Am 8. Mai 1945 endete mit der Unterzeichnung der Bedingungslosen Kapitulation in Reims und Berlin der Zweite Weltkrieg. Deutschland war besiegt: Finis Germaniae! Millionen von Menschen waren im Krieg gefallen oder in Vernichtungslagern, wie dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ums Leben gekommen. Doch wer sollte für die Verbrechen des Dritten Reichs zur Ver-antwortung gezogen werden? Die Westalliierten brachten die Hauptkriegsverbrecher, die sich nicht durch Selbstmord der Verantwortung entzogen hatten, in Nürnberg vor Gericht. Weitere Prozesse sollten folgen. Doch wie ging man in der Sowjetischen Besatzungszone ( SBZ) mit den NS-Verbrechern um und wie gestaltete sich die Verfolgung in der DDR? Nach der militärischen Besetzung Ost- und Mitteldeutschlands durch die Rote Armee und der Errichtung der sowjetischen Militärverwaltung galt es neben der Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung vor allem, die begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Kriegsverbrechen während des Dritten Reichs zu ahnden und ein mögliches Wiederaufflackern nationalsozialistischer Bestrebungen im Keim zu ersticken. Um diesen Zielsetzungen gerecht zu werden, überzog die sowjetische Militärverwaltung die ostdeutsche Bevölkerung unmittelbar nach Kriegsende mit einem kollektiven Terror, dem nach einer unglaublichen Welle an Massenverhaftungen der justitielle Terror folgen sollte.
Am 20. Dezember 1945 wurde durch Artikel III des Kontrollratsgesetzes die juristische Ermächtigung bekräftigt, wonach die Besatzungsbehörden in ihrer jeweiligen Zone deutsche Geric hte für die Verurteilung von Verbrechen für zuständig erklären konnten, wobei diese Verordnung speziell auf die Bestrafung nationalsozialistischer Delikt abzielte. In der SBZ kam es 1945 zu sechs, 1946 zu 123 Verurteilungen, währen die Zahl 1947 auf 744, 1948 auf 4.549 anstieg, ehe sie im Jahre 1949 auf 2.633 sank.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Vergangenheitsbewältigung in der DDR
- Die NS-Prozesse als ideologisches und propagandistisches Instrumentarium
- Die Waldheimer Prozesse 1950
- Der Prozeß gegen den KZ-Arzt Dr. Horst Fischer 1966
- Die DDR-Nebenklage im Essener KZ-Dora-Prozeß 1967-1970
- Schlußbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit untersucht die Strafverfolgung von NS-Verbrechen in der SBZ/DDR unter dem Aspekt der ideologischen Auseinandersetzung mit der Bundesrepublik. Die Arbeit analysiert, wie NS-Prozesse in der DDR instrumentalisiert wurden, um ein positives Selbstbild der DDR zu konstruieren und die BRD als Erbe des Nationalsozialismus zu diskreditieren.
- Die Instrumentalisierung von NS-Prozessen in der DDR
- Das offizielle Geschichtsbild der DDR und seine Funktion in der Vergangenheitsbewältigung
- Die Rolle der SED in der Verfolgung und Bestrafung von NS-Tätern
- Der Vergleich der Vergangenheitsbewältigung in der DDR und der BRD
- Die Bedeutung der NS-Prozesse für die deutsch-deutsche Beziehung
Zusammenfassung der Kapitel
- Die Einleitung stellt die Thematik der Hausarbeit vor und skizziert den historischen Hintergrund der NS-Verfolgung in der DDR. Sie beleuchtet die Entwicklung der Strafjustiz in der SBZ/DDR und die Rolle der SED in der Vergangenheitsbewältigung.
- Das zweite Kapitel widmet sich dem offiziellen Geschichtsbild der DDR und seiner Funktion in der Vergangenheitsbewältigung. Es analysiert die Idealisierung des kommunistischen Widerstands gegen das NS-Regime und die Schuldzuweisung an die Eliten und das Großkapital.
- Das dritte Kapitel befasst sich mit den NS-Prozessen als ideologisches und propagandistisches Instrumentarium. Es analysiert drei ausgewählte Prozesse - die Waldheimer Prozesse, den Prozeß gegen den KZ-Arzt Dr. Horst Fischer und die DDR-Nebenklage im Essener KZ-Dora-Prozeß - hinsichtlich ihrer Instrumentalisierung im Kontext der deutsch-deutschen Auseinandersetzung.
Schlüsselwörter
Die wichtigsten Schlüsselwörter und Fokusthemen dieser Hausarbeit sind: NS-Prozesse, DDR, Vergangenheitsbewältigung, ideologische Auseinandersetzung, Bundesrepublik, SED, antifaschistische Staatsdoktrin, Propaganda, Justiz, politische Repression.
Häufig gestellte Fragen
Wie instrumentalisierten DDR-Behörden die NS-Prozesse?
Die Prozesse wurden propagandistisch genutzt, um die DDR als den einzig „antifaschistischen“ deutschen Staat darzustellen und die Bundesrepublik als Hort ehemaliger NS-Größen zu diskreditieren.
Was waren die Waldheimer Prozesse?
Dies waren Schnellverfahren im Jahr 1950, bei denen über 3.000 Personen wegen NS-Verbrechen verurteilt wurden, oft unter Missachtung rechtsstaatlicher Standards für politische Zwecke.
Welche Rolle spielte das offizielle Geschichtsbild der DDR?
Die DDR betonte den kommunistischen Widerstand und wies die Schuld am Nationalsozialismus allein den Eliten und dem Großkapital zu, die angeblich im Westen weiterherrschten.
Was war das Ziel der DDR-Nebenklage im Essener KZ-Dora-Prozess?
Die DDR versuchte durch die Nebenklage in westdeutschen Prozessen, Druck auf die BRD-Justiz auszuüben und Versäumnisse bei der dortigen Entnazifizierung anzuprangern.
Gab es Unterschiede in der Zahl der Verurteilungen zwischen SBZ und Westzonen?
Die Arbeit zeigt auf, dass die sowjetische Besatzungszone unmittelbar nach Kriegsende eine massive Welle an Verhaftungen und Verurteilungen einleitete, die oft kollektiven Charakter hatten.
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- Marc Philipp (Autor), 2003, Die Instrumentalisierung der NS-Prozesse in der ideologischen Auseinandersetzung der DDR mit der BRD, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34795