Der deutsche Aktienmarkt mit seinen Möglichkeiten stellt ein aktuelles Forschungsgebiet dar. Die nachfolgende Arbeit beschäftigt sich aufgrund dessen mit dem Investitionsobjekt Aktie, die vor allem durch zwei Arten repräsentiert wird: Stammaktien und Vorzugsaktien. Da diese beiden Aktiengattungen einen unterschiedlichen Kurs aufweisen, soll der Kursunterschied Gegenstand der Untersuchung und Ziel dieser Arbeit sein. Dabei soll nur auf Verfahren eingegangen werden, die durch mehrere Studien belegt wurden und somit eine potentielle Erklärung geben können.
Die Kursdifferenz wird vor allem von zwei gravierenden Faktoren beeinflusst. Diese sind das „Stimmrecht der Stammaktie“ und der „Dividendenvorzug der Vorzugsaktie“. Beide Einflussgrößen können zu einer Klärung beitragen.
Um eine Untersuchung der Kursdifferenz durchführen zu können, müssen zuerst die Grundlagen aufgezeigt werden. Dies geschieht in Abschnitt 2, in welchem Stamm- und Vorzugsaktien ausführlich erklärt und in Vergleich gesetzt werden. Kapitel 3 beschäftigt sich mit dem Stimmrecht der Stammaktie. Das Stimmrecht kann auf verschiedene Weisen Einfluss auf den Stammaktienkurs ausüben, so z. B. durch die Aktionärsstruktur oder durch Unternehmensübernahmen. Infolgedessen ist es möglich einen potenziellen Erklärungsansatz für den Kursunterschied zu geben. Im darauffolgenden Abschnitt 4 wird als zweite mögliche Begründung für den Bewertungsunterschied der Dividendenvorzug der Vorzugsaktie aufgezeigt. Dieser scheint dann von Bedeutung zu sein, wenn Investoren vorrangig an der Dividende interessiert sind und für diese deshalb der Zinssatz oder die Auswirkungen von Steuern ausschlaggebend sind. Anschließend werden im Kapitel 5 Ergebnisse bisheriger Studien aufgeführt. Falls die Ergebnisse in den vorangegangenen Kapiteln noch nicht explizit erklärt wurden, erfolgt hier eine genauere Darstellung dieser Resultate. Die erarbeiteten Ergebnisse werden in Kapitel 6 zusammengefasst
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
3 Das Stimmrecht als Einflussgröße auf den Kursunterschied
3.1 Aktionärsstruktur
3.2 Market for corporate control
3.3 Kurssteigerungen durch Unternehmensübernahmen
3.4 Der bevorzugte Erwerb von Stammaktien
4 Der Dividendenvorzug als Einflussgröße auf den Kursunterschied
4.1 Dividendenausgestaltung
4.2 Dividendenvorzug der Vorzugsaktie
4.3 Höhe des Kalkulationszinssatzes
4.4 Einfluss von Ertragsteuern
5 Ergebnisse bisheriger empirischer Untersuchungen
6 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen für Kursunterschiede zwischen Stamm- und Vorzugsaktien auf dem deutschen Aktienmarkt. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, welche Faktoren, insbesondere das Stimmrecht und der Dividendenvorzug, die unterschiedliche Bewertung dieser beiden Aktiengattungen erklären können.
- Analyse des Stimmrechts als Einflussfaktor (Aktionärsstruktur, Unternehmensübernahmen).
- Untersuchung des Dividendenvorzugs als Bewertungsdeterminante.
- Einfluss makroökonomischer Faktoren wie Zinssatz und Ertragsteuern.
- Empirische Fundierung durch Auswertung bisheriger Studien.
- Kritische Würdigung der komplexen Wechselwirkungen bei der Preisbildung.
Auszug aus dem Buch
3.2 Market for corporate control
Der „market for corporate control“, der Markt der Unternehmensherrschaft, stellt für Unternehmen, die in Anteilseigner und angestelltes Management aufgegliedert sind, einen geeigneten Lösungsansatz dar.
Bei diesen Unternehmen soll die Aufgabe des angestellten Managements eine marktwertmaximierende Unternehmenspolitik sein. Gelingt es dem Management nicht eine solche Politik umzusetzen, ist die Folge, dass der Marktwert des Unternehmens sinkt und ein möglicher Erwerber durch Ankäufe von Stimmrechtsaktien das Unternehmen übernimmt. Somit erhöht die verstärkte Nachfrage nach Stammaktien durch den Erwerber bei gegebenem Angebot den Marktpreis. In diesem Fall ist klar ersichtlich, dass der fehlende Stimmrechtsanteil der Vorzugsaktie zu mangelnden Interesse an ihr führt und einen geringen Kurs bewirkt. Allerdings kann auch die Stammaktie nur dann durch die verstärkte Nachfrage des Erwerbers eine Marktpreissteigerung erfahren, wenn dieser durch Ankäufe versucht, seine Konkurrenten zu verdrängen. Die Wettbewerbsintensität der Erwerber um die Unternehmenskontrolle beeinflusst folglich die Stimmrechtsprämie. Hat der Erwerber die Mehrheit der Stammaktien, also mehr als 50 % erworben kann er das ineffizient arbeitende Management entlassen und durch ein qualifizierteres ersetzen, denn eine Mehrheit von mehr als 50 % ermöglicht es ihm, Einfluss auf die Geschäftspolitik der Aktiengesellschaft auszuüben. Durch die Möglichkeit der Übernahme bei einer Stimmrechtsmehrheit wird dem Stimmrecht also ein Wert zugewiesen, der eine mögliche Begründung für eine Kursdifferenz von Stamm- und Vorzugsaktien liefern kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Untersuchungsgegenstandes der Kursunterschiede zwischen Stamm- und Vorzugsaktien auf dem deutschen Markt.
2 Grundlagen: Definition der rechtlichen und funktionalen Unterschiede zwischen Stamm- und Vorzugsaktien sowie deren Einordnung im Aktiengesetz.
3 Das Stimmrecht als Einflussgröße auf den Kursunterschied: Analyse, wie Stimmrechte, Aktionärsstrukturen und Übernahmeszenarien die Preisbildung beeinflussen.
4 Der Dividendenvorzug als Einflussgröße auf den Kursunterschied: Untersuchung der verschiedenen Dividendenformen sowie steuerlicher und zinsbedingter Auswirkungen auf die Kursdifferenz.
5 Ergebnisse bisheriger empirischer Untersuchungen: Zusammenstellung und Diskussion existierender Studien zur Validierung der theoretischen Erklärungsansätze.
6 Zusammenfassung: Fazit über das komplexe Zusammenspiel der Einflussfaktoren auf den Kursunterschied und Notwendigkeit weiterer Forschung.
Schlüsselwörter
Stammaktien, Vorzugsaktien, Kursunterschied, Stimmrecht, Dividendenvorzug, Aktienmarkt, Unternehmenskontrolle, Kapitalmarkt, Marktwert, Aktionärsstruktur, Übernahmespekulation, Dividendenrendite, Steuerbelastung, Marktaktivität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Ursachen für die existierenden Kursunterschiede zwischen Stamm- und Vorzugsaktien auf dem deutschen Aktienmarkt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich primär auf die Auswirkungen des Stimmrechts sowie die Bedeutung von Dividendenvorteilen und deren steuerliche Behandlung.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Gründe für die unterschiedliche Bewertung beider Aktiengattungen zu identifizieren und die Faktoren zu erläutern, die zu einer Kursdifferenz führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender theoretischer Finanzmodelle sowie den Vergleich verschiedener empirischer Studien zum Thema.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Stimmrechts als Einflussfaktor, die Analyse des Dividendenvorzugs und die Diskussion der Ergebnisse bisheriger empirischer Untersuchungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben Stamm- und Vorzugsaktien vor allem Stimmrechtsprämie, Kursdifferenz, Dividendenvorzug und Market for Corporate Control.
Wie beeinflusst das "Free-Rider"-Problem die Bewertung von Vorzugsaktien?
Das "Free-Rider"-Verhalten besagt, dass auch stimmrechtslose Aktien von Wertsteigerungen profitieren können, die durch einen Großaktionär ausgelöst werden, ohne dass die Vorzugsaktionäre selbst für das Stimmrecht zahlen müssen.
Warum ist das Jahr 1995 ein Wendepunkt bei Unternehmensübernahmen?
Im Jahr 1995 wurde der freiwillige Übernahmekodex eingeführt, der eine Gleichbehandlung von Minderheitsstammaktionären bei Übernahmen ermöglichte und den Stimmrechtswert für Blockverkäufe signifikant veränderte.
- Quote paper
- Sabine Schimmelpfennig (Author), 2004, Kursunterschiede von Stamm- und Vorzugsaktien auf dem deutschen Aktienmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34819