Ein Blick auf die tägliche Praxis des Unterrichtens sorgt in der Regel dafür, pädagogische Probleme prägnant und mit dem Verzicht auf allzu ausufernde Beschreibungen auf den Punkt zu bringen. Während der Vorbereitung auf meine Examensreihe wurde ich von vielen Kollegendazu befragt, was Gegenstand meiner Arbeit sei. Als ich Ihnen dann das Thema, das ihm zugrunde liegende Problem und die dazugehörige Klassenstufe, in der ich die entsprechende Unterrichtsreihe durchführen wollte, nannte, erntete ich von allen nur ein verständnisvolles Nicken, verbunden mit dem Kommentar, man habe die gleiche Erfahrung bereits schon am eigenen Leib gemacht und man wisse auch keine Lösung für das Phänomen.
Das Dilemma eines jeden Lateinlehrers, der den Unterricht einer Lerngruppe im ersten Lektürejahr zu gestalten hat, besteht nämlich darin, die kanonischen Autoren Caesar (Commentarii de bello Gallico) und Ovid (Metamorphosen) behandeln zu müssen – und zwar so, dass sowohl Schülerinnen als auch Schüler in gleichem Maße ihre Kompetenzen ausbilden und außerdem Spaß am Unterricht haben. Dass dies eine durchaus schwere Aufgabe ist, soll der obige Erfahrungsbericht verdeutlichen. Vielen Schülerinnen fällt es eben schwer, sich für die recht trocken wirkende Darstellung des Feldherren und Machtmenschen Caesar zu begeistern. Im Gegenzug stößt die Behandlung der artifiziell z. T. höchst anspruchsvollen Erzählungen Ovids samt ihrer meist zwischenmenschlichen Thematik bei vielen Schülern auf Ablehnung.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es demnach, ein Modell aufzuzeigen, mit dem es unter Berücksichtigung der formalen Rahmenbedingungen (die noch geltenden Lehrpläne, künftige Bildungsstandards, Schulcurricula) möglich ist, geschlechtsdifferenziert zu unterrichten und damit die Interessen der Lerngruppe in angemessener Weise zu berücksichtigen. Dabei wird diese Heterogenität als Chance und Herausforderung begriffen und versucht, „den Unterricht und die Lernumwelt unter Beibehaltung des Klassenverbandes so weit wie möglich an den spezifischen Bedürfnissen und Möglichkeiten der Schüler zu orientieren und entsprechend zu verändern“.
Inhaltsverzeichnis
A. Darstellung des pädagogischen Problems
A.1. Zum bisherigen Unterricht und Lernvoraussetzungen
A.2. Problematisierung des Befundes
B. Exkurs: Gender und pädagogische Konsequenzen
C. Die Lektüre des Briefes Mundus Novus von Amerigo Vespucci
C.1. Didaktische Begründung des ausgewählten Themas
C.2. Auswahl der Inhalte
C.3. Darstellung der Unterrichtsreihe
C.3.1. Tabellarischer Überblick
C.3.2. Didaktische Prinzipien der Unterrichtsreihe und Organisation
C.3.3. Arbeitsmaterial
C.3.4. Exemplarische Beschreibung eines Textblocks
D. Evaluation
D.1. Vorgehensweise
D.2. Darstellung und Besprechung der Ergebnisse
E. Fazit und Konsequenzen für die weitere Arbeit im Unterricht
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie durch die Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Interessen bei der Lektüre von Amerigo Vespuccis Brief "Mundus Novus" die Motivation und das Interesse von Schülerinnen und Schülern einer zehnten Klasse am Lateinunterricht gesteigert werden können.
- Analyse geschlechtsspezifischer Lerninteressen im Lateinunterricht
- Entwicklung eines geschlechterdifferenzierten Unterrichtskonzepts
- Einsatz des "Mundus Novus" zur Steigerung der intrinsischen Motivation
- Anwendung projektorientierter Gruppenarbeit
- Evaluation von Unterrichtsqualität und persönlicher Kompetenzentwicklung
Auszug aus dem Buch
C. Die Lektüre des Briefes Mundus Novus von Amerigo Vespucci
Angesichts der Zusammensetzung des Kurses von 16 Schülern und vier Schülerinnen sowie der unter A.1. aufgezeigten Lernvoraussetzungen in meiner zehnten Klasse erschien mir die Gelegenheit günstig, am Ende des Schuljahres 2009/2010 – befreit vom Druck einer noch zu schreibenden Klassenarbeit – den Versuch einer geschlechtsdifferenzierten Unterrichtseinheit zu konzipieren mit dem Ziel, den altersgemäßen Bedürfnissen meiner Schülerinnen und Schüler, ihren Erwartungen an einen interessanten Lateinunterricht und meinen eigenen Vorstellungen einer anspruchsvollen und gleichzeitig attraktiven Unterrichtsgestaltung Genüge zu tun.
Während der Vorbereitung auf die Reihe stellte sich schnell heraus, dass das Thema Binnendifferenzierung im Lateinunterricht gerade in Kinderschuhen steckt und Veröffentlichungen dazu Mangelware sind. Zwar ist man sich der Heterogenität seiner Lerngruppe durchaus bewusst, „doch noch zu selten hat dies Konsequenzen für die Unterrichtsgestaltung“. Bislang richtete der Unterricht in seiner Planung nach einem fiktiven Durchschnittsschüler und dessen Leistungspotenzial. Die Unterrichtsreihe zu Amerigo Vespuccis Brief Mundus Novus sollte sich jedoch „der Heterogenität der Lerngruppe bewusst werden und ihr so weit wie möglich Rechnung tragen“.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Darstellung des pädagogischen Problems: Analyse der bestehenden Schwierigkeiten, Schülerinnen und Schüler für kanonische Lektüren zu motivieren, und Definition der Zielsetzung der Arbeit.
B. Exkurs: Gender und pädagogische Konsequenzen: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff Gender und dessen Bedeutung für eine moderne, geschlechtergerechte Pädagogik.
C. Die Lektüre des Briefes Mundus Novus von Amerigo Vespucci: Darstellung des Unterrichtskonzepts, das auf geschlechtsspezifische Differenzierung und projektorientierte Arbeit setzt.
D. Evaluation: Erläuterung der angewandten Evaluationsmethoden zur Messung von Akzeptanz, Motivation und Lernerfolg bei der Schülerschaft.
E. Fazit und Konsequenzen für die weitere Arbeit im Unterricht: Zusammenfassende Bewertung der Unterrichtsreihe und Ausblick auf zukünftige Optimierungsmöglichkeiten für den Lateinunterricht.
Schlüsselwörter
Lateinunterricht, Gender, geschlechterdifferenzierte Didaktik, Mundus Novus, Amerigo Vespucci, Binnendifferenzierung, Motivation, projektorientierte Gruppenarbeit, Heterogenität, Kompetenzentwicklung, Evaluation, Schülermotivation, fachdidaktische Konzepte, schülerzentrierter Unterricht, entdeckendes Lernen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschreibt den Versuch, den Lateinunterricht in einer zehnten Klasse durch eine geschlechterdifferenzierte Herangehensweise bei der Lektüre von Amerigo Vespuccis Brief "Mundus Novus" attraktiver und motivierender zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Binnendifferenzierung im Fremdsprachenunterricht, die geschlechtsspezifische Förderung sowie die inhaltliche Erschließung neulateinischer Sachtexte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein Modell aufzuzeigen, wie unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessen von Jungen und Mädchen im gemeinsamen Klassenverband eine Steigerung der intrinsischen Lernmotivation erreicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um einen praxisorientierten Ansatz der Aktionsforschung, bei dem Unterrichtsmethoden (projektorientierte Gruppenarbeit) konzipiert und anschließend mittels Fragebögen evaluiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Gender-Aspekten, die konkrete didaktische Planung der Unterrichtsreihe sowie die ausführliche Evaluation der Ergebnisse anhand von Diagrammen und Schülerfeedback.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gender-Didaktik, Binnendifferenzierung, schülerzentrierte Unterrichtsgestaltung und Motivationssteigerung im Lateinfach charakterisiert.
Warum wurde ausgerechnet der "Mundus Novus" als Lektüre gewählt?
Der Text bietet eine hohe inhaltliche Relevanz mit Gegenwartsbezug, entlastet durch eine klare Strukturierung und ermöglicht durch sein Thema (Entdeckungen) vielfältige Anknüpfungspunkte für beide Geschlechter.
Welche Rolle spielt die projektorientierte Gruppenarbeit in diesem Konzept?
Sie dient als Vehikel, um durch abwechslungsreiche Arbeitsaufträge und individuelle Verantwortlichkeiten die Eigenaktivität und das Interesse der Schülerinnen und Schüler zu fördern.
- Arbeit zitieren
- M. A. Marc Andre Ziegler (Autor:in), 2010, Die Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Interessen einer Lerngruppe in Latein (Jgst. 10) bei Amerigo Vespuccis Brief über die Entdeckung der „Neuen Welt“ (Mundus Novus), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/347148