War Solon der Richtige? Die politischen Handlungspersonen in der Krisenzeit der Stadt Athen


Hausarbeit, 2016
14 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.EINLEITUNG

2.SITUATION IN ATHEN

3. DIE PERSON SOLON

4.Programm der Eunomia
4.1 Die Eunomia-Elegia
4.2 Die Bauernbefreiung
4.3 Die Popularklage
4.4 Die Wirtschafts- und Sozialreformen

5. Schlussbemerkung

6.Literaturliste

1.Einleitung

„Da der Bürgerkrieg schwer war und die Parteien lange Zeit miteinander kämpften, wählten sie gemeinsam Solon als Schlichter und Archonten und vertrauten ihm die Macht über den Staat an".1

Mit dieser Aussage erwähnt Aristoteles, in seinem Buch „der Athenische Staat", die Krisenzeit in der Stadt Athen. Dabei wird auch Solon als legitimierte Handlungsperson aufgezählt, der die Macht über den Staat zugetraut bekommen hat. Zeitlich gesehen befinden wir uns zwischen dem siebten und sechsten Jahrhundert vor Christus. In diesem Zeitraum hat es Unstimmigkeiten zwischen den Bewohnern von Athen gegeben und es hat Ungerechtigkeit geherrscht.2 Anhand dieser Situation musste eine Lösung gefunden werden. Ab diesem Moment kommt der athenische Staatsmann Solon ins Spiel. Wieso wurde Solon diese politische Macht übergeben? Um genauer zu sein, muss die Frage gestellt werden, wer sich überhaupt hinter der Person Solon befindet. Konnte der sogenannte „Schlichter" die entstandene Ungerechtigkeit bei Seite legen und eine grundlegende gerechte Reform einführen, mit denen alle Parteien zufrieden sein können? Diese Fragen beschäftigen die Forschung beinahe das gesamte 20. Jahrhundert und sind heute noch umstritten.

Im Rahmen der Hausarbeit sollen die Fragen betrachtet werden, ob Solon die übertragenen Aufgaben gelöst hat um die Krise abzuwenden und ob seine Reformen auch wirklich dafür die entscheidende Wirkung gezeigt haben. Die Quellenlage zu dem Thema dieser Hausarbeit ist zum Teil sehr umfangreich. Es werden im Verlauf der Untersuchung unter anderem Werke von Aristoteles, Plutarch und Solon selbst verwendet um einen vielseitigen Blick auf Basis der Quellen auf die Fragestellung zu ermöglichen. Solon selbst hat Gedichte verfasst, in denen er über die Eunomia 3, die Seisachtheia 4 und noch anderen Gedankengängen für ein verbessertes Athen darstellt. Aristoteles greift in seinen Quellen teilweise die Gedichte von Solon auf und gibt uns einen zeitlichen Überblick über die Entwicklung der athenischen Verfassung. Zusammen mit der Solon-Vita von Plutarch zählen diese beiden Selbstzeugnisse zu den Hauptquellen. Bei der Forschungsliteratur sind die Werke von J.Bleicken und E.Ruschenbusch von entscheidender Bedeutung. Letztere hat sich mit den solonischen Fragmenten der Gesetzgebung kritisch auseinandergesetzt und übersetzt. Auch wird I.Tsigarida eine entscheidende Rolle in dieser Hausarbeit spielen.

Der Verfasser dieser Arbeite will zuerst die Situation Athens darstellen und danach auf die Person Solon eingehen. Anhand der Betrachtung von Solon werden seine Reformen näher analysiert und kritisch dargestellt. Dadurch soll herausgefiltert werden, weshalb er als Archont5 gewählt worden ist und ob die entwickelten Reformen Anklang im Volk fanden.

2.Situation in Athen

Bereits in den Anfängen des achten Jahrhunderts haben schwere Krisen in Athen begonnen. Zu diesen Krisen zählt die Überbevölkerung. Mit dieser hohen Anzahl an Bewohnern sollte es eigentlich zur Kolonisationsbewegung kommen um auf neue Gebiete auszuweichen, jedoch wurde es von Athen komplett unterschlagen.6 Gleiches erwähnt auch Ruschenbusch in Plutarchs Solonbographie und nennt zuzüglich den „ Silberbergbau im Laureion als Ventil für den Bevölkerungsdruck". Da in Griechenland die Ernte nicht vollkommen ausreichend war, herrschte teilweise Hungersnot. Grund dafür ist die geografische Lage gewesen. Flächen für einen guten Anbau für Nahrung standen oft nicht zur Verfügung. Diese Hungersnot spitzte sich in den Wintermonaten drastisch zu und es kam dadurch teilweise zu Todesfällen.7 Jedoch hat es nicht nur an der Ernte gelegen, sondern auch die Erbteilung hat eine entscheidende Rolle gespielt. Das Erbe wurde beim Tode des Vaters gleichmäßig unter den existierenden Söhnen verteilt. Dadurch mindert sich der Hofanspruch für die erbenden Söhne und sie besaßen somit viel weniger als vorher.8 Mit dieser Erbteilung erfolgt dementsprechend auch eine Verarmung für die Nachkommen Dieser Prozess kann immer weitergeführt werden und es wird schwerer für die weiteren Erben die eigene Existenz zu sichern, da sich das Vermögen immer weiter halbiert.9 Das Resultat aus solch einer Abfolge ist die Teilung der Bevölkerung in Reiche und Arme Menschen. Dadurch kann auch keine Konkurrenzkämpfe auf dem Markt entstehen und die reiche Bevölkerung hat somit wirtschaftlich Profit gemacht und sich sogar weiterentwickelt. Infolgedessen gab es Menschen, die mit allen Mitteln ihr Vermögen vermehren möchten. Mit dieser Vermehrung soll eine Vorherrschaft in der Gemeinde unter den Aristokraten positioniert werden.10 Dazu versucht man von den armen Kleinbauern das Land zu kaufen, aber darauf ließen sich die Besitzer nicht ein. Für Kleinbauern sind die Felder deren wichtigstes Gut. Sie sind für ihre finanziell Existenz komplett auf die Ernte angewiesen.

Erfolgte im Laufe des Jahres eine Missernte, so hat der Kleinbauer einen finanziellen Notstand und war somit auf ein Darlehn angewiesen. Falls der Kleinbauer nicht mehr die Zinsen bezahlen konnte, verlor er sogar schlimmstenfalls seinen Anspruch auf das Land.11 Die Kluft zwischen Armen und Reichen wird durch solche entstehenden Unstimmigkeiten immer größer. Aristoteles selbst erwähnt diese Kluft in seiner Athenaion Politeia und beschreibt die Situation als die Abhängigkeit der „ Massen von den wenigen".12 Um genauer zu sein waren „ die Armen von den Reichen abhÄngig, sie selbst, ihrer Kinder und ihre Frauen".13 Anhand solcher Ungerechtigkeit unter dem Volke ist eine Unzufriedenheit selbstverständlich. Jedoch war die Kluft nicht das einzige Problem. Bei der Verschuldung der Kleinbauern konnte er in die Schuldsklaverei verfallen und wäre somit ein Arbeiter für den Gläubigen. Mit diesem Verhältnis sollen demnach die Schulden des Kleinbauerns getilgt werden.14 Diese Art und Weise das Darlehn zu bezahlen ging nach einer Zeit nicht gut, da sich der Schuldner abhängig macht. Die Armen begannen sich gegen die Reichen zu wehren. Da der Bevölkerungsanteil der Armen viel höher als der von den Reichen ist, kam es zu Ausschreitungen. Die entstandenen Ausschreitungen haben das Potential bis zum Bürgerkrieg überzugehen. Unzufriedenheit breitete sich auf den Straßen aus und eine Lösung war weit und breit nicht in Sicht.15 Wer und wie kann diese angespannte Situation nun sinnvoll geklärt werden? Lässt sich überhaupt diese entstandene Spannung unter der Bevölkerung senken? Entworfene Reformen wie die von Drakon 16 haben nach einer Zeit ihre eigentliche Wirkung verloren und es müssen neue Grundregeln aufgestellt werden, die zu einer Lösung führen, mit denen alle Parteien im athenischen Volke zufrieden sein können. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Zepter an Solon übergeben und er hat einen neuen Wind unter das athenische Volk gebracht.

3. Die Person Solon

Solon selbst war ein athenischer Staatsmann und bekannt für seine rhetorischen Fähigkeiten. Viele seiner Werke sind in Gedichtformen erhalten geblieben, in denen er teilweise Gesetze erlassen hat. Seine Lebensdaten wurden nicht genau erfasst und es wird daher vermutet, dass er in dem Zwischenraum 640 bis 560 vor Christus gelebt hat.17Solon war von seiner Abstammung und seinem Ruf her einer der führenden Bürger, seinem Besitz und seiner BeschÄftigung nach jedoch gehörter er zur mittleren Klassen".18 Anhand dieser Aussage von Aristoteles war demnach Armut kein Fremdwort für Solon. Auch lässt sich sagen, dass Solon in seiner Zeit viel gereist ist und mit anderen Kulturen in Kontakt trat.19 Solon selbst war die gefährliche Situation in Athen bekannt und verstand sich selbst als Schlichter innerhalb dieses Zwiespaltes.20 Er hat sich oft gegen den Adel gewandt und diese für die schlechte Situation beschuldigt. Durch deren rücksichtsloses Verhalten können schwerwiegende Folgen entstehen.21 Daher sind sie am ausgebrochenen Bürgerkrieg die Hauptschuldigen, da sie gierig nach Reichtum waren.22

Das Volk hatte genug von der ungerechten Lebensweise und sie sahen in Solon den erfahrenen Mann, der ihnen helfen kann. Laut Ruschenbusch wurde Solon 594 vor Christus zum Archont gewählt. Bei denen Wahlen konnte davon ausgegangen sein, dass die Armen ihn gewählt haben und die Reichen dagegen stimmten. Jedoch hatte er durch den hohen Stimmenanteil der Armen seine Machtposition erhalten und legitimieren können.23 Neben der Position als Archont erhielt er die Vollkommene Macht über den Staat, womit er die Möglichkeit hatte den entstandenen Krisenzustand zu lösen.24 Ziel war es jedoch nicht, mit Gewalt zu agieren und die Reichen zu vertreiben. Auch war das Ziel nicht Partei zu ergreifen und somit Druck auszuüben. Gewalt war für Solon keine Lösung. Es sollte eine dauerhafte Einigung erfolgen mit denen alle Parteien glücklich werden konnten.25 Ziel seiner Reformen war die Entwicklung einer guten und vor allem gerechte Ordnung.

4.Programm der Eunomia

4.1 Die Eunomia-Elegia

Solon hat nun alle Vollmachten vom Volke erhalten. Er kann den Staat umändern und zu einem besseren Ort entwickeln. Um jedoch detailliertere Informationen erhalten zu können, muss auf das erhalten gebliebene Fragment, die „ Eunomia-Elegie", ein genaueres Auge geworfen werden. Hierzu liefert E.Ruschenbusch einige Ergebnisse, da er teilweise alle übrig gebliebenen Gesetzeswerke von Solon übersetzt und auch kommentiert hat.

Bevor dieser Schritt gewagt wird, sollte der Begriff „ Eunomia" genauer erläutert werden. Es steht im Zusammenhang mit einer positiven Verhaltensänderung des Menschen. Der Mensch muss selber seine Fehler einsehen und entsprechend handeln um einen positiven Ausgang erreichen zu können. Es steht im Gegensatz zur Dysnomia, welche Unordnung bedeutet. Sie bezeichnet das Fehlverhalten der Menschen. Beide Schlagwörter sind Kerninhalte von Solons Fragmenten und werden nicht nur erwähnt, sondern auch gegenübergestellt. Dadurch werden die Zukunftsperspektiven des Staates Athen vorgestellt. Entweder der Staat geht zu Grunde oder es wird eine positive Lösung gefunden.26

Anfangs geht Solon auf die Missstände ein und begründet diese mit dem Fehlverhalten der Menschen. Somit stellt er die Situation klar und will dadurch die Augen des Volkes öffnen. Sinn und Zweck dieses Anfanges ist der Versuch einer gelungenen Aufklärung für die Krisensituation. Anhand seiner Kreativität und rhetorischem Geschick will er die Bürger erreichen und dazu auffordern gemeinsam diese brenzlige Situation zu meistern.27 Das wird auch von Aristoteles dargestellt, indem er die Fragmente von Solon analysiert. In diesem Teil geht er auf die Habgier der Reichen ein.28 Bei der Athenaion Politeia muss jedoch aufgepasst werden. Bei der Quelle ist die Sicherheit nicht gegeben, dass sie von Aristoteles stammt. Das Werk beschreibt die komplette Abfolge der Athenischen Verfassung bis zur entstandenen Demokratie. Folglich werden auch die einzelnen Verfassungsorgane dargestellt. Es wird aber weitgehend immer auf die Auseinandersetzung zwischen Aristokraten und dem Volke eingegangen.29 Im Angesicht dieser Unwissenheit, müssen diese erwähnten Punkte in der Quelleninterpretation beachtet werden, sonst könnten falsche Aussagen als richtig anerkannt werden.

Um Solons Gedankenverläufe auf den Punkt zu bringen. Die Krisensituation ist auf das Fehlverhalten der Menschen zurückzuführen. Dadurch erfolgt die „ Dysnomia" und somit Ungerechtigkeit. Ziel ist die Eunomia und diese wird nur mit einer Loslösung der Eigeninteresse erreicht. Jeder Mensch muss an das Gemeinschaftswohl denken und darauf appellieren, da Habgier zu Unwohl führen kann. Erst durch eine vernünftige menschliche Einstellung wird es möglich sein, die schlechte Lage in Athen zu überbrücken und in einen friedlichen Staat zu wandeln.30

[...]


1 Vgl. Arist. 5, 2 (übers. v. M.Chambers)

2 Vgl. J. Bleicken, Die athenische Demokratie. 2.Aufl., Stuttgart 1995, 20-21.

3 übersetzt als die „ Gute Ordnung" zu verstehen. Dies war der Kerngedanke von Solon und seinen Gedichten.

4 Die Seisachtheia , auch besser bekannt als die Schuldentilgung, ist ein wichtiges Element in Solons Reformen und wird im Rahmen der Hausarbeit noch näher erläutert

5 Bezeichnung für ein führenden Amtsträger in Athen

6 Vgl. M.Stahl, Gesellschaft und Staat bei den Griechen: Archaische Zeit, Paderborn 2003, S.191.

7 Vgl. E.Ruschenbusch, Plutarchs Solonbiographie, Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik Bd. 100, 1994, S.351.

8 Ebd., 352.

9 Vgl. I.Tsigarida, Solon- Begründer der Demokratie? Eine Untersuchung der sog. Mischverfassung Solons von Athen und deren „demokratischer" Bestandteile, Bern 2006, S.39-40.

10 Vgl. M.Stahl, Gesellschaft und Staat bei den Griechen, 193.

11 Vgl. Ruschenbusch, Plutarchs Solonbiographie, 353-354.

12 Vgl. Arist. 5, 1 (übers. v. M. Chambers)

13 Vgl. Arist. 5, 1 (übers. v. M. Chambers)

14 Vgl. I.Tsigarida, Solon- Begründer der Demokratie, 43.

15 Vgl. K.W. Welwei, Ursachen und Ausmaß der Verschuldung attischer Bauern um 600 v. Chr., Zeitschrift für klassische Philologie, H 4, 2005, 33.

16 Drakon, athenischer Reformer, entwarf die erste schriftliche Rechtsetzung, worin er auf die Punkte Straffreiheit bei Notwehr, Einschränkung der Blutrache und Unterscheidung zwischen vorsätzlicher und unbeabsichtigter Tötung eingeht.

17 Vgl. I.Tsigarida, Solon- Begründer der Demokratie, 23.

18 Vgl. Arist. 5, 3 (übers. v. M. Chambers)

19 Vgl. I.Tsigarida, Solon-Begründer der Demokratie, 23.

20 Vgl. J.Bleicken, Die athenische Demokratie, 18-19.

21 Vgl. Ruschenbusch, Plutarchs Solonbiographie, 354-355.

22 Vgl. Arist. 5, 4 (übers. v. M. Chambers)

23 Vgl. Ruschenbusch, Plutarchs Solonbiographie, 355.

24 Vgl. Plut. Sol. 1, 2 (übers. v. K. Ziegler)

25 Vgl. Ruschenbusch, Plutarchs Solonbiographie, 355.

26 Vgl. I. Tsigarida, Solon-Begründer der Demokratie, 61-63.

27 Ebd., 59.

28 Vgl. Arist. 5, 4 (übers. v. M.Chambers)

29 Vgl. M.Stahl, Gesellschaft und Staat bei den Griechen, 178.

30 Vgl. I.Tsigarida, Solon- Begründer der Demokratie, 64.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
War Solon der Richtige? Die politischen Handlungspersonen in der Krisenzeit der Stadt Athen
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V347013
ISBN (eBook)
9783668365049
ISBN (Buch)
9783668365056
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Solon, Athenische Demokratie, Eunomia
Arbeit zitieren
Attilla Inan (Autor), 2016, War Solon der Richtige? Die politischen Handlungspersonen in der Krisenzeit der Stadt Athen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/347013

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