaften und Fähigkeiten? Inwiefern kann eine Eigenschaft Träger eines moralischen Status sein?

Anton Leist kritisiert Singers Ethik: "Sie ist aber außerdem 'begriffs-fundamentalistisch' darin, dass sie kein Problem damit sieht, der begrifflichen Entscheidung die vollständige Beweislast aufzuerlegen"[50], dagegen sagt Singer gerade: "Die ethische Zulässigkeit der Abtreibung ist eine substanzielle Frage, deren Beantwortung nicht von einer Vereinbarung über den Wortgebrauch abhängen kann." (S. 141 f.) Auch Birnbacher hat die Verwendung des Personbegriffs wegen seiner Uneindeutigkeit und Vielfalt moniert und festgehalten: "Unter anderem aus diesem Grund ist die Tauglichkeit dieses Begriffs zur Begründung bioethischer Normen von verschiedenen Autoren in Zweifel gezogen worden"[51]. Singer hat indes seine Verwendung des Begriffs so eindeutig definiert, dass man ihn einfach als Kurzform für die verbundenen Eigenschaften 'Rationalität und Selbst-Bewusstsein' lesen kann; dann würde sich in verschärfter Weise die Frage stellen, wie eine komplexe Eigenschaft Träger eines moralischen Status sein kann.

Zukünftige oder gegenwärtige Präferenzen

Michael Hauskeller hat Singers These überprüft, dass "ein Wesen, das sich nicht selbst als eine Entität mit eigener Zukunft sehen kann, keine Präferenz hinsichtlich seiner eigenen zukünftigen Existenz haben" (S. 152) kann. Vorbereitet durch eine komplizierte Folge von formalen Argumenten weist er nach, dass die wichtigste, weil alle anderen ermöglichende Präferenz nicht die ist, künftig nicht getötet zu werden, sondern jetzt nicht getötet zu werden. Die Gegenwartspräferenz schließt nun aber auch alle Wesen wie den Fisch am Angelhaken (S. 152) ein, die Gefahr empfinden.

"Kann denn ein Wesen bedroht und in Gefahr sein, geschweige denn diese empfinden, wenn es keine Präferenz hat, weiterzuleben ? [...] Sicher hat der Fisch keine bewußte Präferenz weiterzuleben, aber die haben menschliche Personen auch nur in Ausnahmefällen."[52]

Hauskeller schließt nicht eine Abstufung der moralischen Bedenklichkeit des Tötens verschiedener Wesen aus, will aber festhalten, dass man diese nicht aus der Personalität begründen kann.

Da viele Wünsche unterbewusst oder unbewusst sind (Singer äußert sich nicht explizit, wie weit solche nicht reflektierten Präferenzen zu berücksichtigen sind), ist zu diskutieren, ob nicht auch vorbewusste Wünsche, soll heißen implizite Präferenzen vor Erreichen des zur Person qualifizierenden Levels von Selbst-Bewusstseins, existieren können und in den Interessen-Kalkül einzubeziehen sind.

3.3 SKIP-Argumente

Die vier Argumente, die mit dem Akronym 'SKIP' bezeichnet werden, sind Standard­argumente in der bioethischen Debatte: Spezies, Kontinuität, Identität, Potenzialität. Sie werden auch subsidiär eingesetzt, ggf. in Kombination, um Lebensrecht für Menschen zu begründen, denen keine Person-Eigenschaften zugeschrieben werden.

Spezies

Singer weist jede ethische Relevanz der biologischen Artzugehörigkeit zurück, indem er Beurteilungen, die die menschliche Gattung begünstigen ('Speziesismus'), mit Rassismus gleichsetzt. Er begründet dies mit dem Prinzip der gleichen Interessenabwägung, die Spezies-unabhängig nur die Interessen selbst betrachtet. (S. 98 ff.)

Der Rassebegriff als Teil einer biologischen Systematik beinhaltet feste genetische Merkmalkonstellationen, die sich in Anpassung an geografische Erfordernisse selektioniert und stabilisiert haben. In der Biologie findet dieses Rassekonzept insbesondere auf Menschen heute keine Anwendung mehr. Es herrscht die Ansicht vor, dass phänotypische Merkmale bei Gruppen, nations oder tribes allenfalls als ecotypes bestehen; das bedeutet, einzelne Merkmale haben in geografisch isolierten Lagen Vorherrschaft erlangt, sind aber nicht mit anderen Eigenschaften fest gekoppelt, vielmehr ist der Genbestand von Homo sapiens sehr einheitlich.[53]

Im Gegensatz dazu bedeutet der völkische Rassebegriff, einer Menschengruppe aufgrund eines morphologischen Merkmals ein Bündel von weiteren Eigenschaften zuzuschreiben in der kontrafaktischen Annahme, morphologische und charakterliche Merkmale unterlägen einer genetischen Kopplung. Oft ist damit ein Werturteil verbunden. Diese kollektive Zu­schreibung von Werten und Eigenschaften ist die Bedeutung von Rassismus.

Die Zugehörigkeit zu einer biologischen Art hingegen zeichnet eine Fortpflanzungs­gemeinschaft aus – nur Mitglieder derselben Spezies können fruchtbare Nachkommen hervorbringen. Eine Wertzuschreibung ist damit nicht verbunden. Mit dieser Klarstellung soll zunächst gezeigt werden, dass der Vergleich von Speziesismus mit Rassismus sachlich nicht zutrifft. Umstrittener ist die Frage, ob es eine Gattungssolidarität geben darf. Es soll nicht darum gehen, die Interessen nichtmenschlicher Tiere zu beschneiden oder die Präferenzen nichtmenschlicher Personen aus dem Kalkül auszuschließen, auch nicht darum, Menschen allein wegen ihrer Spezieszugehörigkeit zu bevorzugen[54], sondern die Frage ist, ob zusätzlich bzw. neben der gleichen Interessenabwägung ein besonderes Interesse von Menschen an Mitgliedern der gleichen Gattung als Solidarprinzip[55] bestehen darf oder anders gesagt, ob der Fortpflanzungsgemeinschaft und ihrer genetischen Vielfalt eine moralische Relevanz zukommt. Eine solche kann in Präferenzen künftiger Generationen liegen. Angenommen sei eine fiktive künftige Situation, z. B. die drohende Unbewohn­barkeit der Erde, dann könnte zur Bewältigung der Herausforderung von Interesse sein, dass die einzigartige genetische Ausstattung einer Person bzw. Familienlinie mit einer besonderen, jetzt benötigten Fähigkeit nicht vor Zeiten mit ihrem ersten Träger eliminiert worden ist.[56] Im Rahmen der von ihm zugelassenen freien Wahl der Präferenzen darf Singer eine solche Solidarität nicht kategorisch ausschließen.

Da sich alle Personen auf dem Weg über ein Embryonalstadium entwickelt haben, ist denkbar, den Entwicklungsphasen einen solidarischen, wenn auch abgestuften Schutz einzu­räumen, solange die Interessen von Tieren nicht tangiert werden. Will man das Speziesismus-Argument am hier in Frage stehenden Fall, der Abtreibung, konkretisieren, dann wäre zu vergleichen, ob es eher gestattet sei, einen tierischen Fötus als einen menschlichen abzutreiben. Aber das ist gar nicht die Handlungsalternative; Abtreibung von (nichtmenschlichen) Tier-Föten gehört bislang nicht zu den maßgeblichen tierethischen Herausforderungen und die abtreibungswillige Schwangere hat nicht die Alternative, statt ihrer eigenen Leibesfrucht die ihres Haustiers zu töten. Diese Überlegung zeigt, dass Singers Speziesismus-Argument in der konkreten Fragestellung wenig belastbar ist; es ist zu schwach, um es zur Beendigung der Debatte einzusetzen.

Kontinuität

Die menschliche Entwicklung bietet keinen Einschnitt, dem man das 'Anschalten' der Personalität zuweisen könnte, wie Singer selbst argumentiert.

"Die bisherige Diskussion hat verdeutlicht, dass die Suche der Liberalen nach einer moralisch entscheidenden Trennlinie zwischen dem Neugeborenen und dem Fötus erfolglos geblieben ist. [...] Die Konservativen bewegen sich dagegen auf sicherem Boden, wenn sie betonen, dass die Entwicklung vom Embryo zum Säugling ein stufenweise sich vollziehender Prozess [ gradual process ] ist." (S. 234)

Hinsichtlich der Rationalität ist es offensichtlich, dass sie einer lebenslangen Entwicklung unterliegt, dies drückt sich z. B. alltagssprachlich in der Rede vom 'lebenslangen Lernen' und von der 'Weisheit des Alters' aus; häufig allerdings gleicht die Entwicklung eher einer Parabelkurve, die zum Ende hin wieder sinkt. Anstatt eines naturgegebenen 'Anschalt­punktes' müsste man einen Rationalitätslevel definieren, von dem an die Erfüllung des Kriteriums durch das sich stetig entwickelnde Individuum angenommen würde, der wäre jedoch willkürlich. Dennett verweist darauf, dass 'Person' unter normativem Gesichtspunkt ein Ideal ist, dem Menschen sich lebenslang anzunähern versuchen.[57] Eine eigene Bedeutung hat die Kontinuität in Hinblick auf die diachrone Identität der Person, das heißt auf die Frage, ob der Erwachsene mit dem Kind seiner Kindheit oder gar mit dem Embryo, aus dem er geworden ist, identisch ist.

Identität

Die Frage nach der diachronen Identität oder Persistenz ist seit Locke insbesondere die Frage nach psychischer Kontinuität.[58] Z.B.: Kann ich mich als 40jähriger erinnern, wie ich als 20jähriger gedacht und gehandelt habe. Singer stellt fest, "when I think of myself as the person I now am, I realize that I did not come into existence until some time after my birth."[59] Aber auch wenn sich kein Erwachsener an sein Denken im ersten Lebensjahr erinnern kann, so genügt es gemäß der Transitivität von Identität, sich an jedem Tag an den Vortag zu erinnern; so entsteht "das primär psychologische Kriterium einer zeitlich rück­wärts knüpfbaren Kette von 'Erinnerungs'-Zuständen"[60]. Singer übernimmt Michael Tooleys Behauptung, für nur bewusste Wesen, auch für Neugeborene, gelte, dass sie kein Gespür für die eigene Kontinuität über den Schlaf hinweg hätten; "aus seiner subjektiven Perspektive ist es so, als sei ein neues Wesen mit neuen Präferenzen zum Leben erwacht" (S. 162). Aber doch ist es so, dass das Neugeborene von der Stimme seiner Mutter und nur von der Stimme seiner Mutter getröstet wird.[61] Es erinnert sich, von dieser Stimme gestern schon getröstet worden zu sein und präferiert, von dieser Stimme morgen wieder getröstet zu werden. Es hat diese Stimme auch als Fötus (nach seinem 'Aufwachen' in der 30. Woche, S. 248) schon gehört. Die Stimme der Mutter wird aus allen anderen Stimmen erkannt und besonders verarbeitet.[62] Die Erinnerung an sie trägt in der letzten Fötalperiode und im allerersten Lebensabschnitt die diachrone Identität des Säuglings. Singer selbst räumt ein: "Es gibt viele Vogelarten und einige Säugetiere, bei denen die Verbindung zwischen Männchen und Weibchen lebenslänglich aufrechterhalten wird." (S. 192) Dies widerspricht der o. a. These vom täglichen Erwachen "als sei es ein neues Wesen". Entweder sind viel mehr Tiere selbst-bewusste Personen, als wir bisher annehmen, oder es sind die Abstufungen von Personalität vorhanden, die notwendig sind, damit ein Wesen ein anderes als in Beziehung zu sich stehend lebenslang wiedererkennt (und vice versa).

Potenzialität

Da die realen Personmerkmale für den Embryo unstrittig nicht zutreffen, wird die Potenzialität als Begründungsfigur angeführt, ihm dennoch Lebensrecht zuzusprechen, meist in Kombination mit den beiden zuvor besprochenen Argumenten. Bei regelrechter Ent­wicklung wird der Embryo binnen weniger Monate über die Personmerkmale verfügen und dann vom Tötungsverbot geschützt sein. Aus der Potenzialität ein Tötungsverbot für die potenzielle Person abzuleiten, lehnt Singer ab. Er führt drei Analogien an, um zurückzuweisen, "dass ein potenzielles X denselben Wert oder alle Rechte von X hat" (S. 251). Der Vergleich einer keimenden Eichel mit einer "ehrwürdigen" [ venerable ] Eiche (S. 251) zielt offensichtlich auf Emotionen jenseits der Ratio, tatsächlich folgt das Pflanzen oder Ausreißen von Eicheln und das Fällen von Eichen überwiegend ökonomischen, allenfalls landschaftspflegerischen Regeln, aber nicht einem abstrakten Lebensschutz für die ausge­wachsene Eiche. Er vergleicht das Eintauchen eines Eies und eines lebenden Huhns in kochendes Wasser; diese Analogie spricht den Unterschied der Empfindungsfähigkeit an, aber die Tötung von Hühnern – hoffentlich weniger grausam – wird millionenfach vollzogen, ihnen ergeht es nicht anders als den Eiern. Schließlich führt er den britischen Kronprinzen an, der noch nicht die Rechte eines Königs hat. Diese Überlegung kann eben­falls nicht überzeugen: Marcus Düwell verweist darauf, dass Prinz Charles dennoch bereits eine völlig herausgehobene Position hat (lakonisch: "einen anderen Status als ein Londoner Taxifahrer"[63] ); Reinhard Merkel wünscht sich für die Ethik eine Übernahme des 'Anwartschaftsrechts', einer Figur des deutschen Zivilrechts.

"Mit ihm wird gerade der Status potentialis einer künftigen Rechtsposition geschützt, die kontinuierlich aus einem quasi embryonalen Stadium zum Vollrecht erstarken kann, und zwar von einem gewissen Punkt ihrer Entwicklung an, ab dem noch keineswegs die künftige Rechtsmacht eingeräumt, aber die schon Konturen zeigende Chance des Vollrechtserwerbs garantiert wir[d.]"[64]

Merkel sieht hinter dieser Regelung einen allgemeinen Gerechtigkeitsgedanken; oder in der Sprache der Präferenzen: "daß zu den berücksichtigungsfähigen und -bedürftigen Interessen des Neugeborenen auch seine sämtlichen objektivierbaren Entwicklungschancen gehören."[65]

Im weiteren argumentiert Singer gegen die Vorstellung, es sei die genetische Einzig­artigkeit jedes Embryos, die ein besonderes Schutzrecht begründe (S. 253 f.). Er fragt, ob denn von zwei eineiigen Zwillingsembryos einer getötet werden dürfe oder ob ein Embryo geteilt und nur mit der einen Hälfte geforscht werden dürfe, während die andere sich weiter entwickelt, ebenso ob mit totipotenten Stammzellen geforscht werden dürfe. Diese von Singer nur der Diskussion halber vorgeschlagene Möglichkeit, dass sich aus jeder genetisch einmaligen Konstellation nur ein Individuum zu entwickeln braucht, ist bedenkenswert und widerlegt keineswegs die Bedeutung der Einzigartigkeit. Auch die Übertragung der Schutzforderungen auf Stammzellen wird dadurch nicht zwingend.

Es muss aber auch gefragt werden, ob es sich beim Embryo tatsächlich nur um eine Potenzialität, nämlich sich zur Person zu entwickeln, handelt. Das hieße, die Entwicklungs-Potenz schlummere im Embryo bis sie sich durch welches Ereignis auch immer aktualisierte. Aber tatsächlich ist der Embryo Entwicklung in actu, der Prozess der Realisierung einer menschlichen Person ist im Laufen. Deshalb läuft auch Singers Vergleich der Potenzialität des Embryos mit der eines Gametenpaares (S. 268) ins Leere: Das Gametenpaar hat die Potenz, in dem Moment, da es sich vereinigen wird, zur Zygote zu werden. Hingegen ist sich zu entwickeln gerade das, was die aus der Konjugation resultierende Zygote bzw. der Embryo aktual tut, und eben diese Entwicklung geschieht in einem kontinuierlichen Prozess zum Ziel des Geboren- und Erwachsenwerdens, wenn er nicht durch einen traumatischen Eingriff (oder eine pathologische Störung) abgebrochen wird. Das hat eine bestimmte Auswirkung:

Gegeben sei eine Situation, in der ein Fötus getötet werden soll. Nun ist zu prüfen, auf welchem Entwicklungslevel seiner moralisch relevanten Eigenschaften er sich befindet – im Vergleich mit welchen Vergleichsentitäten oder Eigenschaftskatalogen auch immer. Dies wird nicht leicht fallen, weil die Möglichkeiten, Rationalität und Bewusstsein eines Fötus zu testen, nicht sehr ausgereift sind, sofern sie überhaupt existieren. Bis diese Prüfung abgeschlossen und die Tötung vorbereitet ist, hat sich der Fötus aber schon weiter entwickelt, so dass bezüglich des aktuellen Entwicklungsfortschritts nun erneut in die Prüfung einzutreten ist, und so fort, die Tötung kann also ohne weitere Interessen­abwägungen nicht moralisch verantwortet stattfinden.

Singer würde ein solches Vorgehen zurückweisen und sich statt dessen auf bestimmte Entwicklungsstufen festlegen, die Rationalität und Selbst-Bewusstsein ausschließen oder ermöglichen. Das mag akzeptabel sein, solange definitiv keine neuralen Strukturen aus­gebildet sind; Singer gibt für "Gehirnaktivitäten" die 7. Woche (S. 234), für corticale Aktivitäten die 18. Woche post conceptionem (S. 248) an. Dem Embryo jenseits dieses Datums allein aufgrund des Merkmals eines bestimmten Entwicklungsalters pauschal und ungeprüft weitere Eigenschaften oder deren Fehlen zuzuschreiben, wäre mindestens ebenso dem Rassismus vergleichbar, wie Singer es für den Speziesismus postuliert. Das Potenzialitäts-Argument kann also nicht als völlig widerlegt gelten.

3.4 Ersetzbarkeit

Ein "verwirrendes Problem" (S. 164) nennt Singer die Betrachtung der zwei Wege, Freude in der Welt zu erhöhen: Entweder zielt der Ansatz bei der Erhöhung der Freude darauf, "nur Wesen zu berücksichtigen, die bereits existieren oder die unabhängig davon, was wir tun, existieren werden" (S. 165), Singer nennt ihn den prior existence view. Die andere Möglichkeit besteht darin, dass wir "die Zahl derjenigen erhöhen könnten, die ein freud­volles Leben führen" (total view, S. 165), umgekehrt auch, keine Kinder in die Welt zu setzen, die eine negative Freudebilanz haben werden. Das entspricht im klassischen Utilitarismus in etwa der Unterscheidung zwischen Durchschnittsnutzen und Nutzensumme.

Der total view beinhaltet eine moralische Pflicht, Kinder zu zeugen, wenn sie ein überwiegend freudvolles Leben führen werden, und leidende Wesen zu eliminieren. Singers Ersetzbarkeits-Argument (S. 194 ff.) hängt eng mit dieser Sicht zusammen; es behauptet, dass nicht-personale Tiere ohne zukunftsgerichtete Präferenzen grundsätzlich austauschbar sind, insbesondere solche mit negativer Freudebilanz gegen solche mit positiver, weil sie quasi "Behältnisse für Leidens- und Glückserfahrungen" (S. 204) sind; das überträgt er auch auf nicht-personale menschliche Entwicklungsstadien, was bedeutet, dass ein Embryo, der z. B. eine belastende Krankheit entwickeln wird oder der schlicht zum unpassenden Zeitpunkt konzipiert wurde, moralisch neutral abgetrieben werden kann, wenn er durch eine künftige Schwangerschaft ersetzt wird.

Im prior existence view bestehe keine Pflicht zur Vermehrung, was Singer einleuchtender erscheint, dagegen auch keine Pflicht, die Geburt von Kindern zu verhindern, die mit großer Wahrscheinlichkeit ein leiderfülltes Leben haben werden, was er für nötig hält. Diese Asymmetrie würde er gern auflösen. Betrachtet man Singers oben genannte Definition genau, dann liegt die Entscheidung über die Fortpflanzung gar nicht im Scopus des prior existence view, denn er bezieht sich nicht auf Wesen, die erst abhängig von unsrer Entscheidung existieren werden, d. h. das Asymmetrie-Problem wird dadurch aufgelöst, dass die Vermehrungspflicht vom prior existence view überhaupt nicht, weder zustimmend noch ablehnend, in den Blick genommen wird. Damit kann der Zwang entfallen, dem total view beizutreten, der von Singer wegen der moralischen Pflicht zur Vermehrung kritisch gesehen wurde. Rückblickend auf 1975[66] schreibt er: "Ich dachte, es sei absurd so zu reden, als würde man einem Wesen eine Gunst erweisen, wenn man es in die Welt setzt, weil zu dem Zeitpunkt, da man diese Gunst erweist, überhaupt kein Wesen existiert." (S. 198)

3.5 Lebenswerte Zukunft

In der Absicht, ihn zu widerlegen, führt Singer in der 3. Auflage (S. 256 ff.) einen Artikel von Don[ald B.] Marquis an, "Why Abortion is Immoral". Marquis ist für die Diskussion besonders interessant, weil Singer von ihm anerkennt, "it is important to note how much common ground there is between Marquis and myself."[67] Marquis versucht, zwischen den anscheinend unvereinbaren Positionen Pro Life und Pro Choice zu einer Lösung zu finden. Er leitet sein Argument ab von der Frage, was es Unrecht macht, einen Erwachsenen zu töten; der Grund für dieses Unrecht sei nämlich, dass dem Getöteten seine Zukunft ge­nommen werde, nicht nur als Lebensspanne, sondern mit allen Aktivitäten, Projekten, Erfahrungen und Vergnügen, die das künftige persönliche Leben konstituiert hätten. Diese These bedeutet zum einen eine Verallgemeinerung von den Präferenzen – Marquis nennt sie accidental – auf das Wesenhafte, nämlich die lebenswerte Zukunft selbst mit all ihren Inhalten. [68]

Zum andern kann Marquis nun hinsichtlich der betroffenen Gruppe universalisieren; es sei, in Übereinstimmung mit der Intuition, auch unrecht, Säuglinge zu töten, ebenso wie (speziesunabhängig) andere Wesen, denen wahrscheinlich eine lebenswerte Zukunft (future like ours) beschieden sein wird. Wenn es aber, so Marquis, Unrecht ist, Erwachsene zu töten, weil man ihnen ihre Zukunft nimmt und aus demselben Grund unrecht ist, kleine Kinder zu töten, dann muss dies auch für den Fötus gelten. Singer selbst betont in seinem Kapitel über Umweltethik (c. 10): "Das Allergrundsätzlichste einer solchen Ethik bildet die Entwicklung der Rücksichtnahme auf die Interessen aller empfindungsfähigen Wesen ein­schließlich der nachfolgenden Generationen bis in ferne Zukunft." (S. 446) Mithin nimmt er die Interessen selbst künftiger, derzeit noch ungezeugter Wesen durchaus in den Scopus seiner Überlegungen auf, wenngleich mit Einschränkung auf die, die dann tatsächlich geboren sein werden.

Der Vorteil, den Marquis in seiner Theorie findet, ist die Verbindung der scheinbar unvereinbaren Positionen von Unantastbarkeit des Lebens und Lebensrecht qua Personalität; "it seems, that this value of a future-like-ours theory of the wrongness of killing shares strengths of both sanctity-of-life and personhood accounts while avoiding weaknesses of both."[69] Er vermeidet es, für seine Theorie den Personbegriff in Anspruch zu nehmen, denn er erkennt den is-ought-gap, wie er zwischen biologischer Spezieszugehörigkeit und deren moralischer Relevanz klafft, ebenso zwischen einer psychologischen Personhaftigkeit und deren moralischer Bedeutung: "it seems, that the pro-choicer will have as much difficulty bridging the gap between psychological personhood and personhood in the moral sense"[70].

Dagegen wird der 'Verhütungseinwand' ins Feld geführt; Singer konstatiert, der Unter­schied zwischen der Verhütung eines Fötus und der Existenzbeendigung eines Fötus vor jedem bewussten Erleben sei "zu gering, als dass man auf ihn die Unterscheidung zwischen einer unmoralischen Handlungsweise und einer in moralischer Hinsicht harmlosen begründen könnte" (S. 258), kann jedoch ohne weitere Beweise nicht überzeugen, dass der Unterschied zwischen Existenz und Nicht-Existenz "gering" sei. Dieser Einwand liegt – wie oben (3.4) dargestellt – ohnedies nicht im Scopus des prior existence view, und Singer erscheint es ja eigentlich einleuchtender, dass es keine moralische Pflicht gibt, Kinder zu zeugen, auch wenn sie eine gute Zukunft haben würden.

Wie Merkel feststellt ist der Einwand, durch die Tötung eines Fötus käme ein künftiges Präferenz-fähiges Lebensstadium gar nicht zustande, ein klarer Zirkelschluss. Die Tötung, die zur moralischen Beurteilung erst ansteht, kann nicht selbst die Begründung sein, dass sie moralisch unbedenklich ist. "Denn eine solche Tötungshandlung hätte die durchaus beunruhigende Eigenschaft, sich selbst mit ihrem Vollzug ihre eigene Legitimation unterzuschieben."[71]

Somit kann nicht nur Singers Versuch, Marquis' future-like-ours -Theorie zu widerlegen, als gescheitert angesehen werden, sondern es ist Marquis gelungen, in seiner Argumentation sowohl die Bezugnahme auf die strittigen Begriffe Personalität und Potenzialität, als auch Speziesismus völlig zu vermeiden. Durch die Festlegung auf Individualität im Sinne von Unteilbarkeit, d. h. Schutz ab der Nidation, umgeht er den Mehrlingseinwand und kontra­intuitive Forderungen wie den Schutz von Zellkulturen (Totipotenzeinwand) und hält klare Distanz zur sanctity-of-life -Doktrin.

3.6 Embryo im Labor

Zutreffend weist Singer darauf hin, dass das Potenzial des Labor-Embryos nicht durch natürliche Entwicklung aktualisiert werden kann, sondern zunächst der Transfer in den Uterus durchgeführt werden müsste (S. 265 f.). Singer liefert dann einige empirische Daten über die Erfolgswahrscheinlichkeit der IVF. Damit will er zeigen, dass im Gegensatz zur natürlichen Zeugung und Embryonalentwicklung ("bloße Entfaltung des ihm inhärenten Potenzials", S. 266) das "IVF-Verfahren [...] also letztendlich den Unterschied verringert zwischen dem, was sich über den Embryo, und dem, was sich über Ei und Samen, solange sie noch getrennt sind, aber als zusammengehörig gelten, sagen lässt" (S. 267). Damit leitet er die Analogiebildung ein, wenn für Ei und Samen kein Schutz gelte, was nicht einmal die Pro-Life-Bewegung fordere, dann könne für den IVF-Embryo in vitro auch kein Schutz bestehen. Zum einen leitet der Zahlenvergleich auch statistisch in die Irre, weil zur IVF überwiegend Paare anstehen, die sich auf natürlichem Weg überhaupt nicht reproduzieren können; vor allem aber leitet Singer hier aus Beobachtungsdaten normative Folgerungen ab.

Beziehungen

Während die anglophone Debatte stark auf individuelle moralische Entscheidungsfindung abhebt, werden in Deutschland eher soziale Regeln betont: "there has been a greater, and useful, emphasis on social rules"[72], wie Singer anerkennt. Die Betonung der sozialen Einbindung wirkt sich auf das Personkonzept aus. Die menschliche Person steht nicht allein in der Welt, wo sie unvermittelt auftaucht, nachdem sich eine Menge von Eigenschaften aktualisiert hat, sondern sie wird in der Beziehung der Eltern gezeugt, entwickelt sich als Embryo und Fötus in eine leibliche Beziehung, zunächst mit der Mutter, hinein, wächst als Kind in sozialen Beziehungen der Familie, der Nachbarschaft, der Schulgemeinschaft auf, muss sich als Erwachsene in Beziehungen des Arbeitslebens und der Gesellschaft bewähren und wird im Altern und Sterben von Beziehungen mit Partner, Kindern und Freunden getragen. Viele Autoren halten es für legitim, wenn diese Beziehungsperspektive die reine Statusfrage überlagert und ethische Berücksichtigung fordert.

Gerade die enge Gemeinschaft der Mutter zum Fötus wird von diesem mit einem emotionalen Interesse an Fortsetzung beantwortet, die weit über das Bedürfnis nach 'warm – trocken – satt' hinausgeht. Natürlich kann die Mutter, ebenso wie alle anderen Bezugs­personen, diese Inanspruchnahme verweigern, aber nicht ohne dass es auf sie zurückwirken wird.[73]

An dieser Stelle soll nur eine Überlegung herausgegriffen werden. Nachkommen entstehen aus einer Beziehung und in eine Beziehung hinein, ein Aspekt, der bei Singer weitgehend fehlt. Wenn die Ei- und Samenspender ihre Elternrolle bezüglich eines bestimmten Embryos nicht annehmen, sondern ihn aufgeben, stellt sich die Frage, ob nicht jemand die Verantwortung bzw. die Interessenvertretung für diese verwaiste Entität übernehmen muss. Wer darf sie zu welchem Zweck benutzen? Darf sie als Mittel für ehrgeizige Zwecke eingesetzt werden? Ist sie vogelfrei, wenn sie nicht der Vernichtung zugeführt, sondern in Forschungsvorhaben verwendet wird? Auch wenn Singer mangels Interessen die Notwendigkeit einer Interessenvertretung verneinen wird, wird sich die Frage verschärft stellen, sobald es möglich sein wird, ein solches Wesen bis zur Empfindungs­fähigkeit heranreifen zu lassen. Wenn selbstverständlich und interessengeleitet die technischen Möglichkeiten die moralischen Regeln des Laborhandelns bestimmen, könnte von 'technical fallacy' in Analogie zur naturalistic fallacy gesprochen werden.

3.7 Gradualität

Die Diskussion um Personalität wird meist unter der Perspektive geführt, dass es die Personeigenschaft nur nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip geben könne.[74] Über weite Strecken diskutiert auch Singer so. Dann referiert er Forschungsberichte, aus denen hervor­geht, dass die großen Menschenaffen ein Bewusstsein ihrer selbst haben und sich auch auf Vergangenheit und Zukunft beziehen können, dass sie also Personen sind, und er räumt ein, dass möglicherweise ein gradualistisches Konzept angemessener sein könnte als eine scharfe Trennung Person – Nicht-Person, "und zwar abhängig davon, ob das getötete Wesen im vollen Wortsinn eine Person ist oder ob es sich um eine potenzielle Person handelt, ob es überhaupt Selbstbewusstsein besitzt, in welchem Umfang es nach unsrer günstigsten Schätzung in die Zukunft gerichtete Wünsche hat und wie bedeutsam diese Wünsche für sein Leben sind." (S. 191)

Einige der Person-Kriterien sind gradual (Rationalität, Denkfähigkeit, Selbstkontrolle) und legen so auch eine Gradualität von Personalität nahe. Auch die Reichweite der Präferenzen in die Zukunft wächst; während der Säugling noch auf seine Bedürfnisse der nächsten Minuten zielt, macht der Jugendliche Pläne für seine Berufswahl, und der Erwachsene sinniert über die Chancen künftiger Generationen. Die aufgezeigten Über­legungen sprechen dafür, dass sich ausgehend von einem niedrigen Schutzstatus ab der Konjugation die Schutzwürdigkeit des Embryos / Fötus graduell steigert und nur fallweise gegen die Stärke einer Tötungspräferenz abgewogen werden kann. Aus biologischer Sicht sind wichtige Marksteine das Auftreten neuraler Strukturen ab der 6. Woche und der Abschluss der Organogenese mit der 10. bis 12. Woche, danach ist die Entwicklung im Wesentlichen von Wachstum, Funktionsaufnahme (Singer nimmt für die Verknüpfung von corticalen Synapsen die 18. Woche an; S. 248) und Lernen geprägt. Der Geburtszeitpunkt bildet in sozialer und rechtlicher Hinsicht einen Markstein. Jenseits eines zu bestimmenden Levels der Entwicklung kann prima facie volle Personalität auch in der ethischen Perspektive angenommen werden.

4 Schluss

Es besteht weitgehende Einigkeit, dass es in der Moral keine von allen konsentierte Letztbegründung gibt. Singer legt eine Theorie vor, die aufgrund ihrer Einfachheit und des Verzichts auf stark metaphysische, d. h. auch auf religiöse, Voraussetzungen von vielen angenommen werden könnte. Dazu müsste sie aber zumindest für die meisten und häufigsten ethischen Fragestellungen aussagekräftig und widerspruchsfrei sein. Für den moralischen Status des vorgeburtlichen menschlichen Lebens versuchte diese Arbeit, einige Inkonsistenzen aufzuzeigen.

Was genau ist der Status des Embryos, welche Rechte hat er, wenn überhaupt welche? Singer weist dem Personbegriff für diese Überlegungen eine zentrale Rolle zu, es gibt aber keinen Konsens über seine Bedeutung. 'Kein Lebensrecht und nicht leidensfähig' ist unzureichend beschrieben: Was ist der Embryo dann? Ein Ding oder nicht-personaler Mensch, aus dem zu einem ungeklärten Zeitpunkt auf ungeklärte Weise eine Person wird? Da Singer den Status des Embryo nur unter dem Gesichtspunkt des fehlenden Selbst-Bewusstseins, mithin fehlender zukunftsorientierter Präferenzen und fehlender Personalität, betrachtet, bleibt das Bild des Embryos defizitär. Er trifft keine weiteren positiven Aussagen über seinen Status, als dass er das Objekt der Präferenzen anderer sein kann. Auch dass der Vergleich eines Entwicklungsstadiums eines Wesens – quasi als Blitzlichtaufnahme – mit dem Endstadium eines anderen Wesens legitim sei, wird nicht begründet. Zudem bilden erfüllte Präferenzen nur eine Teilansicht eines lebenswerten Lebens.

Als Ertrag der hier vorgelegten Überlegungen kann festgehalten werden:

- Die Äquivalenz von Personhaftigkeit und Lebensrecht wird von Singer nicht bewiesen.
- Die Eignung von Präferenzen zur Begründung einer Vernichtung von Leben wird von Singer nicht bewiesen. Die aus dem klassischen Utilitarismus bekannten Kalkulationsprobleme sind nicht gelöst. Bestimmte Schwierigkeiten können ein Korrektiv zum reinen Präferenz-Utilitarismus erfordern.
- Das Speziesismus-Argument ist zu schwach, um es zur Beendigung der Debatte um den Embryo einzusetzen.
- Das Potenzialitäts-Argument ist nicht völlig widerlegt worden.
- Personalität kann gradual aufgefasst werden und Singer öffnet in der dritten Auflage seine Argumentation für diese Möglichkeit, verstärkt dadurch, dass er nun den Beginn des 'Hirnlebens' als relevanten Markstein der Fötalentwicklung in die Diskussion einbringt.

Damit kann Singer seinen Anspruch, das Fehlen jeglicher Rechte des Fötus bewiesen zu haben, nicht einlösen. Vielmehr hat er zuletzt seine vormals strikte Theorie etwas geöffnet und den Sinn von Präferenz-unabhängigen Werten anerkannt.

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[...]


[1] Moser; Bolli (2015), S. 119.

[2] NZZ am Sonntag, 24.5.2015.

[3] Singer äußert sich dazu ausführlich, unter anderem in Singer (1994), Anhang, S. 425-451.

[4] Singer, Peter: "Practical Ethics" erschien in 1. Auflage 1979, deutsch 1984.

[5] Alle Zitate und Seitenangaben im Text folgen – soweit nicht anders vermerkt – der deutschen Ausgabe der dritten Auflage: "Praktische Ethik" von 2013.

[6] Näher hierzu s. unten 3.1.

[7] TV-Werbung der Postbank (2013).

[8] Lumer (2011), S. 470, Sp. 2.

[9] Ebd., S. 470, Sp. 2.

[10] Ebd.

[11] Ebd., S. 471, Sp. 1.

[12] Singer (1993), p. 13.

[13] Vgl. Bentham (1975).

[14] Vgl. Mill (2006), S. 29.

[15] Forschner (2009), S. 118.

[16] Vgl. ebd., S. 118.

[17] Neologismus von Richard Ryder (1970) analog zu Rassismus oder Sexismus. de.wikipedia.org/wiki/Richard_Ryder [12.12.2015].

[18] "Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz!"

[19] Während Singer für die religiöse Zuschreibung des Lebens als 'heilig' den Terminus sacred benutzt, verwendet er für die weltliche Lehre nicht sacredness, sondern sanctity. Nida-Rümelin (2005, S. 891) macht darauf aufmerksam, dass die Übersetzung von sanctity mit 'Heiligkeit' irreführend ist. Deshalb ziehe ich gegen die vorliegende Übersetzung den Begriff 'Unantastbarkeit' für sanctity vor. Allerdings geht Singer davon aus, dass die säkulare Unantastbarkeitsdoktrin einen religiösen Ursprung hat.

[20] Vgl. Ricken (o. Jahr).

[21] Diese Begriffsherleitung ist nicht unwidersprochen.

[22] Vgl. Cicero: De officiis 1, 107-125.

[23] Nach Mühling (2012, S. 236) bringt Boethius sowohl rationalis natura als auch rationabilis natura.

[24] Merkel (1995), S. 57.

[25] Fletcher (1972), S. 1.

[26] Vgl. Kannetzky (2007).

[27] Ebd., S. 222.

[28] Singer (1995), S. 83.

[29] Marcus Düwell (2003) referiert zusammengefasst seinen eigenen sowie die Standpunkte von Anne Maclean und Klaus Steigleder.

[30] Vgl. Düwell (2003), S. 65.

[31] Maclean (1993), p. 59 f.

[32] Leist (2013), S. 11.

[33] Vgl. Gesang (2003), S. 56.

[34] Singer (1990), S. 259.

[35] Vgl. Wolf (1990), S. 223. – Wolf ist Übersetzer der 1. Auflage von Singers "Praktische Ethik".

[36] Vgl. Singer (1990), S. 259.

[37] Vgl. Marquis (2009), p. 141.

[38] Singer (2009), p. 155.

[39] Vgl. Gesang (2003), c. 2.3.

[40] Persönliche Mitteilungen.

[41] Vgl. Beauchamp/Childress (2001), c. 3.

[42] Vgl. Packard (1962).

[43] Vgl. Elster (1982).

[44] Vgl. Friese et al. (2006).

[45] Vgl. Birnbacher (2011), S. 91.

[46] Vgl. Dennett (1981), S. 304; vgl. Ricken (o. Jahr).

[47] S. oben (2.4) und vgl. Singer (1995), S. 83.

[48] Vgl. Brüntrup (2012), c. 4.

[49] Fletcher (1972), S.4.

[50] Leist (2013), S. 7.

[51] Birnbacher (2011), S. 87, Sp. 1.

[52] Hauskeller (1995), S. 19.

[53] Vgl. Pigliucci/Kaplan (2003).

[54] Nur das ist die Bedeutung von Speziesismus, vgl. Düwell (2011), S. 435, Sp. 2.

[55] Vgl. Wagner-Westerhausen (2008.a), S. 195 ff.

[56] Solche und ähnliche Überlegungen haben vielfachen medialen Niederschlag gefunden. Zuletzt hat Stephen Hawking angemahnt, dass das Verlassen der Erde womöglich schon in den nächsten 1.000 Jahren anstehen könne. (London, dpa, abgedruckt in MainPost, 20.1.2016.)

[57] Vgl. Dennett (1981), S. 320.

[58] Vgl. Brand (2008.a); vgl. Merkel (1995), S. 58, Sp. 2.

[59] Singer (2009), p. 161.

[60] Merkel (1995), S. 58, Sp. 2.

[61] Eigene Beobachtungen.

[62] Vgl. Beauchemin et al. (2011).

[63] Düwell (2003), S. 227.

[64] Merkel (1995), S. 58.

[65] Ebd.

[66] Publikation von Singers Animal Liberation.

[67] Singer (2009), p. 153.

[68] Vgl. Marquis (1989), p. 188 f.; er will mit diesen Begriffen keine metaphysische Kategorisierung einführen.

[69] Ebd., p. 192.

[70] Ebd., p. 188.

[71] Merkel (1995), S. 58, Sp. 1.

[72] Singer (1990), S. 263.

[73] Vgl. Hursthouse (1991), p. 241 f.

[74] Vgl. Birnbacher (2011), S. 88.

42 von 42 Seiten

Details

Titel
Der moralische Status des menschlichen Embryos in Peter Singers 'Praktische Ethik'
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Inst. f. Philosophie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
42
Katalognummer
V346956
ISBN (Buch)
9783668362833
Dateigröße
719 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Peter Singer, Praktische Ethik, Fetozid, Embryo
Arbeit zitieren
Jochen Scheidemantel (Autor), 2016, Der moralische Status des menschlichen Embryos in Peter Singers 'Praktische Ethik', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346956

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