Der Beschaffungsbegriff subsumiert all diejenigen Aktivitäten, die zur Versorgung einer organisatorischen Einheit mit Material, Dienstleistungen, Betriebs- und Arbeitsmitteln aus externen Quellen durchgeführt werden müssen. Primäres Ziel des Beschaffungsmanagements ist die Unterstützung der übergeordneten Unternehmensziele. Der Logistik als prozessorientierter Querschnittsfunktion fällt im Umfeld der Beschaffung neben der viel zitierten Aufgabe der zeitpunkt-, mengen- und ortsgerechten Bereitstellung benötigter Güter auch die Organisation der damit einhergehenden Informationsströme zu. Bei der Wahrnehmung all dieser Aufgaben steht stets die Verfolgung des Kostenminimierungsziels im Vordergrund. Beschaffungsfunktionen lassen sich im Wesentlichen in strategische und operative Aufgaben unterscheiden. Die strategische Beschaffung beinhaltet u.a. Aufgaben der Beschaffungsmarktbearbeitung i.S.v. Marktforschung, sowie Analyse, Bewertung und Auswahl von Lieferanten, Aushandeln von Rahmenverträgen mit Zulieferern und Pflege der Lieferbeziehungen. Zu den wesentlichen Aspekten der operativen Beschaffung gehören Bedarfsermittlung und Bestandskontrolle, sowie die Lieferantenauswahl in Fällen, in denen durch das strategische Beschaffungsmanagement kein Lieferant festgelegt wurde. Darüber hinaus sind der Bestellvorgang selbst, die Überwachung der Bestellung, und die Zahlungsabwicklung Bestandteile der operativen Beschaffungsfunktion. Abhängig davon, ob der Lieferant die Verantwortung für die (transport-) logistische Abwicklung trägt, oder ob ein Logistikdienstleister zwischengeschaltet ist, sind auch Transportaufgaben diesem Bereich zuzuordnen [BOGA04, S. 48ff.]. In der Praxis lässt sich beobachten, dass ein Ungleichgewicht in der Verteilung zwischen strategischen und operativen Beschaffungstätigkeiten vorherrscht. So verwenden die mit Beschaffungsaufgaben betrauten Mitarbeiter einen Großteil der verfügbaren Zeit auf die operativen Beschaffungsaktionen strategisch unbedeutender Güter [KEUP02, S. 181].
Inhaltsverzeichnis
1 Logistische Ziele der Beschaffung
2 eProcurement
2.1 Eignung des eProcurement für die Güterbescha ffung
2.2 Ausprägungsformen von eProcurement
2.2.1 Katalogbasierte Beschaffungssysteme
2.2.2 Elektronische Marktplätze
3 Regionale Einkaufsgemeinschaften
4 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die logistischen Potenziale von eProcurement und Einkaufsgemeinschaften zur Effizienzsteigerung in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen. Zentrale Forschungsfrage ist dabei, wie durch eine strategische Ausgestaltung der Beschaffung – unter Abwägung von zentralen und dezentralen Strukturen – Prozesskosten gesenkt, Lieferantenbeziehungen optimiert und strategische Vorteile erzielt werden können.
- Logistische Ziele und Grundfunktionen der Beschaffung
- Automatisierungspotenziale durch eProcurement (katalogbasiert und Marktplätze)
- Kostensenkung durch Prozessoptimierung und Bedarfsbündelung
- Organisation von Einkaufskooperationen (z. B. Lead-Buyer-Prinzip)
- Chancen und Risiken für Lieferanten durch elektronische Beschaffungssysteme
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Elektronische Marktplätze
Zusätzlich zu standardisierten Produktkatalogen verschiedener Lieferanten beinhaltet ein elektronischer Marktplatz auch schwarze Bretter, Börsen und Auktionen. Auf so genannten Bulletin Boards besteht für beschaffende Unternehmen die Möglichkeit, die eigenen Bedarfe mittels RFQ (request for quotation) auszuschreiben, und somit die Aufmerksamkeit mehrerer Lieferanten auf sich zu ziehen. Hier begünstigt der virtuelle Marktplatz i.S. einer Handelsplattform zwar die Begegnung zwischen Anbieter und Nachfrager, greift aber im Gegensatz zur Vorgehensweise bei Börsen nicht steuernd in das Geschehen ein. Auktionen ermöglichen die Versteigerung von Leistungen mittels eines dynamischen Preisfindungsprozesses. So eröffnen elektronische Marktplätze auch kleinen und mittleren Unternehmen die Möglichkeit, ihre Leistungen weltweit anzubieten [BOGA04, S. 52; KEUP02, S. 193].
Man unterscheidet horizontale Marktplätze, die branchenübergreifend agieren und sich daher auf die Bereitstellung indirekter Güter beschränken, von vertikalen Marktplätzen, die sich auf den Handel mit branchenbezogenen A-, B- und C-Teilen konzentrieren [KEUP02, S. 194f.; DOLD02, S. 319].
Zusammenfassung der Kapitel
1 Logistische Ziele der Beschaffung: Dieses Kapitel erläutert die Grundaufgaben der Beschaffung und betont die notwendige Balance zwischen strategischen und operativen Tätigkeiten im logistischen Prozess.
2 eProcurement: Hier werden die Vorteile der elektronischen Beschaffung zur Entlastung des Einkaufs von operativen Aufgaben durch Automatisierung und Dezentralisierung dargestellt.
2.1 Eignung des eProcurement für die Güterbescha ffung: Der Abschnitt analysiert das Automatisierungspotenzial für indirektes Material sowie MRO-Güter und verdeutlicht die damit verbundenen Einsparmöglichkeiten bei den Prozesskosten.
2.2 Ausprägungsformen von eProcurement: Dieses Kapitel differenziert zwischen katalogbasierten Systemen und elektronischen Marktplätzen als zentrale Ausprägungsformen der elektronischen Beschaffung.
2.2.1 Katalogbasierte Beschaffungssysteme: Es wird die Funktionsweise interaktiver Produktkataloge beschrieben, die durch Rahmenverträge und integrierte Genehmigungsworkflows Prozesszeiten verkürzen.
2.2.2 Elektronische Marktplätze: Der Text beschreibt die erweiterten Funktionen von Marktplätzen wie Auktionen und Ausschreibungen sowie die Unterscheidung zwischen horizontalen und vertikalen Modellen.
3 Regionale Einkaufsgemeinschaften: Das Kapitel behandelt die Bündelung von Beschaffungsvolumina durch Kooperationen wie das Lead-Buyer-Prinzip, um Mengenrabatte und bessere Konditionen zu erzielen.
4 Fazit und Ausblick: Es wird zusammengefasst, dass eProcurement die strategische Ausrichtung der Beschaffung stärkt, wobei die tatsächlichen Erfolge eine fundierte Abwägung von Kosten und Implementierungsaufwand erfordern.
Schlüsselwörter
Beschaffungsmanagement, eProcurement, Logistik, Prozesskostenreduktion, indirektes Material, MRO-Güter, Katalogbasierte Beschaffungssysteme, Elektronische Marktplätze, Einkaufsgemeinschaften, Lead-Buyer-Prinzip, Bedarfsbündelung, Maverick Buying, Automatisierung, Beschaffungsstrategie, Supply Chain Management.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die logistischen Aspekte und Effizienzpotenziale, die sich durch den Einsatz moderner elektronischer Beschaffungsmethoden (eProcurement) und die Bildung von Einkaufskooperationen ergeben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Optimierung operativer Beschaffungsprozesse, der Automatisierung durch Kataloge und Marktplätze sowie der strategischen Bündelung von Bedarfen in regionalen Einkaufsgemeinschaften.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, aufzuzeigen, wie Unternehmen und öffentliche Verwaltungen durch eProcurement und Kooperationen Kosten senken, Prozesse beschleunigen und die Qualität der Beschaffung steigern können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse logistischer Beschaffungsprinzipien, die durch Praxisbeispiele (wie das Projekt der Stadt Lörrach) und vergleichende Kostenbetrachtungen untermauert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Eignung von Gütergruppen für die Automatisierung, die verschiedenen technischen Ausprägungsformen des eProcurement sowie organisatorische Modelle für Einkaufsgemeinschaften detailliert erörtert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind eProcurement, Prozesskosten, MRO-Güter, Bedarfsbündelung, Marktplätze, strategische Beschaffung und Einkaufskooperationen.
Wie unterscheidet sich die katalogbasierte Beschaffung von einem elektronischen Marktplatz?
Während katalogbasierte Lösungen auf geschlossene, vorab vereinbarte Lieferantenverträge fokussieren, bieten Marktplätze zusätzlich offene Handelsplattformen für Ausschreibungen, Auktionen und einen breiteren Lieferantenzugang.
Welche Rolle spielt das "Lead-Buyer-Prinzip" in der Arbeit?
Das Lead-Buyer-Prinzip beschreibt eine Form der Einkaufsgemeinschaft, bei der ein Mitglied oder eine zentrale Instanz die strategische Koordination und Verhandlung für eine bestimmte Materialgruppe übernimmt, um Skaleneffekte optimal zu nutzen.
- Quote paper
- Christine Krätschmer (Author), 2004, Logistische Aspekte einer zentralen/dezentralen eProcurementabwicklung für eine Region, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34763