Die Hausarbeit behandelt die bei Paul Heyse beschriebenen Geschlechterrollen, vorrangig in Bezug auf "L'arrabbiata" und "Das Mädchen von Treppi".
Der Autor Paul Heyse war ein Vorkämpfer der Frauenrechte, stets engagiert die Emanzipation voranzutreiben. In „L‘Arrabbiata“ wie auch in weiteren Novellen und Gedichten strengt Heyse moderne Geschlechterrollen an und stellt dadurch die Frage, ob durch die Erzählung solcher Modelle eine literarische Emanzipation der Frau erreicht werden kann.
Heyse unterstützte Frauen also hinsichtlich ihrer Rechte auf wissenschaftliche Bildung und Ausbildung, 1866 veröffentlichte er sogar ein Gedicht in der „Gartenlaube“ mit dem eindeutigen Titel „Frauenemancipation. Eine Fastenpredigt.“. Trotz der unmissverständlichen Benennung des Gedichts erzielt er durch die Versform eine gewisse Distanz zu seiner Kritik an der momentanen Bildungspolitik. Des Weiteren soll nun untersucht werden, ob Heyse das starke Frauenmotiv häufiger aufgreift, und erotische Situationen einen maßgeblichen Anteil an der Emanzipation haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Frauenbewegungen um 1860- Bedeutung von Emanzipation, von Bildungsforderungen bis Frauenwahlrecht
3 L‘ Arrabbiata- „Die Eigensinnige“ im Wandel
4 Starke Frauenrollen- Sittlichkeit und Sinnlichkeit im Kontrast
5 Vervollständigung Heysescher Mädchengestalten
6 Heyses literarisches Engagement für die Frauenemanzipation außerhalb der Novelle
7 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die von Paul Heyse in seinen Novellen entworfenen weiblichen Protagonistinnen zur literarischen Emanzipation der Frau beitragen und ob Heyse als bewusster Vorkämpfer für Frauenrechte innerhalb seiner Epoche anzusehen ist.
- Analyse von Geschlechterrollen in Heyses Novellen wie "L‘ Arrabbiata" und "Die Stickerin von Treviso".
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen literarischen Modellen und gesellschaftlicher Emanzipationsbewegung.
- Betrachtung von Heyses publizistischem Engagement, insbesondere dem Gedicht "Frauenemancipation. Eine Fastenpredigt".
- Evaluation der Bedeutung von Bildung und Selbstbestimmung für die Heyseschen Mädchengestalten.
Auszug aus dem Buch
3 L‘ Arrabbiata- „Die Eigensinnige“ im Wandel
Die Figur der Laurella, ein 18- jähriges Mädchen aus Sorrent, stellt die Protagonistin in „L’Arrabbiata“ dar. Zunächst scheint die Figur in ihrer Entwicklung zu stagnieren, wird sie doch von jeher „die Eigensinnige“ genannt, stellenweise als „unberechenbar“ beschrieben, unangepasst an die Erwartungshaltung ihrer Umgebung bezüglich der Pflichten einer Frau. Der neutrale Erzähler unterrichtet den Leser darüber, dass Laurella in früher Kindheit ein Trauma zwischenmenschlicher Natur erlitt, denn der Vater schlug die Mutter häufig bevor sie körperlich wurden. Diese Erfahrung veranlasst Laurella zu der Aussage „wißt, Padre, darum will ich eine Jungfrau bleiben, um keinem untertänig zu sein, der mich mißhandelte und dann liebkoste.“
So wird sie mit dem Erwachsenwerden verbittert und unfähig, eine Beziehung zu einem Mann einzugehen und unwillig, jemals zu heiraten („Ich will gar keinen Mann, niemals!“). Hier findet sich der erste Hinweis auf ein äußerst selbstbestimmtes, emanzipiertes Verhalten der Laurella, es gilt zu ihrer Zeit allerdings als unweiblich, teilweise sogar unchristlich sich der Heirat zu verwehren, da dies eine gottbefohlene Pflicht der Frau sei. Die momentane psychische Verfügung Laurellas wurde somit erläutert, also ihr ablehnendes und eigensinniges Verhalten. Diese Erklärungen finden während einer Bootsfahrt Richtung Capri statt, während der neben Laurella und dem Padre auch Antonio zugegen ist. Im zweiten Teil der Erzählung befinden sich nur das Mädchen und der in sie verliebte Antonio im Boot, die Rückfahrt wird angetreten. Es kommt zu einem Streit, da Laurella keine Beziehung mit ihm eingehen will („Was hast du für eine Recht auf mich? […] Ich laß mir nicht bangen, soviel du auch drohst. Ich will auch tun, was ich will.“), er jedoch das Recht auf sie einfordert. In ihrer Wut und Bedrängnis beißt sie ihm in die Hand und springt ins Wasser. Dies ist ein entscheidender Moment in der Psyche Laurellas, sie erfährt einen elementaren Sinneswandel, nämlich dass sie zu Antonio zurückkehrt und sich um seine von ihr zugefügte Wunde, fürsorglich kümmert. Ab diesem Punkt ist sie in der Lage, seine und auch ihre Liebe zu ihm zuzulassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der literarischen Emanzipation anhand der Protagonistin Laurella und Vorstellung der zentralen Fragestellung.
2 Frauenbewegungen um 1860- Bedeutung von Emanzipation, von Bildungsforderungen bis Frauenwahlrecht: Historischer Überblick über die Anfänge der Frauenbewegung, insbesondere die Forderungen nach Bildung und Erwerbsmöglichkeiten.
3 L‘ Arrabbiata- „Die Eigensinnige“ im Wandel: Untersuchung der Entwicklung Laurellas von der beziehungsunfähigen, eigensinnigen Figur zur selbstbestimmten Frau.
4 Starke Frauenrollen- Sittlichkeit und Sinnlichkeit im Kontrast: Analyse der Novelle „Die Stickerin von Treviso“ hinsichtlich der Verbindung von leidenschaftlicher Liebe und moralischer Standhaftigkeit.
5 Vervollständigung Heysescher Mädchengestalten: Betrachtung der Figur Fenice aus „Das Mädchen von Treppi“ als Prototyp einer selbstbestimmten, emanzipierten Frau.
6 Heyses literarisches Engagement für die Frauenemanzipation außerhalb der Novelle: Diskussion von Heyses Gedicht „Frauenemancipation. Eine Fastenpredigt“ und seiner öffentlichen Positionierung zur Frauenfrage.
7 Fazit: Zusammenfassende Bewertung von Paul Heyses Beitrag zur literarischen Emanzipation und Bestätigung der Ausgangsthese.
Schlüsselwörter
Paul Heyse, Emanzipation, Frauenbewegung, Literatur des Realismus, Geschlechterrollen, Frauenbildung, L'Arrabbiata, Weibliche Protagonistinnen, Selbstbestimmung, Die Gartenlaube, Frauenstimmrecht, literarische Vorbilder, Feminismus, Emanzipationsgeschichte, Autorenanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Paul Heyses literarische Darstellung von Frauenrollen im 19. Jahrhundert und untersucht, ob seine Werke einen Beitrag zur literarischen Emanzipation leisteten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt die Zusammenhänge zwischen historischer Frauenbewegung, literarischen Geschlechterrollen und Heyses spezifischem Engagement für Frauenbildung und Selbstbestimmung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, ob Heyse durch seine eigensinnigen und selbstbestimmten Frauenfiguren sowie seine publizistischen Beiträge eine literarische Emanzipation der Frau aktiv vorangetrieben hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten (Novellen, Gedichte) in Verbindung mit historischem Kontextwissen und literaturkritischen Quellen angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Frauenbewegung, eine detaillierte Charakteranalyse in verschiedenen Novellen sowie die Untersuchung von Heyses publizistischem Engagement in der "Gartenlaube".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Emanzipation, Realismus, Frauenbildung, Geschlechterrollen und die spezifischen Novellentitel von Paul Heyse.
Welche Rolle spielt die Figur der Laurella für das Verständnis von Emanzipation?
Laurella dient als Paradebeispiel für eine Frau, die sich gesellschaftlichen Konventionen widersetzt und ihre Beziehungsunfähigkeit durch eigene Kraft und Rationalität überwindet.
Wie bewertet der Autor Heyses feministische Einstellung?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Heyse als Avantgardist der Frauenbewegung zu betrachten ist, da er Frauen als eigenständige, intellektuell fähige Individuen darstellte, die weit über das häusliche Rollenbild hinausgingen.
- Arbeit zitieren
- Nele de Fries (Autor:in), 2015, Moderne Geschlechterrollen bei Paul Heyse. Eine literarische Emanzipation der Frau?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/347082