In der vorliegenden Arbeit werde ich versuchen die Sichtweise der Armut zwischen Ende des 11.Jahrhunderts bis zum Beginn des 13.Jahrhunderts und die daraus resultierende Armutsbewegung zu erläutern.
Dabei werden die Ansichten Franziskus von Assisi und seine Armenfürsorge in dieser Zeit miteinbezogen. Die wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen im 12.Jahrhundert waren so groß, dass sich die Umstände unter denen die Armen im Mittelalter lebten radikal änderten. In einer Zeit in der die Gesellschaft durch die Kreuzzüge, Hungersnöte und Krankheiten ständig neu aufgerüttelt wurden, verloren viele Menschen ihren sozialen Halt. Dazu kam ein stetig wachsendes Bevölkerungswachstum, die Einführung der Geldwirtschaft, die Entwicklung des Städtewesens. Ein bisher patriarchalisches Gesellschaftsgefüge wurde nach und nach zerstört und entwickelte sich horizontal. Unter den Armen der Bevölkerung entstand eine Hoffnungslosigkeit, die neuer Lösungen und Konzepte bedurfte. Vor allem im religiösen Bereich traten Veränderungen auf, bei denen unter anderem Franziskus von Assisi wesentliche Denkanstöße gegeben hatte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Armutssituation im Mittelalter
3. Neuansätze im 12. Jahrhundert - Praktische Formen und Auswirkungen der Armenfürsorge
3.1. Theoretische Vorraussetzungen der Armenfürsorge
4. Zusammenhang zwischen Franziskus von Assisi und der und der Armutsbewegung im Mittelalter
4.1. Grundsätze für den Franziskanerorden
5. Schlussbetrachtung
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wahrnehmung von Armut sowie die daraus resultierende Armutsbewegung im Zeitraum vom Ende des 11. bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts, wobei die Ansichten und die Armenfürsorge des Franziskus von Assisi im Zentrum der Betrachtung stehen.
- Sozioökonomische Ursachen der Pauperisierung im 12. Jahrhundert
- Die Rolle der Kirche und der Klöster in der mittelalterlichen Armenfürsorge
- Entwicklung neuer karitativer Ansätze und die Entstehung von Laienbruderschaften
- Das Armutsideal des Franziskus von Assisi als neue soziale Lebenseinstellung
Auszug aus dem Buch
3. Neuansätze im 12. Jahrhundert - Praktische Formen und Auswirkungen der Armenfürsorge
Herkömmliche Armenfürsorge wurde unter großen finanziellen Aufwand von den Klöstern betrieben. Dabei bestand eine Diskrepanz zwischen der Nachfrage nach Armenfürsorge und den Möglichkeiten durch die Klöster. Denn die Ausmaße der Armut, hervorgerufen durch die Veränderungen im sozialem Bereich, machte es unmöglich, ausreichende Versorgung für die Armen der Gesellschaft zu schaffen. Bisher fand Armenfürsorge in unmittelbarer Nähe von Benediktinerklöstern statt.
Im 12.Jahrhundert begannen dann aber auch Eremiten und Wanderprediger auf die Armen zuzugehen und Hilfe zu spenden. Und nicht nur bei ihnen fand eine Wandlung statt. In allen gesellschaftlichen Schichten wurde Wohltätigkeit wieder gepflegt.
Zugrunde liegend der Cartular von Le Mas - d´Azil waren die Pflichten der Christen: Nächstenliebe, das Friedensgebot sowie Armen- und Krankenfürsorge. Diese Forderungen wurden im Zuge der Städteentwicklung von einigen Klerikern zu aktiver Nächstenliebe und einer klösterlichen Lebensweise verbunden. Dies führte zu einer neuen ernsthafteren Lebensform (mos nova) für Menschen, die den strengeren Anforderungen des Klerus nachkommen wollten.
Bei den Kanonikern bestanden Parallelen zu der Sichtweise von Franziskus von Assisi. Ihr Armutsideal schloss Barmherzigkeit, persönliche Armut und einheitliche Kleidung mit ein. Ihre Bewegung sollte traditionelle Formen der Wohltätigkeit neu entwickeln. Kanonikerstifte sollten innerhalb von Städten karitativ wirken. Medizinische Hilfe wurde durch sie gefördert und zahlreiche Hospize eingerichtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert das Forschungsziel, die sozioökonomischen Umbrüche des 12. Jahrhunderts und die Rolle von Franziskus von Assisi im Kontext der mittelalterlichen Armut.
2. Armutssituation im Mittelalter: Das Kapitel beleuchtet die vielfältigen Ursachen der Pauperisierung, wie Bevölkerungswachstum, Agrarkrisen und den Übergang zur Geldwirtschaft, die zur Entstehung einer städtischen Unterschicht führten.
3. Neuansätze im 12. Jahrhundert - Praktische Formen und Auswirkungen der Armenfürsorge: Hier werden die Grenzen der klösterlichen Fürsorge aufgezeigt und die neue Rolle von Eremiten, Wanderpredigern sowie Kanonikerstiften bei der praktischen Armenhilfe analysiert.
3.1. Theoretische Vorraussetzungen der Armenfürsorge: Dieses Kapitel erläutert die intellektuelle Auseinandersetzung mit der sozialen Integration der Armen und die kirchlichen Leitmotive wie Caritas und Nächstenliebe.
4. Zusammenhang zwischen Franziskus von Assisi und der und der Armutsbewegung im Mittelalter: Dieses Kapitel analysiert das Wirken des Franziskus von Assisi und sein Bestreben, durch freiwillige Armut als soziales und religiöses Vorbild zu agieren.
4.1. Grundsätze für den Franziskanerorden: Hier werden die spezifischen Lebensregeln des Franziskanerordens dargelegt, die auf dem evangelischen Ideal der absoluten Armut und der Solidarität mit Randgruppen beruhen.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die gesellschaftlichen Wandlungsprozesse zusammen und ordnet das Wirken des Franziskus von Assisi als wichtigen Lichtblick in der mittelalterlichen Armenfürsorge ein.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der in der Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Standardwerke zum Thema.
Schlüsselwörter
Armut, Mittelalter, Armenfürsorge, Franziskus von Assisi, Pauperisierung, Nächstenliebe, Geldwirtschaft, Bettelorden, Caritas, Soziale Solidarität, Kanoniker, Städtewesen, Evangelium, Armutsbewegung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Wandel der Armut und der Armenfürsorge im Hochmittelalter, insbesondere unter dem Einfluss von Franziskus von Assisi.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die wirtschaftlichen Veränderungen des 12. Jahrhunderts, das Scheitern der traditionellen klösterlichen Armenhilfe und die neuen religiösen sowie sozialen Ansätze der Armutsbewegung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu erläutern, wie sich die Sichtweise auf die Armen zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert veränderte und welche Rolle die freiwillige Armut, vorgelebt durch den Franziskanerorden, dabei spielte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historisch-analytischen Literaturrecherche, die verschiedene zeitgenössische und forschungsrelevante Quellen zur mittelalterlichen Armutsbewegung auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die sozioökonomischen Gründe der Verarmung, die theoretischen Hintergründe der Armenfürsorge sowie die praktische Umsetzung durch neue Ordensformen und das Beispiel des Franziskus von Assisi.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Armut, Pauperisierung, Franziskus von Assisi, soziale Solidarität und christliche Nächstenliebe.
Wie unterschied sich die freiwillige Armut des Franziskus von der unfreiwilligen Armut?
Während die unfreiwillige Armut im Mittelalter oft als soziale Gefahr oder Sünde stigmatisiert wurde, verstand Franziskus von Assisi die freiwillige Armut als bewusste religiöse Lebensentscheidung und Identifikation mit den Bedürftigen.
Welche Bedeutung hatten die neuen städtischen Bruderschaften?
Sie stellten einen notwendigen Wandel dar, da sie durch horizontale Solidarität direkt auf die anonyme Armut der städtischen Unterschichten reagierten, die von den klassischen Klöstern nicht mehr ausreichend erreicht wurden.
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- Alexander von Fenner (Author), 2002, Religiöse Bewegung und Armut im Mittelalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34820