"Tuscus ego Tuscis orior". Das vierte Buch des Properz


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

25 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zur Person des Propertius

2. Mythologische Figuren
2.1. Vertumnus
2.2. Tatius (Tati, Prop. IV 2, 52)
2.3. Lucumo (Lycomedius, Prop. IV 2, 51)

3. Metrische Analyse

4. Textkritik
4.1. Qui (Prop. IV 2, 1)
4.2. praecepimus (Prop. IV 2, 11)
4.3. †pastorem† ad baculum possum †curare† (Prop. IV 2, 39)

5. Grammatische Besonderheiten

6. Übersetzung

7. Interpretation

8. Literaturverzeichnis
8.1. Texte
8.2. Forschungsliteratur
8.3. Nachschlagewerke

1. Zur Person des Propertius

Bei der Frage nach biografischen Daten sind wir, wie bei vielen anderen antiken Autoren, so auch bei Propertius auf Selbstzeugnisse aus dessen Werk angewiesen. [1] Sextus Aurelius Propertius wurde um die Mitte des ersten Jahrhunderts v. Chr. als Umbrier in Assisi geboren (IV 1, 125); dort glaubt man in den Resten eines alten Bauwerks, dessen Wände mit Fresken und griechischen Versen geschmückt sind, das Haus des Propertius entdeckt zu haben – neben Horazens Sabinum wohl das einzige Heim eines römischen Dichters, das auf uns gekommen ist. Sein Vater, der einem angesehenen Geschlecht angehörte, ist früh gestorben (IV 1, 127f.). Zu den prägenden Jugenderlebnissen des Propertius zählt der perusinische Krieg (s. I 21; I 22). Im Jahre 41 verliert er einen Teil seines Landbesitzes durch die Ackerverteilung der Triumvirn (IV 1, 130). Er verzichtet auf die öffentliche Laufbahn, geht aber früh nach Rom.

Seine erste Gedichtsammlung, welche uns unter dem Namen Monobiblos bekannt ist (Mart. 14, 189), widmet er Cynthia. Dieses Pseudonym, hinter dem sich (nach Apul. apol. 10, 2) die gebildete Kurtisane Hostia verbirgt, nähert die Geliebte der Sphäre Apollos an (Apollon wurde auf dem Berg Kynthos geboren). Das Buch dürfte kaum später als 28 v. Chr. erschienen sein; denn die Einweihung des palatinischen Apollontempels ist erst im zweiten Buch erwähnt. Den rasch bekannt gewordenen Dichter sehen wir schon im zweiten Buch als Mitglied des Maecenaskreises (II 1; III 9).Von den späteren Büchern ist das zweite kurz nach dem Tod des Gallus, also nach 26 v. Chr. (II 34, 91f; s. II 30, 37ff.), das dritte bald nach 23 v. Chr. erschienen. Das vierte und letzte Buch ist erst nach 16 v. Chr. veröffentlicht worden. Eine wichtige Rolle in der Dichtung Properzens spielen seine Freunde: Tullus (er wird in vier Gedichten des ersten Buches angeredet, s. auch III 22), Bassus (wohl der Iambograph) und der Epiker Ponticus. Zwei weitere Dichter werden mit Pseudonymen bezeichnet: ein Tragiker Lynceus und ein Demophoon, dem wohl Tuscus entspricht. Ferner sind Postumus und Galla zu nennen. Galla ist wahrscheinlich eine Verwandte von Propertius. In drei Gedichten erscheint Gallus (vermutlich Aelius Gallus) als Freund und Vertrauter des Dichters. Von Vergil spricht Propertius mit Achtung, Ovid erwähnt er nicht. Er ist nach 16, spätestens aber um Christi Geburt gestorben.[2]

2. Mythologische Figuren

2.1. Vertumnus

Ursprünglich handelt es sich bei Vertumnus (neben dieser Überlieferung, welche in den Hauptzeugnissen Prop. IV 2 und Ovid met. XIV 626ff. zu finden ist, lautet der früheste Beleg Vortumnus und findet sich bei Varro 1.1. V 46) um den etruskischen Gott Voltumna aus Volsinii, wo man das zentrale Heiligtum der Etrusker, das fanum voltumnae, vermutet. Voltumna gilt als oberste Gottheit der Etrusker. Ursprünglich als Erdgott vorgestellt wurde er zum Bundesgott der etruskischen Städte. Der Name ist mit ziemlicher Sicherheit etrurischen Ursprungs, unklar bleibt jedoch, ob der Ritus nicht schon eine frühere Phase der Entwicklung erlebt hatte. Unbestritten ist die Tatsache, dass der Gott aus Etrurien nach Rom importiert wurde, wo sein Kult ab 264 v. Chr. belegt ist. Anders steht es mit der Zeit der Übernahme. Hier gehen die Meinungen weit auseinander. Die frühesten Datierungen gehen zurück auf die Zeit des Romulus, d.h. auf die Anfänge des römischen Staatswesens, die späteste auf den Beginn des dritten Jahrhunderts v. Chr. Wir wissen von einer Statue des Gottes im Vicus Tuscus (ein Stadtviertel, welches - Propertius und Varro zufolge - nach den Etruskern benannt wurde, die dem Romulus im Kampf gegen die Sabiner zur Hilfe gekommen waren) und einem Tempel auf dem Aventin. Ein ausführliches Zeugnis über Vertumnus gibt Propertius in seiner aitiologischen Elegie IV 2, welche je ausschließlich die Statue thematisiert. Die Verse 49 bis 54 und 59ff. setzen die Einführung des Gottes in die mythologische Vorzeit der Stadt. Andere Meinungen gehen davon aus, das die Staue und somit der Kult mit dem Sieg über Volsinii (heute Orvieto; nach Einnahme und Zerstörung der Stadt durch die Römer wurde sie von ihren Bewohnern neu aufgebaut, und zwar an der Stelle des heutigen Bolsena) im Jahre 264 v. Chr. nach Rom gebracht wurde. Der Standort der Statue lag wahrscheinlich am Ende des Vicus Tuscus, direkt am Übergang zum Forum Romanum auf der Ostseite, gegenüber der Basilica Iulia. Dort wurde im Jahre 1549 eine Marmorbasis mit der Inschrift Vertumnus temporibus Diocletiani et Maximiani gefunden. Außerdem schaute Vertumnus laut Propertius direkt auf das Forum Romanum.

Zur Etymologie des Namens gibt Propertius drei Varianten an. Hinzu kommt eine weitere Deutung: Vertumnus als Gott des Handelsverkehrs, des Warenumsatzes. Allgemein anerkannt ist aber die These, dass Vertumnus der Gott der wechselnden Jahreszeiten ist, was der zweiten von Propertius erwähnten Möglichkeit entspricht. Die Wortwurzel WERT für „drehen, wenden“ ist als indogermanische Wurzel gut bekannt. Demnach ist anzunehmen, dass der Name vom Protolatinischen ins Etruskische übernommen und von hier nach Rom überliefert worden ist. Somit ist der Name indogermanischen Ursprungs und hat lediglich eine etruskische Phase durchgemacht. Sein fest, die Vertumnalia, wurde am 13. August begangen (Nach Hederich wurde das fest am 29. Oktober begangen). Als Gatte der Pomona (Ovid met. XIV 626ff.) war er auch Gott der Gärten.[3]

2.2. Tatius (Tati, Prop. IV 2, 52)

Titus Tatius war einer römischen Sage zufolge Sabinerkönig und später Mitherrscher des Romulus in dem Doppelstaat aus Römern und Sabinern. Außerdem steht er als Eponym der Stammtribus der Titienses. Am frühesten wurde sein Name von den älteren Analisten erwähnt. Ennius nennt ihn in der Praetexta Sabinae und in seinen Annalen. Hinzu kommen Zeugnisse von Cicero, Livius, Dionysios und Plutarch. Nach dem Raub der Sabinerinnen scharen sich deren Männer um Tatius und durch den Verrat der Tarpeia gelingt es Tatius, das Kapitol zu einzunehmen. Die Frauen treten zwischen die Fronten, es kommt zum Frieden und der Doppelherrschaft von Romulus und Tatius. Bei der Darstellung dieser Legende fällt auf, dass Tatius als Person im Hintergrund steht und recht farblos bleibt. Er ist im Schatten des Romulus nicht mehr als eine notwendige Randfigur, die als protokollarischer Gegner des sagenhaften Stadtgründers fungiert.

Des Weiteren werden Tatius weitere Funktionen zugeordnet. Zum einen ist er der Repräsentant der sabinischen Gemeinde und verlegt mittels seiner Regentschaft zusammen mit Romulus das republikanische Doppelkonsulat in die mythische Vorzeit Roms zurück. Da die Union der römischen Staatsordnung von einer Königsherrschaft zu einer Konsulatsherrschaft im Jahre 290 v. Chr. erfolgte, ist ein terminus postquem für die Entstehung der Tatiussage gegeben. Zum anderen steht Tatius als Eponym nicht nur für die Stammtribus der Titienses, sondern auch für die Priesterschaft der sodales Titii. Diese wurde nach Tacitus hist. II 95 von Tatius selbst gestiftet, analog zu den Augustales, die Tiberius dem Augustus weihte. Dies führt zur Bedeutung des Tatius als sakrale Persönlichkeit, welche zahlreiche Spuren hinterlassen hat: er stiftete eine Reihe von Kulten, er findet in Laurentum, dem sakralen Zentrum, den Tod, sein Grab liegt auf dem Aventin, die Via Sacra soll nach dem Abschluss des römisch-sabinischen Bündnisses benannt worden sein, diese Via Sacra führt zum Kapitol, welches Tatius durch den Verrat Tarpeias gewann etc. Dies alles lässt den Schluss zu, dass es sich bei Tatius um eine lokale Gottheit gehandelt haben könnte. Der Name Titus Tatius bedeutet Vater, was auch ein Bestandteil des Iuppiter-Namens ist. Seine regia stand beim späteren Tempel der Iuno Moneta.[4]

2.3. Lucumo (Lycomedius, Prop. IV 2, 51)

Der Lycomedius des Propertius ist ein Gräzismus. Dagegen ist Lucumo die latinisierte Form eines etruskischen Wortes, das nach Servius „König“ bedeutete (Serv. Aen. II 278; VIII 65, 475: nam Tuscia duodecim lucumones habuit, id est reges, quibus unus praeerat). Livius scheint das Wort mit princeps wiederzugeben (II 44, 8). Dass die Lucumonen auch als Vermittler der heiligen Lehre des Tages, der Disciplina etrusca, gelten, erzählt Censorinus (de die nat. 4, 13). Nach Serv. Aen. X 202 sei derselbe Titel in Mantua auf die Führer der zwölf Curien übertragen worden. Bisweilen lassen sie Autoren, wie auch Propertius, das Wort als Personennamen erscheinen. Dies gewiss irrtümlich, indem sie den fremden, nicht verstandenen Titel personifizieren. Lucumo ist in der römischen Sagengeschichte mehrfach als Eigenname vornehmer Etrusker verwendet worden. Vermutlich ist es dem Titel Lucumo bei den Etruskern ähnlich ergangen wir mit Βασιλεúς bei den Griechen, nämlich dass es ursprünglich die Bezeichnung des Königs war, aber bei der Schwächung und Abschaffung des Königtums und bei der Erstarkung des Adels auch von dessen Häuptern in Anspruch genommen wurde – vielleicht sogar für einzelne herrschende Geschlechter nicht bloß als Standesbezeichnung, sondern auch als Name üblich werden konnte. Eine weitere These sieht in Lycomedius nicht den Namen des Feldherren, sondern seiner Anhänger. Vielleicht handelt es sich bei Lycomedius aber auch um den etruskischen Heerführer Caele Vibenna, der zwar von Propertius nicht namentlich erwähnt wird, der aber durch Varro bezeugt ist als ein Tusco duce nobili, qui cum sua manu dicitur Romulo venisse auxilio contra Tati[n]um regem (Varro 1.1. V 46).

Im Zuge einer weiteren etymologischen Herleitung galt den Römern der Name Lucumo als Eponym der Luceres, der einen der drei auf Romulus zurückgeführten Stammestribus. Dionys. II 37, 2, 5; 42, 2; 43, 2 erzählt von der Teilnahme eines έκ Σολωνίου πόλεως stammenden Lucumo am Sabinerkrieg und seinem Tod, ohne ihn mit der Tribus der Luceres in Verbindung zu bringen; derselben Tradition folgt auch Propertius in den Versen IV 1, 29 bis 31 sowie IV 2, 51. Die Erscheinungsform Lycomedius stellt angesichts großer Bedenken um den Zusammenhang zwischen Lucumo und der Tribus der Luceres im wahrsten Sinne des Wortes eine Mittelform zwischen beiden dar. Livius verzichtet auf eine Festlegung zur Etymologie. Er begnügt sich mit der Feststellung der Unsicherheit jedes Zusammenhangs mit Luceres. Zur semantischen Bedeutung lässt sich sagen, dass Lucumo eventuell mit dem griechischen λύκος verwandt ist, was Wolf bedeutet und in unserem Zusammenhang auf das Fell oder den Schädel des Tieres hindeutet. Diese Utensilien könnten die Etrusker im Kampf geschmückt haben. Demnach hieße das griechische λυκομήδες so viel wie wolfähnlich. Der Lycomedius des Propertius ist demnach keine mit Sicherheit historisch zu greifende Person, sondern repräsentiert den etruskischen Anführer bzw. das etruskische Heer, welches den Römern im Krieg gegen die Sabiner unterstützend zur Hilfe gekommen war. Die Eigenheit des Propertius, mit Namen zu spielen und neue Kreationen zu bilden, erinnert an sein Vorbild Kallimachos und zeigt, dass sein dichterisches Schaffen unter dem Einfluss der gesamten griechischen Poesie und im Speziellen unter dem des griechischen Künstlers stand.

3. Metrische Analyse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Vgl. im Folgenden Ziegler, Konrad (Hrsg.): Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Fünfundvierzigster Halbband. Priscilla bis Psalychiadai. Stuttgart 1957, Alfred Druckenmüller Verlag, S. 758ff.

[2] Vgl. im Folgenden John, Walter (Hrsg.): Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Zweite Reihe R - Z. Sechzehnter Halbband. P. Vergilius Maro bis Vindelaia. Stuttgart 1958, Alfred Druckenmüller Verlag, S. 1669ff.

[3] Kroll, Wilhelm / Karl Mittelhaus (Hrsg.): Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Zweite Reihe R – Z. Achter Halbband. Symposion bis Tauris. Stuttgart 1932, Metzler, S. 2471ff.

[4] Kroll, Wilhelm (Hrsg.): Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Sechsundzwanzigster Halbband. Lokroi bis Lysimachides. Stuttgart 1927, Metzler, S. 1706ff.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
"Tuscus ego Tuscis orior". Das vierte Buch des Properz
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Klassische Philologie)
Veranstaltung
Properz, Buch 4 (Hauptseminar)
Note
2,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
25
Katalognummer
V347159
ISBN (eBook)
9783668366565
ISBN (Buch)
9783668366572
Dateigröße
793 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tuscus, tuscis, buch, properz
Arbeit zitieren
Marc Andre Ziegler (Autor), 2006, "Tuscus ego Tuscis orior". Das vierte Buch des Properz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/347159

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