„Kleine Spiele“ haben sich seit Jahren im Schul- und Vereinssport etabliert, sei es als Aufwärmspiel, als Förderung des sozialen Verhaltens oder als Heranführung an die großen Sportspiele.
Der Begriff „Kleine Spiele“ bezeichnet im Allgemeinen „eine von einem bestimmten Spielgedanken bzw. einer Aufgabe ausgehenden Folge von lustbetonten und freudvollen Handlungen, die in anregender und unterhaltender Form die körperlichen und geistigen Kräfte entwickeln und üben“ sollen. (Döbler u. Döbler, S.31)
Die Anfänge der Spielbewegung gehen auf GutsMuths zurück. Er veröffentlichte 1796 sein erstes Lehrbuch für Spiele, um die disziplinierenden schulischen Leibesübungen aufzulockern und spielerischer zu gestalten. Die traditionelle Männergymnastik trat keinesfalls zurück, sie wurde durch die „Kleinen Spiele“ und neue Spiele aus England, wie Fußball, Kricket oder Lawn Tennis, lediglich ergänzt.
„Große Kampfspiele“ entstanden, die vor allem bei älteren Schülern eingesetzt wurden. Der neue Spielgedanke wurde an die deutschen Turnspiele angepasst, sodass neue Spiele im Schulsport eingeführt wurden.
Heute sind einige dieser Sportarten beinahe „ausgestorben“. Die damals „Großen Sportspiele“ wie Faustball, Schlagball, Feldhandball und Prellball spielen in der gegenwärtigen Welt des Sports eine untergeordnete Rolle. Viele Sportgeräte wie das Schlagholz, das Wurfholz oder das Tamburin, welches vorwiegend für Singspiele eingesetzt wurde, existieren in deutschen Sporthallen schon längere Zeit nicht mehr.
Der Stellenwert der „kleinen Spiele“ hat sich im Laufe der Zeit geändert. Füllten sie vor Jahren noch ganze Schulstunden, werden sie heute meist nur noch zur Vorbereitung auf die „Großen Sportspielen“ eingesetzt.
Die große Anzahl an Einsatzmöglichkeiten und der lernmethodische Ansatz der „Kleinen Spiele“ werden im Verlauf der Arbeit vorgestellt.
Zahlreiche Autoren bemühen sich die historischen Spielformen wieder in den heutigen Schul- und Vereinsport aufzunehmen, in dem sie in Büchern und Berichten die „Kleinen Turnspiele“ wieder aufleben zu lassen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung (Philipp Lintner)
1.1 Klassifizierung und Abgrenzung zu anderen Spielformen
1.1.1 Die präventiv-medizinisch orientierte Systematik nach Stemper (1983)
1.1.2 Die Systematik nach Brinkmann & Treeß (1980)
1.1.3 Die Systematik sozial-affektiver Aspekte nach Kapustin (1983)
1.1.4 Die Systematik nach Räumlichkeiten nach Elstner (1979)
1.1.5 Die Systematik nach Döbler & Döbler (1998)
1.2 Definition, Anforderung an „Kleine Spiele, Abgrenzungen
1.3 Anforderungen an die „Kleinen Spiele“
1.4 Abgrenzungen
1.5 Kleine Spiele – Wozu?
1.3.1 Schulung von Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer
1.3.2 Schulung der Koordination
1.3.3 Schulung von Sehen, Hören, Fühlen
1.3.4 Förderung von sozialem Verhalten
1.3.5 Förderung von kreativem Verhalten
1.3.6 Vorbereitung auf die „Großen Spiele“ wie Basketball, Fußball, Handball, Hockey, Volleyball
1.3.7 Vorbereitung auf die Individualrückschlagspiele wie Badminton und Tischtennis
1.4 Variationen
1.5 Anwendungsbereiche
2 Die pädagogische Rolle der „Kleinen Spiele“ (Tobias Schwarzwälder)
2.1 Bezug zum Lehrplan
2.1.1 Wieso „Kleine Spiele“ im Sportunterricht?
2.2 Erziehung zum Sport
2.3 Förderung/Forderung zu sozialer Attitüde
2.4 Fairness und Ehrlichkeit
2.5 Ordnung und Disziplin
2.6 Förderung der Kreativität
2.7 „Kleine Spiele“ im außerschulischen Anwendungsbereich
2.7.1 „Kleine Spiele“ im Freizeitsport
2.7.2 „Kleine Spiele“ im Leistungssport
2.7.3 „Kleine Spiele“ in der Rehabilitation und im Behindertensport
2.8 New Games
3 Zusammenfassung und Fazit
4 Mit Kleinen Spielen lernen – Neurowissenschaftliche Zusammenhänge (Manuel Holler)
4.1 Einführung
4.2 Die Tätigkeit des Gehirns
4.3 Lernen im neuronalen Netzwerk
4.4 Das Gehirn lernt immer - nur was?
4.5 Wir können viel und wissen wenig
4.6 Spielerisch Lernen
4.7 Können langsam lernen
4.8 Reflektion ist Lernen
5 (Kein) Ende
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die pädagogische Bedeutung sowie die lernmethodischen Potenziale von "Kleinen Spielen" im schulischen Sportunterricht und beleuchtet diese durch neurowissenschaftliche Erkenntnisse. Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie diese Spiele nicht nur zur sportlichen Ausbildung beitragen, sondern gezielt zur Förderung sozialer Kompetenzen, persönlicher Werte und kognitiver Lernprozesse genutzt werden können.
- Klassifizierung und Systematik von "Kleinen Spielen"
- Pädagogische Erziehungsziele wie Sozialverhalten, Fairness und Disziplin
- Die Rolle der "Kleinen Spiele" im Lehrplan und bei der Erziehung zum Sport
- Neurowissenschaftliche Grundlagen des Lernens in neuronalen Netzwerken
- Methodische Gestaltung von Spielformen zur effektiven Kompetenzentwicklung
Auszug aus dem Buch
4.2 Die Tätigkeit des Gehirns
Fest steht, dass das Gehirn beim gesunden Menschen in seinem Grundaufbau (Großhirn, Hippocampus, etc.) und in seiner Feinstruktur (Sehzentrum, motorischer Kortex, etc.) etwa gleich angelegt ist.
Die kleinste Funktionseinheit im Gehirn ist die Nervenzelle, das Neuron (s. Abbildung 4). „Ein Neuron empfängt seine Eingangssignale über das, Wurzelwerk’, die Dendriten. Der zentrale Zellkörper fasst sie zu einem Gesamtzustand zusammen (er, integriert’) und gibt diesen über einen Ausgang am Axonhügel an seinen Fortsatz, das Axon, weiter. Dieser verzweigt sich am Ende und ist wiederum mit anderen Nervenzellen verbunden.“ (Bethge & Pawelzik in: Gehirn und Geist, Dossier 1/2003, S.90)
Allein das Großhirn besitzt ca. 20 Milliarden Neuronen, wobei jedes Einzelne mit bis zu 10 000 anderen verbunden ist (vgl. Spitzer, 2000, S. 1). Bemerkenswert ist die Tatsache, dass es „nur“ insgesamt vier Millionen Nervenzellen gibt die ein- und ausgehen, was heißt, dass „auf jede Faser, die in die Großhirnrinde hineingeht oder sie verlässt, 10 Millionen interne Verbindungen kommen“ (Spitzer, 2002, S. 54). Diese gigantischen internen neuronalen Netzwerke arbeiten - im Gegensatz zur Signalverarbeitung im Computer - parallel, das heißt gleichzeitig. Dadurch können wir in Bruchteilen von Sekunden Gesichter erkennen oder auch gleichzeitig riechen, sehen, schmecken und uns bewegen.
Nach Roth (2003, S. 26f) lässt sich die Tätigkeit des Gehirns in fünf Bereiche einteilen:
- vegetative Funktionen: Steuerung von Stoffwechsel und Kreislauf
- Wahrnehmung: Gleichgewicht, Riechen, Sehen, Hören, Schmecken, Körperempfindungen und -stellung
- Motorisches System: Steuerung unbewusster Bewegungen (Bewegung der Augen, etc.) und willentlich, bewusster Bewegungen (z.B. Greifen nach einem Stift)
- Kognitive Leistungen: komplexe Wahrnehmungen, Vorstellungen, Werte, Erinnerungen und Handlungsplanungen
- Limbisches System: emotionale Bewertung der Folgen unseres Handelns und Steuerung unseres Gedächtnisses
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Definition und historische Einordnung der Kleinen Spiele sowie deren Klassifizierung nach verschiedenen systemischen Ansätzen.
2 Die pädagogische Rolle der „Kleinen Spiele“: Untersuchung der erzieherischen Potenziale im Sportunterricht, insbesondere im Hinblick auf Sozialverhalten, Fairness, Ordnung und Kreativität.
3 Zusammenfassung und Fazit: Synthese der pädagogischen Erziehungsziele und deren Übertragbarkeit vom Sport auf das wahre Leben.
4 Mit Kleinen Spielen lernen – Neurowissenschaftliche Zusammenhänge: Analyse der lernbiologischen Prozesse, die durch sportliches Spielen in neuronalen Netzwerken angestoßen werden.
5 (Kein) Ende: Abschließende Reflexion über die Verbindung von Spielpraxis und neurowissenschaftlicher Evidenz.
Schlüsselwörter
Kleine Spiele, Sportunterricht, Erziehung, Soziales Verhalten, Fairness, Kreativität, Neurowissenschaften, Lernen, neuronale Netzwerke, Synapsen, motorischer Kortex, Hippocampus, Dopamin, Spielpädagogik, Bewegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die pädagogische und lernmethodische Bedeutung von sogenannten "Kleinen Spielen" im schulischen Sportunterricht und verknüpft diese praxisorientierten Aspekte mit neurowissenschaftlichen Erkenntnissen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der pädagogischen Erziehung durch Sport, der Förderung von sozialen Kompetenzen (Fairness, Disziplin, Kooperation) sowie der Funktionsweise des Gehirns bei Lernprozessen durch körperliche Aktivität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, dass Kleine Spiele mehr als nur Zeitvertreib sind und wertvolle Lernchancen bieten, die sowohl körperliche als auch geistige und soziale Entwicklungsprozesse nachhaltig unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen eine literaturgestützte Analyse, um bestehende sportpädagogische Konzepte mit aktuellen neurowissenschaftlichen Modellen zu verknüpfen und so eine fundierte Argumentation aufzubauen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die pädagogische Rolle (Lehrplanbezug, Sozialerziehung) und den neurowissenschaftlichen Teil, der erklärt, wie Bewegung das Gehirn strukturiert und Lernen ermöglicht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Kleine Spiele, Sportpädagogik, Neurobiologie des Lernens, soziale Erziehung und motorisches Lernen charakterisieren.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "Kleine Spiele" und "Große Sportspiele" wichtig?
Die Abgrenzung ist entscheidend, da Kleine Spiele meist weniger komplexe Vorkenntnisse erfordern und durch ihren spielerischen, offenen Charakter besser zur individuellen Förderung und sozialen Integration geeignet sind als hochreglementierte Große Sportspiele.
Welche Rolle spielt die Reflektion bei den Kleinen Spielen?
Die Reflektion nach dem Spiel ist essenziell, da sie dem Frontalhirn ermöglicht, Erfahrungen aktiv zu verarbeiten, Feedbackschleifen zu bilden und so das gelernte soziale oder motorische Verhalten dauerhaft zu verankern.
- Quote paper
- Tobias Schwarzwälder (Author), Manuel Holler (Author), Philipp Lintner (Author), 2004, Pädagogische und lernmethodische Rolle der 'Kleinen Spiele', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34717