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Die Instrumentalisierung der NS-Prozesse in der ideologischen Auseinandersetzung der DDR mit der BRD

Title: Die Instrumentalisierung der NS-Prozesse in der ideologischen Auseinandersetzung der DDR mit der BRD

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 16 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Marc Philipp (Author)

Politics - History of Political Systems
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Am 8. Mai 1945 endete mit der Unterzeichnung der Bedingungslosen Kapitulation in Reims und Berlin der Zweite Weltkrieg. Deutschland war besiegt: Finis Germaniae! Millionen von Menschen waren im Krieg gefallen oder in Vernichtungslagern, wie dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ums Leben gekommen. Doch wer sollte für die Verbrechen des Dritten Reichs zur Ver-antwortung gezogen werden? Die Westalliierten brachten die Hauptkriegsverbrecher, die sich nicht durch Selbstmord der Verantwortung entzogen hatten, in Nürnberg vor Gericht. Weitere Prozesse sollten folgen. Doch wie ging man in der Sowjetischen Besatzungszone ( SBZ) mit den NS-Verbrechern um und wie gestaltete sich die Verfolgung in der DDR? Nach der militärischen Besetzung Ost- und Mitteldeutschlands durch die Rote Armee und der Errichtung der sowjetischen Militärverwaltung galt es neben der Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung vor allem, die begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Kriegsverbrechen während des Dritten Reichs zu ahnden und ein mögliches Wiederaufflackern nationalsozialistischer Bestrebungen im Keim zu ersticken. Um diesen Zielsetzungen gerecht zu werden, überzog die sowjetische Militärverwaltung die ostdeutsche Bevölkerung unmittelbar nach Kriegsende mit einem kollektiven Terror, dem nach einer unglaublichen Welle an Massenverhaftungen der justitielle Terror folgen sollte.

Am 20. Dezember 1945 wurde durch Artikel III des Kontrollratsgesetzes die juristische Ermächtigung bekräftigt, wonach die Besatzungsbehörden in ihrer jeweiligen Zone deutsche Geric hte für die Verurteilung von Verbrechen für zuständig erklären konnten, wobei diese Verordnung speziell auf die Bestrafung nationalsozialistischer Delikt abzielte. In der SBZ kam es 1945 zu sechs, 1946 zu 123 Verurteilungen, währen die Zahl 1947 auf 744, 1948 auf 4.549 anstieg, ehe sie im Jahre 1949 auf 2.633 sank.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Vergangenheitsbewältigung in der DDR

III. Die NS-Prozesse als ideologisches und propagandistisches Instrumentarium

3.1 Die Waldheimer Prozesse 1950

3.2 Der Prozeß gegen den KZ-Arzt Dr. Horst Fischer 1966

3.3 Die DDR-Nebenklage im Essener KZ-Dora-Prozeß 1967-1970

IV. Schlußbetrachtung

V. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch die Strafverfolgung von NS-Verbrechen in der SBZ und DDR unter dem Aspekt der ideologischen Auseinandersetzung mit der Bundesrepublik. Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie das DDR-Regime die NS-Prozesse nutzte, um sich als antifaschistischen Staat zu profilieren und den westdeutschen Staat propagandistisch zu diskreditieren.

  • Die Instrumentalisierung der NS-Justiz für außenpolitische Propaganda
  • Analyse der Waldheimer Prozesse als Höhepunkt der ideologischen Verfolgung
  • Der Fall Dr. Horst Fischer und die versuchte Einflussnahme auf westdeutsche Verfahren
  • Die DDR-Nebenklage im Essener KZ-Dora-Prozess als Instrument der Systemabgrenzung

Auszug aus dem Buch

Die NS-Prozesse als ideologisches und propagandistisches Instrumentarium

Im Zuge der militärischen Besetzung Deutschlands wurden in allen Besatzungszonen von den Alliierten verhaftete Personen in Internierungslager gebracht, die in Verdacht standen, die Arbeit der Besatzungsmächte zu gefährden. Demzufolge saßen in diesen Lagern nicht nur Personen, die mit nationalsozialistischen Kriegsverbrechen in Zusammenhang standen, sondern auch völlig unbeteiligte und unschuldige Menschen, die der rigiden alliierten Sicherheitsdoktrin zum Opfer gefallen waren. Während die Westalliierten ihre Internierungslager bereits bis 1948 aufgelöst hatten, bestanden sie in der SBZ bis 1950 fort.

Nachdem am 17. Januar 1950 auch die sowjetischen Lager aufgelöst worden waren, wurden 10.513 von sowjetischen Tribunalen verurteilte Personen dem DDR-Innenministerium überstellt sowie ca. 10.000 Internierte freigelassen, während 3.432 zur Untersuchung ihrer sog. verbrecherischen Tätigkeiten dem MfS übergeben wurden. Diese knapp dreieinhalbtausend Menschen wurden von den Behörden Monatelang über ihr Schicksal im Ungewissen gelassen, ehe Ende April eine Strafkammer des Landgerichts Chemnitz in Waldheim/Sachsen eingerichtet wurde, wohin die Internierten überstellt wurden und wo ihre Strafsachen verhandelt werden sollten.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Ausgangslage nach 1945 und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Instrumentalisierung der NS-Prozesse in der DDR.

II. Die Vergangenheitsbewältigung in der DDR: Dieses Kapitel analysiert das offizielle Geschichtsbild der DDR, das den Antifaschismus als Staatsdoktrin etablierte und die Verantwortung für den Nationalsozialismus exklusiv der Bundesrepublik zuschrieb.

III. Die NS-Prozesse als ideologisches und propagandistisches Instrumentarium: Hier werden beispielhaft die Waldheimer Prozesse, der Prozess gegen Dr. Horst Fischer und die Nebenklage im Essener KZ-Dora-Prozess als propagandistische Inszenierungen untersucht.

IV. Schlußbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass die NS-Strafverfolgung in der DDR kein rechtsstaatliches Anliegen war, sondern politisch-operativen Zwecken diente.

V. Literaturverzeichnis: Das Verzeichnis listet die für die Hausarbeit herangezogene Fachliteratur auf.

Schlüsselwörter

DDR, NS-Prozesse, Waldheimer Prozesse, Ideologie, Propaganda, SED, Antifaschismus, Geschichtsbild, Vergangenheitsbewältigung, MfS, Horst Fischer, KZ-Dora, DDR-Nebenklage, Kalter Krieg, Justiz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie das DDR-Regime die strafrechtliche Verfolgung von NS-Verbrechen als Werkzeug für ihre ideologische Abgrenzung zur Bundesrepublik und für die eigene staatliche Propaganda missbrauchte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen das antifaschistische Geschichtsbild der DDR, die Inszenierung von Schauprozessen und der gezielte Einsatz der Justiz, um die Bundesrepublik diskreditieren.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, kritisch aufzuzeigen, dass die DDR-Justiz im Umgang mit NS-Verbrechen keine rechtsstaatlichen Grundsätze verfolgte, sondern die Prozesse zur Profilierung als moralisch überlegener "antifaschistischer Staat" nutzte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor führt eine politikwissenschaftliche und historische Analyse durch, basierend auf einer Auswertung von Fachliteratur und Dokumenten zu spezifischen NS-Prozessen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse des offiziellen Geschichtsbildes sowie eine detaillierte Untersuchung dreier bedeutender Prozesse: Waldheim 1950, Dr. Horst Fischer 1966 und der Essener KZ-Dora-Prozess.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

DDR, NS-Prozesse, Ideologie, Propaganda, SED, Antifaschismus, Vergangenheitsbewältigung und politisierte Justiz.

Warum waren die Waldheimer Prozesse aus Sicht des DDR-Regimes so bedeutend?

Sie dienten der massenhaften Verurteilung von als "belastet" geltenden Personen ohne rechtsstaatliche Beweisführung, um den "konsequenten Antifaschismus" der DDR vor der Öffentlichkeit zu demonstrieren.

Welche Rolle spielte der Anwalt Friedrich Karl Kaul im Essener KZ-Dora-Prozess?

Kaul trat als Nebenkläger auf und versuchte mit Unterstützung des MfS, den Prozess in ein Tribunal gegen die Bundesrepublik und deren personelle Kontinuitäten zum NS-Regime zu verwandeln.

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Details

Title
Die Instrumentalisierung der NS-Prozesse in der ideologischen Auseinandersetzung der DDR mit der BRD
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Politikwissenschaft)
Grade
1,0
Author
Marc Philipp (Author)
Publication Year
2003
Pages
16
Catalog Number
V34795
ISBN (eBook)
9783638349161
Language
German
Tags
Instrumentalisierung NS-Prozesse Auseinandersetzung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marc Philipp (Author), 2003, Die Instrumentalisierung der NS-Prozesse in der ideologischen Auseinandersetzung der DDR mit der BRD, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34795
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